Bis dass der Tod uns scheidet: Dinge, die ich in meinem Leben nie wieder kaufen muss

Da die Kaufdiät die Zahl kaufbarer Gegenstände stark limitiert, sind wir froh um jeden Gegenstand, den wir voraussichtlich nie wieder kaufen müssen. Es gibt tatsächlich viele Gegenstände in unserem Haushalt, bei denen ich mir relativ sicher bin, dass ich sie im Leben nicht mehr neu kaufen muss. Deswegen hier einmal mein aktuelles Gedankenspiel: Welche Gegenstände in meinem Haushalt werden mich für den Rest meines Lebens begleiten?

  1. Kamm und Bürste:
    Wir besitzen Kämme in so zahlreicher Ausführung, dass ich bestimmt nie wieder im Leben einen neuen kaufen muss. Ich stelle mir also vor, wie ich eines Tages im Altenheim mein ausgedünntes weißes Altershaar mit einem der Kämme kämme, die ich jetzt bereits in der Schublade habe. Eigentlich bräuchten auch meine Kinder in ihrem Leben niemals einen Kamm zu kaufen. Wir haben mindestens für jeden einen. Und eigentlich sind die doch fast unzerstörbar. Eine etwas geringere Lebensdauer messe ich den beiden Bürsten zu, die ich besitze. Aber auch diese beiden sollten eigentlich für den Rest meines Lebens reichen.
  2. Tassen:
    Wir haben eine so große Zahl von Tassen zur Auswahl, dass sie – selbst wenn immer wieder mal einige kaputt gehen – locker bis an mein Lebensende reichen sollten. Einige meiner jetzigen Tassen sind bereits weit über 20 Jahre alt.
  3. Couchtisch:
    Wir besitzen einen Couchtisch aus Massivholz. Ich sehe nicht, was an diesem Tisch jemals kaputt gehen oder ihn unbenutzbar machen sollte. Die Platte haben wir schon einmal abgeschliffen, danach war der Tisch wieder wie neu. Ich muss also nun wohl damit leben, dass dies der Couchtisch meines Lebens ist.
  4. Rührschüsseln:
    Hier habe ich mich vor unserem Konsumverzicht einmal bei Tchibo verführen lassen und deswegen ein Set aus 2 großen und zwei kleinen bunten Plastikschüsseln im Schrank. Außerdem gibt es noch diverse weitere Schüsselchen in unserem Haushalt, die weitere Käufe für den Rest meines Lebens unnötig machen. Deswegen wird vermutlich auch der Kuchen, den ich anlässlich meines Renteneintritts eines Tages für meine Kollegen backen werde, genau in dieser pinken Rührschüssel angerührt werden.
  5. Besteck:
    Ich habe einmal in ein ordentliches Marken-Besteckset investiert. Das war eine tolle Investition, an der ich immer noch täglich Freude habe. Ich gehe davon aus, dass diese hochwertigen Markengabeln, -löffel und -messer mich noch überleben werden. Sollte doch mal ein Teil verloren gehen, werde ich sicher auch mit weniger Exemplaren durchs Leben kommen.
  6. Verlängerungskabel:
    In unserem Schrank findet sich ein Kabelsalat aus verschiedensten Mehrfachsteckern und Verlängerungskabeln. Das liegt daran, dass es in unserer alten Wohnung in zwei Zimmern nur je eine einzige funktionierende Steckdose gab, was einiges an abenteuerlichen Kabelkonstruktionen erforderlich machte. Ich gehe davon aus, dass selbst wenn ich jemals wieder in eine solche Wohnung ziehen sollte, ich dennoch nie mehr neue Kabel brauchen werde.
  7. Ein Auto:
    Als Studentin hatte ich mal zwei Jahre ein Auto, um zu einem im ländlichen Raum gelegenen Planungsbüro zu fahren, in dem ich damals arbeitete. Dieses Auto habe ich damals mit einer anderen Studentin geteilt. Dann waren ich und der geduldigste Ehemann von allen viele Jahre ohne Auto glücklich und zufrieden. Für Urlaube und ähnliches nutzten wir Mietwagen. Seit drei Jahren sind wir noch zufriedenere Car-Sharing-Nutzer. Ich gehe mal davon aus, dass sich die inzwischen ohnehin schon tollen Sharing-Angebote immer weiter verbessern werden. Deswegen sehe ich für mein Leben für mich persönlich keine Notwendigkeit, jemals wieder ein eigenes Auto zu haben.
  8. Mülleimer:
    Wir haben Mülleimer für verschiedene Abfalltypen. Für neue Abfallfraktionen (wie jetzt in unserer neuen Wohnung Biomüll) haben wir andere gut nutzbare Behältnisse gefunden. Mit dem Einbau unserer neuen Küche gab es – ich gebe es zu – einmal eine kurze Versuchung, jetzt zu der neuen Lösung auch wieder genau passende Eimer vom Möbelschweden zu besorgen. Zumal inzwischen – dank unserer Zero Waste Bemühungen – kleinere Eimer ausreichend wären. Aber es war mir dann doch zu absurd, angesichts unserer Kaufdiät und unserer Zero-Waste-Aktivitäten ausgerechnet neue Mülleimer zu besorgen (nur damits im Schrank schöner aussieht und auch wenn die dann kleiner wären). Inzwischen bin ich entschlossen, in meinem Leben nie wieder einen neuen Mülleimer zu kaufen. Eher werde ich versuchen, den Müll weiter radikal zu reduzieren. Der einzige neue Mülleimer, der jemals wieder in meinem Leben denkbar wäre, wäre ein Windeleimer für meine alten Tage. Aber das dauert hoffentlich noch solange, dass ich dafür die Windeleimer meiner Enkel übernehmen kann….
  9. Plätzchenformen:
    Wir besitzen alle denkbaren und wünschenswerten Plätzchenbackformen. Wegen einem Sonderangebot (vor Kaufdiätzeiten!) sogar noch einen zweiten Satz. Das reicht den Rest meines Lebens.
  10. Wischmobs:
    Ich besitze drei verschiedene Typen von Wischmobs in drei Größen (einmal klein, einmal Profi, einmal speziell für Parkettböden). Sollte davon mal einer kaputt gehen, bleiben immer noch zwei. Ich bin daher entschlossen, den Rest meines Lebens mit genau diesen Wischmobs zu wischen.

