Abenteuerreise durch den Kleiderschrank: In 5 Stufen zur minimalistisch-modischen Erleuchtung

 

Für alle, die morgens vor ihrem Kleiderschrank verzweifeln, sich von der eingespielten, langweiligen Jeans + irgendein Oberteil-Kombination befreien möchten und/oder einen wirklich minimalistischen und nachhaltigen Kleiderschrank erreichen wollen, möchte ich einmal einen radikal ungewöhnlichen Weg vorschlagen.

Das übliche empfohlene Vorgehen lautet ja: 1. Ausmisten und 2. nach Capsule Wardrobe-optimierten Prinzipien wieder Einrichten. Für diese beiden Schritte gibt es im Internet mehrere Dutzend bis Hunderte gute Tipps, die ich hier nicht wiederholen möchte. Im Gegenteil schlage ich Euch vor, einmal einen komplett anderen Weg auszuprobieren, den wir seit einem Jahr mit viel Erfolg erproben. Zugegeben, unser Weg erfordert Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und ist manchmal auch unbequem. Das haben Abenteuer so an sich. Auch Abenteuerreisen durch den Kleiderschrank. Aber belohnt werdet Ihr mit: Kreativität. Gespartem Geld. Und spannenden neuen Einsichten zu Euch, zu Mode und zu Eurem Kleiderschrank.

Hier also unsere 5 Stufen zur modischen Erleuchtung und zum minimalistischen, nachhaltigen Kleiderschrank.

  1. Stufe – der Entschluss:
    Ihr ahnt es vielleicht schon, dies ist ein Blog zum Konsumverzicht: Der minimalistischste und nachhaltigste Kleiderschrank ist einer, für den Ihr nichts Neues kaufen müsst. Beschließt also für Euch absolut nichts Neues zum Anziehen mehr zu kaufen. Mindestens sechs Monate lang. Je länger Ihr diesen Zeitraum wählt, umso größer übrigens der Effekt.
  2. Stufe – Durchhalten:
    Damit dieser Weg zum Erfolg führt, müsst Ihr absolut knallhart bleiben. Keine Ausnahmen. Komme was da wolle. Kleidungstechnische Notfälle und Engpässe sind gewollt und führen überhaupt erst zur angestrebten Erkenntnis. Punktuelle Verzweiflungsanfälle müsst Ihr einfach aushalten. Diese Stufe ist besonders notwendig, um neue Kreativität freizusetzen. Es werden Notfälle eintreten: Schlüsselkleidungsstücke werden kaputt gehen oder fehlen. Haltet dennoch mindestens sechs Monate durch. Denn was ein echter Notfall ist und was nicht, wisst Ihr erst, wenn Ihr es tatsächlich bis zum letzten ausreizt.Was das soll? Ihr werdet es als absoluten Notfall empfinden, wenn Ihr Eure gewohnten Kombinationen nicht tragen könnt. Alle Jeans kaputt? Das ist zwar für Jeansträger ein Notfall, aber Euer Kleiderschrank hat auch anderes als Jeans zu bieten. Alle Teile zu abgetragen? Klar sind Eure Lieblingsteile abgetragen, also auf zu denen, die Ihr nie tragt! Nichts passt zusammen? Dann auf zu ungewöhnlichen Kombinationen! So entsteht die modische Avantgarde von morgen und Ihr werdet überrascht sein, welche unterschiedlichen Farbkombinationen toll aussehen können… Zu solchen Einsichten muss man manchmal vielleicht „gezwungen“ werden. Wir sind Gewohnheitstiere und machen eben ungern Dinge anders als bisher. Aber Abenteuer heißt, statt der ausgetretenen Pfade neue Wege zu entdecken. Erst, wenn Ihr durch „Notfälle“ gezwungen seid, werdet Ihr herausfinden, was Ihr wirklich für Schätze im Kleiderschrank habt. Und Ihr werdet Euch wundern: Egal wie ratlos Ihr vor Eurem Kleiderschrank steht, Ihr werdet nie nackt zur Arbeit gehen müssen. Nicht einmal unangemessen gekleidet. Der Notfall bringt Euch zur nächsten Erkenntnisstufe:
  3. Stufe – Offenbarung:
    Den eigenen Kleiderschrank neu entdecken. Ihr werdet plötzlich – auf wundersame Weise durch den Engpass zur Kreativität gezwungen – zum Rock, den Ihr nie gemocht habt, ein Oberteil finden, das Ihr nie dazu angezogen hättet und darin plötzlich hervorragend aussehen. Ihr werdet zum abgetragenen Oberteil eine Weste ausgraben, von der Ihr nicht einmal mehr wusstet, dass Ihr sie besitzt und damit gut angezogen ins Büro gelangen. Ihr werdet für den Spontankauf, der immer im Schrank hing, weil er zu nichts zu passen schien, eine erfrischende Farbkombination finden, die ihn doch tragbar macht und auf die Ihr ohne diesen erzwungenen Engpass nie gekommen wärt. Ihr werdet Kleidungsstücke, die Euch zu unvorteilhaft eng erschienen mit Strickjacke oder Bolero elegant kaschieren lernen, Oberteile, die zu weit sind mit Gürteln bändigen. Ihr werdet Schuhe wieder tragen, die seit Jahren im Schrank standen. Ihr werdet Eure festliche Kleidung als Alltagsoutfit kombiniert mit anderen Kleidungsstücken neu entdecken und damit hin und wieder Glanz ins Büro bringen.  Und Ihr werdet – mangels Alternativen – auch viele Kleidungsstücke, die Ihr bislang nicht mochtet, schätzen lernen.

