Erkenntnisse aus (fast) einem Jahr Kaufdiät

Bald hat unsere Kaufdiät Jahresjubiläum: Letztes Jahr im Februar/März haben wir begonnen. Was haben wir bisher gelernt? Eines meiner Ziele (neben ZeroWaste- und Nachhaltigkeitsüberlegungen) war, auf diesem Weg auch zu einer minimalistischeren Lebensweise zu finden. Deswegen sollte die Kaufdiät eigentlich von einem systematischen Ausmist- und Reduktionsprogramm begleitet sein.

Ich glaube, die größte Überraschung für mich war die eindrucksvolle Erkenntnis, dass Minimalismus im Kopf anfängt, nicht beim Aufräumen. Ich habe festgestellt, dass der Kopf vor allem aus Herausforderungen lernt. Das Entleeren von Schränken von Kram, den ich eh kaum benutze, hätte zwar unserer Wohnung einen wesentlich minimalistischeren Auftritt verpasst, aber vermutlich nicht dasselbe in meinem Kopf bewirkt, wie die Herausforderungen, vor die mich die Kaufdiät regelmäßig stellt.

Der entscheidende Punkt bei der Kaufdiät ist nämlich, dass leider nie die ungeliebten und ungenutzten Dinge in den Schubladen oder aus Speicher und Keller kaputt gehen, sondern immer genau das, was man ständig und täglich nutzt und also am dringendsten braucht. Dieses permanente Kaputtgehen von allem Möglichen war ja auch eine riesige Überraschung, die uns vorher nie bewusst war. Wegen der Kaufdiät kann man ja plötzlich nicht mehr so leicht für Ersatz sorgen. Daraus erwächst eine permanente Herausforderung und man ist ständig gezwungen, sein tägliches Leben neu zu ordnen und zu hinterfragen. Wie existenziell ist dieser täglich genutzte und nun kaputte Gegenstand wirklich? Kann man ihn reparieren? Findet sich ein adäquater Ersatz?

Zum einen hat sich gezeigt: Wenn man gezwungen ist, mit dem Ersatz erstmal zu warten, zeigt sich oft, dass man erstaunlicherweise auch ohne den bislang für unverzichtbar gehaltenen Gegenstand klar kommt. Nach kurzer Zeit hat man seine Routinen umgestellt und es hat sich eine entscheidende Veränderung im Kopf eingestellt: Man braucht ihn wirklich nicht mehr und lebt dadurch plötzlich in diesem Aspekt minimalistischer als man sich das je hätte träumen lassen oder als man das selbst geplant hätte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit nur mit einer einzigen Jeans (ohne Löcher) leben kann. Und dass ich mit inzwischen nur noch 13 Paar Schuhen über alle Jahreszeiten und Freizeitaktivitäten hinweg hinkomme. Oder wir als vierköpfige Familie inzwischen mit 5 großen und 9 kleinen Tellern auskommen. Um nur mal ein paar kleine Beispiele zu nennen.

Die zweite wesentliche Erkenntnis ist: Auf der Suche nach geeigneten Ersatzlösungen, die wir nicht kaufen müssen, haben wir plötzlich ein völlig neues Verhältnis zu den unterschätzten Schätzen, den früheren Ausmistkandidaten, in unseren Schubladen, Speicher und Keller entwickelt. Wir brauchen sie nämlich plötzlich dringend als Ersatzteillager. Wir shoppen sozusagen im Bestand. Besonders fällt es mir immer wieder in meinem Kleiderschrank auf: Ich trage – gezwungenermaßen – plötzlich Dinge wieder, die da so jahrelang vor sich hindümpelten. Auch Sachen, die ich eigentlich nicht mochte. Und für die ich – meist irgendwie neu kombiniert – jetzt doch oft eine für mich ganz gut tragbare Variante finde.

Insofern hat die Kaufdiät für eine echte Gehirnwäsche bei mir gesorgt. Das habe ich so wirklich nicht erwartet. Ehrlich gesagt, habe ich gar nichts erwartet, weil mir gar nicht klar war, worauf wir uns da einlassen. Ich hatte es mir nämlich irgendwie viel leichter vorgestellt.  Oder sagen wir: Weniger mühsam. Denn am Ende, wenn man sein Gehirn dann mal mühsam umprogrammiert hat, ist es plötzlich ganz leicht. Und entspannt. Und freier. Denn man braucht dann wirklich weniger. Deswegen freue ich mich auf das nächste Jahr der Kaufdiät! Mal sehen, wovon uns dieses zweite Jahr befreien wird!

