Unser Müllberg

Der Müll für dieses Foto sammelte sich in unserem Einbauschrank in den letzten drei Monaten. Ich beklage mich ja häufig, dass in unserem Kaufdiät-Haushalt ständig was kaputt geht. Voilá – hier mal wieder anschaulich illustriert….

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Es ist wirklich beeindruckend, wie viel Müll permanent so en passant und unbeachtet aus all unserem Krams entsteht. Wir merken das nur nicht, weil wir ihn meist nicht so sammeln, sondern einfach gleich wegwerfen.

Bei Plastik ist es besonders krass, wie auch dieser aktuelle Artikel im Spiegel zeigt:

„Kunststoffe gehörten mittlerweile zu den am meisten vom Menschen hergestellten Materialien – mit Ausnahme von Stahl oder Zement. „Etwa die Hälfte des produzierten Stahls geht in Bauwerke, wird also für Jahrzehnte genutzt – mit Plastik ist es das Gegenteil“, erläutert Geyer. „Die Hälfte der Kunststoffe wird nach vier oder weniger Jahren zu Müll.“

Bis zum Jahr 2015 seien 6300 Millionen Tonnen Plastikmüll angefallen. Davon seien nur etwa neun Prozent wiederverwertet worden und zwölf Prozent verbrannt. Der überwältigende Teil – 79 Prozent – befinde sich in der Umwelt oder auf Deponien.“

Das ist einfach gruselig, oder? Wenn ich mir unter diesem Blickwinkel kritisch unseren Plastikmüll ansehe, dann muss ich zugeben, dass auch ca. 50 % der abgebildeten Dinge weniger als 4 Jahre alt sind. Wir geben uns zwar redlich Mühe: Z.B. haben wir den abgebildeten Rucksack der kleinen Maus von der Straße aufgelesen, das Töpfchen haben wir für zwei Kinder genutzt und dann noch redlich versucht, Abnehmer zu finden, wollte aber wirklich niemand und ich habe beschlossen, dass es doch etwas zu extrem wäre, es nun für meine Enkel aufzubewahren. Einiges, was nun Abfall ist, ist uns über Geschenke zu Kindergeburtstagen u.ä. zugeströmt.

Aber es hat mich doch wieder sehr nachdenklich gemacht und auch wieder für unsere Kaufdiät motiviert. Alles, was wir gar nicht erst kaufen, wird auch nicht zu Müll. Vor allem motiviert mich das Bild wieder zu Qualität. Wie unsinnig, Dinge zu kaufen oder zu verschenken, die so schnell wieder zu Müll werden….

Ich liebe in diesem Zusammenhang ja die Aktion von Rob Greenfield, der 30 Tage lang jedes Stück Müll, das er produzierte mit sich herumtrug. Falls ihr das noch nicht kennt, unbedingt mal hier reinschauen. Da kann ich ja gottfroh sein, dass ich unseren Plastikmüll nicht mit mir rumtragen muss…

Zahllose gute Ideen, wie Ihr außer durch Kaufdiät Müll vermeiden könnt, findet Ihr übrigens auch bei der Einab-Blogparade.

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Kinder & Kaufdiät

Eine der schwierigsten Herausforderungen unserer Kaufdiät sind unsere Kinder. Obwohl Kinderschuhe, Kinderkleidung, Schul- und Bastelbedarf von der Kaufdiät ausgenommen sind, brauchen Kinder ständig neue Dinge. Zum einen weil sie nicht nur aus Kleidung, sondern auch aus allen möglichen anderen Dingen (Betten, Fahrradhelmen, Kindersitzen, Kinderrädern…) ständig herauswachsen. Und dann haben Kinder noch eine ganze Menge „Sonderbedarfe“, die man ihnen einfach zugestehen möchte. Besonders der Sommer hat es da in sich! Während ich bei neuen Lego- und Playmobilsets, beim Kuscheltierkiosk im Zoo oder der Holzschwertgalerie beim Mittelaltermarkt dank Kaufdiät gnadenlos hart bleiben kann, fällt es bei anderen Dingen wirklich schwer, ihnen das zu verwehren. Manchmal finden wir alternative Lösungen, aber einige Fehltritte müssen wir an dieser Stelle doch beichten…

Gut gelöst haben wir zum Beispiel die Frage der Tischtennisschläger. Der kleine Tiger hat im Schulhof Tischtennisplatten stehen und würde gern nach der Schule da mit seinen Kumpels Tischtennisspielen. Gut, dass die Oma noch ein Set Schläger und Ball übrig hatte.

