Im Kaufdschungel

Weil ich meiner Mutter derzeit hin und wieder bei ihren Einkäufen helfe, habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder einen Discounter betreten. Zum einen war ich positiv überrascht über die Vielzahl an Bioprodukten, die sich hier mittlerweile ausgebreitet haben. Noch überraschter war ich aber über folgenden Anblick, der sich mir bot:

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Die Nicht-Lebensmittel-Angebote nahmen inzwischen gefühlt ein gutes Drittel der Verkaufsfläche ein. Das Angebot reichte von Textilien über Deko, Küchenausstattung, Spielzeug bis hin zu Werkzeugen, Gartengeräten, Elektroartikeln und Autozubehör. Ist das eigentlich noch ein Supermarkt? Zwangsläufig schlenderte ich an den Angeboten entlang und musste zugeben, dass ich bei mindestens fünf Produkten glaubte, diese irgendwie brauchen zu können. Ohne Kaufdiät hätte ich bestimmt mindestens drei davon gekauft, weil sie ja auch noch sehr günstig waren.

Das Perfide am Vertriebskanal Discounter für alle möglichen Produkte ist, dass man ein Geschäft, in dem man Lebensmittel kauft, viel regelmäßiger aufsucht als die Fachgeschäfte, in denen man diese Produkte eigentlich suchen würde. Diese Geschäfte würde man nämlich vor allem dann aufsuchen, wenn man tatsächlich einen solchen Gegenstand benötigt. Dagegen läuft man im Discounter zwangsläufig mehrmals pro Woche daran vorbei, während man eigentlich Milch und Nudeln besorgen will, und denkt sich: „Ach wie praktisch, und billig ist es auch, das nehme ich gleich mit.“ Ob man es dann tatsächlich braucht, ist sicher weniger ausschlaggebend als bei einem Produkt, für dessen Kauf man gezielt in ein Fachgeschäft geht.

Man kann normalen Einkäufern, die nicht gerade eine Kaufdiät machen oder erklärte Minimalisten sind, eigentlich aus diesem Impuls kaum einen Vorwurf machen. Irgendwie ist dieses Kaufverhalten angesichts des offensiven Angebots fast schon rational. Es erfordert schon eine sehr aktive und bewusste Verweigerungshaltung, um sich der Verlockung solcher „en passant“ Käufe zu entziehen.

Glücklicherweise kaufen wir normalerweise nie im Discounter. Sonst würde uns die Kaufdiät vermutlich viel schwerer fallen. Insofern kann ich die Meidung solcher Kaufdschungel wärmstens allen empfehlen, die aus welchen Gründen auch immer ihren Konsum reduzieren wollen. Oder tatsächlich die Willensstärke aufzubringen, grundsätzlich überhaupt nichts außer Lebensmittel dort zu kaufen. Das lohnt sich tatsächlich, denn die Verlockung verfliegt auch wieder unglaublich schnell, sobald man den Laden verlässt. Als ich versucht habe, mich für diesen Blogartikel an die drei bis fünf Gegenstände, die ich für so unglaublich praktisch gehalten habe, wieder konkret zu erinnern, sind sie mir nicht mal mehr eingefallen!

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7 Gedanken zu “Im Kaufdschungel

  1. Nicht nur braucht man das meiste Zeug aus den Discounter-Angeboten gar nicht, es ist auch vielfach nicht von so guter Qualität, sodass es schnell wieder kaputtgeht.
    Wenn man sich vornimmt, das Lockende bei dem Einkauf nicht zu kaufen, sondern vllt. auf eine Warteliste zu setzen oder beim nächsten Mal mitzunehmen, geht es bestimmt vielen so, dass sie zu Hause schon wieder vergessen haben, was sie so Tolles gesehen hatten. Mir ging das so, und ich habe daraus gelernt, dass ich diese Dinge nicht brauche, und daher beachte ich sie gar nicht mehr.
    Ich sehe die Aussage „Irgendwie ist dieses Kaufverhalten angesichts des offensiven Angebots fast schon rational.“ eher kritisch. Denn dann kann man z. B. die Verschuldung von immer mehr Menschen auch als fast rational betrachten, weil Kredite so offensiv beworben werden. In beiden Fällen wäre einfach nur der Einsatz gesunden Menschenverstandes notwendig. Der scheint nur Vielen immer mehr abhanden zu kommen. Warum nachdenken, wenn mir alles heutzutage so bequem gemacht wird…

