Verschenken ist harte Arbeit

Anlässlich unseres Umzugs wollten wir die Gelegenheit nutzen, allerhand nicht mehr genutzte Dinge loszuwerden. Vor allem Kinderausstattung, aus der die Kinder rausgewachsen sind wie der Kinderwagen, Kinderkleidung, Schuhe… Da wir in den 4. Stock ohne Aufzug ziehen, würden wir gern jede entbehrbare Kiste vermeiden, deswegen kommt jetzt der harte Schnitt: Alles, was ich bisher so peu a peu in den Second-Hand-Laden getragen oder noch auf Ebay rumstehen habe, muss jetzt vor unserem Umzug weg. Als ZeroWaste-Anhängerin kommt Wegwerfen natürlich nicht infrage. Aber verschenken ist lange nicht so einfach, wie man denkt.

So habe ich heute zum Beispiel den Kinderwagen in den 2. Stock hochgeschleppt und dann drei Stunden lang demontiert, um die Bezüge zu waschen, Elemente zu reinigen, das ziemlich mitgenommene Buggy-Board abzumontieren …Und das alles nur, um ihn überhaupt zum Verschenken fertig zu machen. Denn staubig, fleckig und mit verdreckten Reifen nimmt ihn uns vermutlich nicht mal das Sozialkaufhaus ab.

Außerdem habe ich alte Kinderschuhe geputzt (ebenfalls damit sie überhaupt jemand geschenkt nimmt), alte Kinderkleidung gebügelt, sorgfältig zusammengelegt sowie noch einige Sachen, an denen nur ne Kleinigkeit genäht werden muss, extra in meine Stopfkiste gelegt und ähnliches. Ich muss sagen, dass ich diese Motivation nur dank meiner tiefsten inneren ZeroWaste- und Kaufdiät-Überzeugung überhaupt aufgebracht habe. Und dass ich, als ich verzweifelt mit der Kinderwagendemontage kämpfte, mehrmals kurz vor dem Hinschmeißen war. Denn der Vorderreifen des Kinderwagens hat auch noch einen Platten. Ich habe zwar einen Ersatzschlauch, aber diese kleinen Räder sind so fies, das habe ich immer im Fahrradladen machen lassen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ihn überhaupt jemand geschenkt so nimmt, obwohl die Reparatur wirklich easy ist (für den Radl-Laden zumindest). Aber jetzt im Oktober noch ne Radwerkstatt auftreiben, neben der Zeit auch noch 15 Euro investieren, nur um was zu verschenken?

Na ja, ich ziehe es jetzt noch durch, und hoffe, das Sozialkaufhaus nimmt ihn dann auch. Ein neuer Kinderwagen kostet immerhin fast 1000 Euro. Und unserer ist voll funktionsfähig! Aber wer will überhaupt noch reparierte, gebrauchte Sachen? Wir wohnen in einem als soziales Problemviertel bekannten Multikulti-Stadtteil. Aber wenn ich mich auf den Straßen umsehe, sehe ich nur neue Kinderwagen. Wir sind eben noch einen weiten Schritt von der Kaufdiät-Gesellschaft entfernt… Aber immerhin: Wir arbeiten dran!

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Umzugs-Kaufdiät

Juhuu, wir haben eine neue Wohnung gefunden!!! Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte: Nun wird es ernst mit der Kaufdiät… Denn unsere neue Wohnung ist komplett anders als unsere bisherige, das heißt, wir haben doch einen recht großen Anpassungsbedarf.

