Das haben wir aus der Kaufdiät gelernt

In über einem Jahr Kaufdiät haben wir allerlei gelernt. Wir haben nicht nur gelernt, (fast) nichts mehr zu kaufen, sondern vor allem auch, was wir stattdessen tun können, um unsere Bedarfe zu decken. Wir nutzen um, wir suchen kreative Lösungen, wir entdecken (neu), was wir schon haben… Jetzt hat Maria in ihrem Blog „Widerstand ist zweckmäßig“ all diese Strategien so wunderbar beschrieben – wir könntens auch nicht besser sagen, deswegen empfehlen wir Euch diesen inspirierenden Beitrag zu den 9 Stufen des nachhaltigen Konsums:

Wenn man im Internet nach dem Begriff „nachhaltiger Konsum“ sucht, liest man vor allem davon, was es bedeutet, nachhaltig zu konsumieren. Sprich nach welchen Kriterien sollte das neue Produkt gewählt werde, um den Schaden für die Umwelt zu reduzieren. Angestellt wird dabei der Vergleich zwischen einem konventionell und einem nach ökologischen Kriterien produzieren Produkt. Für […]

über Die 9 Stufen zum nachhaltigen Konsum [nachhaltiges Konsumverhalten] — widerstandistzweckmaessig

Werbeanzeigen

Im Kaufdschungel

Weil ich meiner Mutter derzeit hin und wieder bei ihren Einkäufen helfe, habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder einen Discounter betreten. Zum einen war ich positiv überrascht über die Vielzahl an Bioprodukten, die sich hier mittlerweile ausgebreitet haben. Noch überraschter war ich aber über folgenden Anblick, der sich mir bot:

2017-04-13_14-29-29_941

Die Nicht-Lebensmittel-Angebote nahmen inzwischen gefühlt ein gutes Drittel der Verkaufsfläche ein. Das Angebot reichte von Textilien über Deko, Küchenausstattung, Spielzeug bis hin zu Werkzeugen, Gartengeräten, Elektroartikeln und Autozubehör. Ist das eigentlich noch ein Supermarkt? Zwangsläufig schlenderte ich an den Angeboten entlang und musste zugeben, dass ich bei mindestens fünf Produkten glaubte, diese irgendwie brauchen zu können. Ohne Kaufdiät hätte ich bestimmt mindestens drei davon gekauft, weil sie ja auch noch sehr günstig waren.

Das Perfide am Vertriebskanal Discounter für alle möglichen Produkte ist, dass man ein Geschäft, in dem man Lebensmittel kauft, viel regelmäßiger aufsucht als die Fachgeschäfte, in denen man diese Produkte eigentlich suchen würde. Diese Geschäfte würde man nämlich vor allem dann aufsuchen, wenn man tatsächlich einen solchen Gegenstand benötigt. Dagegen läuft man im Discounter zwangsläufig mehrmals pro Woche daran vorbei, während man eigentlich Milch und Nudeln besorgen will, und denkt sich: „Ach wie praktisch, und billig ist es auch, das nehme ich gleich mit.“ Ob man es dann tatsächlich braucht, ist sicher weniger ausschlaggebend als bei einem Produkt, für dessen Kauf man gezielt in ein Fachgeschäft geht.

Man kann normalen Einkäufern, die nicht gerade eine Kaufdiät machen oder erklärte Minimalisten sind, eigentlich aus diesem Impuls kaum einen Vorwurf machen. Irgendwie ist dieses Kaufverhalten angesichts des offensiven Angebots fast schon rational. Es erfordert schon eine sehr aktive und bewusste Verweigerungshaltung, um sich der Verlockung solcher „en passant“ Käufe zu entziehen.

Glücklicherweise kaufen wir normalerweise nie im Discounter. Sonst würde uns die Kaufdiät vermutlich viel schwerer fallen. Insofern kann ich die Meidung solcher Kaufdschungel wärmstens allen empfehlen, die aus welchen Gründen auch immer ihren Konsum reduzieren wollen. Oder tatsächlich die Willensstärke aufzubringen, grundsätzlich überhaupt nichts außer Lebensmittel dort zu kaufen. Das lohnt sich tatsächlich, denn die Verlockung verfliegt auch wieder unglaublich schnell, sobald man den Laden verlässt. Als ich versucht habe, mich für diesen Blogartikel an die drei bis fünf Gegenstände, die ich für so unglaublich praktisch gehalten habe, wieder konkret zu erinnern, sind sie mir nicht mal mehr eingefallen!

