Das zweite Jahr der Kaufdiät

Gerade habe ich gelesen, dass man seine Erfolge ausgiebig feiern soll. Also: Juhuu, wir haben ein Jahr Konsumverzicht geschafft! Nicht ganz ohne Fehltritte, aber – wie wir finden – keine wirklich Gravierenden. Ansonsten haben wir tatsächlich für die gesamte Familie nur 12 Dinge angeschafft, eines jeden Monat.

Eine alternativlose Anschaffung war die Lesebrille. Vier Kleidungsstücke mussten außerdem unausweichlich ersetzt werden: Zwei Mäntel (hier die Geschichten von Mantel 1 und Mantel 2) und zwei Jeans (unser Jeansleiden wurde hier und hier ausführlich thematisiert), drei Dinge (ein Bett, ein Fahrrad und ein Helm) mussten für die Kinder gekauft werden, weil sie aus  den Vorgängermodellen herausgewachsen bzw. ins Radelalter hineingewachsen waren, ein Technikgadget (WLan-Stick) musste wegen Defekt ersetzt werden, obwohl wir zwei Monate tapfer verzichtet und mit Hilfe eines LAN-Kabels gekämpft hatten (siehe hier), bis wir feststellten, dass unser Drucker nur über WLAN funktioniert.

Zwei Anschaffungen betrafen unsere Hobbies und waren für den vereinsmäßigen Sport unausweichlich (Schlittschuhe, Judoanzug). Und schließlich: Eine Luxus-Weihnachts-Belohnung für unseren ständigen Verzicht und zur weiteren Motivation haben wir uns gegönnt: Einen Sammler-Comic für den geduldigsten Ehemann von allen.

Auf vieles, vieles andere haben wir sehr tapfer verzichtet – die Liste ist fast zu lang, um sie hier wiederzugeben. Vom Toaster über die Sonnenbrille, von Schuhen bis zu Kleidungsstücken, auf Teller, Handtaschen, Kamera und all die weiteren zahllosen Dinge, die uns im Laufe unseres ersten Kaufdiät-Jahres kaputt gegangen sind sowie auf zahllose weitere Dinge, die wir trotz Bedarf (noch) nicht angeschafft haben (z.B. Lampen oder eine Garderobe für die neue Wohnung).

Hier ist es oft ein Aufschieben von Käufen: Gekauft wird immer das aktuell dringlichste, alles andere wird von Monat zu Monat aufgeschoben. So schieben wir eine Reihe von Ersatzbedarfen vor uns her und überbrücken die Monate weiter mit unseren (teilweise recht abgewrackten) derzeitigen Lösungen. Beispiele sind z.B. mein sich auflösender Geldbeutel, mein 5 Jahre altes, inzwischen immer häufiger abstürzendes Handy, massiv alternde  Schuhe, Kleidungsstücke, Socken, Unterwäsche, Handtücher, Waschlappen, Bademäntel, Bettwäsche…

Wenn ich anfange im Einzelnen darüber nachzudenken,  kommen mir Zweifel, ob 12 Gegenstände pro Jahr für vier Personen dauerhaft wirklich ausreichen, um die dringendsten Löcher zu stopfen bzw. die wichtigsten kaputt gehenden Dinge zu ersetzen. Im ersten Jahr geht das vermutlich wesentlich besser als bei einer auf Dauer angelegten Kaufdiät. Dennoch haben wir uns entschlossen, weiter zu machen. Denn wir wollen ja auch zu einem Weniger gelangen. Wir wollen herausfinden, auf was wir verzichten können. Hier hat uns die Kaufdiät im letzten Jahr die Augen geöffnet für all das, was wir zu brauchen glaubten, worauf wir dann aber doch wunderbar verzichten konnten.

