Wir fressen sie auf. Kaufdiät gegen Earth Overshoot Day.

Ab heute sind die weltweiten Ressourcen aus. Wir haben alles aufgefressen, aufkonsumiert. Denn heute ist ein besonderer Tag: Es ist Earth Overshoot Day, der Tag an dem wir alle in diesem Jahr nachwachsenden Ressourcen des Planeten aufgebraucht haben. Den Rest des Jahres werden wir nun unseren Kindern die Ressourcen der Zukunft wegnehmen. Im letzten Jahr lag dieser Tag noch am 13. August. 1987 war es noch der 19 Dezember. Hier das erschreckende Bild des Desasters:

Jahr Overshoot Day
1987 19. Dezember
1990 7. Dezember
1995 21. November
2000 1. November
2005 20. Oktober
2009 25. September
2010 21. August
2016 8. August

Wir bewegen uns also mit immer schnellerer Geschwindigkeit auf den totalen Kahlschlag unseres Planeten zu. Errechnet hat das alles das Global Footprint Network.

Am frustrierendsten daran finde ich eine Zahl, die ich unlängst auf einem wissenschaftlichen Vortrag hörte: Der Naturverbrauch in Deutschland beträgt im Durchschnitt etwa 70 Tonnen pro Einwohner und Jahr und davon verbleiben nur etwa 20 Prozent länger als ein Jahr in unserer Technosphäre (die Zahl stammt aus Schmidt-Bleek 2007: Nutzen wir die Erde richtig?). Der Rest ist also Müll oder Kollateralschaden unserer Lebensweise?

Wie das sein kann? Ich denke, wir unterschätzen die Kollateralschäden unserer Lebensweise. Wenn man sich Bilder von Minen ansieht, in denen die seltenen Erden für unsere Elektronik-Industrie gewonnen werden, wird deutlich, welche immensen Flächen zerstört werden, nur um die winzigen Mengen an diesen Metallen zu gewinnen, die wir in unseren Elektrogeräten benötigen (wer sich dafür interessiert: Hier oder hier ein kurzer Artikel oder hier für alle, die es ganz genau wissen wollen).

Das Problem erschließt sich uns auch im Laufe unserer Kaufdiät zunehmend am eigenen Leib. Ich habe ja schon vielfach von unseren Erfahrungen berichtet, dass jede Woche mindestens ein Dings kaputt geht. Man betrachte sich z.B. nur mal allein den Elektroschrott, den wir als vierköpfige Familie innerhalb von nur 6 Monaten produziert haben: Ein Toaster, ein Mehrfachstecker, ein Kopfhörer, ein W-LAN-Stick, eine Lichterkette, ein Kinder-Dudel-Telefon, das wir mal geschenkt bekamen. Sowie (nicht zu sehen, weil noch eingebaut oder vom Monteur mitgenommen) das kaputte CD-Laufwerk unseres Notebooks sowie die Elektrosteuerung und noch irgendein Elektronik-Dings in unserer nur 5 Jahre alten Waschmaschine. Unsere Waschmaschine als ganzes konnten wir wenigstens vor dem Elektroschrottplatz bewahren, obwohl der Monteur 3x (!) kommen musste und der Reparaturpreis 65 % des  Neupreises betrug.

 

Gut, all diese Dinge sind jetzt länger als 1 Jahr in der Technosphäre verblieben. Aber wenn man überlegt, wie viele Tonnen Erde für die Gewinnung der in diesen Elektromaterialien enthaltenen Metallen und seltenen Erden bewegt werden mussten und was das an Ressourcenzerstörung bewirkt hat, dann erscheinen mir unsere ZeroWaste- und Plastikvermeidungs-Aktivitäten im Haushalt geradezu wie ein Tropfen auf den heißen Stein verglichen allein mit unserem Elektroschrott. Deswegen führt an einem Konsumverzicht letztlich wohl kein Weg vorbei.

Denn irgendwie kann das ja nicht so bleiben mit unserem Konsum und unserem Ressourcenverbrauch. Denn sonst – auch das war Thema des oben genannten Vortrags – werden wir bis Mitte des Jahrhunderts 4 Erden benötigen, um unseren Ressourcenverbrauch zu decken. Alle, die das auch nicht wollen, kann ich nur herzlich einladen, auch mal eine Kaufdiät auszuprobieren. Ist toll! Wirklich! Ihr werdet eine ganz neue Perspektive auf Eure Dinge und Euch selbst entwickeln. Versprochen! Anregungen findet ihr hier in unserem Blog. Der Earth Overshoot Day ist ein idealer Tag, um damit zu beginnen. Denn ab heute kann man nichts mehr nachhaltig kaufen, ab jetzt ist alles nur noch auf Pump. Schreibt uns von Euren Erfahrungen!

Unseren Beitrag zum Earth Overshoot Day verlinken wir bei der EINAB-Blogparade.

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3 Gedanken zu “Wir fressen sie auf. Kaufdiät gegen Earth Overshoot Day.

  1. Das sind ja deprimierende Zahlen. Man weiß, dass es schlimm ist. Aber wenn man es dann in Zahlen sieht, überkommt einen das blanke Grauen. Und den meisten Leuten ist es nicht einmal bewusst, was sie anrichten. Wir sind ja inzwischen eine Generation, die es gar nicht mehr anders gelernt hat! Danke, dass du diese Zahlen mit EiNaB geteilt hast!
    Viele Grüße, Marlene

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    • Hallo Marlene,
      ja ich wundere mich auch immer, warum trotz solcher Zahlen (fast) alle so tun, als könnten wir einfach immer so weitermachen. Das ist wahrscheinlich der springende Punkt: Vom Bewusstsein, was man anrichtet, auch zum Handeln zu kommen. Du hast recht, dass müssen wir vielleicht erst wieder lernen. Ich habe das Gefühl, dass das frühere Generationen (z.B. unsere Großeltern) noch viel besser gemacht haben. Davon können wir viel lernen. Und ich lerne auch wahnsinnig viel von all den Bloggern, die ihre Ideen, Rezepte, Anleitungen etc. teilen. Auf deinem Blog habe ich z.B. gerade gesehen, dass du einen CO2-neutralen Blog hast?! Das ist ja toll, Wie macht man das?
      Viele Grüße
      Martina

      Gefällt 1 Person

      • Hallo Martina,
        das ist überhaupt eine gute Idee mal unsere Großeltern anzuschauen. Obwohl sie oft die finanziellen Mittel dazu hätten, kaufen sie doch nicht unendlich viel Zeug, reparieren viele Dinge und produzieren ganz höchstwahrscheinlich nicht so viele Essensreste wie wir.
        Ein Blog kann einerseits, wenn man ihn selbst hostet, bei einem Host, der Ökostrom nutzt oder irgendein Aufforstungsprogramm hat, online gestellt werden. Wenn man wie ich WordPress o.ä. nutzt, kann man z.B. selber Bäume pflanzen, die dann den Stromverbrauch des Blogs ausgleichen sollen. Entweder so richtig selbst oder wie ich via „I plant a tree“. Als ich damit angefangen habe, ist im Blog eine regelrechte Debatte über die ökologisch sinnvollste Variante entbrannt: https://verrueckteshuhn.wordpress.com/2015/01/24/update-das-co2-neutrale-huhn/ und sicher gibt es dazu immer noch verschiedene Ansichten.
        Viele Grüße
        Marlene

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