Umzugs-Albtraum

Da hat mich doch fast der Schlag getroffen: Da vermeide ich seit 2 Jahren unter größten Mühen und Opfern jedes Gramm Plastikmüll und dann verpackt die Umzugsfirma einen Großteil unserer Möbel zum Transport ausgerechnet in – Plastik! Ganze (!) Möbel. Da gehts nicht mal um ne Nudelpackung hin oder her. Da gehts um ganze Kommoden und Schränke!

Ich konnte es nicht fassen! Da ich noch mit dem Auseinanderbauen der letzten Möbel beschäftigt war, konnte ich auch nicht rechtzeitig einschreiten und die Bescherung war schon passiert. Aaaahhhhh!!! Zwei Jahre Familienplastikmüllbilanz in 15 Minuten versaut. Alles umsonst? Eine Freundin tröstete mich: „Das war nicht umsonst, sonst wäre es ja noch viel mehr Plastikmüll gewesen.“ Na ja, besser ein schwacher Trost als gar keiner… Und unter all den Umzugsalbträumen eben noch ein weiterer….

Und zumindest musste für uns kein einziger neuer Umzugskarton produziert werden. Wir haben alle Umzugskartons von Freunden gebraucht bekommen (und wollen die überlebenden jetzt auch bald weiterverschenken) und was uns noch fehlte mit auf dem Samstagsmarkt weggeworfenen Bananenkisten ergänzt.

 

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Stiefel muss sterben, ist noch so jung…

Die Lebenserwartung von Schuhen scheint sich im Gegensatz zu der ihrer Träger permanent zu verschlechtern. Zumindest gilt das für meine Schuhe. So habe ich hier gleich mehrere Verluste zu beklagen: Der Schuster überbrachte mir die schlechte Nachricht, dass meine Lieblingsstiefel (im Foto) nicht mehr zu retten sind. Für die gebrochene Sohle konnte er mir einfach keine Reparatur anbieten und mit gebrochener Sohle auf hohen Absätzen laufen fühlt sich an, als würde man jeden Moment einbrechen. img_1024Auch ein Paar anderer Stiefelchen ist nun schon nach weniger als drei Jahren Lebensdauer am Ende: Die Sohle löst sich großflächig ab, das Leder an der Spitze ist total abgeschabt, die Absätze sehen aus, als hätten die Kinder mit dem Messer dran gearbeitet (waren aber nicht die Kinder, ich weiß auch nicht, was da immer meine Absätze so fertig macht) – da erklärt mich sogar der Schuster für verrückt, wenn ich mit denen nochmal ankomme.

Nur meine hohen Stiefel bekommen nun schon zum dritten oder vierten Mal einen neuen Reissverschluss. Die Nähte sehen echt langsam  fertig aus (echter shabby chic…). Aber ich hoffe, sie machen es jetzt noch eine Saison. Das Einnähen des neuen Reißverschlusses und die neuen Absätze für meine hohen Stiefel kosten mich jedes Jahr über 30 Euro.So habe ich aber wenigstens die Hoffnung, auch dieses Jahr ohne neue Schuhe über den Winter zu kommen.

Sonst würde es jetzt langsam sehr eng. Ich habe für eine Frau recht wenige Schuhe (finde ich), und bei gleich zwei Verlusten gleichzeitig wird es jetzt doch etwas knapp. Ich habe jetzt (neben zwei Paar Sandalen, zwei Paar Ballerinas, Wanderschuhen, Joggingschuhen und zwei recht fertigen Paar Chucks) nur noch drei Paar hohe Stiefel (1x High Heels, 1x die mit dem kaputten Reissverschluss und einmal Winterschneestiefel) und zwei Paar Leder-Halbschuhe (1x petrol, 1x schwarz). Na ja, also barfuß muss ich damit noch nicht gehen. Aber kaputt gehen sollte mir jetzt bis zum Frühjahr auch nichts mehr. Passt ja auch nicht jeder Schuh zu jeder Hose und Gelegenheit.

Ich frage mich, warum meine Schuhe so kurzlebig sind. Ich gebe für ein paar Schuhe ca. zwischen 90 und 150 € aus, kaufe in ordentlichen Schuhgeschäften, nicht beim Discounter und kaufe meist echtes Leder. Ok, vielleicht putze ich sie zuwenig. Oder imprägniere sie nicht so oft, wie ich sollte. Aber das kann ja eigentlich nicht die Ursache sein, dass Sohlen brechen, sich ablösen oder ständig die Reißverschlüsse kaputt gehen.  Wo kriege ich also ordentliche Schuhe her, die kaufdiät-geeignet sind? Kaufdiät-geeignet heißt, sie müssen Kopfsteinpflaster und andere Herausforderungen mindestens 5 Jahre aushalten. Und sollten business-geeignet sein: Meine Wanderschuhe sind tatsächlich unverwüstlich, oder vielleicht auch nur, weil sie in Wirklichkeit gar nicht so viele Kilometer wandern, wie meine Business-Schuhe?