Die Kaufdiät hat uns viele Zwänge auferlegt, aber auch große Freiheit geschenkt: Läden, Sonderangebote und neue Dinge haben völlig ihren Reiz für uns verloren. Es war wirklich wie ein Entzug, auch mit anfänglichen Entzugserscheinungen, aber nun sind wir völlig „clean“. Wir sind unabhängiger von vielem geworden, kreativer im Finden von alternativen Lösungen, durch ständiges Kaputtgehen hat sich unser Haushalt wunderbar selbst ausgemistet und wir haben Spaß an unserer Kaufdiät gefunden.

Für das zweite Kaufdiät-Jahr habe ich mir vorgenommen, das Thema Geschenke noch zu optimieren. Hier haben wir bislang noch Ausnahmen gemacht, um sozial halbwegs anschlussfähig zu bleiben. Ich arbeite gerade daran, einen Fundus an schönen selbstgemachten Geschenk(ide)en aufzubauen, um auch hier weniger kaufen zu müssen.

Eine einzige Regel möchten wir für unser zweites Kaufdiät-Jahr aber noch anpassen und eine weitere Ausnahme zulassen: Wir möchten Bücher von der Kaufdiät ausnehmen. Wir sind ein bibliophiler Haushalt und ich habe dieses Jahr auf viele Bücher verzichtet, nämlich alle, die ich gern lesen wollte und die es in der hiesigen Bücherei nicht gab. Und das waren eine Menge! Ich hatte zunächst vor, komplett auf e-Books umzusteigen. Vielleicht tue ich das auch noch und schaffe mir ein entsprechendes Gerät an. Aber dennoch möchte ich uns den Weg zu Büchern wieder frei machen. Ich will meinen Kindern Ronja Räubertochter vorlesen (gibts nicht in der Bücherei), ich will Bücher von Nico Paech lesen (gibts nicht in der Bücherei), ich will Bücher von Gerhard Schweizer zu Syrien und Irak lesen (gibts nicht in der Bücherei), ich will Mitglied bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt bleiben (wo ich jedes Jahr ein Buch bestellen muss und will), ich will im Antiquariat zuschlagen können, wenn  ich eine Gesamtausgabe von Will Durants „Kulturgeschichte der Menschheit“ sehe, die vergriffen ist und bestimmt nie mehr vollständig aufgelegt wird.

Bücher sind ein wirklich wünschenswertes Konsumgut, in ihrem Beitrag zum Müllberg überschaubar und ich will Autoren und Verlage durch den Kauf ihrer Bücher unterstützen. Außerdem leihe ich nicht gern Bücher, weil ich gute Bücher immer wieder lese. Und ich finde, dass Kinder – besonders wenn sie gerade ins Lesealter kommen – für Bücher begeistert werden müssen und sich in der Buchhandlung immer wieder was aussuchen dürfen. Kurz: Ich kann mir vorstellen in allem minimalistischer zu werden. Außer bei unserer Bibliothek! Die soll und darf bitte weiter wachsen…

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Wo kommt all das Plastik her und hin?

Allen Lesern, die sich das wie ich immer wieder einmal fragen, sei dieser aktuelle Artikel in der Wirtschaftswoche empfohlen! Ein super Überblick über das woher und wohin all unseres Plastikmülls.

Folgende Zahlen haben mich dabei besonders schockiert, aber auch ungemein zu weiteren Plastikvermeidungsschritten motiviert:

1960 wurden nur 15 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. 2014 waren es schon 311 Millionen Tonnen. Für 2050 sind 1124 Millionen Tonnen prognostiziert! Gruselig!!!!

Plastik

Auch die Tatsache, dass 40 % der Plastikproduktion auf Verpackungen entfällt, die fast sofort wieder im Müll landen, sowie 20 % auf Konsumprodukte ist sehr aufschlussreich. Ich finde, das zeigt, dass man selbst schon einiges tun kann, um es nicht zu 1124 Millionen Tonnen kommen zu lassen.

35 % des Mikroplastiks im Meer stammt übrigens aus Textilien. Die Menge entspricht einer Plastiktüte pro Woche pro Person. Oder pro Jackenwaschgang bis zu 1,7 Gramm.

