Einweg-Möbel

In unserem früheren Viertel leben Menschen, die sich regelmäßig alle paar Jahre von
einem Großteil ihres Hab img_0729und Guts zu trennen scheinen. Der Trend scheint zur Einweg-Einrichtung zu gehen, denn praktisch wöchentlich stehen komplette Wohnungseinrichtungen auf unserer Straße wie auf dem Foto zu sehen.

Als ich kürzlich überlegte, wie wir das in den letzten Jahren gehalten haben, fühlte ich mich zunächst dieser Möbel-Wegwerfmentalität überlegen: Dann fiel mir mit Schrecken unser entsorgtes Küchenprovisorium, bestehend aus einem Unterbau, einem Doppelschrank sowie einem Hängeschrank und einem Regal – alles 2012 dem Einbau einer richtigen Einbauküche gewichen. Gut, das waren wirklich alles Uralt-Dinger, die wir schon gebraucht von Vormietern oder Mitbewohnern übernommen hatten (Vom alten Herd und vom alten Kühlschrank rede ich jetzt mal gar nicht.) Aber für 5 Jahre kommt da doch einiges an entsorgten Möbeln zusammen.

Auch der Umzug diesmal war nicht ganz sperrmüllfrei: 1. ein alter Besenschrank, noch von unseren Vormietern „geerbt“, fällt auseinander, reines Sperrholz, wirklich ein Fall für den Müll, 2. ein alter Badezimmer-Spiegelschrank, ebenfalls noch von den Vormietern geerbt (leider, aber die Reparatur wäre so aufwändig und in der neuen Wohnung passt er nicht, ich hoffe, jemand nimmt ihn mit!), 3. die Platte (Pressspanholz) eines alten, billigen Tischs, den wir ebenfalls von unseren Vormietern übernommen hatten und der schon lange im Keller steht und zuletzt vor einigen Jahren als Tapeziertisch im Einsatz war sowie 4. ein kaputter Balkontisch, bei dem ich die ganze Zeit überlege, ob ich aus dem eigentlich schönen Holz nicht doch noch irgendetwas upcyclen kann. Und 5. leider die erst 4 Jahre alte Küchenarbeitsplatte, die nicht für die neue Küche passt und die unser Vermieter auch nicht übernehmen wollte.

Na ja, irgendwie doch eine verheerende Bilanz, wenn ich so den Sperrmüll unserer letzten 5 Jahre zusammendenke, sind wir schon nah dran am Foto…  Langsam wird mir klar, warum wir in Deutschland durchschnittlich über 600 kg Müll pro Jahr produzieren – da muss man den Sperrmüll ja auch mitrechnen! Ich tröste mich damit, dass 3 von den 5 Dingen, die wir jetzt aktuell auf den Sperrmüll stellen sowie große Teile unseres früheren Küchenprovisoriums sonst schon vor 11 Jahren auf dem Sperrmüll gelandet wären, wenn wir sie nicht noch übernommen und zumindest noch diese 11 Jahre (bzw. 5 Jahre im Fall der Kücheneinrichtung) weiter genutzt hätten…

Für viele Dinge haben wir auch ein neues Zuhause gefunden, z.B. für die  Balkonstühle, die Balkonkästen oder aber wir nehmen die Sachen mit. Wir haben in der neuen Wohnung relativ viel Platz, so dass wir auch Dinge, die wir akut nicht brauchen (z.B. den bisherigen Küchentisch) erstmal mitnehmen und für spätere Zweitverwendungen (z.B. eines Tages als Schreibtisch der Kinder) aufheben. Dieser Tisch ist – nebenbei gesagt – bereits seit 18 Jahren im Einsatz, obwohl er vom Möbelschweden ist (Massivholzplatte!). Auch mein mittlerweile 12 Jahre altes Bett (noch von vor meiner Hochzeit) findet im neuen Gästezimmer einen Platz bis es vielleicht eines Tages das Bett meiner Tochter werden kann.