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Die Eier-Flut

Ich dachte immer, ich persönlich sei relativ unschuldig an der Plastikflut im Meer. Der Plastikmüll aus unserer gelben Tonne wird verbrannt und landet definitiv nicht im Meer – das habe ich eigens bei der regionalen Abfallberatung erfragt. Außerdem sind wir seit 2 Jahren fleißige Plastikvermeider. Aber wer jetzt denkt, damit wäre man persönlich unschuldig an all dem Plastikschlamassel, sehe sich bitte diese Bilder an:

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(Foto: dpa)

Tausende Überraschungseier überfluteten vor einigen Wochen die ostfriesischen Inseln – verloren von einem Tanker, der den Hamburger Hafen ansteuerte (hier mehr zur Story). Auch unsere Kinder lieben Ü-Eier. Und sie bekommen auch hin und wieder eins.

Wir arbeiten seit über 2 Jahren fleißig daran, unseren Plastikmüll zu reduzieren. Die paar Ü-Eier, die wir im Jahr konsumieren, machen in unserem Plastikmüllaufkommen weniger als ein Promille aus. Ich hatte sie deswegen nicht mal direkt im Fokus unserer Plastikbaustellen, bisher. Aber das Beispiel zeigt, dass man sich in Sachen Plastik niemals auf der sicheren, der „unschuldigen“ Seite wähnen sollte. Berühmt ist die Geschichte der tausendköpfigen Plastikentenkolonie, die seit Jahren die Ozeane durchkreuzt. Auch wir haben eine solche Plastikente neben der Badewanne stehen. Auch wegen uns durchkreuzen täglich riesige Frachter mit Konsumgütern die Meere, die immer wieder einmal etwas von ihrer Ladung verlieren.

Und wieder mal lautet mein Fazit: Das einzige, was ich da tun kann, um so wenig wie möglich zu diesem Irrsinn beizutragen, ist so wenig wie möglich zu kaufen. Egal was. Egal wie geringfügig es einem erscheint. Sogar so ein dummes kleines Ü-Ei kann schnell zu einer Plastikkatastrophe führen.

Diesen Beitrag findet ihr auch auf der immer sehr lesenswerten Einab-Blogparade:

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Schöner Wohnen trotz Kaufdiät

In unserer neuen Wohnung angekommen, taten sich gefühlt zunächst Dutzende Notfälle auf: Gähnende leere Stellen in Räumen, heimatlos gewordenen Gegenstände auf der Suche nach einem neuen Verstauungsort, mit der großen Eingangsdiele/Esszimmer ein ganz neuer Raum, für den wir nicht wirklich geeignete Möbel hatten…

Aber mit den Wochen hat sich hier – auch dank Weihnachtsdeko – überraschenderweise doch ein ganz stabiles und vorzeigbares Wohn-Gleichgewicht eingestellt und wir sind auf einige kreative Lösungen gekommen, die wir hier einmal vorstellen möchten:

Unser bisheriger Küchen-Esstisch – nicht so groß ,wie er sein sollte, 20 Jahre alt, so eine preiswerte Platte auf vier Beinen vom Möbelschweden und eher hässlich – musste jetzt in der über 20 Quadratmeter großen Eingangsdiele plötzlich optisch die Hauptrolle spielen. Wir haben ihn frei gestellt, damit haben wir auf einmal genug Platz, es haben über Weihnachten sogar 8 Personen dran gesessen. Mit einer Tischdecke kaschiert macht er sich nun auch optisch ganz gut. Die muss ich jetzt halt oft waschen (Tischdecken und Kinder sind keine optimale Kombination).

