Wie viele Teller braucht der Mensch?

Für die Frage, wie viel Geschirr man benötigt, gibt es historische Extrembeispiele. Der radikalste Minimalist der Geschichte, der Philosoph Diogenes, lebte in einer Tonne und besaß als einziges Eigentum einen Becher. Als er sah, wie ein Kind aus der hohlen Hand trank, warf er auch den weg.

So weit sind wir noch nicht. Aber mit unserem Umzug sind nun leider auch einige Gegenstände unserer früheren Mitbewohnerin endgültig aus unserem Haushalt ausgezogen. Vor allem beim Geschirr und Küchenbestand hat uns das einige Lücken in den Bestand gerissen. Wir sind nun etwas knapp mit Tellern, Schneidemessern und Kochlöffeln ausgestattet. Wir haben nun nur noch 6 große Teller, 9 kleine Teller sowie 4 Suppenteller. Außerdem vermisse ich den Keramik-Zwiebeltopf, aber das ist Luxus, den wir jetzt nicht unbedingt gleich zu kaufen brauchen.

Bei den Tellern stellt sich da schon eher die Frage: Wie viele Teller braucht man als vierköpfige Familie, um den Alltag reibungslos zu meistern? Eigentlich kommen wir so halbwegs gut hin, wenn wir alle 1-2  Tage die Geschirrspülmaschine laufen lassen. Hin und wieder muss ich ein oder zwei Teller rausziehen und schnell mit der Hand spülen.

img_1280Für Engpässe haben wir außerdem altes Plastik-Geschirr (ein Mix aus altem Camping- und Baby-Bestand) hervorgekramt und notfalls griffbereit in die Küchenschränke gestellt (wieder mal war ich froh, etwas nicht weggeworfen zu haben). Das finde ich sinnvoll, wenn auch weder schön, noch gesund (Plastik…). Aber wir greifen sowieso nur selten darauf zurück. Und dann freuen sich die Kinder, ihre Babyteller wiederzusehen.

img_1282Um unsere Tellerauswahl noch etwas weiter zu erweitern, haben wir außerdem diesen Teller, der eigentlich dafür gedacht ist, zur Zierde an einer Wand zu hängen, kurzerhand in regelmäßigen Betrieb genommen statt ihn wieder aufzuhängen. Wir nutzen ihn vor allem, um etwas (Käse, Gemüse, Obst, Mozzarella…) schön darauf zu drapieren.

 

img_1279Einen weiteren Teller habe ich angesichts unseres Geschirrengpasses kurzerhand im Vorbeigehen aus dem Sperrmüll gezogen. Eigentlich auch ganz hübsch, oder? Und passt durch sein zeitloses Weiß zu allen anderen Tellern…

 

 

img_1281Ehrlich gesagt stammt eigentlich fast unser gesamtes aktuelles Geschirr (bis auf 6 kleine Teller, die ich vor ein paar Jahren mal neu gekauft habe) immer noch aus der Haushaltsauflösung, aus der ich vor über 20 Jahren meine erste eigene Wohnung bestückt habe. Das Blumen-Muster finde ich immer noch recht hübsch und habe es mir auch nach 20 Jahren noch nicht übergesehen.

 

Und siehe da: Uns fehlt eigentlich gar nichts. Zu Weihnachten haben wir sogar mit bis zu 8 Personen gemütlich mit unserem Geschirrbestand essen können. Niemand hat aus dem Topf essen müssen. Inzwischen frage ich mich, ob ich überhaupt wieder mehr Teller haben will. Es geht uns eigentlich wirklich prima! Wir nutzen unser Geschirr kreativer und essen z.B. manchmal Suppe aus Müsli- oder Dessertschälchen. Die Kinder kriegen manchmal einfach einen kleinen Teller. Mögen sie eh lieber für ihre kleinen Portionen. Zum Anrichten haben wir zusätzlich auch noch zwei ganz große Teller. Ergo: Das 12-Personen-Tafelservice ist vollkommen überbewertet. Braucht man selbst mit Gästen nicht unbedingt. Und unser Haushalt ist wieder ganz von selbst ein Stück minimalistischer geworden.

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9 Gedanken zu “Wie viele Teller braucht der Mensch?