Gespannt bin ich dagegen, ob sich der 20 Jahre alte Kleiderschrank und das 20 Jahre alte Bücherregal nochmals wieder aufbauen lässt. Beides sind Massivholz-Produkte eines bekannten Naturholzmöbelhauses, die insgesamt im Laufe der 20 Jahre bereits 12 mal ab- und wieder aufgebaut wurden. (PS: hat geklappt, aber beim Bücherregal mussten wir die ausgeleierten Löcher mit folgendem Trick wieder tragfähig machen: alle Löcher mit Leim gefüllt (überfließenden Leim gut abwischen!), die Schrauben (ohne Bretter) reingedreht, über Nacht stehen lassen, am nächsten Tag Schrauben wieder raus und dann endgültig mit Brettern wieder zusammenschrauben).

Auf der anderen Seite sind das für Möbel natürlich alles bei weitem keine Lebensdauern, wenn man sich das Alter von Bauernschränken, Erbstücken oder Antiquitäten ansieht. Und ich bin schon stolz, meine Studentenmöbel noch zu haben… Immerhin hat sich damals die Anschaffung von Massivholzmöbeln wirklich ausgezahlt. Vieles, das wir haben, haben wir auch vom Sperrmüll (z.B. unsere Küchenstühle, eigenhändig abgeschliffen, neu verleimt und lackiert), ausrangiert von Freunden übernommen (einige von Freunden vor über 15 Jahren ausrangierte Billigregale sind bei uns immer noch in irgendwelchen Ecken und Nischen im Einsatz) oder gebraucht gekauft (Sekretär, Kommode).

Und nun nehmen wir uns vor, alle Möbel, die wir nun nach dem Umzug evtl. neu anschaffen müssen, vorwiegend gebraucht zu kaufen und uns besonders nach schönen alten, „unkaputtbaren“ Möbeln umzusehen und vor allem einen großen Bogen um den Möbelschweden zu machen (auch wenns schwer fällt!). Alte Stücke passen im übrigen auch viel besser zum Ambiente unserer tollen Altbauwohnung als irgendwelcher Spanplattenkram.

 

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Wachstums-Ökonomie

Die Kaufdiät-Familie musste leider wieder mal aus Wachstumsgründen etwas kaufen. In unserem Kaufdiät-Haushalt hat der Begriff Wachstumsökonomie inzwischen eine etwas andere Bedeutung als gemeinhin: Wir verstehen darunter Käufe, die notwendig werden, weil unsere Kinder wachsen.

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Diesmal war es ein Bett. Für einen rasant wachsenden Tiger war ein größeres Bett erforderlich. Wir sind darauf gekommen, weil er seit geraumer Zeit zum Schlafen vollständig und selbstverständlich in unser Ehebett umgezogen ist. Als wir uns dann mal kritisch sein Bett betrachteten, in dem er nicht mehr schlafen wollte, kamen wir darauf, dass es ihm vermutlich einfach zu klein ist.

Um den Kindern den Umzug schmackhaft zu machen, haben wir dann gleich ein Abenteuerbett mit Rutsche und schöner Höhle drunter genommen und dieses Bett in der neuen Wohnung aufgebaut.

Die Kinder sind begeistert und wir auch, weil wir es geschafft haben, diesen Kauf fast kaufdiät-neutral zu gestalten: Das neue Bett inkl. Matratze & Lattenrost haben wir bei Ebay Kleinanzeigen gebraucht gekauft. Und das alte Bett inkl. Matratze und Lattenrost ebenso über Ebay Kleinanzeigen verkauft. Also eigentlich ist das damit eher ein Tausch als ein Kauf, oder? Aber wir sind streng und zählen das Bett nun als unseren erlaubten Kauf für Oktober (da haben wirs gekauft, aber erst jetzt eingeweiht…). Dafür hoffen wir auf Nachsicht, wenn uns das nächste Mal wieder ein Fehltritt passiert oder wir jetzt wegen des Umzugs doch das ein oder andere brauchen…

St. Martin, gib mir einen Mantel!

So, pünktlich zu Nikolaus will ich jetzt nochmal an St. Martin erinnern (umzugsbedingt hinke ich mit manchen unserer Kaufdiät-Geschichten etwas hinterher….). Symbolisch äußerst passend wollte ich mir nämlich an St. Martin den dringend benötigten neuen Wintermantel als erlaubten Kauf für November gönnen.