Da die Diele/Esszimmer ein für uns völlig neuer Raum ist, für den wir keinerlei Möbel hatten (wir hatten vorher auch nur einen winzigen Flur), gab es außer dem Tisch zunächst nur gähnende Leere und ein Schuh-, Taschen-, Mützen-, Handschuhe- und Jackenchaos, da früher für diese Gegenstände als Aufbewahrungsorte genutzte Türen, Möbel und Treppenabsätze nicht mehr zur Verfügung standen. In der Diele sammeln sich zudem alle kleinen „Restmöbel“, die in anderen Räumen keine Platz mehr fanden, was uns eine wenig schöne Billy-Parade bescherte. Billy-Regale sind ideal um Schuhe aufzubewahren und auch für Handschuhe etc. geeignet. Unsere Rest-Billys hatten glücklicherweise alle Türen, so dass es auch optisch halbwegs akzeptabel wurde. Aber angesichts der herrlichen Altbauwohnung wünsche ich mir hier doch eher einen schönen Jugend-Stil-Dielenschrank her. Bis dahin hat die Weihnachtsdeko wirklich einiges rausgerissen. Ein auffällig platzierter Adventskalender für die Kinder, ein paar Zweige, Lichterketten etc. sorgten schnell für Wohnlichkeit. Mal sehen, wie sich eine kaufdiät-konforme Nicht-Weihnachtsdeko improvisieren lässt…

Und dann – unser ganzer Stolz gilt dieser kreativen Leistung: Alle anderen fehlenden Möbel haben wir mit Umzugskisten dekoriert mit den Vorhängen unserer alten Wohnung improvisiert! Wir wünschten uns eine gemütliche Bank in der Diele – zwei Umzugskisten (noch gefüllt mit nicht eingeräumten Gegenständen), Decke drüber, Kissen drauf – sieht super gemütlich aus! Uns fehlte ein Schränkchen für den Telefonkram und vor allem das zugehörigen Kabelgewirr: Umzugskiste, Vorhang drüber, Telefon und ein bisschen Deko drauf, fertig! Gähnende Leerstellen in der Diele? Umzugskiste, Vorhang drüber, Deko drauf, fertig! Umzugskartons sind wirkliche eine Universallösung für uns geworden und ersetzen zahlreiche fehlende Tischchen und Kleinmöbel. Und wir sind glücklich, dass wir für die Vorhänge wie für die Kisten eine sinnvolle Neunutzung gefunden haben.

Unsere Freunde, die uns rund um Weihnachten besuchten, sagten übereinstimmend, sie hätten nicht das Gefühl, dass es in der Wohnung an irgend etwas fehlte und es sähe alles schon recht fertig und gemütlich aus. Wir fühlen uns inzwischen auch so wohl, dass die Kisten vermutlich in vielen Fällen ein Dauerprovisorium werden. Zumindest können wir jetzt wahnsinnig entspannt im Rahmen unserer Kaufdiät nach Lösungen suchen. Wenn wir keine dringenderen Anschaffungen zu tätigen haben. Und ich bin inzwischen so durch die Kaufdiät geprägt, dass mich jede Nicht-Anschaffung mit tiefer Zufriedenheit erfüllt.

 

Kaufdiät vs. Umzug – Zwischenbilanz

Für unseren wegen Eigenbedarfskündigung erzwungenen Umzug wollten wir uns auch Ausnahmen von der Kaufdiät genehmigen, falls nötig. Vor allem Küche, Lampen und Vorhänge haben wir erstmal notgedrungen von unserem Konsumverzicht ausgenommen. Zeit, einmal eine Zwischenbilanz zu ziehen, wie viele dieser „Joker“ wir tatsächlich nutzen mussten.

Zunächst einmal die Küche: Wir haben unsere Küche mitgenommen, dies führte zu folgenden anpassungsbedingten Neu-Anschaffungen: Zwei neue Arbeitsplatten, eine neue Spülenarmatur (weil wir hier nur einen Boiler haben und deswegen eine Niederdruckarmatur brauchten), zwei neue Unterschränke (60 und 40 cm) und ein neuer Oberschrank (40 cm), 2 Meter neue Sockelleiste (alle anderen konnten wir wieder reinbasteln) sowie eine Rückwand, weil die Küche hier nicht gefliest ist. Außerdem haben wir eine neue Lampe für die Küche gebraucht. Ansonsten konnten wir wirklich alles aus unserer alten Küche mitnehmen und wieder einbauen, sogar die uralte Spüle, die wir vor 11 Jahren von unseren studentischen Vormietern gebraucht übernommen haben. Da habe ich echt lange mit mir gerungen, schließlich ist die Spüle nicht so einfach zu ersetzen, wenn das Loch erstmal in die Arbeitsplatte gesägt ist. Und die Spüle stand schon beim letzten Kücheneinbau „auf der Abschussliste“.  Aber die Kaufdiät hat gesiegt. Ich finde, wir haben für einen kompletten Küchenumzug in einen ganz anders geschnittenen Raum sensationell wenig neu kaufen müssen.

