Was darf in die Tüte?

In meinen ZeroWaste-Leben, an dem ich seit eineinhalb Jahren emsig arbeite, habe ich schon einige schwierige Dinge geschafft: Zum Beispiel einen plastikmüllfreien Kindergeburtstag. Aber vor dieser Herausforderung habe ich kapituliert: Wie kann eine plastikmüllfreie Schultüte aussehen, die diesen Namen verdient? Also jetzt mal aus Sicht der Kinder. Der plastikfreie Kindergeburtstag war ein totaler Erfolg, die Kinder fanden die Weckgläschen am Karabinerhaken mit Gummibärchen (im img_0681Tante Emma Laden einzeln gekauft) als give away super (war noch vor der Kaufdiät, da durfte ich noch 12 Weckgläschen und Karabinerhaken kaufen). Gab ja auch noch Kuchen, Muffins, Smarties… Aber eine ganze Schultüte mit Weckgläschen, Gummibärchen und selbstgebackenen Haferkeksen füllen? Das fand ich dann doch wirklich für diesen Anlass zu dröge. Ich will meine Kinder ja nicht zum Öko-Diktat zwingen. Ich habe hin und her überlegt: Baumwollbeutelchen mit Schokopralinen? Scheidet bei Temperaturen über 26 °C aus. Nicht-Süssigkeiten-Geschenke? Müsste ich ja kaufen, widersprechen also eigentlich der Kaufdiät.

Also habe ich irgendwann hemmungslos meine Prinzipien für diesen einen Anlass über Bord geworfen – schließlich kommt man nur einmal im Leben in die Schule –  und einen Haufen plastikverpackter Lieblingssüßigkeiten meiner Kinder für die Schultüte gekauft (die kleine Maus hatte auch eine kleine Tüte gekriegt). Süßigkeiten ist eh noch ein schwieriger und nicht sehr konsequent plastikmüllfreier Bereich unseres Lebens.

img_0682Und weil ich dann festgestellt habe, wie verdammt viele Süßigkeiten man für so eine Schultüte braucht und es mich dann noch mehr ernährungs- als plastiktechnisch gegraust hat, habe ich für diesen Anlass auch noch die Kaufdiätregeln gebrochen. Ich wollte dem kleinen Tiger zum Schulstart neben Süßigkeiten noch etwas Bildungsförderndes mit Spaßfaktor mitgeben, also wurde dieses Bildungsspielzeug gekauft. Damit war die Tüte dann schon mal gleich halb voll und der immer noch eindrucksvolle Süßigkeitenbedarf schon mal deutlich reduziert.

Bildungsförderung und Kaufdiät schließen sich offenbar manchmal aus. Das Leben ist leider voller solcher Widersprüche. Am Anfang meiner Müllvermeidungsaktivitäten bin ich oft über dem Widerspruch von Bio-Regional- und Plastikfrei bei jedem Einzelprodukt verzweifelt. Der Entscheidungsprozess beim Einkauf wurde wirklich enorm komplex. Zumindest bis ich mir folgendes, einfaches Prioritätenschema zugelegt und konsequent angewandte habe: 1. Bio, 2. Regional, 3. Plastikvermeidend, 4. sonstigen Müll vermeidend. Also dementsprechend die Prioritäten für die Schultüte: 1. Spaß, 2. Bildung, 3. Süßigkeitenersatz, 4. Kaufdiät, 5. Plastikvermeidung (habe so viel wie möglich papierverpackt gekauft).

Und um noch etwas für die Vergebung meiner Kaufdiät- und Plastiksünden zu werben: Ich habe ganze 4 Schreibwarenläden geentert und wieder verlassen, bis ich endlich im 5. Laden die erforderlichen Schulhefte in Recycling-Papier bekommen habe (Schulbedarf ist von der Kaufdiät übrigens ausgenommen). Und ich bin gern lernfähig für zukünftige Schultüten: In drei Jahren kommt die kleine Maus in die Schule. Bis dahin nehme ich gern Eure Ideen zu meinen Dilemma entgegen!  Was kommt in eine plastikfreie Kaufdiät-Schultüte?

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