  1. Zum Beispiel ziehen wir nun aus einer Wohnung mit Dachschrägen in eine Altbauwohnung mit rund 3 Meter hohen Decken. Mit unseren Minifunzeln ist da nichts auszurichten, wir brauchen für die großen Räume teilweise neue Lampen, zumal wir einige Lampen auch unserer früheren Mitbewohnerin zurückgeben müssen. Unsere bisherigen Lampen werden vermutlich auch alle Verwendung finden, aber wir haben jetzt tatsächlich einige Räume mehr als bisher (getrennte Küche und Esszimmer, Abstellraum, Gäste-WC…).
  2. Wir haben bisher eine kleine Küche mit Esstisch, an dem unsere wachsenden Kinder aber zunehmend nicht mehr genug Platz hatten. Jetzt haben wir ein großes Esszimmer, also haben wir endlich die Möglichkeit für einen richtigen Esstisch. Den wollen wir uns vielleicht zu Weihnachten als Familiengeschenk gönnen.
  3. Wir nehmen unsere Einbauküche mit. Das wird nicht ohne die ein oder andere Anpassung gehen und einige Anschaffungen erfordern, z.B.  anders bemessene Schränke, neue Blenden, neue Arbeitsplatte.
  4. Vorhänge: Wir haben in der neuen Wohnung riesige Fenster, ich fürchte, da wird keiner unserer Vorhänge passen. Da es in dem denkmalgeschützten Gebäude keine Rolläden gibt, müssen wir hier wohl auch recht dringend investieren.
  5. Vermutlich passen unsere Badezimmermöbel teilweise nicht ins neue Bad.
  6. Noch unklar ist, welche der Möbel und Ausstattungsgegenstände, die wir leihweise noch von unserer früheren Mitbewohnerin hatten, nun „ausziehen“ werden. Sie hat bereits Anspruch auf einen Schrank angemeldet… Na mal sehen, wie wir das kompensieren können.

Mit ist wirklich unklar, wie wir das alles im Rahmen der Kaufdiät stemmen sollen. Aber wir sind entschlossen, es zu versuchen. Haben extra nochmal den Minimalisten-Film My Stuff angesehen, um uns zu motivieren. Allerdings hatte der Protagonist da auch immer überall Licht und eine Basis-Küche. Ausnahmen von der Kaufdiät wollen wir deswegen auch für folgende Umzugsnotfälle machen:

  • Renovierungsbedarf aller Art ist von der Kaufdiät ausgenommen.Wir müssen immerhin zwei Wohnungen renovieren, eine beim Einzug (die Wohnung mieten wir leider unrenoviert) und eine beim Auszug. Das ist wirklich schon schlimm genug…
  • Notwendige Küchenanpassungen sind von der Kaufdiät ausgenommen.
  •  Neue Lampen sind von der Kaufdiät ausgenommen, weil wir die alle noch von den Handwerkern anbringen lassen wollen, die uns die neue Wohnung renovieren. Das heißt wir brauchen bei Einzug alle passenden Lampen.
  • Verdunkelungen/Vorhänge: Hier werden wir dann nach Einzug sehen, was wir dringend brauchen und dies auch umgehend anschaffen.

Wir hoffen, dass wir mit diesen Ausnahmen hinkommen und alle sonstigen notwendigen Anschaffungen nach und nach in unsere Kaufdiät integrieren können. Drückt uns die Daumen! Und verzeiht uns Ausnahmen und Fehltritte. Immerhin ziehen wir ja nicht freiwillig aus! Wir sind immer noch traurig, dass wir uns von unserer geliebten Wohnung trennen müssen. Aber wir haben jetzt glücklicherweise auch eine recht schöne neue Wohnung gefunden. Vielleicht werden wir hier doch mit der Kaufdiät hin und wieder ein Auge zudrücken müssen, damit es uns gelingt, uns auch in der neuen Bleibe schnell zuhause zu fühlen… Aber noch sind wir voll motiviert, das alles überwiegend im Rahmen der Kaufdiät zu stemmen.

Unverpacktes Einkaufserlebnis

Endlich gibt es in unserer Stadt auch einen Unverpackt-Laden! Als fortgeschrittenere Plastikvermeiderin habe ich die Eröffnung sehnsüchtig erwartet und mir von dem Laden eine Lösung aller meiner verbliebenen Plastikprobleme erhofft. Vor allem Müsli, Cornflakes, Reis und viele andere Trockenprodukte in Bioqualität waren noch große Plastik-Baustellen bei uns.