Die zweite Ausnahme, die wir uns genehmigen wollten, waren Lampen. Licht hatten wir auch für einen echten Notfall gehalten. Aber ich habe festgestellt: Auch Licht ist relativ. In unserem Esszimmer haben wir immer noch keine Lampen, sondern behelfen uns mit einer Stehlampe. Im Kinderzimmer haben wir jetzt drei Wochen auch gut ohne Lampen überbrückt (weil wir nicht dazu gekommen sind, unsere Lampen aufzuhängen). Im Gäste-WC sind wir immer noch im Dunkeln und haben jetzt eine Lampe vom Sperrmüll gefunden, die wir noch zurechtmachen müssen. Wenn wir Besuch haben, beleuchten wir das Gäste-WC romantisch mit einer Kerze. Im Wohnzimmer haben wir auch noch keine Lampe, weswegen wir meist gemütlich beim Schein einer kleinen Stehlampe oder vom Weihnachtsbaum beschienen auf dem Sofa lümmeln. Und in allen anderen Zimmern haben wir unsere bisherigen Lampen gut wieder anbringen können.

Bleibt das Thema Verdunkelung: Da wir keine Rolläden haben, waren auch Vorhänge ein gefürchtetes Thema für uns. Glücklicherweise sind in unserer Wohnung aber in den meisten Räumen innen Rollos vorhanden, so dass wir auch hier keinen akuten Bedarf sehen.

Also: Für die Küche haben wir mal die Augen zudrücken müssen. Ansonsten geht die Kaufdiät weiter! Alles, was uns jetzt noch fehlt, wird zu Kaufdiät-Regeln angeschafft!

 

Stopfmeditation

Wie viele Löcher passen in eine Socke? Eine ideale Meditations-Frage für Fans der Zen-Meditation. Aber vergesst Zen. Vergesst Yoga. Ich habe was viel Besseres gefunden: Socken stopfen. Stopfen bringt mich fast mit dem ersten Stich in einen Zustand für den ich früher mindestens 5 Minuten Warm-up Meditation gebraucht hätte. Der Kopf entleert sich von allen unnützen Gedanken, es gibt nur noch mich, das Loch und den Faden.

Vielleicht kann man denselben Effekt mit Stricken oder Häkeln erzielen. Aber ich bin Handarbeitsdummy. Stricken oder Häkeln würde mich geistig und handwerklich überfordern. Stopfen kann man auch im Meditationsmodus, man kann es in 5 Minuten lernen und der Erfolg beim Stopfen ist nahezu unausweichlich – sogar für Stopfanfänger wie mich: Wo vorher ein Loch war, wird dann keins mehr sein. Wie das Stopfergebnis ästhetisch gesehen aussieht, ist ja meist nicht wirklich wichtig. Wen interessieren schon die Spitzen und Fersen meiner Socken? Ich warte immer noch vergeblich darauf, dass mich endlich mal jemand auf gestopfte Socken anspricht oder wenigstens den Blick so lange auf einem missratenen gestopften Zehenloch ruhen lässt, dass ich das Gespräch auf meine Stopfkünste lenken kann. Vergesst es. Merkt kein Mensch. Es ist wirklich komplett egal, in welcher Qualität man stopft. Deswegen ist es wirklich ganz einfach.

Und es lohnt sich: Nach drei Socken bin ich sowas von tiefenentspannt. Und danach zutiefst mit mir, der Welt und meinen Socken zufrieden. Und dank meiner gelegentlichen Stopfmeditation haben wir seit Beginn der Kaufdiät keine Socken mehr kaufen müssen. Und ich komme mit meinen Wollstrumpfhosen nun schon durch den zweiten Winter.

 

 

Nutzen statt Ausmisten

Wir wollen minimalistischer leben, sind aber bekennende Anti-Ausmister. Wie kann das zusammengehen? Dank unserer Kaufdiät finden wir hier immer wieder neue Ansatzpunkte. Zum Beispiel als mir im Zuge unseres Umzugs zahlreiche Gegenstände in die Hände fielen, die wir seit Jahren nicht benutzt hatten. Der gesunde Menschenverstand und Dutzende Ratgeber empfehlen in solchen Fällen dringend das Ausmisten. Unseren kaufdiät-geschulten Augen kamen aber ganz andere Ideen.

