Die Schwimm-Dings-Flut

Die Kaufdiät führt wieder mal zu überraschenden Erkenntnissen: Zum Beispiel, dass Schwimmen ein erstaunlich kaufintensives Hobby ist. Man sollte meinen, das man eigentlich notfalls gar nichts zum Schwimmen benötigt (zumindest an gewissen Seen in der Region), oder – wenns etwas gesellschaftsfähiger sein soll – zumindest noch eine Badehose oder -anzug.

IMG_0204-kleinZumindest für Kinder scheint das nicht zu gelten. Da wären z.B. zunächst mal Schwimmflügel (waren bei uns drei Paar für zwei Kinder, da mal einer verloren gegangen ist). Dann natürlich diverse Gummitierchen, Schwimmreifen, Wasserbälle, Taucherbrille, Luftmatratze, die mittlerweile ein Schrankfach füllen. Damit fühlte ich mich eigentlich bereits bestens ausgestattet für einen Schwimmkurs mit meinem 5-jährigen Sohn.

Welch ein Irrtum! Der Schwimmkurs verlangte zunächst als Basis-Ausstattung der Teilnahme Badeschuhe (tatsächlich sinnhaft, wenn man die Kursteilnehmer schon fast direkt hinter dem Eingang zum Ausziehen der Schuhe nötigt) und einen Bademantel (stellte sich angesichts langer Wege zwischen Umkleide und Becken und Wartezeiten zu Kursbeginn ebenfalls als nötig heraus). Da Kinderkleidung von der Kaufdiät ausgenommen ist, haben wir hier also aufgerüstet.

Gleich zu Beginn des Kurses wurden wir Eltern eindringlich darauf hingewiesen, dass wir für den Erfolg des Kurses entscheidend mitverantwortlich seien, denn Schwimmen würden unsere Kleinen nur lernen, wenn wir dann auch mindestens einmal die Woche zusätzlich mit den Kleinen zum Schwimmen gehen. Na gut, das Freibad ist nah und der Sommer auch, also mittelfristig durchaus realisierbar. Aber – so die Ermahnung – auf jeden Fall ohne Schwimmflügel, da diese die Kleinen daran hindern, die gelernten Bewegungen richtig umzusetzen. Klar, dachte ich, brauchen wir dann ja auch nicht mehr, wofür investiere ich denn auch eine dreistellige Summe in diesen Kurs?

Nach 6 Kursstunden wagten wir also den ersten Schwimmausflug mit den zwei Kleinen – nun ja, wer jemals gleichzeitig mit einer dreijährigen quicklebendigen Wasserratte mit Schwimmflügelchen und einem nach 2,5 Schwimmzügen absaufenden Fünfjährigen im Schwimmbad war, versteht vielleicht, warum wir trotz Kaufdiät Besitzer einer Schwimmnudel wurden, die es glücklicherweise für 4,50 €im Bad zu kaufen gab.

Dank Nudel klappte es dann vorzüglich und der kleine Schwimmschüler konnte zeigen, wie toll er die Bewegungen schon drauf hatte und auch gleich stolz alle Übungen vorführen, die sie im Kurs mit Schwimmnudel gelernt hatten.

Wir haben jetzt also noch ein sperriges, 99 % der Zeit ungenutztes Schwimmdings im Schrank und man fragt sich schon, warum man so etwas eigentlich nicht leihen kann? Aus Haftungsgründen wurde mir zu dieser Frage im Schwimmbad gesagt. Hygiene- und Haftungsgründe sind mir als Haupthindernisse von meinen ZeroWaste-Anstrengungen bereits bestens bekannt. Ist mir da schon nie eingeleuchtet: Denn was ist mit der Umwelt“hygiene“? Und wer haftet eigentlich für diesen Planeten?

Ich hafte jedenfalls mit meinem schlechten Gewissen, fühle mich wieder mal als Kaufdiät- und Plastikvermeidungs-Versager und ärgere mich über diese blöde Nudel. Vermutlich werde ich aber dennoch diesen Sommer noch häufig dankbar für dieses blöde Stück Styropor sein. Ich hoffe, ich finde auf dem Flohmarkt Käufer, damit sie wenigstens ein langes Leben hat!

Bleibt die Frage: Braucht man eigentlich diese Schwimm-Dings-Flut, dieses Plastik-Meer? Ich brauche es zwar nicht, aber die Kinder genießen es schon und ihre Wasserspielsachen sind ihnen weit wichtiger als jeder Schwimmkurs…

Was mich eigentlich am meisten daran ärgert, ist das wahnsinnig schlechte Verhältnis von Einsatzzeit, Lebensdauer und verursachtem Materialaufwand. Die meiste Zeit verstopft der Kram eh nur den Schrank. Und dann trabt man auch noch beladen wie ein Maulesel zum See oder  Schwimmbad. Das schreit eigentlich nach einer Verleihlösung: Luftmatratze, Gummikrokodil, Wasserball einfach am Schwimmbadeingang oder am See ausleihen! Das wärs doch! Und was heißt hier Haftung? Ich leihe es aufgeblasen (also nachweislich intakt) – wenns dann trotzdem absäuft, hafte ich für den Schaden! Und nie mehr Krams aufblasen! Das ist doch eine Marktlücke, liebe Bademeister und Kioskbesitzer!!!

 

 

 

 

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die Schwimm-Dings-Flut

  1. Pingback: Kaufen für die Freizeit | KAUFDIÄT

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s