Vom Kaufentzug zur Kaufunlust – 6 Monate Kaufdiät

Etwas still war es um unseren Blog geworden die letzten Wochen. Warum? Weil wir inzwischen so entspannte Kaufdiäter geworden sind, dass wir uns immer weniger Gedanken darum machen. Zeit, nach 6 Monaten Kaufdiät eine kurze Zwischenbilanz zu ziehen. Hier also ein paar unserer ersten Einsichten:

  1. Pro Woche geht ein Dings kaputt. Mindestens.

Diese Erkenntnis hat uns eigentlich mit am meisten überrascht. Uns ist früher nie aufgefallen, wie viel ständig kaputt geht. Weil wir halt einfach beiläufig Ersatz gekauft haben. War ja nicht schlimm, wenn mal eine Hose kaputt geht. Oder ein Mehrfachstecker. Oder ein Toaster. Oder eine Teekanne. Oder ein BH. Oder, oder, oder…. Wenn man nur einen Gegenstand pro Monat kaufen darf, ist das plötzlich aber schon schlimm. Und jedes kaputte Dings fühlt sich im ersten Moment wie eine kleine „Katastrophe“ an, die den Alltag ungemütlich zu machen droht. Deswegen ist uns Haltbarkeit & Qualität wirklich wichtig geworden. Ich denke mal das behauptet jeder von sich, ich habe uns auch schon vor der Kaufdiät für „Qualitätskäufer“ gehalten. Da habe ich mich wohl verschätzt. Aber wenn man mehrere Monate auf einen Ersatzkauf warten muss, wird Qualität zum Überlebenskriterium. Das einzige Problem dabei: Wie erkenne ich wirkliche Qualität? Da haben wir leider noch keine Patentlösung, da sowohl teure als auch billige Dinge kaputt gehen.

2. Nur sehr wenige der kaputt gegangen Dinge sind unverzichtbar und müssen ersetzt werden.

Klar ist jedes kaputte Dings im ersten Moment ein Verlust und eine ungemütliche Umstellung. Aber wir haben gemerkt: Nach ein paar Tagen oder Wochen ist es, als hätte es das Ding nie gegeben. Und das obwohl wir im ersten Moment meistens vor einem vermeintlich „unlösbaren“ Problem standen. Es fanden sich aber fast immer andere mehr oder weniger provisorische Lösungen, an die man sich erstaunlich schnell gewöhnt, auch wenn sie zunächst unkomfortabel erscheinen. Entspannt sehe ich inzwischen Dinge kaputt gehen und entsorge sie einfach, ohne sie zu ersetzen.

Die Badewannen-Gummimatte der Kinder ist verschimmelt und beim Waschen eingerissen? Egal, es geht bestens auch ohne (niemand ist ausgerutscht, niemand drohte in der Wanne zu ertrinken). Die jetzt kaputte Lichterkette, die für die Kinder beim Schlafen das Nachtlicht war? Geht auch mit einer anderen Lampe. Der kaputte Mehrfachstecker, an dem diverse Geräte hingen? Wir haben etwas umgestellt, umgesteckt und einen kleineren Anderen woanders „eingespart“ und als Ersatz genommen. Der kaputte Toaster? Dazu habe ich hier schon was geschrieben. Der W-LAN Stick ist kaputt? Wir haben eben das alte LAN-Kabel wieder rausgekramt (hier die Story).

3. Kaufdiät ist ein wunderbarer Weg in den Minimalismus. Und manchmal das Gegenteil von Ausmisten.

Die meisten Minimalisten, von deren Aktivitäten ich bisher gelesen habe, beginnen mit dem Ausmisten. Das war eigentlich auch mein Vorsatz für dieses Jahr. Nach 6 Monaten Kaufdiät bin ich vollkommen überzeugt, dass die Kaufdiät der wichtigste Schritt ist.  Denn klar haben auch wir viel Krams, den wir vielleicht gerne ausmisten würden, um uns dann wenige schöne Dinge in schlichterem, „minimalistischeren“ Design zuzulegen, damit unsere Wohnung endlich so schön klar und aufgeräumt wirkt wie in „Schöner Wohnen“. Ausmisten ist befreiend, ganz klar.  Aber es gibt einen zentralen Unterschied: Wenn man ausmistet, entsorgt man Dinge, weil man sie nicht mehr schätzt. Wenn man nichts mehr kauft, fängt man plötzlich an, Dinge zu schätzen, die man vorher ausgemistet hätte. Ohne den ollen Krempel wären wir wesentlich weniger gut durch unsere ersten 6 Monate Kaufdiät gekommen. Und ich habe auch schon das ein oder andere wieder aus der Flohmarktkiste oder dem Altkleidersack hervorkramen müssen.