Andere Dinge gehen einfach verloren: Zum Beispiel Bälle. Auf Dächer geflogen, in unerreichbarer Höhe in Bäumen hängengeblieben oder einfach unbemerkt davongerollt und dann verschwunden. Aber ein Kind ohne Ball? Das geht eigentlich nicht, oder? Deswegen kamen wieder Bälle ins Haus. Bälle, weil sich die kleine Maus und der kleine Tiger nicht einigen konnten, ob es ein Fußball oder doch der Eiskönigin-Spielball werden sollte. Ich plädierte ebenfalls für den Eisköniginnen-Ball, der geduldigste Ehemann von allen natürlich für den Fußball. Um ausufernde Familienkrisen zu vermeiden, haben wir beides gekauft und werten die beiden Bälle jetzt als unseren Julikauf.

Streng genommen als Fehltritt muss ich dagegen die Federbälle werten, die ich gekauft habe. Weil ohne Federbälle sind unsere Federballschläger einfach sinnlos. Sportliche Sommer- und Draußenaktivitäten finde ich aber einfach so wünschenswert. Ich tendiere dazu Federbälle wie auch Tischtennisbälle als „Verbrauchsgüter“ zu deklarieren, so dass wir hier bei Bedarf auch im Rahmen unserer Kaufdiätregeln für Nachschub Sorgen können.

Dann gab es da noch den Stadtteilflohmarkt. Wir waren so oft in Versuchung, dass wir überlegt haben, für Flohmärkte Kaufdiät-Sonderregelungen einzuführen. Aber dann waren wir doch wieder ganz brav und haben gemäß unserer Regeln nur einen Kauf (Inlineskates inkl.  Zubehör für den kleinen Tiger = unser Junikauf) getätigt. Aber kann man den Kindern, begeisterte Flohmarktbesucher übrigens, denn wirklich ein kleines Mitbringsel verwehren? Also durfte sich die kleine Maus eine kleine Figur für 50 Cent aussuchen. So haben wir uns mit diesem Einhorn versündigt. Süß war, dass der kleine Tiger, der dann schmollte, von seinem Freund, der auch dabei war und von seinen Eltern mit einem eigenen Kaufbudget ausgestattet war, großzügig weitere Dinge geschenkt bekam, z.B. ein paar Handschellen.

Und dann war da noch die Sache mit den Wasserpistolen. Leider ist die letzte verbliebene Wasserspritze der Kleinen nach 1,5 Jahren tapferen Dienstes nun doch kaputt gegangen. Ein Sommer ohne Wasserpistolen? Ich glaube, für eine Vier- und einen Sechsjährigen ist das die Höchststrafe. Es gab beim ersten Seeausflug und beim ersten Wasserspielplatzbesuch traurige Szenen. Das kann ich auch gut verstehen. Also habe ich dann pünktlich zum ersten Schwimmbadbesuch den beiden ganz gegen unsere Regeln ganz unökologische Plastikmonster, nämlich zwei Wasserpistolen gekauft, von denen die eine sofort beim ersten Einsatz in einem unbewachten Moment zum Leidwesen der Kinder scheinbar einen neuen Besitzer fand…. Jetzt müssen sie mit einer Wasserpistole durch den Sommer kommen.

Irgendwie hatte ich einfach das Gefühl, dass wenn wir in solchen kleineren Fragen zu dogmatisch an unserer Kaufdiät oder an Plastikvermeidung hängen, unsere Kinder als Gegenreaktion irgendwann radikale Konsummonster werden. Deswegen lassen wir eben lieber in den geschilderten Kleinigkeiten fünfe gerade sein, um in der großen Linie dauerhaft konsequent bleiben zu können. Wir haben die Kaufdiät übrigens mit den Kindern bislang nicht großartig thematisiert. Ich will sie da gar nicht mit aus ihrer Sicht komplexen Regeln konfrontieren. Irgendwie soll es einfach selbstverständlich sein, dass wir nicht viel kaufen. Eigentlich vermissen Kinder ja auch vieles gar nicht, was wir für dringende Bedarfe halten. Interessanterweise akzeptieren sie es auch sehr gut, dass sie wegen der Kaufdiät meist nicht bekommen, was sie wollen. Wenn sie etwas möchten, sagen wir ihnen inzwischen immer: Merkt es Euch für Euren Geburtstag!