  1. Witzig, gerade heute hatte ich auch eine „Teller“-Diskussion mit meinem Freund, nachdem bei uns zwei Teller kaputt wurden und ich mich weigerte, neue Teller zu kaufen, da wir nun auch die Teller aus dem alten Service wieder verwenden. Es ist ein Wahnsinn, was wir alles im Vorrat haben, ohne sich dem bewusst zu sein!

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  2. Dein Teller-Beitrag erwischt mich gerade richtig und hat mich sehr nachdenklich gemacht. Denn ich habe erst gestern festgestellt, dass ich – als Single inzwischen – zig Teller im Schrank stehen habe, die ich nie benutze. Suppenteller, große Teller, kleine Teller, sechs Tassen, zig „Kaffeepötte“, ein schönes komplettes Teegeschirr, das ich noch nie (!) benutzt habe, sondern immer nur optisch bewundere – und so weiter. Und ich musste verblüfft erkennen, dass ich im Grunde immer nur ein, zwei Teller, ein, zwei Tassen benutze, weil ich die natürlich auch immer wieder abspüle. Im Grunde brauche ich 90 % meines Geschirrs nicht. Das Problem ist jetzt nur: wohin damit? Bei uns will keine Caritas-Stelle, kein Sozialkaufhaus mehr Geschirr haben. Offenbar entsorgen in der Großstadt, in der ich wohne, so viele Menschen etwas und wollen so wenig Menschen Gebrauchtes, dass man nichts mehr sozial los wird. Ganz verstehe ich das nicht, denn man könnte meinen, dass in einer Großstadt mehr arme Menschen leben als in einer Kleinstadt irgendwo, und dass deshalb auch mehr Gebrauchtes genommen und in Umlauf gebracht werden kann. Aber offenbar gehen viele mit wenig Geld lieber zu Woolworth oder einem Ein-Euro-Laden und kaufen neu, als dass sie fast umsonst etwas Gebrauchtes akzeptieren würden.
    Tja, was mache ich nun mit meinem überzähligen Geschirr? Du könntest liebend gerne meine Teller haben! :)) Wegwerfen mag ich sie nicht. Also werde ich sie wohl behalten müssen, obwohl ich sie nicht brauche.

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    • Da hast du genau das zentrale Problem getroffen: Es ist einfach so billig neues Geschirr zu bekommen, dass es sich für die meisten nicht lohnt, sich überhaupt um andere Lösungen Gedanken zu machen. Unter welchen Bedingungen so ein Billiggeschirr dann irgendwo produziert wird, spielt da leider keine Rolle. Und wie schade, um all das schöne Geschirr! Wir könnten es gut gebrauchen, aber Geschirr lässt sich ja nicht besonders gut verschicken… Und eigentlich kommen wir ja auch mit unserem Bestand erstaunlich gut hin. Aber hebe es doch ruhig auf, es wird immer mal wieder etwas kaputt gehen. Man kann es ja auch einfach im Keller haben, wenn man es im Schrank gern leerer hätte und dann bei Bedarf Ersatz rausholen. Oder – ein Versuch ist es vielleicht wert: Einfach mal in einer Kiste bei gutem Wetter an den Straßenrand stellen? Vielleicht nimmt es jemand mit. So habe ich ja auch einen weiteren Teller gefunden…

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      • An den Straßenrand stellen würde mir nur Ärger mit den Nachbarn oder/und eine Anzeige einbringen. Behalten ist auch ungut, weil mir das viele überflüssige Geschirr einfach im Schrank im Weg ist. Ich muss mal überlegen, vielleicht fällt mir noch was ein, es halbwegs sinnvoll loszuwerden. Ehrlich gesagt ist das Problem des Loswerdens von Zeug mittlerweile einer meiner Hauptmotivationen, mir nichts mehr zu kaufen. 🙂 Jedenfalls nichts mehr unüberlegt und spontan. Man hat dann hinterher nur den Ärger am Hals, die Sachen wieder irgendwie unter die Leute zu bringen, um es nicht wegschmeißen zu müssen, wenn man es nicht braucht, nicht behalten möchte oder wenn es nicht passt/gefällt/benutzt wird.

