Die große Versuchung

Es gibt Dinge, die man während einer Kaufdiät besser nicht tut: Zum Beispiel sollte man Geschäfte soweit wie möglich meiden. Oder Werbepost nicht öffnen. Denn sobald man wieder mit einem dieser sagenhaften Rabatte und Gutscheine konfrontiert wird, tritt ein paradoxer Effekt ein: Man hat das Gefühl, dass man Geld verliert, wenn man nicht jetzt sofort oder mindestens für xxxx € etwas kauft. Weil man es ja nur bis zum 31.3. billiger bekommt. Oder erst ab mindestens xxx € Einkaufswert billiger. Dabei hätte man das, was man dann kauft, sonst meistens überhaupt nicht gekauft. Also wird wegen einer vermeintlichen Ersparnis ein Kauf überhaupt erst getätigt.

IMG_0168_neuObwohl wir das als mündige Konsumenten natürlich durchschauen, fallen wir trotzdem immer wieder drauf rein. Denn man redet sich das natürlich schön: Wenn während der Kaufdiät plötzlich ein Gutschein hereinflattert, der einem 20 € Rabatt bei einem 100 € Kauf verspricht, denkt man natürlich aktiv darüber nach, was man jetzt genau da kaufen könnte. Da ist plötzlich ein ganz anderes Kaufengagement dahinter, als wenn man einfach „nur“ durch einen Laden geht. Und siehe da: Der Bedarf entsteht mit dem Angebot. Mir fällt plötzlich ganz viel ein, was ich für 100 € Vernünftiges brauchen könnte. Das sind keineswegs sinnlose Dinge. Die kosten dann vielleicht zusammen 79 €. Aber dann nehme ich halt schnell noch zwei, drei andere Dinge mit, die man eigentlich immer braucht. Und schwupps: reingefallen! Und was habe ich jetzt dann eigentlich wirklich gespart? Und diese wirklich vernünftigen Dinge? Brauche ich die wirklich? Und vor allem: Brauche ich sie jetzt?

Mal ein Gedankenexperiment: Ich brauche eine neue Jeans, weil die bisherige langsam recht abgewetzt ist. Bei der heutigen Jeansqualität brauche ich alle zwei Jahre eine neue Jeans (zu diesem Missstand kommt sicher nochmal ein eigener Beitrag!). Also wenn ich mal von einer Lebenserwartung von 72 Jahren ausgehe, benötige ich in meinem Leben also mindestens 36 Jeans (Das Jeanstragen fängt schon bei Babys an, glaubts mir, und ich will auch noch als Oma mal ne Jeans tragen). Wenn ich es schaffen würde, jede abgewetzte Jeans doch noch ein halbes Jahr länger zu tragen (weil mir nicht ein Sonderangebot einredet, dass ich ja eh bald eine neue brauche und sie ja jetzt so günstig ist), bräuchte ich sage und schreibe 9 Jeans weniger. Ich hätte also allein dadurch schon 25 % gespart. Mehr, als mir das Sonderangebot jetzt anbietet!

Ich bin überzeugt, dass dieses Gedankenexperiment im Grunde und in der Tendenz stimmt, ohne dass man jetzt endlos über Lebensdauer und Anzahl benötigter Jeans etc. im Detail diskutieren muss. Wir kaufen durch all diese Angebote mehr als wir wirklich brauchen, selbst, wenn wir glauben, wir bräuchten das jetzt. Und wir geben letztlich mehr aus als wir sparen, obwohl wir glauben, etwas gespart zu haben.

Ich habe noch keine ganz konkrete Idee, wie man diese Annahme tatsächlich überprüfen könnte. Schade, dass ich vor der Kaufdiät nicht genau Buch über unsere Ausgaben geführt habe. Aber ich werde versuchen abzuschätzen, wie viel Geld wir durch Nicht-Käufe gespart haben, also Käufe, die wir uns wegen der Kaufdiät versagt haben.

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Ein Gedanke zu “Die große Versuchung

  1. Pingback: Karstadt verzweifelt | KAUFDIÄT

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