Die Lösung liegt auf der Straße

Die Regel, das jede Woche ein Gegenstand kaputt geht, stimmt leider immer noch: Diesmal der Kindergartenrucksack der kleinen Maus. Das ist nun schon unser zweites Rucksackproblem in 6 Monaten Kaufdiät: Der Rucksack des kleinen Tigers wurde uns beim Schwimmkurs geklaut. Nun ist es also der Reißverschluss. Na ja, der Rucksack war auch schon drei Jahre im Einsatz, das finde ich für ein von den Kindern täglich ziemlich malträtiertes Objekt gar nicht schlecht.

Während wir den Diebstahl noch mit dem im neu gekauften Schulranzen enthaltenen Rucksack gut im Rahmen der Kaufdiät lösen konnten, war die Maus nun erstmal zwei Wochen wegen der Kaufdiät ohne Rucksack im Kindergarten. Den normalen Inhalt des Rucksacks transportierte ich in Stoffbeuteln oder in meiner Handtasche. Beides recht suboptimal, vor allem meine Handtasche. Darin vergaß ich fast jeden zweiten Tag die Brotzeitdose, so dass die Maus ohne Brotzeit im Kindergarten saß und ich mit ihren Schnittchen und Apfelschnitz im Büro. Außerdem transportiert so ein Kindergartenrucksack häufig stark verdreckte Kinderwäsche, also etwas, was ich weder in meiner Handtasche noch im durchsichtigen Müllbeutel durch die Stadt tragen wollte.

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Aber wie oft in unserer Kaufdiät erledigen sich manche Probleme von selbst: In einer Box mit der Aufschrift „zu verschenken“, die auf der Straße stand,  fanden wir diesen – na ja mäßig hübschen – Rucksack, den die kleine Maus aber zu meinem Erstaunen ganz ohne Einhörner, Eisköniginnen oder Glitzer drauf gleich freudig adoptierte und stolz nach Hause trug. Da hat der zweiwöchige Mangel offenbar die Ansprüche deutlich gesenkt. Ich habe ihr auf ihren Wunsch hin aber wenigstens noch ein paar Blümchen draufgenäht.

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Wir müssen raus…

Die Kaufdiät-Familie ist mit einem familiären Super-GAU konfrontiert: Wir haben eine Kündigung unserer Wohnung wegen Eigenbedarf erhalten. Wir sind tief deprimiert, denn wir wohnen seit über 10 Jahren hier und lieben diese Wohnung.

Neben all den anderen Sorgen, die einem solch ein Einschnitt bereitet, fragen wir uns natürlich auch, was dies für unsere Kaufdiät bedeutet. Nichts kaufen ist vor allem dann ohne weiteres möglich, wenn man sein Leben bereits gut optimiert und eingerichtet hat. Das ist nach 10 Jahren in derselben Wohnung ja in der Regel der Fall. Aber ein Wohnungswechsel stellt da natürlich einiges infrage: Küchen müssen umgebaut werden, Kleiderschränke passen nicht mehr, Küchentische sind zu groß/zu klein usw..Wie sollen wir das innerhalb der Kaufdiät bewältigen?

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Bei uns kommt noch eine Sondersituation hinzu: Wir wohnten bis vor einem Jahr als WG in unserer Wohnung. Unsere Freundin räumte vor einem Jahr die von ihr bewohnten Zimmer, um zu ihrem Partner aufs Land zu ziehen, behielt bei uns jedoch ein kleines Zimmer, das sie gelegentlich zum übernachten in der Stadt nutzt. Deswegen ließ sie einen großen Teil ihrer Einrichtungs- und Küchengegenstände zunächst hier. Das sind natürlich alles Dinge, die wir eifrig nutzen und die uns dann evtl. schlagartig verloren gehen.

Nun ja, kommt Zeit kommt Rat, können wir nur hoffen… Und sicherheitshalber schon mal eine weitere Ausnahme vorsehen: Renovierungsbedarf ist von der Kaufdiät ausgenommen…

Medizin-Kaufdiät

Kaum sind die Temperaturen wieder gesunken, hat bei uns pünktlich die Familien-Erkältungssaison begonnen. Also habe ich bei den ersten aufkommenden Krankheitssymptomen seit dem Frühjahr zum ersten Mal seit Monaten wieder mal die Medikamenten-Box sichten müssen. Und gleich mal einen ganzen Haufen abgelaufener Medikamente aussortiert. Da ich meinen Müll wiege, um Fortschritte bei der Müllreduzierung feiern zu können und mich zu motivieren, habe ich festgestellt, dass unsere Familie allein mit diesem einen Ausmisten 2 kg Medizin-Müll produziert hat!