    IMG_0360

  4. Stufe – Erkenntnis:
    Ihr werdet in dieser Zeit eine spannende Reise durch Euren Kleiderschrank unternehmen und dabei auch die verstaubtesten Winkel neu entdecken. Wir nutzen viele Kleidungsstücke ja nur deswegen nicht, weil wir einfach immer zum Gewohnten greifen und alles Ungewohnte schnell als ungeliebte Ausmistkandidaten abstempeln. Das versperrt uns den Blick auf viele neue Möglichkeiten. Ich habe zum Beispiel tolle Entdeckungen bei meiner festlichen Kleidung gemacht. Wie sinnlos, diese tollen Sachen nur alle Jubeljahr rauszukramen. Vieles kann man etwas leger kombiniert gut alltagstauglich machen. Ich habe – notfallgetrieben – auch tolle Kombinationen für ungeliebte und seit Jahren ungetragene Stücke gefunden, So habe ich mir zahlreiche neue Alltagskombinationen im wahrsten Sinne des Wortes erabeitet, die ich nun einfach und ohne Nachdenken morgens am Kleiderschrank abrufen kann. Und ich habe immer noch ungenutzte Kleidung im Kleiderschrank. Diese sehe ich inzwischen nicht mehr als Ausmistkandidaten, sondern als noch zu entdeckende Potenziale. Früher oder später wird der Notfall eintreten, der mich morgens zwingen wird, mir 5-10 Minuten Gedanken zu machen, wie ich jetzt auch genau dieses Kleidungsstück allen gefühlten Hürden zum Trotz zum Einsatz bringen kann. Und daraus wird sicher wieder die ein oder andere wunderbare neue Alltagskombination entstehen…. Und noch eine Erkenntnis ist in diesem Jahr bei mir gereift: Was man anhat, ist viel weniger wichtig, als man denkt. Jedesmal wenn ich meinem Kleiderschrank morgens wieder eine Lösung abgerungen habe und mich dann mit den Durchschnittskollegen (also nicht den Modejunkies) vergleiche, stelle ich fest, dass ich da immer noch ganz gut im Durchschnitt liege. Man braucht viel weniger Kleidung als man denkt. Ich habe z.B. festgestellt, dass man mit nur einer einzigen intakten Jeans ziemlich weit kommt. Weil ich Jeans auch gar nicht mehr so oft trage wie früher. Und wer sagt denn, dass man ständig mit neuen Outfits auflaufen und jeden neuen Modetrend mitmachen muss? Ich habe eigentlich sogar dass Gefühl, dass ich abwechslungsreicher angezogen bin, seit ich meinen Kleiderschrank auf diese Weise neu entdecke.
  5. Stufe – Anpassungsprozess
    Nach erfolgreichem Durchlaufen der Stufen 1-4 ist man dann vermutlich so weit, dass man tatsächlich entscheiden könnte, was echte Ausmistkandidaten sind. Oder auch welche Stücke tatsächlich zugekauft werden sollten. Wer seinen Kleiderschrank so gut in all seinen Facetten und Möglichkeiten kennt, wie nach diesen 4 Stufen zu erwarten, kann wohl auch hervorragend entscheiden, welche Stücke dazu passen. Capsule Wardrobe-Prinzipien wie z.B. gezielt eine beschränkte Anzahl von Basis- und Komplementärfarben wählen, entwickeln sich dann ganz natürlich aus dem Bestand heraus und man wird viel weniger anfällig für Fehlkäufe. Ich bin im Gegenteil nun auch offener für ganz andere Arten von Kleidungsstücken geworden, während ich früher immer eher wieder was Ähnliches gekauft hätte, was ich eh schon habe.Ein weiteres Feld (für Handarbeitsbegabte) wäre in dieser Stufe dann sicher auch noch die gezielte Anpassung oder Reparatur von Kleidungsstücken. Hier habe ich mangels Fähigkeiten leider noch keine Erfahrungen sammeln können, aber ich bin voller Bewunderung für Menschen, die dies können.Ehrlich gesagt: Ich sehe mich nach über einem Jahr Kaufdiät immer noch in Stufe 4 (mit regelmäßigen Wiederholungen der Stufen 2 und 3). Und natürlich gibt es auch Momente der Versuchung, in denen ich mich wieder auf Stufe 1 und meinen Entschluss besinnen muss. Vielleicht noch ein paar Worte zu meiner Ausgangssituation: Ich habe einen absolut durchschnittlichen Kleiderschrank. Ich war nie Modejunkie, die Basis auf die ich zurückgreifen kann, war also recht begrenzt. Und da ich im Büro arbeite mit regelmäßigen „Business Terminen“ darf ich auch nicht nur im nachhaltig abgetragenen „Öko-Look“ auftreten. Also wenn das alles mit meinem komischen Kleiderschrank geht, dann kann das glaube ich wirklich jeder! Also viel Spaß bei der Abenteuerreise durch Euren Kleiderschrank und der Entdeckung neuer Outfits im Bestand!

