Braucht die Welt noch Kugelschreiber?

Ich habe in meinen Leben noch nie einen Kugelschreiber gekauft. Dennoch besitze ich 38 Kugelschreiber. Diese spontane Bestandsaufnahme wurde ausgelöst dadurch, dass meine Kugelschreiber nicht mehr in meinen Schreibtischbutler passten. Wo kommen die eigentlich alle her? 6 stellten sich als offensichtliches Diebesgut heraus: Ich habe sie leider unabsichtlich aus dem Büro entwendet. Das war wirklich keine Absicht, schließlich besitze ich ja eindeutig bereits genug Kugelschreiber. Ich werde sie morgen sofort zurückbringen. Schließlich ist Diebstahl von Büromaterialien eindeutig ein Kündigungsgrund.
Bleiben 32 Kugelschreiber unbekannter Herkunft. Nach den Beschriftungen zu urteilen sind mir ca. die Hälfte der anderen Kugelschreiber ebenfalls in beruflichen Kontexten als Werbegeschenk zugeflossen. Das ist wohl ein Fall für den Korruptionsbeauftragten. Aber bislang hat mich noch keine Kugelschreiberaufschrift zu irgendeiner Auftragsvergabe bewegt. Viele Firmen kenne ich nicht einmal – außer die auf den billigen, schlechten Kugelschreibern, da ärgert man sich nämlich jedesmal über die Firma.

 

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 Bleibt mein persönlicher Kugelschreiberbedarf. Wie viele Kugelschreiber braucht man überhaupt? Nehmen wir mal an, unsere Familie bräuchte pro Person einen Kugelschreiber, außerdem einen in jedem Raum der Wohnung und noch 3 Ersatzexemplare auf dem Schreibtisch. Das ist eindeutig das Gegenteil von Minimalismus, sondern eine ganz üppige Ausstattung. Das ergibt für uns einen Familienbedarf von 11 Kugelschreibern. Die Lebensdauer von Kugelschreibern ist erstaunlich: Ein Funktionstest ergab, dass erfreulicherweise über 90 % meiner Kugelschreiber einwandfrei funktionieren (nur 3 mussten aussortiert werden, 2 wären mit neuer Mine wieder eingesetzbar). Es funktionierten sogar die, die nach der Aufschrift zu urteilen mindestens 8 Jahre alt sein müssen. Ich kann also davon ausgehen, dass unsere Familie für die nächsten 24 Jahre genug Kugelschreiber besitzt. Und sollten dann unsere Kugelschreiber plötzlich reihenweise schlapp machen, könnte man Minen nachkaufen, wie beruhigend!
Wozu braucht man im digitalen Zeitalter eigentlich überhaupt noch Kugelschreiber? Hier meine privaten Einsatzbereiche
  • Einkaufszettel schreiben
  • Termine in Familienterminplaner eintragen
  • sich in aushängende Listen im Kindergarten eintragen (gefühlt 1x die Woche, aber da hängen dann auch immer schon Kugelschreiber dabei)
  • Formulare ausfüllen (max. 3x im Jahr)
  • einen Brief schreiben (2x im Jahr, ausbaufähige Nutzung!) – für Weihnachts- und Geburtstagskarten nutze ich schöne Gelschreiber
  • Urlaubspostkarten (max. 15 im Jahr, meistens habe ich dann aber eh gerade keinen Kugelschreiber dabei und nehme einen der Airline, des Hotels…)
  • eine Kurznachricht für den Paketboten oder sonstwen schreiben (max. 3x im Jahr)
  • sich was notieren (wann habe ich das eigentlich zum letzten Mal so ganz analog gemacht und wo ist diese Notiz dann wohl gelandet?)
  • in dienstlichen Besprechungen brauche ich natürlich häufiger Kugelschreiber, aber dafür habe ich ja im Büro auch noch welche (die nicht von mir Entwendeten).
Brauche ich für diese doch sehr überschaubaren Einsatzzwecke zu Hause überhaupt  11 Kugelschreiber? Selbst wenn ich von der oben beschriebenen üppigen Ausstattung ausgehe, die mir wirklich einen sofortigen Kugelschreiberzugang immer und überall garantiert, habe ich immer noch 22 Kugelschreiber zu viel. Was könnte ich mit diesen Kugelschreibern anfangen? Kennt Ihr vielleicht jemand, der dringend Kugelschreiber braucht? Gibt es eine Weltgegend, in der Kugelschreiber benötigt werden, vielleicht sogar Wertgegenstände darstellen? Und wie könnte man sie dahin spenden? Ein in der Entwicklungshilfe bislang völlig vernachlässigtes Feld. „Kugelschreiber für Afrika“ – da könnte ich wirklich Gutes tun. Oder haben Flüchtlinge vielleicht zu wenig Kugelschreiber? Oder Hartz-IV-Empfänger, die vielleicht mangels Job nicht über so gute kostenlose Kugelschreiberquellen verfügen wie ich? Ich bin für jeden Tipp dankbar, denn ich habe ein offensichtliches Kugelschreiber-Entsorgungsproblem. Oder ich muss einen neuen, größeren Schreibtischbutler anschaffen.
Ganz ehrlich – ich glaube, es gibt auf der Welt genug Kugelschreiber. Vielleicht von einigen entlegenen Weltgegenden mal abgesehen. Und wenn man alle vorhandenen Kugelschreiber mit neuen Minen ausstatten würde, sobald diese leer sind, anstatt sie wegzuwerfen, wäre vermutlich der Kugelschreiber-Weltmarkt für die nächsten Jahrzehnte bestens gesättigt und Kugelschreiberhersteller müssten sich dringend neu orientieren. Ich habe das Gefühl, ich bin hier auf ein problematisches, bislang wenig diskutiertes Phänomen gestoßen. Vermutlich, weil es zu belanglos erscheint. Oder liege ich hier völlig falsch und nur ich bin erfreulicherweise so überreich mit Kugelschreibern gesegnet? Wie viele Kugelschreiber habt Ihr denn so?
Nachtrag: Als ich heute die entwendeten Kugelschreiber reumütig ins Büro zurückbrachte, gab es dort nicht genug Platz in meinem Schreibtisch-Butler. Ich habe die übrigen unauffällig auf die Schreibtische der Kollegen verteilt – sofern es in deren Butlern noch Platz gab.
Nachtrag II: Ich bin übrigens kein notorischer Kugelschreiberdieb, da ich dank meines Kugelschreiberüberflusses mir stets den Luxus leisten kann, mindestens einen Kugelschreiber in meiner Handtasche mitzuführen. Deswegen werde ich selbst häufig Opfer von Kugelschreiber-Schnorrern. Aber da kann ich großzügig sein. Vielleicht sollte ich im Gegenteil meinen Mitmenschen in Zukunft aktiv meine überzähligen Kugelschreiber aufnötigen.
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4 Gedanken zu “Braucht die Welt noch Kugelschreiber?