Tatsächlich kann ich nun endlich Nüsse, Reis, Bohnen, Linsen, Haferflocken, Oliven und vieles mehr unverpackt aus wunderschönen Glasspendern kaufen. Das Einkaufserlebnis in einem solchen Laden unterscheidet sich tatsächlich ganz massiv von einem normalen Einkauf. Besonders ist zum Beispiel die Einkaufsatmosphäre: Der Laden ist mit seinen Holzregalen und den Glasröhren überall einfach wunderschön und edel. Das Herz jedes Ästheten muss in so einem Ambiente höher schlagen.

Und für den ästhetischen Genuß dieses Ambientes muss man auch angemessen Zeit einplanen: Gefäße wiegen, seine Produkte selbst abfüllen – das alles braucht seine Zeit. Hektik ist da völlig deplatziert. Zwar kommt es mir mitunter ewig vor, bis ich endlich alles in meinem Gläsern habe. Aber ich glaube im Endeffekt ist der Einkauf im normalen Supermarkt nur gefühlt schneller – immerhin muss ich im Unverpackt-Laden so gut wie nie lange an der Kasse anstehen. Dafür braucht man manchmal zusätzlich etwas Geduld, um festhängende Nudeln aus dem Glasspender zu stochern, einen Linsenstau wegzuschütteln oder Reis von einem kleinen in ein großes Gefäß umzuschütten, weil das Große nicht unter den Glasspender passte. Einkauf ist hier also wirklich als Aktivität zu verstehen, die sich nicht darin erschöpft, Dinge in einen Einkaufswagen zu werfen.

Und man muss natürlich auch Zeit einplanen, den Einkauf vorzubereiten. Spontan noch schnell was im Unverpackt-Laden mitzunehmen ist nicht so leicht, wenn man keine entsprechenden Behälter dabei hat. Obwohl ich durch unsere Plastikvermeidungs-Aktivitäten auch bisher meist schon recht gut ausgestattet mit Tupperdosen, Taschen etc. zum Einkaufen losgezogen bin, ist ein Einkauf im Unverpackt-Laden im Vergleich dazu natürlich die Königsklasse. Das ist nix für Anfänger, die schon Schwierigkeiten haben, die eigene Einkaufstaschen mitzunehmen. Ohne Gefäße kann ich dort ja so gut wie gar nichts kaufen, deswegen klingt es jetzt manchmal eher so, als wäre ich unterwegs zum Glascontainer als auf dem Weg in den Laden. Unser Fahrradanhänger leistet mir hierbei sehr gute Dienste. Doch natürlich habe ich trotzdem immer irgendein Gefäß nicht dabei, so dass ich letztendlich immer etwas weniger kaufe, als ich dem spontanen Impuls nach gekauft hätte. Das ist vermutlich vor allem für den Umsatz des Ladens bedauernswert zumal ich befürchte, dass es anderen ebenso geht. Deswegen habe ich die besten Vorsätze auch in Zukunft möglichst viel dort einzukaufen – nicht dass der Laden gleich wieder zumacht…

Einfach, praktisch, schnell und schön ist dagegen die „Nachbereitung“ des Einkaufs: Alles ist bereits in hübschen Gläsern verstaut, die im Schrank wirklich super aussehen. Da macht das Einkäufe auspacken gleich viel mehr Spaß! Ich muss sagen, dass man hochwertigen Lebensmitteln durch ein edles Glasgefäß natürlich viel eher gerecht wird als durch den bunten Plastikgraus des herkömmlichen Supermarkts.

Mein Fazit nach den ersten Wochen unverpackt einkaufen: Man muss seine Vorstellungen von Einkaufen in einem Unverpackt-Laden viel radikaler ändern als ich es mir vorher so gedacht habe. Einkaufen ist hier wirklich ein sehr bewusster Prozess. Deswegen fürchte ich, dass diese Läden doch eher eine Nische bleiben werden. Das ist nicht nur für die Läden schade, sondern vor allem auch für die, die sich dieses völlig andere Einkaufserlebnis entgehen lassen. Also nur Mut, liebe Leser. Definiert einkaufen neu und probiert es mal in Unverpackt-Läden, wenn ihr welche in eurer Stadt habt! Und dann kauft mindestens 10x dort ein, denn solange braucht ihr, bis ihr eine gewisse Mindest-Anfangsroutine entwickelt und der Einkauf weniger komplex wird und der Spaß überwiegt.

