4,5 Milliarden Waschmaschinen

Angenommen, Ihr dürftet aus irgendeinem Grund nur noch drei Elektrogeräte besitzen? Welche wären das bei Euch? Wir würden uns für 1. die Waschmaschine, 2. den Herd und 3. den Computer entscheiden. In dieser Reihenfolge. Man kann sich also vorstellen, was für eine familiäre Extremsituation entsteht, wenn innerhalb von zwei Wochen Nummer 1 und Nummer 3 unser wichtigsten Elektrogeräte kaputt gehen. Und das auch noch während der Kaufdiät!

Während zwei gefühlt endlos langer Wochen des Waschens im Waschsalon kamen mir beim Anblick all dieser Waschmaschinen allerlei philosophische Gedanken. Zum Beispiel fiel mir wieder ein, dass wir – bis vor einem Jahr – in unserem 6-Parteien-Mietshaus 7 Waschmaschinen im Waschkeller stehen hatten. Damals wohnten in unserem Haus 11 Personen. Das heißt, eine Waschmaschine wurde im Durchschnitt nur von 1,5 Personen benutzt. Inzwischen hat sich der Schnitt etwas verbessert auf 5 Waschmaschinen für 10 Personen, also nur noch eine Waschmaschine für zwei Personen.IMG_0274

Soweit ich informiert bin, wird sich die Weltbevölkerung in absehbarer Zeit auf 9 Milliarden Menschen steigern. Bei diesem Schnitt würden wir dann 4,5 Milliarden Waschmaschinen benötigen. Das können wir nicht im Ernst wollen – außer vielleicht die Waschmaschinen-Industrie. Unsere Kaufdiät ist also eigentlich gar nicht radikal genug gedacht: Wir sollten nicht nur keine neuen Waschmaschinen kaufen, sondern müssten Waschmaschinen zwischen mehreren Haushalten teilen. Das ist auch ökonomisch absolut sinnvoll, schließlich stehen die 5 Waschmaschinen in unserem Keller die meiste Zeit ungenutzt herum. Eine solche Kapazitätsverschwendung kann sich kein Unternehmen leisten. Wieso ist sie in Privathaushalten selbstverständlich?

Die Lösung wäre eigentlich denkbar einfach: Irgendjemand (und das müsste nicht einmal der Vermieter sein) müsste seine Waschmaschine der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, z.B. versehen mit einem Münzautomat. Vielleicht könnte man so schon mal eine Waschmaschine einsparen. Ich hatte also schon den guten Vorsatz, dass wir dieser jemand sein werden, sobald a) unsere Waschmaschine wieder geht, b) der nächste Mieterwechsel ansteht. Bis ich herausgefunden habe, dass allein so ein Münzautomat leider fast so viel kostet wie eine neue Waschmaschine. Da müsste man sich dann wohl auf die Ehrlichkeit der Nachbarn verlassen. Na ja, also erstmal sehen, wer da einzieht… Vielleicht wird die Sharing Economy ja auch irgendwann so verbreitet, dass Waschmaschinen mit Münzautomat für genau solche Einsatzzwecke ein Standardprodukt werden?

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Gerettete Dinge

Wir haben eine neue „Shoppingmeile“ entdeckt, die unsere Kaufdiät nicht beeinträchtigt: Den Straßenrand. Hier findet sich eine unerschöpfliche Vielfalt der verschiedensten Gegenstände. Meist in schlechtem Zustand, aber einige Dinge sind es doch wert, gerettet zu werden. Für diese Dinge – haben wir beschlossen – eine Ausnahme von unserer Kaufdiät zu machen. Wir dürfen also Dinge von der Straße retten ohne unser Ding-Budget von 12 Dingen pro Jahr zu belasten. Wir kaufen sie ja schließlich nicht. Und Dinge retten ist ja auch ein echter Beitrag zu Zero Waste.

IMG_0241So wurden nun schon zwei Dinge gerettet: Dieses wunderbare Edelstahlsieb, das irgendwann unser betagtes Plastiksieb ersetzen wird (und dass wir hoffentlich noch unseren Enkeln vererben können, eigentlich kann so etwas ja nie kaputt gehen) und zum Entzücken unserer Tochter dieses tragbare Playmobil-Puppenhaus, bei dem nur der Verschluss nicht mehr so ganz sicher schließt, das sich ansonsten aber gut reinigen ließ. Willkommen in unserem Haushalt!