  1. Antworten auf die Fragen der Welt aus „Per Anhalter durch die Galaxis“:
    Kugelschreibertheorie
    Die Kugelschreibertheorie ist eine Verschwörungstheorie, die Fiet Vujagig, ein Student der Universität von Maximegalon, aufgestellt hat. Die Theorie besagt, dass alle Kugelschreiber, die plötzlich unauffindbar verschwinden, sich in einem unbeaufsichtigten Moment auf die Reise zu einem kugelschreiberoiden Planeten machen, um dann dort zu leben. Fiet Vujagig behauptet weiter, diesen Planeten gefunden zu haben und eine Zeitlang als Fahrer einer kleinen Kugelschreiberfamilie gearbeitet zu haben. Wie das alles mit Zaphod Beeblebrox’ äußerst lukrativem Geschäft mit gebrauchten Kugelschreibern zusammenhängt, wird im Anhalter nicht ausführlich beschrieben.

    Dieser Kugelschreiberoide Planet scheint auf deinem Schreibtisch zu sein

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  2. Der Beitrag ist nun zwar schon ein wenig länger her, aber falls du immer noch Kugelschreiber loswerden willst: Leg sie in der nächsten Uni mit einem kleinen Zettel aus, dass sie zu verschenken sind. Der Kugelschreiberverbrauch als Student ist enorm, und man wird zwar bei Werbeveranstaltungen auch gut eingedeckt, aber trotz allem bin ich erstaunt (und schockiert) wie viele Kugelschreiber über die Jahre weggegangen sind. Alleine im letztes Semester habe ich drei Werbekulis leergeschrieben!!!
    Liebe Grüße,
    Marisa

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