Die Jede-Woche-geht-was-kaputt-Regel

Schon oft habe ich mich ja schon darüber ausgelassen, dass jede Woche in unserem Kaufdiät-Haushalt etwas kaputt geht. Dass sich diese Regel wirklich jede Woche aufs Neue bestätigt, verblüfft uns selbst und wir fragen uns, warum uns früher nie aufgefallen ist, wie kurzlebig die meisten unserer Gegenstände sind. Ich hatte die ersten Kaufdiätwochen hier ja schon mal dokumentiert, was uns da so alles kaputt ging.

Und weil ich das Gefühl habe, dass ich hier ständig nur Beiträge blogge, in denen ich wieder irgendeinen Notfall oder Fehltritt oder so beichten muss, hier mal wieder  ein Einblick in all die kleinen Widrigkeiten und Erfolge unserer Kaufdiät, die im einzelnen zu winzig sind, um jedesmal einen eigenen Beitrag dazu zu schreiben. Aber an denen sieht man, dass Nicht-Ersatz-Kaufen eine echte Leistung ist, die wir uns durch unsere Kaufdiät erst erarbeitet haben und an der wir immer noch ständig arbeiten. Früher wäre ich bei den meisten Dingen einfach losgezogen, um schnellstens Ersatz zu beschaffen.

Also hier unser aktueller Kaputt-Kalender:

  • 17. August: Meiner wichtigsten Handtasche reißt der Henkel ab. Mist. Gerade diese große Tasche benutze ich ständig. Krame eine alte Handtasche aus der Flohmarktkiste (das ist die auf dem Foto)img_0701. Die kann ich jetzt doch gut gebrauchen, weil nur in die auch DIN A4 Format passt. Trage jetzt südamerikanisches Ethno-Mitbringsel zu Business-Dress. Na ja, egal… Der Schuster kann so was reparieren, habe ich gehört. Muss ich nach dem Urlaub in Angriff nehmen. Da fällt mir ein: Ich habe noch eine schöne Ledermappe, auch da ist mir der Henkel abgerissen. Die kann ich dann auch gleich mitnehmen. Also nix mit Handtaschen-Shopping.
  • 28. August: Beide Absätze meiner Schuhe haben sich irgendwo in der Stadt selbständig gemacht. Ich klackere laut durch die Stadt. Ein Schuster muss her!
  • 3.September: Unsere Digitalkamera geht kaputt. Nichts geht mehr: Nicht an, nicht auf, trotz vollem Akku. Natürlich ausgerechnet im Urlaub. Na ja, wir haben ja Handys. Die Kamera werden wir aber trotzdem zur Reparatur bringen.
  • 9. September: Unser Kofferanhänger hat den Rücktransport nicht überlebt. Bei der nächsten Reise müssen wir wohl einen neuen besorgen. Mein Gott, für so einen Mist einen Monatskauf einplanen??? Na ja, vielleicht fällt uns bis dahin ne kreative Alternativ-Lösung ein. Ideen?
  • 14. September: Kinderrucksack der kleinen Maus muss entsorgt werden: Reissverschluss total hinüber und auch sonst ziemlich fertig. Da lohnt sich ein neuer Reissverschluss echt nicht. Also muss das Leben erstmal ohne Rucksack weitergehen.
  • 20. September: Ein Kindertraktor verliert seine Räder. Das winzige kaputte Plastikteil, das sie hält, könnte ein 3D-Drucker bestimmt herstellen – eines Tages wird das hoffentlich Standard. Aber jetzt: leider Mülltonne.
  • 23. September: Einer dieser sündhaft teuren Körbe vom Möbelschweden, die so ideal in diese viereckigen Regale passen, löst sich auf. Dabei war der jetzt im Gegensatz zur Vorgänger-Version schon geschraubt und nicht mehr getackert.  Wie soll man nur diese Schraube so genau in der Ecke da wieder reinkriegen? (jeder der die Dinger kennt, versteht das Problem). Problemlösung wird erstmal aufgeschoben, hab grad keine Zeit für so nen Kram. Korb wird mitsamt Inhalt provisorisch wieder ins Regalfach gestopft…
  • 30. September: Eine der letzten intakten Socken ist nun auch durchbohrt. Jetzt werden die Socken knapp, denn ich habe über Wochen und Monate löchrige Socken einfach in meine Stopfkiste gestopft, allerdings  ohne sie zu stopfen ;o). Jetzt muss ich wohl wieder ran….
  • 8. Oktober: Eine Glasschüssel fällt mir runter. War wegen ihrer günstigen Größe eine viel genutzte Schüssel. Macht aber nichts, wir haben noch andere Schüsseln in anderen Größen. Schade, schöne Schüsseln kauft man ja eigentlich gern….