Die Geburtstage und auch Weihnachten haben sich nämlich aus Kaufdiät-Sicht als völlig unproblematisch herausgestellt. Wir schenken unseren Kindern nämlich gar nichts mehr. Das haben sie bislang nicht einmal gemerkt, weil ja Tanten, Freunde und die ganze Schar der Kindergeburtstagsgäste für Geschenkefluten sorgt. Wir versuchen jetzt stattdessen durch gezielte Wünsche an die Schenkenden das alles in etwas sinnvolle Bahnen zu lenken. Nur für die Bälle und die Wasserpistolen waren die Herbst- und Wintergeburtstage jetzt leider etwas spät….

So, nach der gebündelten Beichte sämtlicher Fehltritte, zum Abschluss noch eine gute Nachricht. Kinder können auch wahnsinnig bescheiden sein. Aus meiner Sicht ist dringend ein neuer Rucksack für die kleine Maus fällig. Ihren jetzigen haben wir im letzten Jahr von der Straße aufgelesen (wie hier beschrieben) und er löst sich wirklich langsam auf. Ich schäme mich inzwischen auch ernsthaft vor den anderen Kindergarteneltern, dass ich mein Kind mit so einem Lumpenrucksack in den Kindergarten schicke. Ich hatte gehofft, auf dem Flohmarkt einen neuen zu finden. Aber als ich die kleine Maus fragte, ob sie einen neuen Rucksack möchte, sagte sie ganz bescheiden: „Nein, der geht schon noch. Und er hat so schöne bunte Reißverschlüsse.“

Und der kleine Tiger erzählte mir neulich, dass alle, aber wirklich alle in seiner Klasse nun einen Spinner haben. Als ich ihn fragte, ob er deswegen auch einen möchte, sagte er: „Och, nö.“

 

Die „Verdopple die Nutzungsdauer“-Challenge

Weil in unserem Kaufdiät-Haushalt wieder mal ständig was kaputt geht, habe ich genervt mal recherchiert, wie lange denn Gegenstände eigentlich so überleben sollten. Theoretisch zumindest. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen Lebensdauer und Nutzungsdauer von Gegenständen gibt. Während sich viele Menschen – wie z.B. ich – beschweren, dass Gegenstände angeblich von den Herstellern schon so gemacht werden, dass sie schnell kaputt gehen, scheint es in der Realität weit häufiger so zu sein, dass die Dinge viel weniger lang genutzt werden, als sie eigentlich leben könnten. Hier einige wirklich ernüchternde Zahlen zur Nutzungsdauer von verschiedenen Alltagsgegenständen:

Nutzungsdauern
Quelle: Wieser, H./Tröger, N. (2015): Die Nutzungsdauer und Obsoleszenz von Gebrauchsgütern im Zeitalter der Beschleunigung (PDF Download hier: https://www.researchgate.net/publication/278030698_Die_Nutzungsdauer_und_Obsoleszenz_von_Gebrauchsgutern_im_Zeitalter_der_Beschleunigung [accessed Jul 2, 2017].

In dieser sehr lesenswerten Studie findet sich dazu folgender sehr aufschlussreicher Satz:  „KonsumentInnen wünschen sich eine deutlich höhere Lebensdauer als die Gebrauchsgegenstände tatsächlich genutzt werden. Je nach Produkt ist die gewünschte Lebensdauer um das 1,73- bis 3,62-fache höher als die tatsächliche Nutzungsdauer.“ (ebd. S. 7).

Hier unterscheiden sich Anspruch und Wirklichkeit recht deutlich… Nicht an allem sind also die Hersteller schuld. Die wirkliche Ironie dabei ist, dass die Konsumenten, weil sie eben davon ausgehen, dass Dinge ohnehin schnell kaputt gehen, weil die „niederträchtigen“ Hersteller das vermeintlich extra so vorsehen, dann auch gleich zu billigeren Produkten greifen, ihre Dinge seltener reparieren lassen und häufiger austauschen. Ein Teufelskreis!

Gleichzeitig halten wir uns alle natürlich generell lieber für lange Nutzer, denn wer will schon Teil der Wegwerfgesellschaft sein? „Die meisten InterviewpartnerInnen (17 von 25) denken, dass sie Handys länger nutzen als andere Menschen. Diese (Fehl)-Einschätzung wird durch die Werbung („andere upgraden jetzt schon jedes Jahr“) und die schnellen Produkteinführungszyklen („in der Zwischenzeit kamen drei neue Versionen auf den Markt“) negativ beeinflusst und führt zu häufigeren Ersatzkäufen, als es sonst der Fall wäre.“ (ebd. S. 7)

Dass dieser Teufelskreis wegen des erhöhten Ressourcenverbrauchs ein riesiges Problem ist und die Nutzungsdauern vieler Gegenstände in den letzten Jahren immens abgenommen haben, brauche ich wohl nicht weiter zu betonen.