Also habe ich mir den Müll mal genauer angeschaut und folgendes festgestellt:

  1. Vieles hatte ich doppelt und dreifach. Das liegt wohl daran, dass wenn ich ein krankes Kind zum Arzt schleppe, den Bestand unserer Medizinbox nicht genau genug kenne, um dann von den verschriebenen Dingen nur das zu selektieren, was wir wirklich neu brauchen. Also mein neuer Vorsatz: Kein Gang mehr zum Arzt ohne vorheriges intensives Studium des aktuellen Medikamentenbestandes. Darüber muss ich dann auch den geduldigsten Ehemann von allen sorgfältig informiert halten, der sich auch gern was von der Apotheke mitbringt…
  2. Brauche ich alles, was Ärzte so aufschreiben? Meistens sind auf dem Rezept gleich mehrere Dinge drauf, z.B. Hustensaft, Fiebersaft, …. Das kriegt man dann alles schön in der Apotheke so en bloc ausgehändigt. Ich habe mir bereits angewöhnt, einzelne Dinge gleich wieder zurückgehen zu lassen, die die Kinder eh erfahrungsgemäß nicht akzeptieren (z.B. stündlich zu verabreichende übel schmeckende homöopathische Tropfen). Diese Praxis muss ich wohl noch ausbauen. Auch alternative Heilmittel sind in diesem Fall nicht immer die minimalistischere Alternative. Unsere Kinderärztin schreibt uns gefühlt zu jedem klassischen Medikament zusätzlich was Homöopathisches auf. Zusätzlich pflege ich einen eigenen Bestand an Thymian-Myrrthe-Balsam, Engelwurzbalsam, Bienenwachsauflagen für Wickel u.ä.. Gerade diese naturheilkundlichen Dinge halten nur eine Saison, weil sie nach Anbruch schnell aufzubrauchen sind.

Eigentlich brauche ich also sowas wie eine minimalistische Haus-Apotheke, einen gut gepflegten, übersichtlichen Bestand, der nur in absoluten Notfällen um entsprechende Präparate ergänzt wird. Hier also meine Bestands-Liste, mit der ich versuchen will, über die kommende Erkältungssaison zu kommen:

  • 1 Fiebersaft gegen Schmerzen
  • Paracetamol für den Notfall
  • Thymian-Myrrthe Balsam für Schnupfen und zum Inhalieren
  • je einmal abschwellende Nasentropfen für die Kinder (wichtig, weil der Tiger schnell Probleme mit den Ohren hat)
  • Meersalz-Nasenspray => brauche meine Vorräte noch auf, dann muss ich mal versuchen, ob man das nicht selbst machen kann, hat irgendjemand einen Tipp?
  • Kochsalzlösung zum Inhalieren/Vernebeln => hilft super bei Husten
  • 1 Schleimlöser (da soll mir diese Saison nur max. 1 Präparat ins Haus kommen, ausgemistet habe ich allein drei verschiedene, wenn überhaupt eines sein muss, also nur wenn wir Bronchitis nicht mit dem Vernebler in den Griff kriegen…)
  • Sinupret/Gelomyrtol für mich und den geduldigsten Ehemann von allen, wenn es wieder mal die Nebenhöhlen trifft, da sind wir leider anfällig für üble Komplikationen
  • Bienenwachsauflage für Brustwickel (ebenfalls super bei Husten und Bronchitis)
  • Propolis (zum Gurgeln bei Halsschmerzen und zum Einnehmen bei ersten Krankheitssymptomen)
  • Emser Lutsch-Pastillen (bei Halsschmerzen)
  • Elektrolytlösung (bei Durchfall/Erbrechen)
  • Insektenstichgel
  • Desinfektionsmittel

Alle anderen Naturheilmittel wie Ingwer (als Tee bei Erkältung), Kartoffel (Halswickel), Kamille (Bauchweh), Salbei (Halsschmerzen), Zwiebeln (Ohrenschmerzen, Hustensaft), Honig (Hustensaft) kann man ja unverpackt bzw. so einkaufen, dass Reste vernünftig aufgebraucht werden können. Im Gegensatz zu den Medikamente ist das ja alles essbar. Alles andere – so nehme ich mir vor – werde ich mal konsequent zurückweisen, auch diverse Tröpfchen, Sälbchen und Kügelchen.Und  Tschüss Umckaloabo und Co.! Notfälle und ungewöhnliche Krankheiten sind natürlich ausgenommen. Eigentlich müsste ich mit den oben genannten Dingen für alle Erkältungsszenarien gut gewappnet sein, oder? Also mal sehen, was aus diesem Versuch im Laufe der Erkältungssaison noch wird…

Die ersten Erkältungssymptome haben wir zumindest mit Zwiebel-Ohrenwickeln und Nasentropfen bislang gut in Schach gehalten.