Hier kann ich also noch nachbessern. Ich muss das Thema Textilien unter diesem Blickwinkel nochmal neu bewerten. Das habe ich bislang irgendwie noch wenig im Blick gehabt. Gut, dass wir dank Kaufdiät ja ohnehin nur noch wenig Kleidung kaufen. Denn ich finde es gar nicht so einfach, plastikfreie Kleidung zu finden. Als zweite Sofortmaßnahme habe ich mir überlegt, manche Dinge weniger zu waschen. Gerade Kindersachen (und hier am meisten die plastiklastigsten Matschhosen und Jacken) sind ja eigentlich ständig dreckig. Man könnte sie im Grunde täglich waschen, was aber gleichzeitig auch wieder sinnlos ist, weil sie ja ohnehin schon am nächsten Tag wieder genauso aussehen. Also liebe Eltern: Mehr Schmutztoleranz im Auftreten unserer Kinder ist gefragt. Das macht ja auch weniger Arbeit und das noch mit einer tollen ökologischen Begründung. Endlich hat Plastikvermeidung auch mal eine bequeme Seite!

Wiedermal ein Beitrag für die Einab-Blogparade – schaut Euch da doch auch mal um, da gibts immer wieder tolle Tipps zum nachhaltigeren Leben:

Logo-einab

 

Bis dass der Tod uns scheidet: Dinge, die ich in meinem Leben nie wieder kaufen muss

Da die Kaufdiät die Zahl kaufbarer Gegenstände stark limitiert, sind wir froh um jeden Gegenstand, den wir voraussichtlich nie wieder kaufen müssen. Es gibt tatsächlich viele Gegenstände in unserem Haushalt, bei denen ich mir relativ sicher bin, dass ich sie im Leben nicht mehr neu kaufen muss. Deswegen hier einmal mein aktuelles Gedankenspiel: Welche Gegenstände in meinem Haushalt werden mich für den Rest meines Lebens begleiten?