IMG_0243 (2)Wer wirft sowas eigentlich weg und warum muss man sich das praktisch aus dem Müll klauben? Um noch mehr Dinge zu retten, würde ich mich deswegen sehr freuen, wenn es in unserer Stadt auch so etwas wie dieses Projekt gäbe: Give Box in Ehrenfeld. Vielleicht sollte ich einen Schrank in unserer Straße aufstellen?

 

Warum man sich billige Produkte nicht leisten kann

Wenn man nur 12 Gegenstände im Jahr kaufen will, kann man sich eines nicht leisten: Ständig kaputtgehende Dinge! Mir ist vor unserer Kaufdiät noch nie aufgefallen, wie viel laufend kaputt geht. Dabei habe ich wohl nur nie darüber nachgedacht, weil es ja so einfach war, Ersatz zu beschaffen. Hier also mal eine Übersicht, was in unserem Haushalt allein in den letzten 7 Wochen seit Beginn unserer Kaufdiät alles kaputt gegangen ist:

  1. die Wanduhr in der Küche (< 2Jahre) >> die Story
  2. der Henkel der Teekanne (20 Jahre) >> die Story
  3. fünf Strumpfhosen (Löcher! < 1 Jahr) >> die Story
  4. zwei Jeans (Löcher! < 3 Jahre)
  5. mein Wintermantel (Löcher, Nähte gerissen, 12 Jahre)
  6. die Brotzeitdose der kleinen Maus (< 2 Jahre) >> die Story
  7. die Waschmaschine! (< 5 Jahre)
  8. eine Vase (< 1 Jahr)
  9. und heute zu allem Überfluss auch noch das CD-Laufwerks unseres Notebooks! (6 Jahre)

Damit gehen praktisch jede Woche ein bis zwei Dinge kaputt! Sind wir vom Pech verfolgt oder ist das ganz normaler Schwund?

Drei bis vier der neun Dinge (Strumpfhosen, Teekanne, Jeans, Waschmaschine) konnten repariert, zwei (Wanduhr, Brotzeitdose) kreativ ersetzt werden. Zwei bis drei (Strumpfhosen, Jeans, Wintermantel) werden wir wohl früher oder später ersetzen müssen und auf die Vase konnten wir verzichten. Ob CD-Laufwerk und damit das Notebook noch zu retten ist, ist noch offen…

Erschreckend ist die kurze Lebensdauer vieler Dinge, die kaputt gegangen sind. Wenn schon in den ersten 7 Wochen 6 Dinge kaputt gehen, die weniger als 5 Jahre alt sind, dann werden wir kaum dauerhaft mit 12 Neuanschaffungen pro Jahr über die Runden kommen. Billigprodukte, die sofort kaputt gehen und nicht repariert werden können, können wir uns also nicht mehr leisten. Aber gibt es sie überhaupt noch? Die Dinge, die man noch seinen Enkeln vererben kann?

Buy me onceDa hat es uns sehr gefreut, von dieser neuen Webseite zu lesen: www.buymeonce.com. Auf dieser Webseite soll es nur Produkte geben, die „ein Leben lang“ halten und immer wieder repariert werden können. Genau was wir für unsere Kaufdiät brauchen! Ich werde die Seite also ab jetzt als Kaufratgeber zurate ziehen und hoffe auf einen baldigen Start eines ebensolchen Projekts in Deutschland!

Und lieber Waschmaschinen-Monteur und PC-Doktor: Sage nochmal jemand, dass eine Kaufdiät der Wirtschaft schadet! Wir haben in diesen 7 Wochen schon mit über 250 € qualifizierte handwerkliche Arbeit in diesem Land unterstützt!

 

 

 

Die Schwimm-Dings-Flut

Die Kaufdiät führt wieder mal zu überraschenden Erkenntnissen: Zum Beispiel, dass Schwimmen ein erstaunlich kaufintensives Hobby ist. Man sollte meinen, das man eigentlich notfalls gar nichts zum Schwimmen benötigt (zumindest an gewissen Seen in der Region), oder – wenns etwas gesellschaftsfähiger sein soll – zumindest noch eine Badehose oder -anzug.

IMG_0204-kleinZumindest für Kinder scheint das nicht zu gelten. Da wären z.B. zunächst mal Schwimmflügel (waren bei uns drei Paar für zwei Kinder, da mal einer verloren gegangen ist). Dann natürlich diverse Gummitierchen, Schwimmreifen, Wasserbälle, Taucherbrille, Luftmatratze, die mittlerweile ein Schrankfach füllen. Damit fühlte ich mich eigentlich bereits bestens ausgestattet für einen Schwimmkurs mit meinem 5-jährigen Sohn.

