Winnetou von der Straße gerettet

Ist Winnetou für heutige Kinder noch ein Held? Oder ist das reine Elternnostalgie? Kommen Indianergeschichten noch gegen Star Wars an? Ich hoffe, unser Sohn kommt eines Tages ins Karl May-Alter. Und unsere Tochter auch. Für diesen Fall haben wir jetzt schon mal vorsorgen können. Denn da lagen doch auf dem Heimweg tatsächlich alle Winnetou-Bände und noch ein paar weitere Karl-May Schinken einfach so in einer Kiste auf der Straße. Die haben wir also fleißig gerettet (Dinge von der Straße retten dürfen wir trotz Kaufdiät).

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Faust war auch drin. Aber den haben wir liegen lassen. Den haben wir nämlich schon zuhause. Ist das jetzt ein Fauxpas? Es waren noch ein paar andere interessante Bücher drin, darunter einige, die wir auch haben. Keine typischen Bücher, z.B. eines über die Macht des Gewissens. Wer außer uns hat diese Bücher? Das Buch über das Gewissen ist fantastisch, aber ich habe es noch nie bei jemand gesehen. Irgendwie hätte ich diese Leute  gern kennengelernt. Sie müssen uns irgendwie seelenverwandt sein. Oder eben nicht. Denn warum stellen Sie diese Bücher auf die Straße? Vielleicht möchten sie ihren Haushalt minimalistischer gestalten?

Bei mir persönlich endet bei Büchern mein Wille zum Minimalismus. Der Verzicht auf Buchkäufe ist der härteste Aspekt der Kaufdiät. Denn manche Bücher brauche ich zuhause. Ich muss sie immer wieder sehen, damit ich sie entweder wieder einmal lese oder aber allein durch ihre Sichtbarkeit wieder an das erinnert werde, was ich aus ihnen gelernt habe. Bücher, die ich aus der Bücherei ausleihe, verschwinden oft nach dem Lesen wieder aus meinem Bewußtsein. Bücher, die ich im Schrank habe, nie. Sie tauchen immer wieder plötzlich auf. Und packen mich immer wieder neu. Wenn ich ein Buch nach vielen Jahren wieder lese, fallen mir plötzlich ganz andere Dinge auf und mir kommen ganz andere Gedanken dazu. In meinen Büchern zu stöbern ist eine niemals endende, niemals langweilige Beschäftigung.

Zugegeben, auch in meinem Bücherschrank gibt es Bücher, für die einmal ausleihen gereicht hätte. Auf die ich gut verzichten kann. Einige auch, die ich wirklich nicht mag und die ich nur gekauft habe, weil sie so gehypt wurden. Nick Hornby zum Beispiel. Den kann ich ja mal auf die Straße stellen. Es gibt bestimmt viele Leute, die ihn sofort retten würden. Und die sich dann vielleicht fragen, wer da so seelenverwandt mit ihnen ist… :o)

Ich frage mich da eher: Wo sind all die Indianer hin? Ich hoffe, mein Sohn wird mal einer. Und meine Tochter auch. Deswegen war der gerettete Winnetou eine tolle Sache. Ich nehme das Buch gleich mit in den Urlaub. Wird höchste Zeit, dass ich mich mal wieder auf indianische Tugenden besinne…

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