     

    Und da diese Abenteuerreise durch den Kleiderschrank meiner Meinung nach  sehr nachhaltig ist, poste ich sie auch auf die Einab-Blogparade zum nachhaltigen Leben:

    Logo-einab

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Gedanken zu “Abenteuerreise durch den Kleiderschrank: In 5 Stufen zur minimalistisch-modischen Erleuchtung

  1. Hallo!

    Ich mag Deine Aufstellung sehr gerne. Von diesem Ausmisten und danach neu kaufen halte ich sowieso nichts.

    Meine Kaufdiät halte ich schon seit Herbst 2013. Allerdings habe ich das Glück gleich zwei Kostnixläden in der Nähe zu haben und so meine Garderobe ergänzen zu können.

    Dadurch experimentiere ich auch immer wieder sehr gerne. Das hat mir und meinem Kleiderschrank sehr gut getan. Seitdem weiß ich viel besser, was ich will und was zu mir passt. Vieles probiere ich aus und nach kurzer Zeit kommt es wieder zurück in den Kostnixladen. Anderes darf bleiben. Und ich schenke auch vieles her, was wirklich nicht geht.

    Aber nicht willkürlich, weil meine persönliche Regel besagt, dass ich alles einmal tragen muss bevor ich eine Entscheidung treffe.

    Danke, dass Du mit diesem mir ebenfalls sehr wichtigen Thema bei EiNaB mit dabei bist!

