Auf der Suche nach dem verlorenen …

Vor fast einem Jahr habe ich mich schon einmal in diesem Beitrag bitter über verschwundene Gegenstände beklagt, die in einem Kaufdiät-Haushalt natürlich wesentlich spürbarere Auswirkungen haben. Nach über einem Jahr Kaufdiät-Erfahrung bin ich bei verschwundenen Dingen inzwischen ein leidenschaftlicher Kämpfer geworden. Ich scheue keine Mühen und Aufwände mehr, um verlorene Dinge wieder aufzuspüren. Ich nehme Verluste im wahrsten Sinne des Wortes sportlich und schwinge mich zur Suche aufs Rad.

Manchmal sind mir dabei dann ganz wunderbare Erfolgserlebnisse beschieden. Niemand außer jemand auf Kaufdiät kann die Wiedersehensfreude verstehen, die ich emfpand, als ich diesen kleinen Schlüssel meines Fahrradschlosses auf der Straße wiederfand, wo er ungefähr einen halben Tag gelegen haben musste. IMG_1977Er war wohl auf der Fahrt auf die Straße gefallen – ich hatte mich noch über ein komisches „Pling“ gewundert und mich kurz umgedreht, aber nichts Auffälliges feststellen können. Dachte dann, eine Metallschnalle an meiner Hose wäre gegens Rad geklimpert. Den Verlust stellte ich dann erst viele Stunden später fest. Mist, ein Monatskauf für ein Fahrradschloss? Auf keinen Fall! Also radelte ich dann den ganzen Weg auf der Suche nach dem Schlüssel ab, bis ich ihn wie einen Schatz in der Sonne blinken sah. Hach….

Oder dieses kleine Sandeimerchen, das die Kinder auf dem Wasserspielplatz vergessen hatten. IMG_1981Wegen dem bin ich am nächsten Tag nochmal durch die ganze Stadt zum Spielplatz geradelt. Zunächst schien das Eimerchen verschwunden. Aufgeben kam nicht in Frage. Ich fragte einen spielenden Jungen. Der zeigte auf eine etwas abseits picknickende Familie und sagte: „Da steht ein gelber Eimer.“ Als ich auf die Familie zuging, die tatsächlich unser Eimerchen zur Getränkekühlung nutzte, sahen sie mir schon erwartungsvoll entgegen und sagten gleich: „Das suchen Sie, oder?“. Keiner wunderte sich, dass ich nach einem Plastikeimerchen suche, das zusammen mit einem kompletten Sandspielzeugset gerade mal 2,99 € kostet.

Mein neuer Kampfgeist hat neben der Kaufdiät auch ausgesprochen positive sportliche Auswirkungen: Ich bin in den letzten zwei Wochen bestimmt gut 10 Kilometer auf der Suche nach Gegenständen zusätzlich geradelt. Und dann noch dieses Glücksgefühl, wenn die Suche erfolgreich war. Kaufdiät kann auf ganz ungewöhnliche Weise glücklich machen…

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Kreative Alternative

IMG_1975Wieder einmal hat ein wichtiger Gegenstand seinen Dienst quittiert und eine ernste Lücke in unseren Kaufdiät-Haushalt gerissen. Diese Plastik-Trinkflasche landete versehentlich in der Geschirrspülmaschine, was ihrer Form und Konsistenz gar nicht gut tat. Ersatz musste her, denn es ist Sommer und ich will nicht ständig Wasserflaschen kaufen müssen.

Da ich das ungeliebte Plastikdings ohnehin nur aus Gründen der Kaufdiät und der Müllvermeidung noch möglichst lange im Einsatz halten wollte und die ganze Zeit von einer tollen Edelstahl-Trinkflasche träumte, war ich eigentlich nicht sonderlich traurig und freute mich schon auf ein schickes neues Trinkflaschen-Öko-Gadget. Auf der anderen Seite war unser Monatskauf schon anderweitig verplant.

