Ist das ein Loch oder ist das Design?

Langsam fängt die Kaufdiät an, sich manchmal unangenehm anzufühlen. Shabby Chic liegt zwar bei Möbeln inzwischen im Trend, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich aus dem Alter raus bin, in dem man freudig Familie und Gesellschaft mit zerrissenen Hosen provozierte.

Unsere ganze Familie macht inzwischen gelegentlich einen recht abgerissenen Eindruck: Viele unserer Hosen haben Löcher und sind abgewetzt und mein Wintermantel hat ein prominentes Loch in der rechten Schulter und eine geplatzte Naht am Ärmel, die sich auch nicht mehr richtig nähen ließ. Wegen des Kälteeinbruchs kam er trotzdem noch ein paar Tage zum Einsatz, ich konnte ihn nur mit Handtaschen mit breiten Riemen tragen. Ich sehe inzwischen neidisch modisch gekleideten Leuten auf der Straße hinterher und starre sehnsüchtig in die Schaufenster der Modeläden auf meinen täglichen Wegen.

Und was sehe ich da so ganz unerwartet? Seht selbst. Und man achte auf das Preisschild! Ich habe es fotografiert, sonst glaubt´s mir keiner!

Unsere Jeans liegen voll im Trend! Löcherhosen sind ganz offensichtlich keine Jugendprovokation mehr, sondern haben den Weg in die bürgerliche Mitte gefunden! Was sage ich, sogar in die Upper Class, denn welcher Normalbürger gibt schon 359 € oder sogar 459 € für eine Jeans aus?

Ich frage mich, ob das das neue Geschäftsmodell des Textilschweden ist: Erst Altkleider von Kunden einsammeln, dann deren alte Jeans etwas pimpen und im Designer-Laden weiterverkaufen. Jedes Stück ein Unikat – was auch den horrenden Preis erklärt. Aus Zero Waste Überlegungen könnte man das wirklich unterstützen… Leider fürchte ich, dass in Wirklichkeit neue Jeans extra so zugerichtet werden.

Aber wir können jetzt erhobenen Hauptes unsere löchrigen Jeans tragen und uns damit modisch voll up to date fühlen! Shabby Chic. Das ist kein Loch, das ist Design!

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3 Gedanken zu “Ist das ein Loch oder ist das Design?

  1. Traurig aber wahr: Der used-Look ist wieder in. Und gerade der geht besonders zu Lasten der Arbeiter in den Herstellungsländern. Denn er wird durch Säurebäder und Abschleifen erzeugt, wobei in der Regel keine Schutzkleidung vorhanden ist und daher Hautirritationen und eine Staublunge drohen.
    Da „ertrage“ ich mir den used-Look lieber selber…

    Gefällt 1 Person

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