Zur Erinnerung: Mein 12 Jahre alter Mantel war gleich zu Beginn der Kaufdiät im März unreparierbar kaputt gegangen und ich bin im März April deswegen tapfer mit einem mehrfach löchrigen Mantel unterwegs gewesen. Sozusagen gleich als Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit unseres Kaufdiät-Vorhabens.

Mit dem Kälteeinbruch war deswegen vollkommen klar, was nun angeschafft werden musste… Ich hatte hohe Ansprüche an meinen Mantel: Ökologisch, fair und modisch sollte er sein. Es sollte der eine Mantel sein, der für alle Gelegenheiten gleichermaßen geeignet ist: Business und sportlich. In einem Kaufdiät-Haushalt gibts nämlich nur Budget für einen Mantel für alles. In hochwertigster Qualität natürlich! Der Preis sollte keine Rolle spielen. Ich nahm mir absolute Schmerzfreiheit in Preisfragen vor.

Also versuchte ich mein Glück zunächst bei einem Ökoversand. Ein Anruf bei der Bestellhotline kündigte eine dreiwöchigen Lieferzeit an. Drei Wochen? Bis dahin wäre ich erfroren! Öko-Versand scheint was für Leute zu sein, die eh so viele Kleider haben, dass sie die Neukäufe gar nicht so dringend brauchen. War ja bei der Jeans auch so (wie hier berichtet). Aber der Mantel war jetzt im November doch dringender als die Jeans.

Also habe ich zu St. Martin mein Glück in einem neu eröffneten Öko-Textil-Laden in der Stadt versucht. Ich war total entzückt, dass es so etwas nun hier gibt. Leider gab es nur Mäntel ab Größe 44. Und die beiden einzigen Mäntel in meiner Größe (38) sahen an mir aus als wäre es Größe 44. Mein Weg führte mich also  tags darauf zum zweiten Öko-Laden der Stadt (da hat sich das Angebot wirklich positiv entwickelt in den letzten Jahren!). Ein Schild wies mich darauf hin, dass dieser heute leider geschlossen sei. Als ich zwei Tage später erneut dort ankam, war das Schild zwar weg, der Laden aber immer noch zu. Weil das Licht brannte, machte ich noch einen Versuch eine halbe Stunde später. Niemand da.

Mit all diesen Versuchen hatte ich nun schon eine gute Woche Frieren hinter mir (nie habe ich beim Martinsumzug inbrünstiger „Sein Mantel wärmt ihn warm und gut“ gesungen). Und außerdem standen jetzt Arbeitstermine an, an denen ich mit einem ordentlichen Mantel erscheinen sollte. Bei meinem letzten Versuch also hatte der Öko-Laden geöffnet, aber leider waren die dort angebotenen Mäntel für Business-Zwecke nicht wirklich geeignet. Die meisten Modelle waren auch eher wie kurze Jacken. Ich habe mich gefragt, zu welcher Gelegenheit man die eigentlich im Winter anziehen soll?

Was nun? Wenn ich keine Kaufdiät machen würde, hätte ich vermutlich sofort einen solchen Öko-Mantel aus Merinowolle gekauft und dabei auch modische Zugeständnisse gemacht. Und dann eben noch einen Business-Mantel dazu. Aber ist das dann wirklich nachhaltiger?

Also ab in das hochwertigste Textilkaufhaus am Ort. Leider kein Ökoladen, aber dafür gab es reine Schurwollmäntel in Europa gefertigt. Der Preis schmerzhaft, aber hier war ich ja zu allem bereit. Das Problem war eher, dass diese Mäntel dann so elegant waren, dass ich sie kaum täglich anziehen kann. Außerdem fühlte ich mich zwischen den anwesenden durchweg sehr eleganten Kundinnen, die teilweise doppelt so alt waren wie ich, modisch nicht so recht aufgehoben.

Frustriert und frierend sowie unter Zeitdruck (zwei Stunden später stand mein Business-Termin an, zu dem ich echt nicht in Outdoorjacke erscheinen konnte), landete ich also in einem meiner früher favorisierten Modeläden. Was soll ich sagen? Drei tolle Mantelmodelle zur Auswahl, alle passten wie angegossen und waren genau die Mischung aus sportlich und schick, die ich suchte. Leider keine reine Schurwolle, dafür nur halb so teuer wie geplant. Was hättet ihr gemacht?