Also durchforstete ich unsere Schränke nach möglichen Alternativen. Und was fiel mir da direkt in die Augen: Jawohl, die Thermoskanne! Ist in Material, Machart und Form eigentlich das Gleiche wie die tollen Edelstahltrinkflaschen. Sie hat gegenüber den Flaschen aber mehrere wesentliche Vorzüge:

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  1. Sie hält das Wasser wunderbar kühl und frisch.
  2. Es passt mehr ein halber Liter rein. Damit habe ich auch immer noch etwas frisches Wasser für die Kinder dabei, dass ich ihnen in ihre Kinder-Flaschen füllen kann.
  3. Ich habe sie schon und muss nichts Neues kaufen.
  4. Sie steht endlich nicht mehr den ganzen Sommer nur blöd rum.
  5. Ich spare mir ein weiteres Dings, das die Schränke verstopft.

Einziger Unterschied zur Flasche: Sie hat keinen Nuckel, den brauche ich aber auch nicht, ich bin ja kein Baby mehr. Außerdem hat sie, wenn man nicht ohnehin direkt draus trinken mag, eine Tasse dabei, das ist eigentlich viel angenehmer zum Trinken und auch besser sauber zu halten.

Also, es muss nicht immer die schicke Edelstahltrinkflasche sein…

 

Abenteuerreise durch den Kleiderschrank: In 5 Stufen zur minimalistisch-modischen Erleuchtung

 

Für alle, die morgens vor ihrem Kleiderschrank verzweifeln, sich von der eingespielten, langweiligen Jeans + irgendein Oberteil-Kombination befreien möchten und/oder einen wirklich minimalistischen und nachhaltigen Kleiderschrank erreichen wollen, möchte ich einmal einen radikal ungewöhnlichen Weg vorschlagen.

Das übliche empfohlene Vorgehen lautet ja: 1. Ausmisten und 2. nach Capsule Wardrobe-optimierten Prinzipien wieder Einrichten. Für diese beiden Schritte gibt es im Internet mehrere Dutzend bis Hunderte gute Tipps, die ich hier nicht wiederholen möchte. Im Gegenteil schlage ich Euch vor, einmal einen komplett anderen Weg auszuprobieren, den wir seit einem Jahr mit viel Erfolg erproben. Zugegeben, unser Weg erfordert Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und ist manchmal auch unbequem. Das haben Abenteuer so an sich. Auch Abenteuerreisen durch den Kleiderschrank. Aber belohnt werdet Ihr mit: Kreativität. Gespartem Geld. Und spannenden neuen Einsichten zu Euch, zu Mode und zu Eurem Kleiderschrank.

Hier also unsere 5 Stufen zur modischen Erleuchtung und zum minimalistischen, nachhaltigen Kleiderschrank.

