Echte Wünsche

Leser, die dieses Frühjahr in Deutschland erleben, wissen, wie dringend man derzeit einen Regenschirm braucht. Ich habe deswegen auf einer Veranstaltung dankbar einen solchen als Werbegeschenk angenommen und damit einen IMG_0496weiteren Gegenstand sozusagen als Geschenk getarnt an unserer Kaufdiät vorbei in unseren Haushalt gelassen. Angesichts des erbärmlichen Zustands meines kleinen faltbaren Schirms hätte sonst der nächste erlaubte Kauf im nächsten Monat ausgerechnet ein neuer Schirm sein müssen. Nebenbei gesagt, ist das kein billiges Werbegeschenk, sondern ein Schirm von wirklich hoher Qualität. (ganz anders als mein bisheriger 3€ Mini-Schirm).

 

Mittlerweile tun sich bei uns im Haushalt so viele dringende Ersatzbedarfe auf, die wir früher einfach ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden schnell gekauft hätten – so wie einen neuen Schirm eben. Durch unseren selbst gewählten Konsumverzicht müssen wir uns jeden Monat auf den jeweils dringendsten Kauf beschränken. Damit entstehen nun  wieder echte Bedarfe und wir haben wieder echte Wünsche. Während ich mich zu meinem Geburtstag relativ zu Beginn der Kaufdiät noch besonders über immaterielle Geschenke gefreut habe (hier beschrieben), kann man mich inzwischen mit einem Schirm als Geschenk wirklich beglücken. Oder neue Handtücher wären auch schön. Oder neue Socken (ich stopfe wie ein Weltmeister!). Also liebe Freunde, wir brauchen keine Wohnungsdeko, keine Gutscheine, keine kreativen Geschenke: Wir brauchen wieder echte Basics! Wir haben echte und dringende Wünsche!

Eine ganze Industrie lebt davon, dass wir alles schon haben und versorgt uns mit „schönen“ Dingen, die wir noch zusätzlich kaufen sollen. Weil wir annehmen, dass alle schon alles haben, schenken wir solche Dingen anderen Leuten. Aber wie sehr freut man sich denn tatsächlich über die teure und schicke Dekoschale? Den Kerzenständer? Bestimmt nicht so sehr wie ich mich über diesen Schirm gefreut habe, für den ich einen wirklichen Bedarf hatte. Das ist eine sehr schöne Erfahrung unseres Konsumverzichts: Ich kann mich wieder richtig über Anschaffungen freuen. Weil sie nicht nebenbei passieren. Weil man lange darüber nachdenkt. Weil man warten muss. Weil man abwägen muss.

Und eigentlich, wenn ich mich so erinnere, welche Geschenke auch bei anderen immer am besten ankamen, dann waren das meistens nicht die „schönen“ Dinge, sondern oft ganz unspektakuläre Sachen: Bei unserem traditionellen Weihnachtswichteln (bei dem wir um die Verteilung kleiner Geschenke „spielen“) waren die begehrtesten Renner: Ein Badehandtuch und Socken. Bei einem Geburtstagsgeschenk eine selbst gezogene Tomatenpflanze in teurer Dekoschale (die Tomate sorgte für Begeisterung, die Schale wurde eher beiläufig betrachtet). Vielleicht haben auch die anderen ja mehr „echte“ Wünsche als wir mit unseren „kreativen“ Geschenken so glauben….

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