  1. Kamm und Bürste:
    Wir besitzen Kämme in so zahlreicher Ausführung, dass ich bestimmt nie wieder im Leben einen neuen kaufen muss. Ich stelle mir also vor, wie ich eines Tages im Altenheim mein ausgedünntes weißes Altershaar mit einem der Kämme kämme, die ich jetzt bereits in der Schublade habe. Eigentlich bräuchten auch meine Kinder in ihrem Leben niemals einen Kamm zu kaufen. Wir haben mindestens für jeden einen. Und eigentlich sind die doch fast unzerstörbar. Eine etwas geringere Lebensdauer messe ich den beiden Bürsten zu, die ich besitze. Aber auch diese beiden sollten eigentlich für den Rest meines Lebens reichen.
  2. Tassen:
    Wir haben eine so große Zahl von Tassen zur Auswahl, dass sie – selbst wenn immer wieder mal einige kaputt gehen – locker bis an mein Lebensende reichen sollten. Einige meiner jetzigen Tassen sind bereits weit über 20 Jahre alt.
  3. Couchtisch:
    Wir besitzen einen Couchtisch aus Massivholz. Ich sehe nicht, was an diesem Tisch jemals kaputt gehen oder ihn unbenutzbar machen sollte. Die Platte haben wir schon einmal abgeschliffen, danach war der Tisch wieder wie neu. Ich muss also nun wohl damit leben, dass dies der Couchtisch meines Lebens ist.
  4. Rührschüsseln:
    Hier habe ich mich vor unserem Konsumverzicht einmal bei Tchibo verführen lassen und deswegen ein Set aus 2 großen und zwei kleinen bunten Plastikschüsseln im Schrank. Außerdem gibt es noch diverse weitere Schüsselchen in unserem Haushalt, die weitere Käufe für den Rest meines Lebens unnötig machen. Deswegen wird vermutlich auch der Kuchen, den ich anlässlich meines Renteneintritts eines Tages für meine Kollegen backen werde, genau in dieser pinken Rührschüssel angerührt werden.
  5. Besteck:
    Ich habe einmal in ein ordentliches Marken-Besteckset investiert. Das war eine tolle Investition, an der ich immer noch täglich Freude habe. Ich gehe davon aus, dass diese hochwertigen Markengabeln, -löffel und -messer mich noch überleben werden. Sollte doch mal ein Teil verloren gehen, werde ich sicher auch mit weniger Exemplaren durchs Leben kommen.
  6. Verlängerungskabel:
    In unserem Schrank findet sich ein Kabelsalat aus verschiedensten Mehrfachsteckern und Verlängerungskabeln. Das liegt daran, dass es in unserer alten Wohnung in zwei Zimmern nur je eine einzige funktionierende Steckdose gab, was einiges an abenteuerlichen Kabelkonstruktionen erforderlich machte. Ich gehe davon aus, dass selbst wenn ich jemals wieder in eine solche Wohnung ziehen sollte, ich dennoch nie mehr neue Kabel brauchen werde.
  7. Ein Auto:
    Als Studentin hatte ich mal zwei Jahre ein Auto, um zu einem im ländlichen Raum gelegenen Planungsbüro zu fahren, in dem ich damals arbeitete. Dieses Auto habe ich damals mit einer anderen Studentin geteilt. Dann waren ich und der geduldigste Ehemann von allen viele Jahre ohne Auto glücklich und zufrieden. Für Urlaube und ähnliches nutzten wir Mietwagen. Seit drei Jahren sind wir noch zufriedenere Car-Sharing-Nutzer. Ich gehe mal davon aus, dass sich die inzwischen ohnehin schon tollen Sharing-Angebote immer weiter verbessern werden. Deswegen sehe ich für mein Leben für mich persönlich keine Notwendigkeit, jemals wieder ein eigenes Auto zu haben.
  8. Mülleimer:
    Wir haben Mülleimer für verschiedene Abfalltypen. Für neue Abfallfraktionen (wie jetzt in unserer neuen Wohnung Biomüll) haben wir andere gut nutzbare Behältnisse gefunden. Mit dem Einbau unserer neuen Küche gab es – ich gebe es zu – einmal eine kurze Versuchung, jetzt zu der neuen Lösung auch wieder genau passende Eimer vom Möbelschweden zu besorgen. Zumal inzwischen – dank unserer Zero Waste Bemühungen – kleinere Eimer ausreichend wären. Aber es war mir dann doch zu absurd, angesichts unserer Kaufdiät und unserer Zero-Waste-Aktivitäten ausgerechnet neue Mülleimer zu besorgen (nur damits im Schrank schöner aussieht und auch wenn die dann kleiner wären). Inzwischen bin ich entschlossen, in meinem Leben nie wieder einen neuen Mülleimer zu kaufen. Eher werde ich versuchen, den Müll weiter radikal zu reduzieren. Der einzige neue Mülleimer, der jemals wieder in meinem Leben denkbar wäre, wäre ein Windeleimer für meine alten Tage. Aber das dauert hoffentlich noch solange, dass ich dafür die Windeleimer meiner Enkel übernehmen kann….
  9. Plätzchenformen:
    Wir besitzen alle denkbaren und wünschenswerten Plätzchenbackformen. Wegen einem Sonderangebot (vor Kaufdiätzeiten!) sogar noch einen zweiten Satz. Das reicht den Rest meines Lebens.
  10. Wischmobs:
    Ich besitze drei verschiedene Typen von Wischmobs in drei Größen (einmal klein, einmal Profi, einmal speziell für Parkettböden). Sollte davon mal einer kaputt gehen, bleiben immer noch zwei. Ich bin daher entschlossen, den Rest meines Lebens mit genau diesen Wischmobs zu wischen.

 

Das war jetzt nur eine Auswahl von Gegenständen, die mir beim ersten Nachdenken so IMG_1304eingefallen ist. Ich bin sicher, es gäbe noch viel mehr Dinge. Was mich bei diesem Gedankenspiel eigentlich am meisten frappiert, ist die damit verbundene Endgültigkeit von bestimmten Kaufentscheidungen. Diese Ernsthaftigkeit legen wir bei einer Kaufentscheidung allerdings so gut wie nie an den Tag.