Also Tipps für den Schuhkauf jederzeit bitte gern an mich!

Damit´s im Kühlschrank schöner aussieht

In was für ein Viertel wir hier nun gezogen sind, ist mir erst so richtig bewusst geworden, als ich erstmals im Supermarkt des Viertels einkaufen war: Während der Supermarkt derselben Kette in unserem bisherigen Viertel in seinem Zeitschriftenregal vor allem BILD, BILD der Frau, Kochzeitschriften, Petra, Freundin etc. im Sortiment hatte, fand sich hier im gerade mal halb so großen Zeitschriftenregal ein ganzes Regalfach allein mit Zeitschriften rund ums Schöner Wohnen, Dekorieren, Landlust etc..  Es scheint, als hätten die hiesigen Bewohner an diesen Themen ein gesteigertes Interesse. Ich war beeindruckt und habe sogleich zwei Zeitschriften mitgenommen. Immerhin habe ich gerade eine Wohnung neu einzurichten. Auch auf Pinterest bin ich deswegen gerade – trotz Kaufdiät – häufiger mal unterwegs.

Wenn ich mir die Bilder auf Pinterest und in den besagten Zeitschriften so ansehe, gibt es doch einen beachtlichen Abstand zu unserer derzeitigen Wohnrealität. Vor allem beschäftigt mich die völlige Durchstylisierung auch des kleinsten Wohnungswinkels. Als ich heute wieder einige Umzugskisten geleert und den Inhalt in die ersten aufgebauten  Küchenschränke verräumt habe, machte sich eine gewisse Unzufriedenheit bemerkbar.  Es dauerte eine Weile, bis mir bewusst wurde, was mich da so unzufrieden machte:  Es war das optische Durcheinander all des zusammengewürfelten Küchenkrams in den Schränken. Dieses Gewusel an Formen, Farben, Materialien, das so gar nichts mit den inzwischen schon halb verinnerlichten Wohnvorbildern zu tun hatte. Bilder, in denen sich Glas harmonisch an Glas reiht, Küchenutensilien dekorativ in Reih und Glied die Küche verschönern und der Brotkasten sorgfältig inszeniert in Kombination mit drei Gewürzgläschen das optische Highlight der Arbeitsplatte bildet.

f0ed08e7405a20ba82c90a10a959beb8Gut, auch ich habe einige schöne Küchengegenstände, die sicher dekorative Beiträge leisten könnten. Aber um dem optischen Vorbild auch nur nahezukommen, müsste ich vermutlich erstmal 80 % meines bisherigen Küchenkrempels entsorgen, um dann zielgerichtet neue Gegenstände zu kaufen, die harmonisch zum Gesamtbild beitragen. Es gibt Leute, die tun das tatsächlich. Ich habe im letzten Beitrag schon über eine Tupperparty berichtet, die meine Freundin besucht hatte. Sie fragte auf besagter Party Käuferinnen großer Mengen an Tupperdosen, ob sie denn all diese Dosen bräuchten und keine Tupperdosen hätten. „Doch, doch“, war die Antwort. „Aber wenn alle Dosen gleich sind, sieht es im Gefrierfach schöner aus.“

Wo muss es in einer Wohnung eigentlich überall schön aussehen? Wenn ich an mein Gefrierfach denke, könnte ich ästhetisch verzweifeln. Eine gewisse Hoffnung läge noch im radikalen Minimalismus: Wenn ich nur noch vier Tassen besäße, wären die alle gleich und ich könnte sie hübsch nebeneinander an die Wand hängen. Das scheint mir tatsächlich der einzige kaufdiät-kompatible Weg zum Schöner Wohnen – Niveau zu sein. Na ja, ich berichte Euch von meinen Ergebnissen….

Einstweilen mache ich mir aber doch etwas Sorgen, um eine Gesellschaft, in der die dekorative Gestaltung des Kühlschranks so dringlich zu sein scheint. Auf der anderen Seite finde ich es aber auch schwierig, sich gänzlich von diesem gesellschaftlichen Trend zu distanzieren. Selbst die DIY-, Upcycling- und Second Hand-Szene ist ästhetisch gesehen ja auf recht hohem Niveau unterwegs. Auch Shabby Chic ist vor allem: Chic. Wie geht es Euch damit? Könnt Ihr Euch der Macht all dieser Bilder entziehen?

