Karstadt verzweifelt

Ich habe – noch aus Zeiten vor der Kaufdiät – ein Kundenkarte von Karstadt. Deswegen habe ich dank regelmäßiger Kundenpost einen ziemlich guten Einblick in aktuelle Entwicklungen bei Karstadt (und Karstadt vermutlich seinerseits einen guten Einblick in meine aktuellen Kaufentwicklungen). Während mich offensive Rabatte noch vor einigen Monaten zu Beginn der Kaufdiät in große Versuchung geführt haben (siehe hier beschrieben), erregen die Kundenbriefe inzwischen eher mein Mitleid. Ich beginne mir ernsthaft Sorgen um Karstadt – immerhin unser einziges Kaufhaus in der Stadt – zu machen. Wie verzweifelt muss Karstadt sein, um seinen Kunden 70 % Rabatt zu gewähren? Oder 40 € Rabatt, wenn man für 200 € einkauft! Müssen die ihren Laden räumen? Steht Karstadt kurz vor der Insolvenz und muss dringend Geld heranschaffen? Oder sind die Produkte bei Karstadt so ein Schund, dass sie nichts mehr wert sind?

Es könnte natürlich auch umgekehrt sein: Karstadt hat meine Kaufdaten analysiert – eine auffällige Anomalie im Big Data Gewirr der Kundendaten, da kauft jemand nicht trotz Rabatten! Vielleicht macht sich Karstadt Sorgen um mich? Und bombardiert mich mit besten Hilfsabsichten mit Rabatt-Aktionen?

Seit ich nichts mehr kaufe, kommt mir der ganze Wahnsinn dieser Rabatte erst so richtig seltsam vor. Das ist mir früher nicht so aufgefallen. Aber inzwischen frage ich mich: Kann ich es überhaupt kaufen, wenn es so billig ist? Kann für den Preis ja eigentlich nichts gescheites sein, oder? Oder hat uns der Handel mit den früheren Preisen vollkommen zum Besten gehalten?

Deswegen wirken Rabatte bei mir überhaupt nicht mehr, aber auch Edles führt mich nicht mehr in Versuchung. Denn ich bin nach fast fünf Monaten Konsumverzicht so immun gegen Kaufimpulse geworden, dass ich sogar -wie vergangenes Wochenende – völlig entspannt über einen wunderschönen Töpfermarkt schlendern kann. Ich freue mich an den schönen Schalen, Tassen, Tellern, die am Verkaufsstand so herrlich aussehen, dass man sich kaum entscheiden kann. Wie wunderbar, dass ich mich gar nicht zu entscheiden brauche. Und dass ich nicht ein kleines Vermögen ausgebe, dann eine Keramik heimschleppe, die irgendwie zuhause zwischen lauter anderem Krempel nicht halb so schön wirkt wie auf dem Töpfermarkt. Und der man dann, damit sie nicht so einsam deplatziert wirkt, gleich auf dem nächsten Töpfermarkt noch zwei bis drei weitere Schalen hinterher kaufen muss. Nein, ich habe genussvoll alle Keramiken bewundert und mir gedacht, dass ich mir eines Tages, wenn mir absolut keine Anschaffung für den Monat mehr einfällt, mal einen getöpferten Kartoffeltopf holen werde. Die sind echt schön. Aber solange geht es meinen Kartoffeln auch noch prima in der Papiertüte im Schrank.

Karstadt und Töpfer müssen solange leider weiter an uns verzweifeln.

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