Zum Beispiel für unsere Campingausrüstung. Da wir seit der Geburt unserer Kinder (also seit über 6 Jahren) nicht mehr campen waren, verstaubte unser Camping-Kochgeschirr in einem vergessenen Winkel. Warum eigentlich? fragte ich mich beim Anblick der praktischen Edelstahl-Behälter in verschiedenen, genau ineinanderstapelbaren Größen, die bei Bedarf noch schnell mit einem abnehmbaren Griff zum Kochtopf umgenutzt werden können. Damit landete das Kochgeschirr im regulären Küchenschrank, macht unseren Schüsselchen-Bestand zukünftig etwas plastikfreier und wird nun auch oft für kleine Sößchen, zum Resteaufwärmen oder ähnliches als Mini-Topf benutzt. Warum hatten wir die eigentlich je weggepackt?

Ähnlich erging es den Isomatten, die bislang unzugänglich verstaut ein sinnloses Dasein führten. Jetzt habe ich sie als praktische Gymnastikmatte entdeckt – eine Yogamatte – brauch ich jetzt jedenfalls nicht mehr. Überhaupt die Yoga-Hose: Ist inzwischen beim Eislaufen ebenso im Einsatz wie wahlweise als lange Unterhose, Strumpfhosenersatz unterm Rock oder auch bequeme Hausanzugshose.

Die Picknickdecke: Kaschiert derzeit unsere aus Umzugskisten improvisierte Garderobenbank. Ein echter Hingucker. Die andere Picknickdecke – die Idee kommt mir gerade beim Schreiben – wäre eigentlich ein idealer Lego-Spielteppich. Um das Parkett zu schonen, müssten wir nämlich dringend einen Teppich anschaffen.

Einige Dinge aus den hintersten Schrankfächern haben inzwischen auch eine Karriere als Dekogegenstände gemacht, z.B. die alte Espressokannne. Seitdem nutze ich sie auch wieder öfter. Ich denke auch immer wieder darüber nach, wie sich Schubladenbewohner vielleicht dekorativ-kreativ oder funktional-kreativ nutzen lassen. Zum Beispiel suche ich noch nach einer Idee für die Kofferwaage – eigentlich ja auch ein toller Gegenstand, für den sich irgendeine originelle hakenartige Funktion finden lassen müsste…

Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr Anwendungsmöglichkeiten finde ich für Gegenstände, die bislang vor allem in Schubladen und hinteren Schrankwinkeln wohnen. Ich denke, es lohnt sich, solchen Gegenständen eine neue Nutzung zu geben statt sie auszumisten. Auch das ist eine Form von Minimalismus, weil man sich damit die Anschaffung neuer Gegenstände spart.

Kaufdiät-Weihnachten

Weihnachten war eigentlich meine größte Sorge, als wir vor 10 Monaten unsere Kaufdiät begannen. Vier Geschenke (für jedes Familienmitglied eines) würde ja heißen, dass wir ab September für Weihnachten „sparen“ müssten, wenn wir jeden Monat maximal eine Sache kaufen möchten.

Und, wie haben wir es nun gelöst? Zunächst einmal haben wir den Kinder nichts geschenkt. Das war auch gar nicht nötig, Großeltern, Tanten, Patentanten etc. statteten das Christkind hinreichend mit Geschenken zum Auspacken aus (genauso haben wir es übrigens an den Geburtstagen der Kinder gemacht, sie wurden auch so überreich beschenkt..). Es ergab sich diesmal, dass jedes der Kinder ein Playmobilpaket bekam und ansonsten eher kleine praktische oder immaterielle Dinge (Theaterkarten, Leseanfängerbücher, Becher, Sticker, ein Kleidchen u.ä.). Die Kinder waren damit sehr zufrieden und vermissten absolut nichts. Im Gegenteil hatte ich das Gefühl, dass das Hauptgeschenk viel intensiver bespielt wurde als bei vorjährigen Geschenke-Fluten…

img_1223Ich hatte mir zum Geburtstag einen Rasierhobel nebst Pinsel und Rasierseife gewünscht, damit ich nach fast zwei Jahren Kampf gegen Plastikmüll endlich auch diese beschämende Lücke meiner Vermeidungsaktivitäten schließen konnte. Und ich hoffe darauf, dass ich durch diese wirklich wunderschönen Utensilien auch den geduldigsten Ehemann von allen überzeugen werde,  seinem Plastik-Rasiermüll abzuschwören. Er war da leider sehr skeptisch, sonst hätte ich das Set ihm geschenkt. Da mit dieser Rasierausstattung in unserem Haushalt Wegwerfprodukte ersetzt werden, gilt dieses Geschenk als Ausnahme im Rahmen der Kaufdiät.