Ich habe also nach all diesen interessanten Erkenntnissen noch einmal kritisch die Nutzungsdauern unserer Gegenstände geprüft und festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so schlecht steht mit der Lebensdauer vieler unserer Dinge:

  • Meine Sandalen: > 6 Jahre
  • Unsere T-Shirts: 2 bis > 15 Jahre
  • mein Handy: 5 Jahre, vom geduldigsten Ehemann von allen: 1,5 Jahre (gebraucht kauft!, davor hatte er ein Diensthandy, das er auch privat nutzen durfte)
  • Hemden/Blusen: 1,5 Jahre bis > 12 Jahre
  • Jeans: 3-5 Jahre
  • Wintermantel: 0,5 Jahre (mein letzter > 10 Jahre)
  • Drucker: 2 Jahre
  • Laptop: 7 Jahre
  • Kaffeemaschine: haben wir nicht, wir haben so eine Filter-Kanne > 10 Jahre
  • Kamera: 8 Jahre
  • Mikrowelle: haben wir nicht
  • Staubsauger: 6,5 Jahre
  • Matratzen: 2 Jahre (mussten zum neuen Bett gekauft werden, die alte Matratze ist noch in unserem alten zu klein gewordenen Bett, das jetzt Gästebett ist, 11 Jahre)
  • Fernseher: haben wir nicht, haben einen gebrauchten ca. 5 Jahre alten Flachbildschirm von unserer ehemaligen Mitbewohnerin noch in Dauerleihgabe)
  • Auto: haben wir nicht
  • Waschmaschine: 5,5 Jahre (schon einmal repariert! davor Waschmaschine, die vor 12 Jahren gebraucht gekauft war)
  • Couch: 7 Jahre
  • Schreibtisch: einen ganz Alten (ca. 20 Jahre, wird jetzt mit Tischdecke als Esstisch genutzt), einen neuen, Kleineren (4 Jahre)
  • Kühlschrank: 5 Jahre (davor: gebrauchter Kühlschrank)
  • Kleiderschrank: Einen Alten (> 20 Jahre), einen neuen (7 Jahre)
  • Küchenherd: 4 Jahre (davor: uralter gebrauchter Herd, gebraucht vor 11 Jahren mindestens 3rd Hand gekauft)

Also, wenn ich mir so die Nutzungsdauern ansehe, habe ich das Gefühl, dass manche Dinge auch langsam ein Recht haben, kaputt zu gehen. Das relativiert meinen Ärger über ständig kaputt gehende Dinge etwas. Einige der in den letzten Jahren neu angeschafften Dinge müssen nun aber auch noch ein paar Jährchen halten!

Wirklich interessant ist auch eine Tabelle des Mieterverbandes zu Lebensdauern von vielen Wohnungseinbauten, z.B. Einbauküchen (15-25 Jahre), Spülen (20-30 Jahre), Toilette (15-20 Jahre), Duschwanne (20-30 Jahre)….

(Quelle: https://www.promietrecht.de/Schaden/Abwehr-von-Forderungen/Tabelle-wirtschaftliche-Lebensdauer-Schadenersatz-bei-Neu-fuer-Alt-E2569.htm)

Ich habe im Zuge unserer Wohnungssuche einige Wohnungen gesehen, ein Bad, das älter  als 20 Jahre war, habe ich in keiner Wohnung gesehen. Die waren eigentlich alle recht neu ebenso wie die gesehenen Einbauküchen.

Gleichzeitig wecken solche Zahlenspielereien gern meinen Ehrgeiz und deswegen möchte ich hiermit eine neue Form der Challenge ins Leben rufen. Nämlich die Challenge, die Nutzungsdauer unserer Gegenstände gegenüber der allgemeinen Nutzungsdauer so lange wir möglich zu verlängern, möglichst zu verdoppeln! Vielleicht habe ich ja euren Ehrgeiz auch geweckt! Schreibt uns doch hier die Geschichten Eurer allerältesten Gegenstände!

Und vor allem: Schreibt mir doch Tipps, wie man es schafft, das die Gegenstände auch so alt werden. Denn wenn man diese Challenge ernst nimmt, heißt das, dass man seine Dinge vielleicht auch intensiver pflegen muss. Ich erinnere mich an meinen Großvater, der alle seine Dinge ausgiebig hegte und pflegte. Da können wir auf jeden Fall auch nachlegen, bevor wir uns über ständig kaputt gehende Dinge beschweren.

Wieder mal was für die Einab-Blogparade:

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