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3. Kaufrausch war gestern: Nach dem „Entzug“ kommt die Freiheit.

Am Anfang war die Kaufdiät tatsächlich wie ein Entzug. Obwohl ich nie die große Shopping-Queen war, ist es mir schwer gefallen, mich gegen die ständigen Konsum-Versuchungen zur Wehr zu setzen. Sobald sich ein Grund bot (also sobald z.B. was kaputt ging, ein Rabatt oder Sonderangebot winkte), sprang sofort der Kaufimpuls an. Das hat sich vollkommen geändert. Entspannt gehe ich durch die Stadt. Läden, Sonderangebote, Werbung perlt vollkommen an mir ab. Am deutlichsten wird mir das, wenn ich Läden betrete und schöne Dinge sehe: Ich kann sie mir ansehen, ohne sie haben zu wollen. Selbst das, was ich noch vor ein paar Wochen für so wahnsinnig nötig gehalten habe, z.B. eine Sonnenbrille, vermisse ich inzwischen gar nicht mehr (Na ja, das könnte auch am diesjährigen Sommer liegen… ) Manchmal dachte ich auch morgens vor dem Kleiderschrank an die Jeans, die ich so dringend brauche und die ich jetzt im August endlich kaufen darf. Jetzt ist August und ich bin immer noch ganz entspannt. Vielleicht kaufe ich sie erst in den nächsten Wochen irgendwann. Oder im September. Oder irgendwann eben. Ging ja bisher auch so. Jeden Tag wieder irgendwie… Das ist eine Freiheit, die ich nicht mehr missen möchte. Und ich habe eine relativ klare Kaufagenda für die nächsten Monate im Kopf, Dinge, die wir wirklich unbedingt brauchen. Angesichts dieser klaren Prioritäten bin ich kaum zu Impulskäufen zu verlocken.

4. Ein paar Monate nichts kaufen? Gar kein Problem! Aber wird es langfristig funktionieren?

Eine weitere Erkenntnis war: Man kann ohne weiteres einige Monate gar nichts kaufen. Das hätten wir auch problemlos geschafft, also auch ohne einen Gegenstand pro Monat zu kaufen. Denn wir haben gelernt, Bedürfnisse aufzuschieben. Jeden Monate ein Dings kaufen, heißt also immer warten. Abwägen. Prioritäten setzen. Funktioniert wunderbar. Wir hätten bei allem, was wir gekauft haben, auch noch etwas länger warten können. Notfalls. Aber dann hat man irgendwann einen gewissen „Investitionsstau“. Denn manche Dinge muss man halt doch ersetzen. Und das ist der einzige Punkt, über den ich mir einige Gedanken mache, denn wir wollen ja nicht nur ein Jahr nichts kaufen, sondern dauerhaft nur noch ein Dings pro Monat. Wie langfristig lässt sich unsere Kaufdiät durchhalten? Oder müssen wir irgendwann so viele Sonderregeln einführen, dass es etwas willkürlich wird? Ich knabbere z.B. immer noch an unserer „Wäsche-Sonderregelung„.

Hier einige Beispiele für meine Sorgen: Im nächsten Sommer dürften Schuhe ein wichtiges Thema werden. Meine Sandalen sind inzwischen alle recht ausgelatscht. Bei einigen Exemplaren fürchte ich, dass das ihre letzte Saison sein wird.

Und wie machen wir das eigentlich mit Weihnachten? Wenn jeder von uns ein Geschenk bekommt, sind das vier Gegenstände, dann dürften wir eigentlich ab September nichts anderes mehr kaufen. Oder schenken wir uns dieses Jahr nichts? Oder nur Immaterielles? Ganz deutlich überwiegen bei uns nach fast 6 Monaten Kaufdiät inzwischen ganz praktische Bedürfnisse. Ich fände z.B. einen Wintermantel ein ganz tolles Geschenk. Den brauche ich nämlich dringend (den erbärmlichen Zustand meines bisherigen Mantels habe ich hier ja schon beschrieben). Den bräuchte ich allerdings dringend schon vor Weihnachten.