Welch ein Irrtum! Der Schwimmkurs verlangte zunächst als Basis-Ausstattung der Teilnahme Badeschuhe (tatsächlich sinnhaft, wenn man die Kursteilnehmer schon fast direkt hinter dem Eingang zum Ausziehen der Schuhe nötigt) und einen Bademantel (stellte sich angesichts langer Wege zwischen Umkleide und Becken und Wartezeiten zu Kursbeginn ebenfalls als nötig heraus). Da Kinderkleidung von der Kaufdiät ausgenommen ist, haben wir hier also aufgerüstet.

Gleich zu Beginn des Kurses wurden wir Eltern eindringlich darauf hingewiesen, dass wir für den Erfolg des Kurses entscheidend mitverantwortlich seien, denn Schwimmen würden unsere Kleinen nur lernen, wenn wir dann auch mindestens einmal die Woche zusätzlich mit den Kleinen zum Schwimmen gehen. Na gut, das Freibad ist nah und der Sommer auch, also mittelfristig durchaus realisierbar. Aber – so die Ermahnung – auf jeden Fall ohne Schwimmflügel, da diese die Kleinen daran hindern, die gelernten Bewegungen richtig umzusetzen. Klar, dachte ich, brauchen wir dann ja auch nicht mehr, wofür investiere ich denn auch eine dreistellige Summe in diesen Kurs?

Nach 6 Kursstunden wagten wir also den ersten Schwimmausflug mit den zwei Kleinen – nun ja, wer jemals gleichzeitig mit einer dreijährigen quicklebendigen Wasserratte mit Schwimmflügelchen und einem nach 2,5 Schwimmzügen absaufenden Fünfjährigen im Schwimmbad war, versteht vielleicht, warum wir trotz Kaufdiät Besitzer einer Schwimmnudel wurden, die es glücklicherweise für 4,50 €im Bad zu kaufen gab.

Dank Nudel klappte es dann vorzüglich und der kleine Schwimmschüler konnte zeigen, wie toll er die Bewegungen schon drauf hatte und auch gleich stolz alle Übungen vorführen, die sie im Kurs mit Schwimmnudel gelernt hatten.

Wir haben jetzt also noch ein sperriges, 99 % der Zeit ungenutztes Schwimmdings im Schrank und man fragt sich schon, warum man so etwas eigentlich nicht leihen kann? Aus Haftungsgründen wurde mir zu dieser Frage im Schwimmbad gesagt. Hygiene- und Haftungsgründe sind mir als Haupthindernisse von meinen ZeroWaste-Anstrengungen bereits bestens bekannt. Ist mir da schon nie eingeleuchtet: Denn was ist mit der Umwelt“hygiene“? Und wer haftet eigentlich für diesen Planeten?

Ich hafte jedenfalls mit meinem schlechten Gewissen, fühle mich wieder mal als Kaufdiät- und Plastikvermeidungs-Versager und ärgere mich über diese blöde Nudel. Vermutlich werde ich aber dennoch diesen Sommer noch häufig dankbar für dieses blöde Stück Styropor sein. Ich hoffe, ich finde auf dem Flohmarkt Käufer, damit sie wenigstens ein langes Leben hat!

Bleibt die Frage: Braucht man eigentlich diese Schwimm-Dings-Flut, dieses Plastik-Meer? Ich brauche es zwar nicht, aber die Kinder genießen es schon und ihre Wasserspielsachen sind ihnen weit wichtiger als jeder Schwimmkurs…

Was mich eigentlich am meisten daran ärgert, ist das wahnsinnig schlechte Verhältnis von Einsatzzeit, Lebensdauer und verursachtem Materialaufwand. Die meiste Zeit verstopft der Kram eh nur den Schrank. Und dann trabt man auch noch beladen wie ein Maulesel zum See oder  Schwimmbad. Das schreit eigentlich nach einer Verleihlösung: Luftmatratze, Gummikrokodil, Wasserball einfach am Schwimmbadeingang oder am See ausleihen! Das wärs doch! Und was heißt hier Haftung? Ich leihe es aufgeblasen (also nachweislich intakt) – wenns dann trotzdem absäuft, hafte ich für den Schaden! Und nie mehr Krams aufblasen! Das ist doch eine Marktlücke, liebe Bademeister und Kioskbesitzer!!!