Wir denken beim Tchibo-Angebot nicht daran, dass uns genau diese Rührschüsseln ein Leben lang begleiten sollen. Wir gehen immer davon aus, dass wir ja jederzeit wieder etwas Anderes kaufen können. Weil diese Dinge so billig sind, nehmen wir sie unreflektiert einfach mal mit, ohne uns zu fragen, ob wir wirklich unser Leben mit ihnen verbringen wollen. Und das ist eigentlich die Frage, die wir uns vor dem Kauf stellen sollten, denn warum sollten wir Produkte ersetzen, die mutmaßlich mühelos unser ganzes Leben halten können? Damit einher geht (leider) auch die Erkenntnis, dass unser Haushalt wohl nie plastikfrei werden wird, weil unsere bestehenden Plastikprodukte uns vermutlich überleben werden.

Hier haben wir in unserem Leben einfach schon zu viele schlechte Kaufentscheidungen getroffen. Ich hätte viele dieser kleinen Produkte sicher viel bewusster ausgewählt, wenn ich damit gerechnet hätte, dass sie mich begleiten sollen bis dass der Tod uns scheidet. Wirklich gut gekauft habe ich unter diesem Blickwinkel eigentlich nur das Besteck und den Couchtisch (obwohl mir manchmal ein kleinerer inzwischen lieber wäre, aber das liegt glaube ich vor allem an aktuellen Einrichtungstrends).

Deswegen werde ich dieses Gedankenspiel jetzt öfter spielen und mich vor allem bei (unseren wenigen) Neukäufen fragen: Ist das nun wirklich das Produkt meines Lebens? Oder wird es dann nicht doch eine hochwertigere, schönere Variante? Gleichzeitig ermöglicht mir das Gedankenspiel ganze Kaufhausabteilungen aus meinem Gehirn auszublenden, weil sie mir für den Rest meines Lebens nichts mehr bieten können. Warum sollte ich noch jemals einmal einen Blick auf das Kamm- und Bürstenangebot eines Drogeriemarkts werfen? Und weil wir ja nur noch so wenige Dinge kaufen möchten, sollten wir eigentlich auch genügend Zeit haben, jedes einzelne Ding entsprechend sorgfältig auszuwählen.

Drohende Verstaubung

Wir drohen Opfer eines Staubsturms zu werden. Wenn die Kinder über den Teppich sausen oder auf dem Sofa hüpfen wird es besonders brisant. Denn jetzt hat also auch noch unser Staubsauger sein Leben ausgehaucht. Plötzlich gab er nur noch ein schwaches Säuseln von sich. Das brachte mich zu der Frage, ob wir eigentlich einen Staubsauger brauchen?

Bis vor ca. 7 Jahren hatten wir gar keinen. Wir hatten damals 1) keinen größeren Teppich und 2) ein Sofa, dessen Bezug man abnehmen und waschen konnte. Dann kam der kleine Tiger zur Welt, wir wurden dadurch zwangsläufig häuslicher und fanden, ein großes Liegewiesensofa muss her und ein warmer Teppich davor. Eigentlich ausschließlich zum Saugen dieser beiden Gegenstände kam dann der erste Staubsauger in unseren Haushalt. Auch so eine Kaufdiät-Erkenntnis: Jedes Dings macht oft ein anderes Dings erst erforderlich.