Verlorene Schätze

Was ist ein Schatz, der Euch so wertvoll wäre, dass ihr ihn vergraben würdet, wenn – sagen wir – eine barbarische Horde einzufallen drohte? Für die Menschen im Mittelalter war diese Frage ganz klar zu beantworten. Die allergrößte Anzahl jemals ausgegrabener Schätze sind nicht etwa Gold & Schmuck, sondern Eisenwerkzeuge. Ein Glücksfall für Archäologen, denn so wissen wir recht gut über mittelalterliche Werkzeuge bescheid. Das haben wir bei einem archäologischen Mittelalterprojekt erfahren, das wir während unseres Urlaubs besucht haben.

Das brachte mich zu der Überlegung, was wir wohl in selbiger Situation sicherheitshalber vergraben würden. Die Fotoalben? Bzw. die Festplatte auf der sie gesichert sind? Die Briefe, alte Tagebücher? Vielleicht noch unsere Bücher. Aber da hätten wir dann schon ganz schön viel zu tun. Der Werkzeugkoffer würde uns wohl eher verzichtbar erscheinen. Weil er so einfach neu zu beschaffen wäre. Denken wir zumindest. Aber nur weil wir ihn für einen überschaubaren Betrag im Baumarkt kaufen können, heißt das noch lange nicht, dass Eisen und Metalle heute einfach zu beschaffen sind. Die Bewohner im Umfeld von Minen sehen das sicher anders. Was Minen, in denen die metallischen Rohstoffe für unsere vermeintlich so leicht erhältlichen Produkte abgebaut werden, bedeuten, ist zum Beispiel hier gut dargestellt.

Meist sehen wir diese katastrophalen Auswirkungen ja nicht, weil sie weit genug weg von uns stattfinden. Doch das Abbauunwesen, das unser Rohstoffhunger verursacht, macht auch vor unserer Haustür nicht Halt. So mussten wir bei unserem Urlaub erfahren, dass in unserem heiß geliebten Urlaubsort im Donautal ein Kalkabbau geplant ist. Das obere Donautal kommt meiner persönlichen Vorstellung vom Paradies sehr nahe: Imposante Felsen, ein idyllischer Flusslauf, ausgedehnte Blumen- und Streuobstwiesen.  Aber wo heute Outdoormagazine das Paradies für Wanderer besingen (so wie hier) droht schon bald ein Panorama wie bei diesen Kalkabbau-„Paradiesen“.

Donautal

Irgendwo im linken Bildbereich, vielleicht auch noch weiter links außerhalb des abgebildeten Bereichs soll der Kalkabbau wohl liegen. Eigentlich unvorstellbar oder? Wie kann das jemand wollen?

Wofür braucht man Kalk eigentlich, habe ich mich also gefragt. Und siehe da: Ein Drittel des Kalks geht in die Eisen- und Stahlindustrie! So schließt sich der Kreis. Unsere Vorfahren hatten also recht mit der Sicherung ihrer Werkzeuge. Aber Kalk ist auch wichtig für die Herstellung von Kunststoff, Gummiartikeln, Klebstoffen, Farben und in der Papierherstellung.

Damit sind wir wieder einmal mehr zur Kaufdiät motiviert. Denn der langfristig einzige Weg, um zu verhindern, dass sich Bagger ihren Weg in Naturparadiese auf aller Welt fressen, ist der größtmögliche Verzicht auf den Kauf all der Produkte, in deren Namen dies geschieht. Wir täten also gut daran, im Falle eines Barbarenangriffs unsere Werkzeuge, Mobiltelefone, Elektrogeräte zu vergraben, um sie vor der Zerstörung zu schützen. Und wer jetzt immer noch glaubt, auch ohne Barbarenangriff seine rohstoffintensiven Güter einfach entsorgen und durch das neueste Modell ersetzen zu können, dem sei wärmstens ein Urlaub im Paradies auf Erden, dem wunderschönen Oberen Donautal empfohlen. Und anschließend bitte der Besuch in einem Kalkwerk!

Dies nur als Impression für das weltweite Drama, denn der Abbau von Aluminium, Gold und Kupfer, aus denen vor allem Produkte für uns Industrieländer hergestellt werden, sieht noch viel schlimmer aus und findet meist in vormals paradiesischen Regenwäldern statt. Lauter verlorene Schätze!

Wieder einmal ein Beitrag für die EiNab-Blogparade, wo Ihr noch viele weitere lesenswerte Artikel rund um Nachhaltigkeit & Co findet:

Logo-einab