 

 

 

 

 

Zero Waste vs. Kaufdiät

 

Leider muss man manchmal was Neues kaufen, damit man was anderes nicht mehr kaufen muss. Deswegen braucht unsere Kaufdiät eine neue Regel: Dinge, die gekauft werden, um Müll zu vermeiden, zählen nicht zu den 12 Dingen, deren Kauf wir uns dieses Jahr nur erlauben wollen.

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Dazu zählt dieser neue Koffee-to-Go-Becher. Ich bin eigentlich keine Freundin von Koffee-to-Go und hatte deswegen bisher auch keinen Bedarf an einem solchen Becher. Ganz anders als der geduldigste Ehemann von allen, der als Berufspendler an zugigen Bahnhöfen dringend einen Unterwegs-Kaffee braucht und deswegen schon länger vorbildlich Besitzer eines solchen Bechers ist.

Aber da ich in diesem Jahr zahlreiche Dienstreisen absolviere, die teilweise zu ohne Kaffee unzumutbaren Morgenstunden beginnen, entstand hier bei mir ein akuter Neubedarf. Außerdem nervt mich der Coffee-To-Go-Wahnsinn mit seinen Müllbergen schon lange dermaßen, dass ich nun endlich selbst ein sichtbares Zeichen setzen wollte (Kaufverweigerung ist ja leider nur wenig sichtbar).

 

Der Erfolg ist unglaublich: Man ordere einfach mit seinem Mehrweg-Coffee-to-Go Becher irgendwo einen Kaffee und Freunde, Kollegen, Geschäftspartner, wildfremde Menschen beginnen laut darüber zu sinnieren, was für eine wahnsinnig tolle und sinnvolle Idee so ein Becher ist. Der Effekt ist beeindruckend. Allerdings ist natürlich kaum nachzuprüfen, ob er auch eine nachhaltige Wirkung zeigt und die Leute dann auch irgendwann selbst einen Mehrwegbecher kaufen. Ich überlege, ob ich immer einen zum spontanen Verkauf dabei haben sollte. Mein Modell war recht günstig, nur 5,90 €. Das könnte ein Preis sein, der einen Spontankauf möglich macht. Und wenn die Leute den Becher dann erstmal haben…. Ich werde von meinen Erfahrungen mit diesem Geschäftsmodell berichten!

Die große Versuchung

Es gibt Dinge, die man während einer Kaufdiät besser nicht tut: Zum Beispiel sollte man Geschäfte soweit wie möglich meiden. Oder Werbepost nicht öffnen. Denn sobald man wieder mit einem dieser sagenhaften Rabatte und Gutscheine konfrontiert wird, tritt ein paradoxer Effekt ein: Man hat das Gefühl, dass man Geld verliert, wenn man nicht jetzt sofort oder mindestens für xxxx € etwas kauft. Weil man es ja nur bis zum 31.3. billiger bekommt. Oder erst ab mindestens xxx € Einkaufswert billiger. Dabei hätte man das, was man dann kauft, sonst meistens überhaupt nicht gekauft. Also wird wegen einer vermeintlichen Ersparnis ein Kauf überhaupt erst getätigt.

IMG_0168_neuObwohl wir das als mündige Konsumenten natürlich durchschauen, fallen wir trotzdem immer wieder drauf rein. Denn man redet sich das natürlich schön: Wenn während der Kaufdiät plötzlich ein Gutschein hereinflattert, der einem 20 € Rabatt bei einem 100 € Kauf verspricht, denkt man natürlich aktiv darüber nach, was man jetzt genau da kaufen könnte. Da ist plötzlich ein ganz anderes Kaufengagement dahinter, als wenn man einfach „nur“ durch einen Laden geht. Und siehe da: Der Bedarf entsteht mit dem Angebot. Mir fällt plötzlich ganz viel ein, was ich für 100 € Vernünftiges brauchen könnte. Das sind keineswegs sinnlose Dinge. Die kosten dann vielleicht zusammen 79 €. Aber dann nehme ich halt schnell noch zwei, drei andere Dinge mit, die man eigentlich immer braucht. Und schwupps: reingefallen! Und was habe ich jetzt dann eigentlich wirklich gespart? Und diese wirklich vernünftigen Dinge? Brauche ich die wirklich? Und vor allem: Brauche ich sie jetzt?