Aber vermutlich läuft es hier ähnlich wie bisher. Irgendeine Lösung findet sich immer. Das ist eigentlich die zentralste Erkenntnis aus 6 Monaten Kaufdiät.

 

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5 Gedanken zu “Vom Kaufentzug zur Kaufunlust – 6 Monate Kaufdiät

  1. Hallo!

    Am besten gefällt mir Dein Punkt „Kaufdiät als Weg in den Minimalismus“ Das sehe ich nämlich auch ganz genau so!

    Ich halte nun schon seit 3 Jahren Kaufdiät und mir geht gar nichts ab. Super gut gefällt mir der Punkt auch mit den kaputten Sachen. Mit ein bisschen Kreativität hat man meist schnell eine Lösung gefunden! Kaum etwas ist unersetzlich.

    Meine Sonderregel ist dass ich Unterwäsche und Socken kaufen kann, wenn ich das wirklich brauche. Auch Schuhe zählen dazu, vor einem Jahr habe ich Turnschuhe gebraucht für einen Wanderurlaub. Socken musste ich bis jetzt auch 1 x kaufen.

    Das Leben wird viel einfacher durch die Kaufdiät finde ich!

    lg
    Maria

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    • Hallo Maria,
      wie schön, dass dir der Beitrag gefällt, denn ich bin ein großer Fan deines Blogs! 3 Jahre Kaufdiät, da ziehe ich den Hut! Kaufst du überhaupt gar nichts mehr und nur noch Unterwäsche/Socken und Schuhe???
      Du hast recht, das Leben wird letztendlich einfacher. zumindest wenn man die „Anpassungsphase“ überwunden hat, denn kreative Lösungen finden ist schon manchmal etwas anstrengend, aber shoppen und das nötige Kleingeld dazu zu verdienen ja schließlich auch… :o) Ich finde deine kreativen Nählösungen übrigens immer super. Ich glaube, ich muss mich mal zu einem Nähkurs anmelden, damit ich das Spektrum der kreativen Lösungen etwas erweitern kann. Das macht die Kaufdiät sicher leichter. Da habe ich auf deinem Blog schon so tolle Anregungen gefunden!
      Viele Grüße
      Martina

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      • Hallo Martina!

        Mittlerweile kaufe ich auch kaum noch Lebensmittel, da ich bei foodsharing mit mache.

        Es ist aber für mich eigentlich keine Diät im engeren Sinne, denn ich entbehre gar nichts! Es gibt einfach genug auf dieser Welt, ich muss nichts Neues anschaffen.

        Unterwäsche habe ich derzeit noch genug, BH habe in den letzten 3 Jahren gekauft, weil ich keine Bügel-BH mehr trage. Und Socken waren 1 x notwendig.

        Ich hätte nie gedacht, dass sich das einmal so entwickeln würde. Heute bin ich total froh, dass ich in kein Einkaufszentrum mehr zu gehen brauche!

        Freut mich sehr, dass Dir mein Blog und meine Anregungen so gut gefallen, selber machen macht mir viel Freude. Vielleicht findest Du ja für Dich auch noch einen Weg in diese Richtung?

        lg
        Maria

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      • Hallo Maria,
        wow, damit bist du ja ein ziemlich ambitioniertes Kaufdiät-Vorbild! Ob wir auch eines Tages so weit kommen? Aber wie schön, dann haben wir jetzt ja ein ehrgeiziges Ziel, das wir die nächsten Jahre noch anstreben können. Ich bin gespannt, wie weit wir kommen! Ums selber machen führt dann wohl kein Weg herum! Daran könnten wir noch arbeiten! Vielen Dank für die Anregungen!
        Viele Grüße
        Martina

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      • Hallo Martina!

        Ich hatte nie ein Ziel dieser Art vor Augen, möglicherweise wäre ich genau dadurch dann gescheitert.

        Es hat sich einfach so ergeben, mit der Zeit habe ich so viele Alternativen gefunden, dass ich gar keine Lust mehr habe zu kaufen!

        Es ist auch keine Diät bzw. Verzicht für mich, sondern hat sich so zu meinem Leben entwickelt. Ganz behutsam, ohne Druck.

        Ich wünsche Dir, dass Ihr für Euch einen guten Weg findet!

        lg
        Maria

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