 

Die Thermomixisierung unserer Gesellschaft

Eine Freundin berichtete von ihren Erlebnissen bei der Tupper-Party der Nachbarin. Neben dem völlig befremdlichen Kaufrausch von Frauen mit bereits best ausgestatteten Küchen fand ich vor allem eine Beobachtung bemerkenswert: Die Party-Gäste teilten sich offenbar in den heiß geführten Diskussionen ganz überwiegend in zwei Gruppen auf – Thermomix-Besitzerinnen und solche, die es werden wollen.

Thermomix-Besitzerinnen schwärmen – so weiß ich aus eigener Erfahrung – vor allem davon, dass man mit diesem einen Gerät einfach alles machen kann: Mthermomixixen, backen, kochen, dampfgaren, einkochen, rühren… (erfahrene Besitzerinnen mögen diese Liste gern in den Kommentaren ergänzen). Das finde ich auch fantastisch. Der Thermomix ist also eigentlich das ideale Küchengerät für Minimalisten. Man braucht statt Rührgerät, Pürierstab, Herd, Backofen, großem Topf … einfach nur noch ein einziges Gerät. Perfekt, oder?

Der Haken daran ist nur, dass alle Thermomix-Besitzerinnen, die ich kenne, trotzdem zusätzlich weiterhin einen Herd, einen Backofen, ein Rührgerät, einen Mixer… besitzen. (Bei allen neu eingebauten Küchen unserer Bekannten scheint inzwischen sogar ein Dampfgarer zum Standard zu werden.) Warum eigentlich schafft es ein Gerät wie der Thermomix mit so universellen Qualitäten  nicht zum einzigen Erst-Gerät zu werden und andere Geräte zu verdrängen? Das ist eine ganz ernst gemeinte Frage, die keineswegs ironisch die Qualitäten des Thermomix infrage stellt.

Ich glaube eher, dass dieses Phänomen etwas über unsere Gesellschaft aussagt. Wir neigen angesichts unserer generellen Wohlstandssättigung zur Zweit- und Drittbefriedigung unserer Bedürfnisse. Da nehme ich auch uns nicht aus. Zum Beispiel haben wir inzwischen vier Gegenstände in unserem Familienbesitz, die uns Zugang zum Internet verschaffen (zwei Smartphones, ein Tablet und ein Notebook). Vor fünf Jahren war das lediglich einer: Unser Notebook.

Ein anderes Beispiel wäre die Mehrfachdeckung des Fernsehbedürfnisses durch ein Gerät für jedes Familienmitglied oder Fernseher in mehreren Räumen. Wenigstens darauf haben wir verzichtet, wir haben keinen einzigen.

Leider habe ich auch bei unserer neuen Wohnung eine echte Chance verpasst, eine solche Bedarfsüberdeckung zu vermeiden: In diesem Altbau gibt es nämlich kein Warmwasser in der Küche. Eigentlich brauche ich in der Küche auch kein fließendes warmes Wasser: Für die paar Gläser oder Töpfe, die ich gelegentlich mit der Hand spüle, kann ich eigentlich auch Wasser mit dem Wasserkocher erwärmen. Da die Vormieter aber einen Warmwasser-Boiler eingebaut hatten, der jetzt nicht mehr da war, habe ich den Fehler gemacht, den Vermieter danach zu fragen. Mit dem Effekt, dass pünktlich zu unserem Kücheneinbau unser Vermieter uns stolz einen neuen Boiler brachte. Für den ich jetzt auch noch eine neue passende Armatur (Niederdruck) kaufen musste. Ich bereue diese Frage, bei der ich mir gar nicht so viel gedacht habe, aufrichtig.

Auch wir sind also leider ein Beispiel für die Thermomixisierung unserer Gesellschaft: Neue technische Möglichkeiten führen leider gerade nicht dazu, dass dadurch irgendetwas weniger wird, sondern es wird einfach immer mehr, was wir zu brauchen glauben. Der Thermomix ersetzt eben nicht die weniger universelle Technik, sondern kommt eben einfach auch noch zusätzlich dazu. Passend dazu erzählte mir meine Mutter, was für ein Luxus fließend warm Wasser in den 60er Jahren war. Ein Luxus, den es nur in wenigen Wohnungen gab. Irgendwie ist die Kaufdiät doch noch nicht tief genug in mein Unterbewußtsein gedrungen. Man muss das irgendwie noch grundsätzlicher denken.

Zur Strafe hat uns übrigens der Einbau des Boilers in den Spülenunterschrank stundenlang beschäftigt und starke Nerven gekostet. Beim nächsten Umzug bleibt die Küche hier und ich schaffe mir einen Thermomix an.

Renovieren vs. Zero Waste

Eigentlich sollte Renovieren nicht so viel Müll produzieren, denkt man. Bisschen Farbe an die Wand, fertig. Aber bisher hat dennoch fast img_0990jede unserer Renovierungen mehr Müll verursacht, als wir als Familie in 3-4 Monaten produzieren. Hier das vernichtende Bild unseres aktuellen Renovierungsmülls…

Auch diesmal haben sich die Tapeten wieder am schlimmsten auf die Müllbilanz ausgewirkt, obwohl wir nur eine große Wand von einer kaputten Tapete befreien mussten. Tapeten sind ein totaler Müllverursacher, sollte ich jemals selbst bauen oder eine Wohnung erstbeziehen, wird garantiert auf Tapete verzichtet.