 

Das war jetzt nur eine Auswahl von Gegenständen, die mir beim ersten Nachdenken so IMG_1304eingefallen ist. Ich bin sicher, es gäbe noch viel mehr Dinge. Was mich bei diesem Gedankenspiel eigentlich am meisten frappiert, ist die damit verbundene Endgültigkeit von bestimmten Kaufentscheidungen. Diese Ernsthaftigkeit legen wir bei einer Kaufentscheidung allerdings so gut wie nie an den Tag.

Wir denken beim Tchibo-Angebot nicht daran, dass uns genau diese Rührschüsseln ein Leben lang begleiten sollen. Wir gehen immer davon aus, dass wir ja jederzeit wieder etwas Anderes kaufen können. Weil diese Dinge so billig sind, nehmen wir sie unreflektiert einfach mal mit, ohne uns zu fragen, ob wir wirklich unser Leben mit ihnen verbringen wollen. Und das ist eigentlich die Frage, die wir uns vor dem Kauf stellen sollten, denn warum sollten wir Produkte ersetzen, die mutmaßlich mühelos unser ganzes Leben halten können? Damit einher geht (leider) auch die Erkenntnis, dass unser Haushalt wohl nie plastikfrei werden wird, weil unsere bestehenden Plastikprodukte uns vermutlich überleben werden.

Hier haben wir in unserem Leben einfach schon zu viele schlechte Kaufentscheidungen getroffen. Ich hätte viele dieser kleinen Produkte sicher viel bewusster ausgewählt, wenn ich damit gerechnet hätte, dass sie mich begleiten sollen bis dass der Tod uns scheidet. Wirklich gut gekauft habe ich unter diesem Blickwinkel eigentlich nur das Besteck und den Couchtisch (obwohl mir manchmal ein kleinerer inzwischen lieber wäre, aber das liegt glaube ich vor allem an aktuellen Einrichtungstrends).

Deswegen werde ich dieses Gedankenspiel jetzt öfter spielen und mich vor allem bei (unseren wenigen) Neukäufen fragen: Ist das nun wirklich das Produkt meines Lebens? Oder wird es dann nicht doch eine hochwertigere, schönere Variante? Gleichzeitig ermöglicht mir das Gedankenspiel ganze Kaufhausabteilungen aus meinem Gehirn auszublenden, weil sie mir für den Rest meines Lebens nichts mehr bieten können. Warum sollte ich noch jemals einmal einen Blick auf das Kamm- und Bürstenangebot eines Drogeriemarkts werfen? Und weil wir ja nur noch so wenige Dinge kaufen möchten, sollten wir eigentlich auch genügend Zeit haben, jedes einzelne Ding entsprechend sorgfältig auszuwählen.

Advertisements

7 Gedanken zu “Bis dass der Tod uns scheidet: Dinge, die ich in meinem Leben nie wieder kaufen muss

  1. Ich finde deine Überlegung genau richtig und gut! 👍
    Ich versuche auch so an den Kauf heran zu gehen, allerdings hat es bei mir dazu gefuehrt, dass ich nur noch ganz ungern einkaufen gehe. Weil diese ganze Recherche (was will ich? Kein Plastik. Ökologisch, fair, usw.) mich unheimlich nervt und ich dann eher denke, dass ich das einfach gar nicht brauche 😜Passt bei mir zum Minimalismus

    Gefällt mir

  2. Toller Artikel! Habe mir das ehrlich gesagt noch niemals überlegt, welche Dinge in meinem Haushalt wohl mein ganzes Leben da sein werden… ^^ Hab mir jetzt gleich nach dem Lesen eine Liste gemacht und muss sagen, ich bin total überrascht, wie viele Sachen es gibt, die ich vermutlich nie wieder kaufen muss! Wow! 🙂 Gerade in der Küche findet sich wirklich so einiges (Besteck, Metallrührschüsseln, Metalldosen unterschiedlicher Größe, Gläser, Kaffeebecher, Glasbehälter für Nudeln/Reis/etc., Tischwäsche, Handtücher, usw) Ein gutes Gefühl! 🙂 Alles Liebe, Katharina

    Gefällt mir

  3. Die Überlegung finde ich gut, und gerade die Schlussfolgerung, sich jedes Mal zu überlegen, ob man diesen Gegenstand die nächsten 30 Jahre oder länger benutzen will.
    Vieles, was man heute peppig findet, macht schon in 10 Jahren Schmerz in den Augen, weil man es sich einfach übergesehen hat.

    Es gibt auch bei mir reichlich Dinge, die mich überleben werden. Ich habe insofern Glück, als dass ich Plastik noch nie so richtig mochte und deshalb davon noch nie überbordend viel hatte. Daher sind die meisten Dinge, denen ich zutraue, mich zu überleben, aus Keramik/Porzellan oder Metall.
    Und meine blödesten Entscheidungen haben mich leider/Gottseidank größtenteils schon wieder verlassen, weil kaputt.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s