img_1226Und da wir für Dezember somit noch einen Gegenstand gut hatten und auch der geduldigste Ehemann von allen für die Fortsetzung der Kaufdiät bei Laune gehalten werden will und damit wir uns zu Weihnachten auch mal  was Unvernünftiges gönnen, habe ich ihm – absoluter Luxus – eine wirklich teure Edition eines japanischen Comic-Klassikers geschenkt, die er schon seit Jahren umkreist, aber sich nie leisten wollte. Immerhin sparen wir durch unsere Kaufdiät viel Geld, das kann man dann auch mal in einen echten Luxus-Wunsch investieren.

Nicht unter die Kaufdiät fielen dagegen Dinge, die wir anderen schenken und die andere uns schenken. Hier muss ich zugeben, sind wir leider vom Kauf-Minimalismus noch weit entfernt. Wie jedes Jahr erhielt ich von zahlreichen Personen liebe Geschenke und Aufmerksamkeiten, die auch eine ebenso liebevolle Reaktion erfordern. Ich möchte hier einfach ungern antworten „Vielen Dank, aber wir machen Kaufdiät, ich schenk Euch nix…“. Und leider habe ich noch keine wirklich kaufdiät-adäquate Lösung gefunden. Von Gutscheinen á la „Zeit statt Zeug“ bin ich inzwischen fast völlig abgekommen, weil diese so gut wie nie eingelöst wurden. Wir verbringen scheinbar auch ohne Erlebnis-Gutscheine schöne Zeit mit unseren Freunden. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, hier mit selber machen zu punkten (liebevoll verpackte selbstgemachte Marmeladen, selbstgemachte Müslis oder ähnliches). Dazu hatte ich letztes Jahr im Umzugschaos einfach keine Zeit. Außerdem habe ich begonnen, Bücher, DVDs und CDs aus meinem Bestand weiter zu verschenken. Das ist sicher auch noch ausbaufähig. Und weil das dann immer Dinge sind, die ich selbst einmal so geschätzt habe, dass ich sie mir gekauft habe, sind darunter oft sehr gut passende und persönliche Geschenke.

Und dann gibt es natürlich noch die Geschenke der anderen an uns, die unsere Kaufdiät konterkarieren. So erreichten uns leider wieder viele Gegenstände, die ich als Aufmerksamkeit gerne würdige, aber auf die wir eigentlich auch gut hätten verzichten können. Ich dagegen hatte versucht, mich dieses Jahr  bei meinen eigenen Geschenken an andere auf wirklich Nützliches zu beschränken. Bei einigen kam das sehr gut an (meine Mutter, die nicht mehr gern einkaufen geht, war ganz von der geschenkten Kleidung begeistert, meine Schwiegermutter dagegen schien mir sehr enttäuscht zu sein: Dabei hatte ich so aufmerksam zugehört, als sie vor einigen Wochen davon sprach, dass sie wegen eines anstehenden Verwandten-Besuchs neue Laken braucht…)

Na ja, da nicht jeder Kaufdiät macht, wissen andere im Gegensatz zu uns solche Basics als Geschenke scheinbar nicht so zu schätzen. Liebe Freunde, falls ihr dies lest: Wir freuen uns z.B. über Handtücher, einen neuen Handfeger (kein Plastik!), einen Roßhaarbesen, Socken, Oberteile, Pullis, Wollstrumpfhosen, eine neue Pfanne, schöne Garderobenhaken, große Teller, Suppenteller, ein Gemüsemesser, Kofferanhänger …   Ihr seht, wir sind dank Kaufdiät ganz einfach und mit Kleinigkeiten glücklich zu machen! Das ist wirklich ein wunderschöner Nebeneffekt der Kaufdiät: Ich kann mich wirklich wieder über ganz einfache, praktische Geschenke freuen.