Mal ein Gedankenexperiment: Ich brauche eine neue Jeans, weil die bisherige langsam recht abgewetzt ist. Bei der heutigen Jeansqualität brauche ich alle zwei Jahre eine neue Jeans (zu diesem Missstand kommt sicher nochmal ein eigener Beitrag!). Also wenn ich mal von einer Lebenserwartung von 72 Jahren ausgehe, benötige ich in meinem Leben also mindestens 36 Jeans (Das Jeanstragen fängt schon bei Babys an, glaubts mir, und ich will auch noch als Oma mal ne Jeans tragen). Wenn ich es schaffen würde, jede abgewetzte Jeans doch noch ein halbes Jahr länger zu tragen (weil mir nicht ein Sonderangebot einredet, dass ich ja eh bald eine neue brauche und sie ja jetzt so günstig ist), bräuchte ich sage und schreibe 9 Jeans weniger. Ich hätte also allein dadurch schon 25 % gespart. Mehr, als mir das Sonderangebot jetzt anbietet!

Ich bin überzeugt, dass dieses Gedankenexperiment im Grunde und in der Tendenz stimmt, ohne dass man jetzt endlos über Lebensdauer und Anzahl benötigter Jeans etc. im Detail diskutieren muss. Wir kaufen durch all diese Angebote mehr als wir wirklich brauchen, selbst, wenn wir glauben, wir bräuchten das jetzt. Und wir geben letztlich mehr aus als wir sparen, obwohl wir glauben, etwas gespart zu haben.

Ich habe noch keine ganz konkrete Idee, wie man diese Annahme tatsächlich überprüfen könnte. Schade, dass ich vor der Kaufdiät nicht genau Buch über unsere Ausgaben geführt habe. Aber ich werde versuchen abzuschätzen, wie viel Geld wir durch Nicht-Käufe gespart haben, also Käufe, die wir uns wegen der Kaufdiät versagt haben.

Das Stopf-Ei

Es gibt Menschen in meiner Stadt, die allein durch ihr Barfuss-Laufen eine gewisse stadtweite Bekanntheit erreicht haben. Eine besorgte Freundin sah mich offenbar ebenfalls auf dem Weg dahin, denn in unserem Experiment hat sich ein kleines Problem aufgetan: Wie gehen wir mit Ersatzbedarf für löchrige Socken um?
IMG_0170_neu2Deswegen brachte mir der Osterhase (bzw. die besorgte Freundin) das nebenstehende Ei ins Haus. Eine Superidee, denn noch nie habe ich angesichts meiner löchrigen Strumpfhosen das Ende des Winters so herbeigesehnt. Manche konnte ich nur noch mit hohen Stiefeln tragen, auch Rocklängen spielten plötzlich eine Rolle.

Habt ihr eigentlich schon mal was gestopft? Ist es peinlich, dass ich mich jetzt als totale Stopfanfängerin oute? Dank Youtube konnte ich mich schnell in die Grundzüge des Stopfens einarbeiten und sah voller Bewunderung Videos von Kunststopferinnen, die die ollsten Wollpullover ganz fantastisch reparierten. Meine ersten gestopften Löcher sind von diesen Künsten leider weit entfernt. Aber ich konnte immerhin drei meiner dicken Strumpfhosen, diverse Kinderstrumpfhosen und ein paar Thermosocken so wieder voll einsatzfähig machen.

Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, wie schnell und einfach das eigentlich ging. Und mit etwas schlechtem Gewissen taucht vor meinem inneren Auge der Berg weggeworfener Socken und Strumpfhosen meines Lebens auf. Klar ist es finanziell fast egal, wenn 5 Paar Socken nur 6,99 € kosten. Aber seit ich weiß, dass ein T-Shirt 27.000 Liter Wasser in seiner Produktion verschlingt, ist der Wassersparduschkopf eigentlich ein Witz angesichts des Wasserverbrauchs, den meine Socken zu verantworten haben. Außerdem war ich von den Videos wahnsinnig beeindruckt (hier z.B. das Video zum löchrigen Pullover reparieren). Da hätte ich auch einige Kandidaten, die ich wegen kleiner Löcher nur noch hin und wieder zuhause anziehe und die eigentlich auf ihre Entsorgung warten. Aber wie viele Socken muss ich stopfen, bis ich so ein Profiniveau erreicht habe? Warum würdigt diese Kunst eigentlich niemand mehr und warum gibt es keinen Ort, wo ich meine Pullover kunststopfen lassen kann? Wann haben wir eigentlich angefangen, alles sofort wegzuwerfen?

Die Freundin erzählte mir zu dem Stopfei dann noch die folgende Geschichte: Ihre Mutter trennte früher kaputte Wollpullover auf und strickte aus der Wolle Neue. Kaufdiät gehörte da scheinbar noch zum Alltag.