Außerdem: Wenn ich unsere Hausapotheke so reduziere, hätte ich gleich mal ein ganzes Schrankfach frei! und hoffentlich keine 2 kg Müll mehr beim nächsten Ausmisten!

Was darf in die Tüte?

In meinen ZeroWaste-Leben, an dem ich seit eineinhalb Jahren emsig arbeite, habe ich schon einige schwierige Dinge geschafft: Zum Beispiel einen plastikmüllfreien Kindergeburtstag. Aber vor dieser Herausforderung habe ich kapituliert: Wie kann eine plastikmüllfreie Schultüte aussehen, die diesen Namen verdient? Also jetzt mal aus Sicht der Kinder. Der plastikfreie Kindergeburtstag war ein totaler Erfolg, die Kinder fanden die Weckgläschen am Karabinerhaken mit Gummibärchen (im img_0681Tante Emma Laden einzeln gekauft) als give away super (war noch vor der Kaufdiät, da durfte ich noch 12 Weckgläschen und Karabinerhaken kaufen). Gab ja auch noch Kuchen, Muffins, Smarties… Aber eine ganze Schultüte mit Weckgläschen, Gummibärchen und selbstgebackenen Haferkeksen füllen? Das fand ich dann doch wirklich für diesen Anlass zu dröge. Ich will meine Kinder ja nicht zum Öko-Diktat zwingen. Ich habe hin und her überlegt: Baumwollbeutelchen mit Schokopralinen? Scheidet bei Temperaturen über 26 °C aus. Nicht-Süssigkeiten-Geschenke? Müsste ich ja kaufen, widersprechen also eigentlich der Kaufdiät.

Also habe ich irgendwann hemmungslos meine Prinzipien für diesen einen Anlass über Bord geworfen – schließlich kommt man nur einmal im Leben in die Schule –  und einen Haufen plastikverpackter Lieblingssüßigkeiten meiner Kinder für die Schultüte gekauft (die kleine Maus hatte auch eine kleine Tüte gekriegt). Süßigkeiten ist eh noch ein schwieriger und nicht sehr konsequent plastikmüllfreier Bereich unseres Lebens.

img_0682Und weil ich dann festgestellt habe, wie verdammt viele Süßigkeiten man für so eine Schultüte braucht und es mich dann noch mehr ernährungs- als plastiktechnisch gegraust hat, habe ich für diesen Anlass auch noch die Kaufdiätregeln gebrochen. Ich wollte dem kleinen Tiger zum Schulstart neben Süßigkeiten noch etwas Bildungsförderndes mit Spaßfaktor mitgeben, also wurde dieses Bildungsspielzeug gekauft. Damit war die Tüte dann schon mal gleich halb voll und der immer noch eindrucksvolle Süßigkeitenbedarf schon mal deutlich reduziert.

Bildungsförderung und Kaufdiät schließen sich offenbar manchmal aus. Das Leben ist leider voller solcher Widersprüche. Am Anfang meiner Müllvermeidungsaktivitäten bin ich oft über dem Widerspruch von Bio-Regional- und Plastikfrei bei jedem Einzelprodukt verzweifelt. Der Entscheidungsprozess beim Einkauf wurde wirklich enorm komplex. Zumindest bis ich mir folgendes, einfaches Prioritätenschema zugelegt und konsequent angewandte habe: 1. Bio, 2. Regional, 3. Plastikvermeidend, 4. sonstigen Müll vermeidend. Also dementsprechend die Prioritäten für die Schultüte: 1. Spaß, 2. Bildung, 3. Süßigkeitenersatz, 4. Kaufdiät, 5. Plastikvermeidung (habe so viel wie möglich papierverpackt gekauft).