    lg
    Maria

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Martina,
    Durch Zufall bin ich auf deinen Blog gestoßen und habe euer Jahr jetzt in einem Rutsch nachgelesen. Ganz herzlichen Dank für die spannenden und guten Beiträge, die bei mir einiges an Denkprozessen ausgelöst haben. Ausmisten ist – auch wenn ich die Dinge überwiegend ins Diakoniekaufhaus bringe – bestenfalls die zweitbeste Lösung. Das hast du mir deutlich vor Augen geführt.
    Kürzere Kleiderkaufdiäten (3-6 Monate) lege ich immer mal wieder ein. Allerdings mit Ausnahmen, da könnte ich durchaus konsequenter und kreativer sein. Bei mir kommt dazu, dass ich im Schrank und auf dem Speicher 2 bis 3 Kleidergrößen habe und je nach „Form“ hin und her wechsle. Auch insoweit werde ich nochmal nachdenken und das eine oder andere ändern lassen (mangels Begabung und Geduld für Feinmotorisches).
    Danke für deine Anregungen. Ich werde die -vermutlich verregneten – Pfingstage nutzen um mir neue Kleiderkombinationen zu überlegen!
    Viele Grüße Lena

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Lena,
      dann wünsche ich Dir viele kreative Ideen! Mir kommen die immer morgens vor dem Kleiderschrank, wenn ich schon mit dem Gefühl aufwache, heute habe ich wirklich nichts mehr anzuziehen, weil alle Lieblingssachen in der Wäsche sind.
      Aber es lohnt sich wirklich, nochmal hinzusehen, weil alles was wir im Schrank haben, haben wir ja irgendwann auch mal gekauft, weil es uns zumindest irgendwann mal auch ein kleines bisschen gefallen hat. Manchmal entdecke ich dann auch wieder, warum ich das mal gekauft habe…
      Also viel Freude beim Probieren!
      Viele Grüße
      Martina

      Gefällt mir

  3. Ein super Artikel. Viel sinnvoller als alles radikale Ausmisten.
    Problematisch bei mir: ich habe Klamotten in zwei Größen, da ich nach zwei Schwangerschaften leider nicht mehr in alles reinpasse, was ich vorher getragen habe. Und langsam auch nicht mehr dran glaube, das jemals wieder zu tun. Noch liegen diese Sachen hinten im Schrank und in einer Kiste, gerade vor dem Hintergrund, nichts Neues mehr kaufen zu wollen, falls denn eines Tages diese Größe wieder passen sollte. Zumal sehr schöne und hochwertige Stücke dabei sind. Aber der Anblick frustriert mich dann doch und ich habe mir jetzt eine Deadline gesetzt, zu der die Sachen verschenkt werden, falls sie mir dann immer noch nicht passen.
    Andererseits habe ich festgestellt, dass gerade in diesem Jahr all das wieder in ist, was ich als Teenie um das Jahr 2000 getragen und zwischenzeitlich als komplett untragbar aussortiert habe. Hätte ich es aufbewahrt, wäre ich jetzt (abgesehen von der Größenproblematik) unglaublich modisch unterwegs. Die Frage bleibt, wie wichtig dies einem mit 32 noch ist. Ich habe inzwischen doch einen etwas zeitloseren Stil, der nicht mehr allen aktuellen Trends folgt.
    Ich finde dein Projekt sehr inspirierend und versuche mich in Teilen darin, nichts Neues mehr anzuschaffen.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo,
      das Ziel, sich wieder in Kleidungsstücke „reinzuarbeiten“ kann wirklich etwas frustrierend sein. Ich habe da großes Glück, dass ich noch (wieder) in viele alte Stücke passe. Aber jetzt ausgerechnet im letzten Jahr habe ich so zugelegt, dass es bei ein paar Stücken langsam enger wird. Vielleicht muss ich jetzt bald doch mal Diät machen, damit ich nicht in Schwierigkeiten bei der Kauf-Diät gerate… :o)
      Und in Sachen Modetrends: Ich habe wegen der Kaufdiät gnadenlos meine alte Schlaghose wieder rausgekramt und damit kurzerhand den Skinny Jeans Trend eigenmächtig für beendet erklärt. Fühlte sich gar nicht schlecht an. Man fühlt sich dann plötzlich als modische Avantgarde des nächsten Trends…
      Viele Grüße
      Martina

      Gefällt mir

    • Das mit den zu kleinen Hosen kenne ich leider. In meinem Schrank sind seit Jahren 3 oder 4, in sehr gutem Zustand, aber ich fürchte, das wird nichts mehr. Ich werde mir dann demnächst doch mal ein Herz fassen und sie zu Oxfam schaffen, da auch im Freundeskreis und Verwandschaft keiner diese Größe trägt. *seufz*

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s