Also könnten wir uns fragen: Braucht man Teppiche? Wir haben einen wunder-, wunderschönen Holzboden in unserer Wohnung. Ironischerweise brauchen wir genau deswegen plötzlich mehr Teppiche als in unserer früheren Wohnung. Einige unserer Holzböden sind nämlich extrem empfindlich. Leider besonders der im Kinderzimmer. Der Boden ist 150 Jahre alt. Wir wohnen nicht mal drei Monate hier und ich habe bereits ernste Sorgen, dass er unsere Kinder nicht mehr überlebt. Dieser Boden wurde einfach nicht für Legosteine, Spielzeugautos und fahrbare Playmobilpiratenschiffe gemacht. Freundlicherweise hat uns unsere Vermieterin, die ihre eigene Wohnung mit Teppichen so gepflastert hat, dass man keinen Quadratzentimeter des wunder-, wunderschönen Holzbodens mehr sieht, einen ihrer zahllosen riesigen Teppiche geschenkt. Er ist so riesig und so schwer, dass leider auch die folgende Überlegung uns nicht weiterhilft:

Braucht man für einen Teppich unbedingt einen Staubsauger? Vor unserem Auszug aus der alten Wohnung habe ich unseren Teppich auf dem Weg zum Möbeltransporter einmal über die Teppichstange im Hof gehängt und geklopft. Nach einem halben Asthmaanfall in der Staubwolke nach den ersten 10 Klopfern wurde der rote Teppich plötzlich ganz grau. Das war der Staub, der sich aus dem Hochflor allmählich nach oben arbeitete. Der Teppich war übrigens ausgiebig frisch gesaugt. Ich habe daraufhin die Abschaffung von jeglichen Teppichen ernsthaft erwogen. Nun ja, jetzt haben wir sogar einen mehr, den wir aufgrund seiner gigantischen Dimensionen kaum von der Nachbarwohnung in unsere hieven konnten, geschweige denn zum Klopfen jede Woche aus dem vierten Stock zur Teppichstange und zurück. Also ganz ohne Staubsauger geht es nicht.

Auch unser Sofa wollen wir jetzt nicht abschaffen und durch ein Ledersofa ersetzen.

Eine weitere Überlegung wäre eine Sharing-Lösung. Warum brauchen wir eigentlich einen eigenen Staubsauger, wo wir doch höchstens einmal die Woche zwei Teppiche und ein Sofa damit absaugen? In unserer früheren Wohnung hätten wir ein so gutes Verhältnis zu Nachbarn gehabt, dass wir sie im Rahmen einer kleinen Einladung zu einem abendlichen Bierchen wahrscheinlich mühelos von den Vorteilen einer solchen Lösung überzeugt hätten. Aber hier sind wir im Haus noch neu und haben gerade von unserer Vermieterin einen Teppich geschnorrt. Da will ich jetzt nicht gleich wieder wegen einem Staubsauger-Sharing andackeln. Und die anderen Nachbarn sollten wir vielleicht auch erstmal ohne Staubsauger-Anfrage etwas kennenlernen.

Also habe ich mich um eine Reparaturmöglichkeit gekümmert und dabei zweierlei gelernt: Dass es nämlich erstens, auch wenn wie in unserem Fall das letzte Repaircafé gerade drei Tage vor dem Hinscheiden des Staubsaugers stattfand, freundliche Reparateure für 6 € die Stunde zu den Öffnungszeiten des hiesigen Werkraums zur Verfügung stünden. Und dass es außerdem zweitens einen Bosch-Kleingeräte-Reparaturservice in unserer Stadt gibt. Beides finde ich ungemein beruhigend.

Obwohl sich dann drittens noch eine weitere Möglichkeit auftat: Meine Mutter findet nämlich, dass sie einen Staubsauger nicht braucht, weil ihr das Saugen eh zu anstrengend ist und sie deswegen auch schon gar keine Teppiche mehr hat. Wir konnten also ihren übernehmen. Ich werde mich aber trotzdem um die Reparatur unseres Staubsaugers kümmern, weil ich dem ollen Ding meiner Mutter dauerhaft nicht traue und wir ein besseres Modell haben. Aber so blieb uns erstmal gottlob eine weitere Verstaubung erspart! Nebenbei gesagt: Ohne Kaufdiät hätten wir vermutlich ohne auch nur mit meiner Mutter über kaputte Staubsauger zu reden oder überhaupt nur auf die Suche nach Reparaturmöglichkeiten zu gehen, einfach auf der Stelle einen neuen bestellt.