  1. Stufe – der Entschluss:
    Ihr ahnt es vielleicht schon, dies ist ein Blog zum Konsumverzicht: Der minimalistischste und nachhaltigste Kleiderschrank ist einer, für den Ihr nichts Neues kaufen müsst. Beschließt also für Euch absolut nichts Neues zum Anziehen mehr zu kaufen. Mindestens sechs Monate lang. Je länger Ihr diesen Zeitraum wählt, umso größer übrigens der Effekt.
  2. Stufe – Durchhalten:
    Damit dieser Weg zum Erfolg führt, müsst Ihr absolut knallhart bleiben. Keine Ausnahmen. Komme was da wolle. Kleidungstechnische Notfälle und Engpässe sind gewollt und führen überhaupt erst zur angestrebten Erkenntnis. Punktuelle Verzweiflungsanfälle müsst Ihr einfach aushalten. Diese Stufe ist besonders notwendig, um neue Kreativität freizusetzen. Es werden Notfälle eintreten: Schlüsselkleidungsstücke werden kaputt gehen oder fehlen. Haltet dennoch mindestens sechs Monate durch. Denn was ein echter Notfall ist und was nicht, wisst Ihr erst, wenn Ihr es tatsächlich bis zum letzten ausreizt.Was das soll? Ihr werdet es als absoluten Notfall empfinden, wenn Ihr Eure gewohnten Kombinationen nicht tragen könnt. Alle Jeans kaputt? Das ist zwar für Jeansträger ein Notfall, aber Euer Kleiderschrank hat auch anderes als Jeans zu bieten. Alle Teile zu abgetragen? Klar sind Eure Lieblingsteile abgetragen, also auf zu denen, die Ihr nie tragt! Nichts passt zusammen? Dann auf zu ungewöhnlichen Kombinationen! So entsteht die modische Avantgarde von morgen und Ihr werdet überrascht sein, welche unterschiedlichen Farbkombinationen toll aussehen können… Zu solchen Einsichten muss man manchmal vielleicht „gezwungen“ werden. Wir sind Gewohnheitstiere und machen eben ungern Dinge anders als bisher. Aber Abenteuer heißt, statt der ausgetretenen Pfade neue Wege zu entdecken. Erst, wenn Ihr durch „Notfälle“ gezwungen seid, werdet Ihr herausfinden, was Ihr wirklich für Schätze im Kleiderschrank habt. Und Ihr werdet Euch wundern: Egal wie ratlos Ihr vor Eurem Kleiderschrank steht, Ihr werdet nie nackt zur Arbeit gehen müssen. Nicht einmal unangemessen gekleidet. Der Notfall bringt Euch zur nächsten Erkenntnisstufe:
  3. Stufe – Offenbarung:
    Den eigenen Kleiderschrank neu entdecken. Ihr werdet plötzlich – auf wundersame Weise durch den Engpass zur Kreativität gezwungen – zum Rock, den Ihr nie gemocht habt, ein Oberteil finden, das Ihr nie dazu angezogen hättet und darin plötzlich hervorragend aussehen. Ihr werdet zum abgetragenen Oberteil eine Weste ausgraben, von der Ihr nicht einmal mehr wusstet, dass Ihr sie besitzt und damit gut angezogen ins Büro gelangen. Ihr werdet für den Spontankauf, der immer im Schrank hing, weil er zu nichts zu passen schien, eine erfrischende Farbkombination finden, die ihn doch tragbar macht und auf die Ihr ohne diesen erzwungenen Engpass nie gekommen wärt. Ihr werdet Kleidungsstücke, die Euch zu unvorteilhaft eng erschienen mit Strickjacke oder Bolero elegant kaschieren lernen, Oberteile, die zu weit sind mit Gürteln bändigen. Ihr werdet Schuhe wieder tragen, die seit Jahren im Schrank standen. Ihr werdet Eure festliche Kleidung als Alltagsoutfit kombiniert mit anderen Kleidungsstücken neu entdecken und damit hin und wieder Glanz ins Büro bringen.  Und Ihr werdet – mangels Alternativen – auch viele Kleidungsstücke, die Ihr bislang nicht mochtet, schätzen lernen.