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Ich habe also den genommen, der mir am besten stand. Obwohl er hellgrau ist und ich nun im Nachhinein Sorge habe, dass er mit der hellen Farbe zu empfindlich ist, um 12 Jahre alt zu werden. Aber es war soooo toll, mal wieder etwas richtig Schickes kaufen zu dürfen! Und ich hatte das depressive Winterschwarz so satt. Ich bin mit meinem Mantel zum Termin geschwebt! Und es war so herrlich warm!

Liebe Mode-Industrie: Warum seid ihr scheinbar nicht in der Lage  einfach schicke, modische und praktische Mäntel zu fairen und ökologischen Bedingungen zu produzieren? Ich zahle jeden Preis! Warum kostet mich der Ökovorsatz eine tagelange Odyssee, während ich eine Auswahl an schicken günstigen Mänteln in weniger als einer halben Stunde in zahlreichen Läden der Stadt finde? Warum ist öko immer noch so kompliziert (obwohl es ja schon viel einfacher geworden ist)?

Eine echte Option wäre vermutlich noch Second-Hand gewesen. Aber ich hatte einfach keine Zeit mehr, diese Optionen außerhalb der Innenstadt auch noch zu prüfen. Ich ziehe um. Ich arbeite. Ich friere. Ich war des Suchens müde. Und ich bin glücklich mit meinem Mantel. Nicht so öko wie geplant, aber dafür der Eine für alles! Also mal sehen, wie alt er wird. Mein letzter Mantel war ein Billigexemplar und hat auch recht lang durchgehalten.

Besenwäsche

Ich hatte eine Verschwörung unserer Putzfee vermutet – da sie nichts von unserem Konsumverzicht weiß, müssen ihr manche unserer Putzutensilien als absolute Zumutung erscheinen. Zum Beispiel Handfeger und Kehrschaufel. Ein billiges grünes Plastikteil, vollkommen verdreckt, verfusselt, verbogene Kunststoffborsten. Als beides also plötzlich verschwunden war, dachte ich mir nur: Jetzt hat es ihr endgültig gereicht und sie hat kurzen Prozess gemacht. Und war insgeheim sogar froh, jetzt endlich in Zugzwang zu sein und das alte Ding ersetzen zu müssen. Aber weil die Kaufdiät auch für Kehrschaufeln gilt, machten wir erstmal gar nichts und überlegten, ob das jetzt wirklich ein Notfall ist, der eine Ausnahme erlaubt. Solange sammelten wir den zusammengekehrten Dreck wahlweise mit Papier auf oder saugten ihn weg. Na ja, beides langfristig nicht unbedingt die ökologischere Variante. Aber schließlich löste sich das Problem unerwartet von selbst: Das olle Dinge tauchte aus dem Umzugschaos einfach wieder auf. War unter einem Erdbeutel auf dem Balkon vergraben gewesen.

Die Wiedersehensfreude hielt sich sehr in Grenzen muss ich zugeben. Zumal ich inzwischen bei meiner neuen Vermieterin eine neue Qualität von Besen kennengelernt habe: Sie lieh uns nämlich für die Renovierung einen echten Roßhaarbesen nebst rostfreier Edelstahl-Kehrschaufel. Ich muss sagen, das ist echte Qualitätsarbeit, die nicht mit den 1€-Plastikdingern vergleichbar ist. Das wünsche ich mir für meinen zukünftigen Besen nun auch! Aber unter Kaufdiät ist das Zukunftsmusik, erstmal hieß es, den alten Besen wieder in die Familie aufzunehmen. Dazu habe ich ihn nebst Kehrschaufel einer ausgiebigen Wäsche mit Handwaschmittel unterzogen (zu welchem Quatsch man im Umzug doch tatsächlich noch Zeit findet…) – mit durchaus vorzeigbaren Ergebnissen. Der große Besen wurde auch gleich mitgewaschen. Da muss der Roßhaarbesen also wohl leider noch ein paar Jahre warten.

Aber allen anderen, die gerade einen neuen Besen kaufen möchten oder müssen: Gönnt Euch einen Roßhaarbesen! Und Edelstahl! Es lohnt sich! Ihr wollt danach nie wieder was anderes! Putzen kann schön sein! Leider habe ich davon kein Foto gemacht, aber hier das Ergebnis meiner Besenwäsche.