        Sehr gut finde ich deine Feststellung, dass Kaufdiät und Minimalismus nicht wirklich miteinander vereinbar sind. Ich glaube, ich tendiere insgesamt doch eher zum Minimalismus, denn dieses Aufbewahren für „man kann es vielleicht doch noch einmal gebrauchen“ habe ich in meiner Familie kennen und fürchten gelernt. Nachkriegsgeneration – jedes Schnürchen, jede Verpackung, alles und jedes Teil wurde aufgehoben, weil es ja vielleicht doch noch irgendwann zu irgendetwas von Nutzen sein könnte. 99 % davon war es nie und verstopfte nur Wohnung, Schränke, Schubladen und Keller. 🙂 Ich reise lieber mit leichtem Gepäck im Leben und ohne vorsorgliches Aufbewahren, bei dem ich gar nicht mehr weiß, was wo ist und ob es in den hinteren Gefilden des Schrankes das gibt, was ich möglicherweise mal doch brauchen könnte.

        Ich glaube langsam sowieso, die Menschen sind entweder Wegschmeißer oder Sammler und Aufheber. Und wenn man eins davon ist, wird man nie das andere werden können. Die Gene schlagen immer wieder durch. 🙂

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      • ja, dann bin ich wohl ein Sammler… Aber glaube mir, wenn man nichts mehr kauft, leeren sich auch viele Schränke erstaunlich schnell! Mein Schuhschrank zum Beispiel ist im letzten Jahr plötzlich sehr übersichtlich geworden und viele Dinge, die mein tägliches Leben begleitet haben, sind kaputt gegangen und wurden auch nicht ersetzt. Insofern entmistet nicht kaufen und Kaputtes nicht ersetzen auch recht effektiv.
        Noch eine Idee für Deine Teller: Einige meiner Kolleginnen von der Ausmistfraktion veranstalten nächste Woche bei uns im Büro eine Tauschbörse, wo jeder ein paar Dinge mitbringt, die er ausmisten möchte. Vielleicht ist das auch mal eine Idee?

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    • In dem Fall heißt die Devise: behalten, bloß nicht wegwerfen!
      Vielleicht gründest Du ja noch mal eine Familie und dann werden sie gebraucht 🙂
      Und wenn mal was kaputt geht, kaufst Du halt einfach nicht nach.

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  3. Die Tellerfrage beschäftigt mich gerade auch sehr. Aber in eine ganz andere Richtung. Ich habe eine Vollausstattung für 12 Personen und will mir das evtl. nochmal holen. Der Grund: Es gibt doch öfter Festivitäten, bei denen das nicht reicht. Und ich mir geschworen habe, nie wieder Wegwerfgeschirr zu verwenden. ^^ Ich weiß, das hört sich extrem an… Es ist schlicht, weiß und macht sich in jeder Sitation gut. Ich kann mir auch vorstellen, es im Freundeskreis mal zu verleihen und falls es Schwund gibt, wäre es auch nicht so schlimm.

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    • Ja, das mit den Festivitäten ist immer so eine Geschirrherausforderung. Wir haben gerade dieses Wochenende wieder umfangreichen Freundesbesuch nur gerade so geschirrtechnisch gestemmt. Ich hatte fast überlegt, ob ich unsere Gäste bitte, Teller mitzubringen… Und Wegwerfgeschirr ist wirklich auch keine Lösung, da hast du recht!
      Ich überlege mir da derzeit zwei mögliche Lösungen: Erstens über seinen Schatten springen und bei Nachbars Geschirr ausleihen. Vielleicht findet man ja auch ein Agreement mit den lieben Nachbarn (wir leihen uns Geschirr bei Euch, dafür leihen wir Euch bei Bedarf unsere Weingläser/Sektgläser etc….). Aber ein bisschen fühlt man sich da leider immer wie ein Schnorrer (siehe auch mein Beitrag zu diesem Thema)
      Oder zweitens: Bei Geschirr müsste es eigentlich einen riesigen Second-Hand-Bestand aus Haushaltsauflösungen geben. Das fände ich auch noch eine sinnvolle Alternative für uns zur echten Neuanschaffung. Also mal sehen, wie es mittelfristig mit unserem Geschirrbestand weitergeht.
      Und vielleicht ist ja auch für dich eine Idee dabei!
      Viele Grüße
      Martina

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