St. Martin, gib mir einen Mantel!

So, pünktlich zu Nikolaus will ich jetzt nochmal an St. Martin erinnern (umzugsbedingt hinke ich mit manchen unserer Kaufdiät-Geschichten etwas hinterher….). Symbolisch äußerst passend wollte ich mir nämlich an St. Martin den dringend benötigten neuen Wintermantel als erlaubten Kauf für November gönnen.

Zur Erinnerung: Mein 12 Jahre alter Mantel war gleich zu Beginn der Kaufdiät im März unreparierbar kaputt gegangen und ich bin im März April deswegen tapfer mit einem mehrfach löchrigen Mantel unterwegs gewesen. Sozusagen gleich als Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit unseres Kaufdiät-Vorhabens.

Mit dem Kälteeinbruch war deswegen vollkommen klar, was nun angeschafft werden musste… Ich hatte hohe Ansprüche an meinen Mantel: Ökologisch, fair und modisch sollte er sein. Es sollte der eine Mantel sein, der für alle Gelegenheiten gleichermaßen geeignet ist: Business und sportlich. In einem Kaufdiät-Haushalt gibts nämlich nur Budget für einen Mantel für alles. In hochwertigster Qualität natürlich! Der Preis sollte keine Rolle spielen. Ich nahm mir absolute Schmerzfreiheit in Preisfragen vor.

Also versuchte ich mein Glück zunächst bei einem Ökoversand. Ein Anruf bei der Bestellhotline kündigte eine dreiwöchigen Lieferzeit an. Drei Wochen? Bis dahin wäre ich erfroren! Öko-Versand scheint was für Leute zu sein, die eh so viele Kleider haben, dass sie die Neukäufe gar nicht so dringend brauchen. War ja bei der Jeans auch so (wie hier berichtet). Aber der Mantel war jetzt im November doch dringender als die Jeans.

Also habe ich zu St. Martin mein Glück in einem neu eröffneten Öko-Textil-Laden in der Stadt versucht. Ich war total entzückt, dass es so etwas nun hier gibt. Leider gab es nur Mäntel ab Größe 44. Und die beiden einzigen Mäntel in meiner Größe (38) sahen an mir aus als wäre es Größe 44. Mein Weg führte mich also  tags darauf zum zweiten Öko-Laden der Stadt (da hat sich das Angebot wirklich positiv entwickelt in den letzten Jahren!). Ein Schild wies mich darauf hin, dass dieser heute leider geschlossen sei. Als ich zwei Tage später erneut dort ankam, war das Schild zwar weg, der Laden aber immer noch zu. Weil das Licht brannte, machte ich noch einen Versuch eine halbe Stunde später. Niemand da.

Mit all diesen Versuchen hatte ich nun schon eine gute Woche Frieren hinter mir (nie habe ich beim Martinsumzug inbrünstiger „Sein Mantel wärmt ihn warm und gut“ gesungen). Und außerdem standen jetzt Arbeitstermine an, an denen ich mit einem ordentlichen Mantel erscheinen sollte. Bei meinem letzten Versuch also hatte der Öko-Laden geöffnet, aber leider waren die dort angebotenen Mäntel für Business-Zwecke nicht wirklich geeignet. Die meisten Modelle waren auch eher wie kurze Jacken. Ich habe mich gefragt, zu welcher Gelegenheit man die eigentlich im Winter anziehen soll?

Was nun? Wenn ich keine Kaufdiät machen würde, hätte ich vermutlich sofort einen solchen Öko-Mantel aus Merinowolle gekauft und dabei auch modische Zugeständnisse gemacht. Und dann eben noch einen Business-Mantel dazu. Aber ist das dann wirklich nachhaltiger?

Also ab in das hochwertigste Textilkaufhaus am Ort. Leider kein Ökoladen, aber dafür gab es reine Schurwollmäntel in Europa gefertigt. Der Preis schmerzhaft, aber hier war ich ja zu allem bereit. Das Problem war eher, dass diese Mäntel dann so elegant waren, dass ich sie kaum täglich anziehen kann. Außerdem fühlte ich mich zwischen den anwesenden durchweg sehr eleganten Kundinnen, die teilweise doppelt so alt waren wie ich, modisch nicht so recht aufgehoben.

Frustriert und frierend sowie unter Zeitdruck (zwei Stunden später stand mein Business-Termin an, zu dem ich echt nicht in Outdoorjacke erscheinen konnte), landete ich also in einem meiner früher favorisierten Modeläden. Was soll ich sagen? Drei tolle Mantelmodelle zur Auswahl, alle passten wie angegossen und waren genau die Mischung aus sportlich und schick, die ich suchte. Leider keine reine Schurwolle, dafür nur halb so teuer wie geplant. Was hättet ihr gemacht?

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Ich habe also den genommen, der mir am besten stand. Obwohl er hellgrau ist und ich nun im Nachhinein Sorge habe, dass er mit der hellen Farbe zu empfindlich ist, um 12 Jahre alt zu werden. Aber es war soooo toll, mal wieder etwas richtig Schickes kaufen zu dürfen! Und ich hatte das depressive Winterschwarz so satt. Ich bin mit meinem Mantel zum Termin geschwebt! Und es war so herrlich warm!

Liebe Mode-Industrie: Warum seid ihr scheinbar nicht in der Lage  einfach schicke, modische und praktische Mäntel zu fairen und ökologischen Bedingungen zu produzieren? Ich zahle jeden Preis! Warum kostet mich der Ökovorsatz eine tagelange Odyssee, während ich eine Auswahl an schicken günstigen Mänteln in weniger als einer halben Stunde in zahlreichen Läden der Stadt finde? Warum ist öko immer noch so kompliziert (obwohl es ja schon viel einfacher geworden ist)?

Eine echte Option wäre vermutlich noch Second-Hand gewesen. Aber ich hatte einfach keine Zeit mehr, diese Optionen außerhalb der Innenstadt auch noch zu prüfen. Ich ziehe um. Ich arbeite. Ich friere. Ich war des Suchens müde. Und ich bin glücklich mit meinem Mantel. Nicht so öko wie geplant, aber dafür der Eine für alles! Also mal sehen, wie alt er wird. Mein letzter Mantel war ein Billigexemplar und hat auch recht lang durchgehalten.

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3 Gedanken zu “St. Martin, gib mir einen Mantel!

  1. Pingback: Das zweite Jahr der Kaufdiät | KAUFDIÄT

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