Erkenntnisse aus (fast) einem Jahr Kaufdiät

Bald hat unsere Kaufdiät Jahresjubiläum: Letztes Jahr im Februar/März haben wir begonnen. Was haben wir bisher gelernt? Eines meiner Ziele (neben ZeroWaste- und Nachhaltigkeitsüberlegungen) war, auf diesem Weg auch zu einer minimalistischeren Lebensweise zu finden. Deswegen sollte die Kaufdiät eigentlich von einem systematischen Ausmist- und Reduktionsprogramm begleitet sein.

Ich glaube, die größte Überraschung für mich war die eindrucksvolle Erkenntnis, dass Minimalismus im Kopf anfängt, nicht beim Aufräumen. Ich habe festgestellt, dass der Kopf vor allem aus Herausforderungen lernt. Das Entleeren von Schränken von Kram, den ich eh kaum benutze, hätte zwar unserer Wohnung einen wesentlich minimalistischeren Auftritt verpasst, aber vermutlich nicht dasselbe in meinem Kopf bewirkt, wie die Herausforderungen, vor die mich die Kaufdiät regelmäßig stellt.

Der entscheidende Punkt bei der Kaufdiät ist nämlich, dass leider nie die ungeliebten und ungenutzten Dinge in den Schubladen oder aus Speicher und Keller kaputt gehen, sondern immer genau das, was man ständig und täglich nutzt und also am dringendsten braucht. Dieses permanente Kaputtgehen von allem Möglichen war ja auch eine riesige Überraschung, die uns vorher nie bewusst war. Wegen der Kaufdiät kann man ja plötzlich nicht mehr so leicht für Ersatz sorgen. Daraus erwächst eine permanente Herausforderung und man ist ständig gezwungen, sein tägliches Leben neu zu ordnen und zu hinterfragen. Wie existenziell ist dieser täglich genutzte und nun kaputte Gegenstand wirklich? Kann man ihn reparieren? Findet sich ein adäquater Ersatz?

Zum einen hat sich gezeigt: Wenn man gezwungen ist, mit dem Ersatz erstmal zu warten, zeigt sich oft, dass man erstaunlicherweise auch ohne den bislang für unverzichtbar gehaltenen Gegenstand klar kommt. Nach kurzer Zeit hat man seine Routinen umgestellt und es hat sich eine entscheidende Veränderung im Kopf eingestellt: Man braucht ihn wirklich nicht mehr und lebt dadurch plötzlich in diesem Aspekt minimalistischer als man sich das je hätte träumen lassen oder als man das selbst geplant hätte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit nur mit einer einzigen Jeans (ohne Löcher) leben kann. Und dass ich mit inzwischen nur noch 13 Paar Schuhen über alle Jahreszeiten und Freizeitaktivitäten hinweg hinkomme. Oder wir als vierköpfige Familie inzwischen mit 5 großen und 9 kleinen Tellern auskommen. Um nur mal ein paar kleine Beispiele zu nennen.

Die zweite wesentliche Erkenntnis ist: Auf der Suche nach geeigneten Ersatzlösungen, die wir nicht kaufen müssen, haben wir plötzlich ein völlig neues Verhältnis zu den unterschätzten Schätzen, den früheren Ausmistkandidaten, in unseren Schubladen, Speicher und Keller entwickelt. Wir brauchen sie nämlich plötzlich dringend als Ersatzteillager. Wir shoppen sozusagen im Bestand. Besonders fällt es mir immer wieder in meinem Kleiderschrank auf: Ich trage – gezwungenermaßen – plötzlich Dinge wieder, die da so jahrelang vor sich hindümpelten. Auch Sachen, die ich eigentlich nicht mochte. Und für die ich – meist irgendwie neu kombiniert – jetzt doch oft eine für mich ganz gut tragbare Variante finde.

Insofern hat die Kaufdiät für eine echte Gehirnwäsche bei mir gesorgt. Das habe ich so wirklich nicht erwartet. Ehrlich gesagt, habe ich gar nichts erwartet, weil mir gar nicht klar war, worauf wir uns da einlassen. Ich hatte es mir nämlich irgendwie viel leichter vorgestellt.  Oder sagen wir: Weniger mühsam. Denn am Ende, wenn man sein Gehirn dann mal mühsam umprogrammiert hat, ist es plötzlich ganz leicht. Und entspannt. Und freier. Denn man braucht dann wirklich weniger. Deswegen freue ich mich auf das nächste Jahr der Kaufdiät! Mal sehen, wovon uns dieses zweite Jahr befreien wird!

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