Damit´s im Kühlschrank schöner aussieht

In was für ein Viertel wir hier nun gezogen sind, ist mir erst so richtig bewusst geworden, als ich erstmals im Supermarkt des Viertels einkaufen war: Während der Supermarkt derselben Kette in unserem bisherigen Viertel in seinem Zeitschriftenregal vor allem BILD, BILD der Frau, Kochzeitschriften, Petra, Freundin etc. im Sortiment hatte, fand sich hier im gerade mal halb so großen Zeitschriftenregal ein ganzes Regalfach allein mit Zeitschriften rund ums Schöner Wohnen, Dekorieren, Landlust etc..  Es scheint, als hätten die hiesigen Bewohner an diesen Themen ein gesteigertes Interesse. Ich war beeindruckt und habe sogleich zwei Zeitschriften mitgenommen. Immerhin habe ich gerade eine Wohnung neu einzurichten. Auch auf Pinterest bin ich deswegen gerade – trotz Kaufdiät – häufiger mal unterwegs.

Wenn ich mir die Bilder auf Pinterest und in den besagten Zeitschriften so ansehe, gibt es doch einen beachtlichen Abstand zu unserer derzeitigen Wohnrealität. Vor allem beschäftigt mich die völlige Durchstylisierung auch des kleinsten Wohnungswinkels. Als ich heute wieder einige Umzugskisten geleert und den Inhalt in die ersten aufgebauten  Küchenschränke verräumt habe, machte sich eine gewisse Unzufriedenheit bemerkbar.  Es dauerte eine Weile, bis mir bewusst wurde, was mich da so unzufrieden machte:  Es war das optische Durcheinander all des zusammengewürfelten Küchenkrams in den Schränken. Dieses Gewusel an Formen, Farben, Materialien, das so gar nichts mit den inzwischen schon halb verinnerlichten Wohnvorbildern zu tun hatte. Bilder, in denen sich Glas harmonisch an Glas reiht, Küchenutensilien dekorativ in Reih und Glied die Küche verschönern und der Brotkasten sorgfältig inszeniert in Kombination mit drei Gewürzgläschen das optische Highlight der Arbeitsplatte bildet.

f0ed08e7405a20ba82c90a10a959beb8Gut, auch ich habe einige schöne Küchengegenstände, die sicher dekorative Beiträge leisten könnten. Aber um dem optischen Vorbild auch nur nahezukommen, müsste ich vermutlich erstmal 80 % meines bisherigen Küchenkrempels entsorgen, um dann zielgerichtet neue Gegenstände zu kaufen, die harmonisch zum Gesamtbild beitragen. Es gibt Leute, die tun das tatsächlich. Ich habe im letzten Beitrag schon über eine Tupperparty berichtet, die meine Freundin besucht hatte. Sie fragte auf besagter Party Käuferinnen großer Mengen an Tupperdosen, ob sie denn all diese Dosen bräuchten und keine Tupperdosen hätten. „Doch, doch“, war die Antwort. „Aber wenn alle Dosen gleich sind, sieht es im Gefrierfach schöner aus.“

Wo muss es in einer Wohnung eigentlich überall schön aussehen? Wenn ich an mein Gefrierfach denke, könnte ich ästhetisch verzweifeln. Eine gewisse Hoffnung läge noch im radikalen Minimalismus: Wenn ich nur noch vier Tassen besäße, wären die alle gleich und ich könnte sie hübsch nebeneinander an die Wand hängen. Das scheint mir tatsächlich der einzige kaufdiät-kompatible Weg zum Schöner Wohnen – Niveau zu sein. Na ja, ich berichte Euch von meinen Ergebnissen….