Soviel also zum unserem stetigen Weg in den Minimalismus. Wenn jeder Mensch 10.000 Dinge besitzt, dann wären also in 192 Jahren alle unsere jetzigen Gegenstände kaputt gegangen – das ist doch ein sanfter Weg in den Minimalismus, der wirklich für jeden noch so ausgeprägten Materialisten gangbar sein sollte, oder? Vorausgesetzt natürlich, man kauft dann nicht ständig was Neues.

Papier in Plastik

Ich war mehrere Tage auf Dienstreise, was der ganzen Familie, und besonders der kleinen Maus immer recht zu schaffen macht. Deswegen bringe ich den Kindern bei solchen Gelegenheiten gern eine Kleinigkeit von meinen Reisen mit. Da wir den Süßigkeiten-Overkill durch Schultüten-Inhalte gerade hinter uns haben, sollte es diesmal nichts Süßes, aber gleichzeitig etwas Kaufdiät-Konformes sein. Ich hatte also an eine kleine Zeitschrift aus der Bahnhofsbuchhandlung gedacht. Zeitungen und Zeitschriften zählen wir nicht zur Kaufdiät.img_0698

Am Regal für Kinderzeitschriften angekommen traf mich fast der Schlag bei folgendem Anblick: Keine Zeitschrift im gesamten Regel zu sehen ohne daran klebendes Give away in Form von Plastik-Tieren, Legobausätzen oder Playmobilfiguren. In Plastik eingeschweißt außerdem meist nicht nur die Give-Aways, sondern in der Regel auch noch die ganze Zeitschrift. Sozusagen ein einziger Plastik-Alptraum also. Bei dem Rummel machen übrigens nicht nur Lego, Star Wars und ähnliche Zeitschriftentitel mit, sondern auch die Zeitschrift mit der Maus, Was-ist-Was und andere eigentlich recht seriöse Titel.

Mal ganz unabhängig von der Kaufdiät kam also schon wegen dieses Verpackungswahnsinns ein Kauf nicht infrage. Nach mehrfachem Umrunden des Zeitschriftensortiments erspähte ich schließlich ein unverpacktes Galileo-Heft für den Tiger und ein Feenheft für die kleine Maus. Ein Segen für das plastikgeplagte Auge übrigens auch Asterix-Hefte ganz ohne Figürchen dran.

Aus Sicht der Kinder funktioniert dieser Wahnsinn bestimmt bestens. Ich hätte das als Kind auch cool gefunden: Zeitschrift mit kleinem Spielzeug dran, wow. Aber was mich wirklich schockierte war, dass das inzwischen ein Standard zu sein scheint, bei dem nahezu alle Titel mitziehen (müssen). In einer Zeit, in der ich kein einziges Kinderzimmer kenne, in dem auch nur ein einziger Quadratmeter spielzeugfrei wäre. Was sind wir nur für eine abgedrehte Gesellschaft geworden?

Na ja, den Kindern haben ihre spielzeugfreien Zeitschriften jedenfalls gefallen. Ich hatte sie ja glücklicherweise nicht im Laden dabei, sonst hätte das vielleicht anders ausgesehen.

