Unverpacktes Einkaufserlebnis

Endlich gibt es in unserer Stadt auch einen Unverpackt-Laden! Als fortgeschrittenere Plastikvermeiderin habe ich die Eröffnung sehnsüchtig erwartet und mir von dem Laden eine Lösung aller meiner verbliebenen Plastikprobleme erhofft. Vor allem Müsli, Cornflakes, Reis und viele andere Trockenprodukte in Bioqualität waren noch große Plastik-Baustellen bei uns.

Tatsächlich kann ich nun endlich Nüsse, Reis, Bohnen, Linsen, Haferflocken, Oliven und vieles mehr unverpackt aus wunderschönen Glasspendern kaufen. Das Einkaufserlebnis in einem solchen Laden unterscheidet sich tatsächlich ganz massiv von einem normalen Einkauf. Besonders ist zum Beispiel die Einkaufsatmosphäre: Der Laden ist mit seinen Holzregalen und den Glasröhren überall einfach wunderschön und edel. Das Herz jedes Ästheten muss in so einem Ambiente höher schlagen.

Und für den ästhetischen Genuß dieses Ambientes muss man auch angemessen Zeit einplanen: Gefäße wiegen, seine Produkte selbst abfüllen – das alles braucht seine Zeit. Hektik ist da völlig deplatziert. Zwar kommt es mir mitunter ewig vor, bis ich endlich alles in meinem Gläsern habe. Aber ich glaube im Endeffekt ist der Einkauf im normalen Supermarkt nur gefühlt schneller – immerhin muss ich im Unverpackt-Laden so gut wie nie lange an der Kasse anstehen. Dafür braucht man manchmal zusätzlich etwas Geduld, um festhängende Nudeln aus dem Glasspender zu stochern, einen Linsenstau wegzuschütteln oder Reis von einem kleinen in ein großes Gefäß umzuschütten, weil das Große nicht unter den Glasspender passte. Einkauf ist hier also wirklich als Aktivität zu verstehen, die sich nicht darin erschöpft, Dinge in einen Einkaufswagen zu werfen.

Und man muss natürlich auch Zeit einplanen, den Einkauf vorzubereiten. Spontan noch schnell was im Unverpackt-Laden mitzunehmen ist nicht so leicht, wenn man keine entsprechenden Behälter dabei hat. Obwohl ich durch unsere Plastikvermeidungs-Aktivitäten auch bisher meist schon recht gut ausgestattet mit Tupperdosen, Taschen etc. zum Einkaufen losgezogen bin, ist ein Einkauf im Unverpackt-Laden im Vergleich dazu natürlich die Königsklasse. Das ist nix für Anfänger, die schon Schwierigkeiten haben, die eigene Einkaufstaschen mitzunehmen. Ohne Gefäße kann ich dort ja so gut wie gar nichts kaufen, deswegen klingt es jetzt manchmal eher so, als wäre ich unterwegs zum Glascontainer als auf dem Weg in den Laden. Unser Fahrradanhänger leistet mir hierbei sehr gute Dienste. Doch natürlich habe ich trotzdem immer irgendein Gefäß nicht dabei, so dass ich letztendlich immer etwas weniger kaufe, als ich dem spontanen Impuls nach gekauft hätte. Das ist vermutlich vor allem für den Umsatz des Ladens bedauernswert zumal ich befürchte, dass es anderen ebenso geht. Deswegen habe ich die besten Vorsätze auch in Zukunft möglichst viel dort einzukaufen – nicht dass der Laden gleich wieder zumacht…

Einfach, praktisch, schnell und schön ist dagegen die „Nachbereitung“ des Einkaufs: Alles ist bereits in hübschen Gläsern verstaut, die im Schrank wirklich super aussehen. Da macht das Einkäufe auspacken gleich viel mehr Spaß! Ich muss sagen, dass man hochwertigen Lebensmitteln durch ein edles Glasgefäß natürlich viel eher gerecht wird als durch den bunten Plastikgraus des herkömmlichen Supermarkts.

Mein Fazit nach den ersten Wochen unverpackt einkaufen: Man muss seine Vorstellungen von Einkaufen in einem Unverpackt-Laden viel radikaler ändern als ich es mir vorher so gedacht habe. Einkaufen ist hier wirklich ein sehr bewusster Prozess. Deswegen fürchte ich, dass diese Läden doch eher eine Nische bleiben werden. Das ist nicht nur für die Läden schade, sondern vor allem auch für die, die sich dieses völlig andere Einkaufserlebnis entgehen lassen. Also nur Mut, liebe Leser. Definiert einkaufen neu und probiert es mal in Unverpackt-Läden, wenn ihr welche in eurer Stadt habt! Und dann kauft mindestens 10x dort ein, denn solange braucht ihr, bis ihr eine gewisse Mindest-Anfangsroutine entwickelt und der Einkauf weniger komplex wird und der Spaß überwiegt.

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