Einstweilen mache ich mir aber doch etwas Sorgen, um eine Gesellschaft, in der die dekorative Gestaltung des Kühlschranks so dringlich zu sein scheint. Auf der anderen Seite finde ich es aber auch schwierig, sich gänzlich von diesem gesellschaftlichen Trend zu distanzieren. Selbst die DIY-, Upcycling- und Second Hand-Szene ist ästhetisch gesehen ja auf recht hohem Niveau unterwegs. Auch Shabby Chic ist vor allem: Chic. Wie geht es Euch damit? Könnt Ihr Euch der Macht all dieser Bilder entziehen?

 

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5 Gedanken zu “Damit´s im Kühlschrank schöner aussieht

  1. Ich denke ich kann mich da recht gut entziehen, aber wie es mir gelingt, keine Ahnung. Vermutlich liegt es daran daß ich keinerlei Zeitschriften dieser Art kaufe und mich auch sonst nicht mit solchen Dingen beschäftige.
    Meine kleine Wohnung ist zusammengewürfelt, nichts passt zum anderen. Aber meistens stört es mich nicht.
    Ich hätte allerdings auch gerne weniger Geschirr. Tassen, die an die Wand gehangen schick aussehen. Andererseits müsste ich dann neue Tassen kaufen und die alten irgendwie loswerden. Nö, darauf hab ich dann auch keine Lust 😀 Außerdem haben viele meiner Tassen eine Geschichte, und neue wären so… unpersönlich.

    Allerdings denke ich es ist von Person zu Person unterschiedlich, wie sich jemand wohl fühlt. Bei mir klappt es so, mit durcheinander gewürfelten Dingen, bei anderen klappt es nicht.

    Liebe Grüße!

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    • Liebe Sandra,
      wahrscheinlich hast du recht, einfach nicht solche Zeitschriften kaufen, dann macht man sich das Leben leichter. Ich glaube, das ist bei uns jetzt auch nur so hochgekommen, weil man bei einer ganz neue Wohnung ja auch immer viele Dinge neu durchdenken muss, während man sich so im Bestand einfach so wie es ist „eingewohnt“ hat. Wir haben uns vorher auch nicht so intensiv mit sowas beschäftigt. Bei uns kommt vielleicht auch noch „erschwerend“ hinzu, dass wir mit unverschämtem Glück und ganz zufällig eine Wohnung gefunden haben, die für uns optimal liegt, bezahlbar ist und wirklich genauso aussieht, wie die schicken Wohnungen in all diesen Zeitschriften: hohe Decken, Stuck, Flügeltüren, Holzböden… Da will man dann irgendwie auch was draus machen.
      Na ja, wir versuchen kreativ dran zu arbeiten und kaufdiät-konform in diese Wohnung hineinzuwachsen. Und das Schöne an so tollen Wohnungen ist zumindest, dass sie auch noch toll aussehen, auch wenn die Möbel vielleicht zusammengewürfelt sind…
      Viele Grüße
      Martina

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  2. Hallo!

    Das ist alles Einstellungssache – bunt ist nämlich auch schön. Wenn jeder ein anderes Teller hat, jeder seinen persönlichen Lieblingsteller und Tasse verwenden kann?

    Mein Gewürzregal ist auch ganz bunter, viele verschiedene Gläser für Gewürze, die ich alle vor dem Müll gerettet habe. Vorher waren Oliven oder andere Lebensmittel drin.

    Ich brauche daher das Schild gar nicht zu lesen, denn ich weiß z.b. dass im langen Olivenglas das Pizzagewürz drinnen ist.

    Das sind doch unschlagbare Vorteile, oder?

    lg
    Maria

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    • Hallo Maria,
      also ich finde dein Gewürzregal schon sehr schick und gelungen! Wenn man erstmal alles in Gläser umgefüllt hat, sieht es schon mal ganz gut aus. Das wäre vielleicht auch mal ein guter erster Schritt für uns. Dank Unverpackt-Laden wird das dann hoffentlich bald auch einfacher, da bringt man die Sachen dann ja schon gleich in Gläschen nach Hause…
      Viele Grüße
      Martina

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