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  4. Stufe – Erkenntnis:
    Ihr werdet in dieser Zeit eine spannende Reise durch Euren Kleiderschrank unternehmen und dabei auch die verstaubtesten Winkel neu entdecken. Wir nutzen viele Kleidungsstücke ja nur deswegen nicht, weil wir einfach immer zum Gewohnten greifen und alles Ungewohnte schnell als ungeliebte Ausmistkandidaten abstempeln. Das versperrt uns den Blick auf viele neue Möglichkeiten. Ich habe zum Beispiel tolle Entdeckungen bei meiner festlichen Kleidung gemacht. Wie sinnlos, diese tollen Sachen nur alle Jubeljahr rauszukramen. Vieles kann man etwas leger kombiniert gut alltagstauglich machen. Ich habe – notfallgetrieben – auch tolle Kombinationen für ungeliebte und seit Jahren ungetragene Stücke gefunden, So habe ich mir zahlreiche neue Alltagskombinationen im wahrsten Sinne des Wortes erabeitet, die ich nun einfach und ohne Nachdenken morgens am Kleiderschrank abrufen kann. Und ich habe immer noch ungenutzte Kleidung im Kleiderschrank. Diese sehe ich inzwischen nicht mehr als Ausmistkandidaten, sondern als noch zu entdeckende Potenziale. Früher oder später wird der Notfall eintreten, der mich morgens zwingen wird, mir 5-10 Minuten Gedanken zu machen, wie ich jetzt auch genau dieses Kleidungsstück allen gefühlten Hürden zum Trotz zum Einsatz bringen kann. Und daraus wird sicher wieder die ein oder andere wunderbare neue Alltagskombination entstehen…. Und noch eine Erkenntnis ist in diesem Jahr bei mir gereift: Was man anhat, ist viel weniger wichtig, als man denkt. Jedesmal wenn ich meinem Kleiderschrank morgens wieder eine Lösung abgerungen habe und mich dann mit den Durchschnittskollegen (also nicht den Modejunkies) vergleiche, stelle ich fest, dass ich da immer noch ganz gut im Durchschnitt liege. Man braucht viel weniger Kleidung als man denkt. Ich habe z.B. festgestellt, dass man mit nur einer einzigen intakten Jeans ziemlich weit kommt. Weil ich Jeans auch gar nicht mehr so oft trage wie früher. Und wer sagt denn, dass man ständig mit neuen Outfits auflaufen und jeden neuen Modetrend mitmachen muss? Ich habe eigentlich sogar dass Gefühl, dass ich abwechslungsreicher angezogen bin, seit ich meinen Kleiderschrank auf diese Weise neu entdecke.
  5. Stufe – Anpassungsprozess
    Nach erfolgreichem Durchlaufen der Stufen 1-4 ist man dann vermutlich so weit, dass man tatsächlich entscheiden könnte, was echte Ausmistkandidaten sind. Oder auch welche Stücke tatsächlich zugekauft werden sollten. Wer seinen Kleiderschrank so gut in all seinen Facetten und Möglichkeiten kennt, wie nach diesen 4 Stufen zu erwarten, kann wohl auch hervorragend entscheiden, welche Stücke dazu passen. Capsule Wardrobe-Prinzipien wie z.B. gezielt eine beschränkte Anzahl von Basis- und Komplementärfarben wählen, entwickeln sich dann ganz natürlich aus dem Bestand heraus und man wird viel weniger anfällig für Fehlkäufe. Ich bin im Gegenteil nun auch offener für ganz andere Arten von Kleidungsstücken geworden, während ich früher immer eher wieder was Ähnliches gekauft hätte, was ich eh schon habe.Ein weiteres Feld (für Handarbeitsbegabte) wäre in dieser Stufe dann sicher auch noch die gezielte Anpassung oder Reparatur von Kleidungsstücken. Hier habe ich mangels Fähigkeiten leider noch keine Erfahrungen sammeln können, aber ich bin voller Bewunderung für Menschen, die dies können.Ehrlich gesagt: Ich sehe mich nach über einem Jahr Kaufdiät immer noch in Stufe 4 (mit regelmäßigen Wiederholungen der Stufen 2 und 3). Und natürlich gibt es auch Momente der Versuchung, in denen ich mich wieder auf Stufe 1 und meinen Entschluss besinnen muss. Vielleicht noch ein paar Worte zu meiner Ausgangssituation: Ich habe einen absolut durchschnittlichen Kleiderschrank. Ich war nie Modejunkie, die Basis auf die ich zurückgreifen kann, war also recht begrenzt. Und da ich im Büro arbeite mit regelmäßigen „Business Terminen“ darf ich auch nicht nur im nachhaltig abgetragenen „Öko-Look“ auftreten. Also wenn das alles mit meinem komischen Kleiderschrank geht, dann kann das glaube ich wirklich jeder! Also viel Spaß bei der Abenteuerreise durch Euren Kleiderschrank und der Entdeckung neuer Outfits im Bestand!

     

    Und da diese Abenteuerreise durch den Kleiderschrank meiner Meinung nach  sehr nachhaltig ist, poste ich sie auch auf die Einab-Blogparade zum nachhaltigen Leben:

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