Flickwerk statt Wild West

Jeans sind eigentlich mal erfunden worden, um Cowboys im Wilden Westen durch ihr wildes Leben zu begleiten. Dachte ich zumindest. Mein wildes Leben und das meiner Familienmitglieder scheint img_0699den Wilden Westen weit in den Schatten zu stellen. Zumindest liegt die Lebensdauer unserer Familienjeans im Mittel lediglich bei zwei bis drei Jahren (meine Jeans) bzw. 1-4 Monaten (Jeans meines Sohnes). Meine Tochter boykottiert Jeans derzeit weitgehend, ich weiß gar nicht, wann sie bei gefühlt drei mal Tragen trotzdem diese zwei Löcher in ihre Jeans reingekriegt hat. Hier also ein Beweisfoto zu unserer familiären Hosensituation: Drei Jeans, fünf Löcher!

Eine rühmliche Ausnahme bilden die Jeans meines Mannes, der seit fast 10 Jahren mit  No-Name-Jeans – gekauft in Südamerika  – bestens hinkommt. Vielleicht sind südamerikanische Jeans  im Gegensatz zu europäischer Markenware noch für das wilde Leben der Gauchos gemacht?

Jedenfalls stehe ich nun vor einem Problem, das ich auf diesem Blog schon vielfach beklagt und habe und das dieses Foto sicher deutlich macht: Einer Menge löchriger Jeans. Mein Sohn hat derzeit noch eine einzige Jeans ohne Löcher, ich diesen ganzen Sommer nur drei Jeans mit Löchern und keine mehr ohne. Glücklicherweise kann man sich heute ja durchaus auch mal mit löchriger Jeans auf die Straße wagen. Aber ein Dauerzustand ist das nicht und die Saison für meine Sommerröcke geht nun wirklich zuende.

Na ja, für die Freizeit gehts auch mit Loch, aber fürs Büro musste zumindest für mich wohl oder übel doch noch eine neue Jeans her. Da diese Jeans die Ehre hat zu 12 ausgewählten Gegenständen zu zählen, wurde noch keine Jeans vor ihr mit solcher Akribie ausgewählt… Es sollte schon etwas Besonderes und ökologisch wie ethisch Korrektes sein, deswegen wurde die Jeans bei einem Ökoversand, der nach einem niedlichen Tier benannt ist, bestellt. Das war gar nicht so einfach, ich wollte zwei verschiedene Modelle anprobieren: Als ich am Telefon die Produktnummer von Jeans 1 durchgab, hieß es: „Oh, da kann der Versand aber einige Wochen dauern“, bei Jeansmodell-Nr. 2 kam dann „Da wissen wir nicht, ob wir die noch liefern können“. Wohlgemerkt, ich wollte Standard-Jeans in dunkelblau, einmal Bootcut, einmal Gerade. Nichts außergewöhnliches. Für Nicht-Kaufdiät-Haushalte, die nicht so viel Erfahrung mit dem Warten auf ihre Einkäufe haben wie wir, wäre das vermutlich abschreckend gewesen.

Aber für uns Kaufdiät-Erprobte ja gar kein Problem und nacimg_0700h vier Wochen warten war es dann soweit und ich bin endlich wieder stolze Besitzerin einer intakten Jeans, ja sogar meiner ersten Öko-Jeans. Diese Öko-Jeans war mit rund 70 € übrigens billiger als alle meine früheren Jeans, was mich schon fast wieder skeptisch macht. Wenn man bei Markenjeans eh keine Jeans unter 80-90 € bekommt, wieso soll eine Öko-Jeans dann eigentlich billiger sein? Schlagen die Marken wirklich so viel drauf? Ich hätte in diesem Fall auch dem Öko-Label einen satten Aufschlag gegönnt, der dann ja vielleicht den Näherinnen zugute kommen könnte… Die Jeans ist übrigens in Wirklichkeit schöner als auf dem Foto. Besser habe ichs einfach nicht hingekriegt, ich bin halt kein Modefotograf.

Und wenn die nun auch so schnell schlapp macht wie die Markenjeans, geht der nächste Familienurlaub nach Südamerika und wir kaufen dort unseren Jeansbedarf für die nächsten Jahrzehnte. Das rettet dann auch die Ökobilanz der Fernreise und die hiesige Jeansindustrie hat einen Boykott wahrlich verdient!