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    • ja, da hast du recht. Aber Bequemlichkeit ist natürlich ein sehr starker Faktor…
      Mal ein Beispiel: Wenn ich die Nägel-, Dübel- oder Schraubenbox beim Discounter sehe und mir denke, super, jetzt muss ich nicht mehr extra zum Baumarkt und habe für den Rest meines Lebens genug Schrauben, ist es vielleicht aus individueller Sicht schon rational das zu kaufen, auch wenn man gerade nichts zum Schrauben hat, weil man ja mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen kann, dass man tatsächlich mal wieder welche braucht und dann nicht wie ich neulich wegen zwei Schrauben zum Bildaufhängen zum Baumarkt muss (das haben wir jetzt mal nicht zur Kaufdiät gezählt, sondern als „Reparaturbedarf“ gewertet…:o). Das Tückische an den Discounter-Angeboten ist, finde ich, dass sie immer genau an dieser Grenze zum durchaus sinnvollen Angebot sind, weil es meist Dinge sind, die wirklich jeder immer wieder mal braucht. Und schwups, kauft man halt die neue Fussmatte, das neue Schüsselset, die Pfanne, die Blumentöpfe, die Tischdecke… Das Perfide finde ich halt, dass einem diese Kaufversuchung (also der Wunsch nach einer neuen Fussmatte etwa) beim täglichen Lebensmittelkauf aufgenötigt wird, statt dass ich mich bei akutem Bedarf aktiv selbst um Angebote kümmern muss.
      Toll, dass du es schaffst, dich dem so zu widersetzen! Ich kann das ehrlich gesagt erst seit unserer Kaufdiät….

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      • Vielen Dank! Jedoch werde ich auch immer noch hin und wieder bei bestimmten Sachen schwach. Und hinterher bereue ich es, weil ich es doch nicht so gut gebrauchen kann. Das passiert nur nicht mehr so oft wie früher, sondern nur noch selten.
        Und du hast Recht, diese praktischen Sachen, die man wirklich irgendwann mal braucht, zu kaufen, weil sie gerade da im Angebot vor einem liegen, ist wirklich fast rational. Wenn es für die Person okay ist, das zu Hause sozusagen auf Vorrat aufzubewahren, finde ich das auch sinnvoll. Für mich persönlich bedeutet das aber nur noch mehr Ballast, den ich um mich rum und in meinem Kopf habe. Denn, wenn ich tatsächlich eine neue Fußmatte brauche, muss ich ja auch daran denken, dass ich da ja schon mal vorgesorgt hatte und wo ich die damals gelagert hatte…

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  2. Ich kenne das, was du beschreibst, sehr gut. Ich bin auch jedesmal aufs Neue überrascht, überfordert, geschockt und noch einiges mehr, wenn ich nach langer Zeit wieder einen Discounter oder einen konventionellen Supermarkt betrete. Es wird so viel versucht Konsument_innen zum Kauf zu verführen und das arge ist ja, dass es funktioniert! Ich habe vor meiner Umstellung und meiner Auseinandersetzung mit meinem Kaufverhalten so oft so viel Blödsinn eingekauft und so viel unnötiges Geld ausgegeben, dass ich mich heute noch über mich ärgere…

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    • Hallo Ulli,
      ja das geht mir ganz genauso und wenn ich mich nicht mit unserer massiven Kaufdiät geradezu zwanghaft kontrollieren würde, würde mir das heute noch so gehen. Selbst mir als doch relativ bewusstem Konsumenten, der Wert auf Qualität, Umweltaspekte etc. legt. Ich fürchte, dass unsere Art von Selbstdisziplin leider noch nicht massentauglich ist und deswegen diese Lock-Angebote ein ernsthaftes Problem darstellen, vor allem, weil sie viel zu billig sind. Der Preis ist vermutlich die einzige Kaufbremse, die effektiv funktioniert.
      Viele Grüße
      Martina

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  3. Liebe Martina,
    Ein schöner Artikel, danke! Was mich eigentlich immer schockt und auch vom Kauf abhält, ist gerade der niedrige Preis. Bei den Preisen ist es ja offensichtlich dass Umweltaspekte und vor allem die Arbeitsbedingungen in den Fabriken NIE UND NIMMER ok sein können. Schon aus diesem Grund würde ich mich immer gegen den Kauf dieser Artikel aussprechen, erst recht dann wenn man es akut gar nicht braucht. Sollte man mal neue Dinge oder auch Kleidung benötigen und will nur wenig Geld ausgeben, empfiehlt sich vielmehr der Gebrauchtkauf, zB auf dem Flohmarkt oder so. So wird nämlich besagtes benötigtes Teil gar nicht erst neu hergestellt, was von allen Varianten in Sachen Nachhaltigkeit das allerbeste ist.
    Liebe Grüße und viel Erfolg weiter bei der Kaufdiät, ich verfolge sie mit Spannung! Birte

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    • Liebe Birte,
      da hast du natürlich vollkommen recht! Aber gerade bei diesem ganzen Haushalts- und Dekokrams, den es in den Discountern meist zu kaufen gibt, finde ich es wirklich schwierig, nachhaltige Alternativen zu finden. Wenn du in anderen Geschäften kaufst, ist es wahrscheinlich in Sachen Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit bei Produktion und Produkt kaum besser. Flohmarkt ist da wirklich die beste Alternative, da hast du recht!
      Viele Grüße
      Martina

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