Auf der Hut

Urlaub und Diät sind eigentlich zwei Dinge, die sich per Definition gegenseitig ausschließen, finde ich. Urlaub war für mich stets fast so eine große Kaufversuchung wie ein Bummel durch meine Lieblingsläden. All die wunderbaren Dinge, die man zuhause so eben nicht an jeder Ecke bekommt, und das Bedürfnis eine hübsche Erinnerung mitzunehmen ergaben zusammen immer eine kaufintensive Mischung. Entsprechend nervös blickte ich unserem Urlaub entgegen. Kann man Urlaub überhaupt genießen, wenn man dabei gleichzeitig Diät machen will?

Ich nahm mir also vor, völlig hemmungslos Kalorien zu konsumieren, aber dafür bei der Kaufdiät hart zu bleiben. Unseren erlaubten Gegenstand für September brauchen wir noch für was anderes (eifrige Leser dieses Blogs haben vielleicht eine Vermutung, aber die Auflösung gibts erst in einem der nächsten Beiträge….) Mein einziges Mitbringsel also sollten Pfunde auf den Hüften werden!

Tja, und dann ließ ich gleich am Abend des Anreisetages aus Versehen meinen Sonnenhut im Hotelrestaurant zurück. Als ich am nächsten Tag bei den Mitarbeitern nach demselben fahndete, war er völlig unauffindbar und hatte offenbar eine neue Besitzerin gefunden. Bei Außentemperaturen von einer Woche lang konstant 34 °C blieb mir also leider nur die Wahl zwischen dauerhaftem Verbarrikadieren im Hotelzimmer oder einen Ersatzhut beschaffen. Auf die Sonnenbrille kann ich inzwischen gut verzichten. Aber einimg_2980 Hut musste her, ich hatte in meinem Leben schon einmal einen Sonnenstich, brauche ich echt nicht nochmal… Also wurde als Kaufnotfall ein neuer Hut angeschafft. Ich tröstete mich a) damit, dass der neue Hut zu 100 % aus Papier bestand, so das Etikett, also keine dramatischen Müllberge produzieren wird, und b) mein bisheriger Hut ja nicht zu Müll geworden war, sondern offenbar jemand so gefallen hatte, dass er nicht abgegeben, sondern direkt mitgenommen wurde. Also hat mein Hut hoffentlich jemand anders einen Hutkauf erspart.

img_2964Witzigerweise trat in diesem Urlaub dann als wundersame ausgleichende Gerechtigkeit noch ein zweiter Hut in unser Kaufdiät-Leben: Am Flughafen hing in einem Kinderspielbereich ein Kinder-Strohhut über eine Stunde herrenlos herum, während unsere Kinder als einzige dort spielten. Der Hut stand und passte der kleinen Maus ganz fantastisch, er war wirklich wie für sie gemacht. Also nahmen wir ihn mit, als zu unserer Abflugzeit immer noch niemand zur Rettung des Huts erschienen war und bewahrten ihn damit vermutlich vor dem Müll. Und die kleine Maus liebt ihren Hut nun sehr!

 

Diese Hüte, die uns so das Schicksal (bzw. unsere und anderer Leute Vergesslichkeit) bescherte, blieben aber tatsächlich die einzigen Mitbringsel aus dem Urlaub. Die große Kauf-Versuchung, die mir so Sorgen bereitet hatte, blieb auch im Urlaub aus. Entspannt konnte ich all die schönen Dinge auf den Märkten und den Promenaden betrachten und hatte keinerlei Bedürfnis, irgendetwas davon zu erwerben. Ich glaube, ich bin nach 6 Monaten Kaufdiät“kaufmagersüchtig“ geworden. Ich genieße den Verzicht. Vielleicht fast schon ein bisschen zwanghaft. Nichtmal der Hutkauf machte Spaß, ich wollte eigentlich am liebsten meinen alten Hut zurück.

Dagegen war ich beim Essen alles andere als magersüchtig, so dass sich meine Mitbringsel jetzt deutlich auf der Waage zeigen. Ach, wer braucht eigentlich eine Waage? Kann die nicht endlich mal kaputt gehen? Die wird dann bestimmt nicht ersetzt!

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