Und um noch etwas für die Vergebung meiner Kaufdiät- und Plastiksünden zu werben: Ich habe ganze 4 Schreibwarenläden geentert und wieder verlassen, bis ich endlich im 5. Laden die erforderlichen Schulhefte in Recycling-Papier bekommen habe (Schulbedarf ist von der Kaufdiät übrigens ausgenommen). Und ich bin gern lernfähig für zukünftige Schultüten: In drei Jahren kommt die kleine Maus in die Schule. Bis dahin nehme ich gern Eure Ideen zu meinen Dilemma entgegen!  Was kommt in eine plastikfreie Kaufdiät-Schultüte?

Auf der Hut

Urlaub und Diät sind eigentlich zwei Dinge, die sich per Definition gegenseitig ausschließen, finde ich. Urlaub war für mich stets fast so eine große Kaufversuchung wie ein Bummel durch meine Lieblingsläden. All die wunderbaren Dinge, die man zuhause so eben nicht an jeder Ecke bekommt, und das Bedürfnis eine hübsche Erinnerung mitzunehmen ergaben zusammen immer eine kaufintensive Mischung. Entsprechend nervös blickte ich unserem Urlaub entgegen. Kann man Urlaub überhaupt genießen, wenn man dabei gleichzeitig Diät machen will?

Ich nahm mir also vor, völlig hemmungslos Kalorien zu konsumieren, aber dafür bei der Kaufdiät hart zu bleiben. Unseren erlaubten Gegenstand für September brauchen wir noch für was anderes (eifrige Leser dieses Blogs haben vielleicht eine Vermutung, aber die Auflösung gibts erst in einem der nächsten Beiträge….) Mein einziges Mitbringsel also sollten Pfunde auf den Hüften werden!

Tja, und dann ließ ich gleich am Abend des Anreisetages aus Versehen meinen Sonnenhut im Hotelrestaurant zurück. Als ich am nächsten Tag bei den Mitarbeitern nach demselben fahndete, war er völlig unauffindbar und hatte offenbar eine neue Besitzerin gefunden. Bei Außentemperaturen von einer Woche lang konstant 34 °C blieb mir also leider nur die Wahl zwischen dauerhaftem Verbarrikadieren im Hotelzimmer oder einen Ersatzhut beschaffen. Auf die Sonnenbrille kann ich inzwischen gut verzichten. Aber einimg_2980 Hut musste her, ich hatte in meinem Leben schon einmal einen Sonnenstich, brauche ich echt nicht nochmal… Also wurde als Kaufnotfall ein neuer Hut angeschafft. Ich tröstete mich a) damit, dass der neue Hut zu 100 % aus Papier bestand, so das Etikett, also keine dramatischen Müllberge produzieren wird, und b) mein bisheriger Hut ja nicht zu Müll geworden war, sondern offenbar jemand so gefallen hatte, dass er nicht abgegeben, sondern direkt mitgenommen wurde. Also hat mein Hut hoffentlich jemand anders einen Hutkauf erspart.

img_2964Witzigerweise trat in diesem Urlaub dann als wundersame ausgleichende Gerechtigkeit noch ein zweiter Hut in unser Kaufdiät-Leben: Am Flughafen hing in einem Kinderspielbereich ein Kinder-Strohhut über eine Stunde herrenlos herum, während unsere Kinder als einzige dort spielten. Der Hut stand und passte der kleinen Maus ganz fantastisch, er war wirklich wie für sie gemacht. Also nahmen wir ihn mit, als zu unserer Abflugzeit immer noch niemand zur Rettung des Huts erschienen war und bewahrten ihn damit vermutlich vor dem Müll. Und die kleine Maus liebt ihren Hut nun sehr!

 

Diese Hüte, die uns so das Schicksal (bzw. unsere und anderer Leute Vergesslichkeit) bescherte, blieben aber tatsächlich die einzigen Mitbringsel aus dem Urlaub. Die große Kauf-Versuchung, die mir so Sorgen bereitet hatte, blieb auch im Urlaub aus. Entspannt konnte ich all die schönen Dinge auf den Märkten und den Promenaden betrachten und hatte keinerlei Bedürfnis, irgendetwas davon zu erwerben. Ich glaube, ich bin nach 6 Monaten Kaufdiät“kaufmagersüchtig“ geworden. Ich genieße den Verzicht. Vielleicht fast schon ein bisschen zwanghaft. Nichtmal der Hutkauf machte Spaß, ich wollte eigentlich am liebsten meinen alten Hut zurück.

Dagegen war ich beim Essen alles andere als magersüchtig, so dass sich meine Mitbringsel jetzt deutlich auf der Waage zeigen. Ach, wer braucht eigentlich eine Waage? Kann die nicht endlich mal kaputt gehen? Die wird dann bestimmt nicht ersetzt!