Beim Bodenabdecken habe ich diesmal versucht, maximale Müllreduktion hinzubekommen und verschiedene Varianten ausgetestet. Zum ersten habe ich eine erhebliche Summe in Malervlies investiert. Leider hat sich herausgestellt, dass Malervlies 1. doch Plastik enthält, nämlich auf eine Plastikfolie aufgeklebt ist und 2. weniger haltbar als ich erhofft hatte. Besonders die Klebestreifen haben dem Vlies sehr zu schaffen gemacht, so dass ich leider einige löchrige Bahnen doch wegwerfen musste und nicht wie geplant wiederverwenden kann. Viele andere Bahnen sind aber noch so gut beinander, dass sie nun im Keller auf weitere Einsätze warten. Insofern habe ich hier schon einen gewissen Erfolg zu verzeichnen.

Nicht ganz so begeistert war ich dagegen von Malerkrepp aus Papier, das ich auch als Alternative zu Plastikplane ausprobieren wollte. Am Papier störte mich hauptsächlich, dass ich Unmengen Klebeband brauchte, um die Streifen zu fixieren. Das Malervlies liegt recht schön, während Papier da wesentlich widerborstiger ist. Also glaube ich, dass die Ökobilanz des Malerkrepps gar nicht so gut ist, weil Papier ja generell auch sehr ressourcenintensiv in der Herstellung ist und sich das mit zahlreichen Klebestreifen verklebte Papier auch nur mit großer Mühe vielleicht zur Hälfte wieder soweit entwirren ließ, dass es in den Altpapiercontainer konnte. An Wiederverwendung für eine weitere Renovierungsaktion war da wirklich nicht zu denken.

Dann bleibt noch die Plastikplane, von der wir von der letzten Renovierung noch ein paar übrig hatten. Billig, dünn und wenn ich jetzt mal rein nach dem Volumen gehe, habe ich das Gefühl, dass die Ökobilanz dieser Plastikplane gar nicht so schlecht ist. Mit 200 g Plastikplane lassen sich 50 qm abdecken und man braucht relativ wenig Klebestreifen. Dafür ist es eben Plastik. Nebenbei gesagt: Ganz gut funktionierte auch so eine dicke Plastik-Gewebeplane, die wir noch von der Abdeckung unserer Fahrräder übrig hatten. Auch wiederverwendbar…

Also summa summarum: Für die nächste Renovierung brauchen wir jetzt dank unseres wiederverwendbaren Vliesvorrats erstmal gar nichts zum Abdecken. Aber die müssten jetzt schon auch noch einige Renovierungen durchhalten, damit sie wirklich besser sind als simple Plastikplane. Vom Komfort beim Renovieren sind sie auf jeden Fall erste Wahl.

Ein weiterer wichtiger Müllproduzent ist die Farbe. Wir hatten fast 400 qm Wand zu streichen. Dafür wurden uns 10 Eimer Farb-Bedarf prognostiziert. Aber ich bin diesmal nicht einfach zum Baumarkt gefahren, sondern habe im Malereifachhandel gekauft – also da wo die Maler auch kaufen. Da bin ich dann mit einer superteuren Öko-Farbe für 70 € pro Eimer rausgegangen, die meine Kinder nun laut Hersteller auch von der Wand lecken könnten. Und wir haben für 400 qm Wandfläche gerade mal 3 Eimer (á 12 Liter) gebraucht! Das ist wirklich sensationell und macht schon mal 7 eingesparte Plastikeimer, von den 84 Litern eingesparte Farbe ganz zu schweigen. Diese Investition lohnt sich also wirklich und kann ich wirklich empfehlen.

Beim nächsten Mal werde ich auch noch bessere Rollen und sonstiges Zubehör kaufen. Zum Beispiel läuft die Farbe von einem metallenem Abstreifgitter viel besser wieder ab als von den Plastikteilen, die es billig im Baumarkt gibt. Und mit richtigen Rollen braucht man auch wesentlich weniger Farbe. Diesmal haben wir noch alte Rollen verwendet, aber die Werkzeuge unserer Helfer haben mir auch hier die Augen für Qualität geöffnet.

Aber mülltechnisch unschlagbar ist es vermutlich, sich seine Wände professionell streichen zu lassen. Denn kein Maler könnte sich die Ressourcenverschwendung (in Sachen Klebeband, Abdeckung, Farbe) leisten, die man als Laie unwissentlich verursacht.