Kinder & Kaufdiät

Eine der schwierigsten Herausforderungen unserer Kaufdiät sind unsere Kinder. Obwohl Kinderschuhe, Kinderkleidung, Schul- und Bastelbedarf von der Kaufdiät ausgenommen sind, brauchen Kinder ständig neue Dinge. Zum einen weil sie nicht nur aus Kleidung, sondern auch aus allen möglichen anderen Dingen (Betten, Fahrradhelmen, Kindersitzen, Kinderrädern…) ständig herauswachsen. Und dann haben Kinder noch eine ganze Menge „Sonderbedarfe“, die man ihnen einfach zugestehen möchte. Besonders der Sommer hat es da in sich! Während ich bei neuen Lego- und Playmobilsets, beim Kuscheltierkiosk im Zoo oder der Holzschwertgalerie beim Mittelaltermarkt dank Kaufdiät gnadenlos hart bleiben kann, fällt es bei anderen Dingen wirklich schwer, ihnen das zu verwehren. Manchmal finden wir alternative Lösungen, aber einige Fehltritte müssen wir an dieser Stelle doch beichten…

Gut gelöst haben wir zum Beispiel die Frage der Tischtennisschläger. Der kleine Tiger hat im Schulhof Tischtennisplatten stehen und würde gern nach der Schule da mit seinen Kumpels Tischtennisspielen. Gut, dass die Oma noch ein Set Schläger und Ball übrig hatte.

Andere Dinge gehen einfach verloren: Zum Beispiel Bälle. Auf Dächer geflogen, in unerreichbarer Höhe in Bäumen hängengeblieben oder einfach unbemerkt davongerollt und dann verschwunden. Aber ein Kind ohne Ball? Das geht eigentlich nicht, oder? Deswegen kamen wieder Bälle ins Haus. Bälle, weil sich die kleine Maus und der kleine Tiger nicht einigen konnten, ob es ein Fußball oder doch der Eiskönigin-Spielball werden sollte. Ich plädierte ebenfalls für den Eisköniginnen-Ball, der geduldigste Ehemann von allen natürlich für den Fußball. Um ausufernde Familienkrisen zu vermeiden, haben wir beides gekauft und werten die beiden Bälle jetzt als unseren Julikauf.

Streng genommen als Fehltritt muss ich dagegen die Federbälle werten, die ich gekauft habe. Weil ohne Federbälle sind unsere Federballschläger einfach sinnlos. Sportliche Sommer- und Draußenaktivitäten finde ich aber einfach so wünschenswert. Ich tendiere dazu Federbälle wie auch Tischtennisbälle als „Verbrauchsgüter“ zu deklarieren, so dass wir hier bei Bedarf auch im Rahmen unserer Kaufdiätregeln für Nachschub Sorgen können.

Dann gab es da noch den Stadtteilflohmarkt. Wir waren so oft in Versuchung, dass wir überlegt haben, für Flohmärkte Kaufdiät-Sonderregelungen einzuführen. Aber dann waren wir doch wieder ganz brav und haben gemäß unserer Regeln nur einen Kauf (Inlineskates inkl.  Zubehör für den kleinen Tiger = unser Junikauf) getätigt. Aber kann man den Kindern, begeisterte Flohmarktbesucher übrigens, denn wirklich ein kleines Mitbringsel verwehren? Also durfte sich die kleine Maus eine kleine Figur für 50 Cent aussuchen. So haben wir uns mit diesem Einhorn versündigt. Süß war, dass der kleine Tiger, der dann schmollte, von seinem Freund, der auch dabei war und von seinen Eltern mit einem eigenen Kaufbudget ausgestattet war, großzügig weitere Dinge geschenkt bekam, z.B. ein paar Handschellen.

Und dann war da noch die Sache mit den Wasserpistolen. Leider ist die letzte verbliebene Wasserspritze der Kleinen nach 1,5 Jahren tapferen Dienstes nun doch kaputt gegangen. Ein Sommer ohne Wasserpistolen? Ich glaube, für eine Vier- und einen Sechsjährigen ist das die Höchststrafe. Es gab beim ersten Seeausflug und beim ersten Wasserspielplatzbesuch traurige Szenen. Das kann ich auch gut verstehen. Also habe ich dann pünktlich zum ersten Schwimmbadbesuch den beiden ganz gegen unsere Regeln ganz unökologische Plastikmonster, nämlich zwei Wasserpistolen gekauft, von denen die eine sofort beim ersten Einsatz in einem unbewachten Moment zum Leidwesen der Kinder scheinbar einen neuen Besitzer fand…. Jetzt müssen sie mit einer Wasserpistole durch den Sommer kommen.

Irgendwie hatte ich einfach das Gefühl, dass wenn wir in solchen kleineren Fragen zu dogmatisch an unserer Kaufdiät oder an Plastikvermeidung hängen, unsere Kinder als Gegenreaktion irgendwann radikale Konsummonster werden. Deswegen lassen wir eben lieber in den geschilderten Kleinigkeiten fünfe gerade sein, um in der großen Linie dauerhaft konsequent bleiben zu können. Wir haben die Kaufdiät übrigens mit den Kindern bislang nicht großartig thematisiert. Ich will sie da gar nicht mit aus ihrer Sicht komplexen Regeln konfrontieren. Irgendwie soll es einfach selbstverständlich sein, dass wir nicht viel kaufen. Eigentlich vermissen Kinder ja auch vieles gar nicht, was wir für dringende Bedarfe halten. Interessanterweise akzeptieren sie es auch sehr gut, dass sie wegen der Kaufdiät meist nicht bekommen, was sie wollen. Wenn sie etwas möchten, sagen wir ihnen inzwischen immer: Merkt es Euch für Euren Geburtstag!

Die Geburtstage und auch Weihnachten haben sich nämlich aus Kaufdiät-Sicht als völlig unproblematisch herausgestellt. Wir schenken unseren Kindern nämlich gar nichts mehr. Das haben sie bislang nicht einmal gemerkt, weil ja Tanten, Freunde und die ganze Schar der Kindergeburtstagsgäste für Geschenkefluten sorgt. Wir versuchen jetzt stattdessen durch gezielte Wünsche an die Schenkenden das alles in etwas sinnvolle Bahnen zu lenken. Nur für die Bälle und die Wasserpistolen waren die Herbst- und Wintergeburtstage jetzt leider etwas spät….

So, nach der gebündelten Beichte sämtlicher Fehltritte, zum Abschluss noch eine gute Nachricht. Kinder können auch wahnsinnig bescheiden sein. Aus meiner Sicht ist dringend ein neuer Rucksack für die kleine Maus fällig. Ihren jetzigen haben wir im letzten Jahr von der Straße aufgelesen (wie hier beschrieben) und er löst sich wirklich langsam auf. Ich schäme mich inzwischen auch ernsthaft vor den anderen Kindergarteneltern, dass ich mein Kind mit so einem Lumpenrucksack in den Kindergarten schicke. Ich hatte gehofft, auf dem Flohmarkt einen neuen zu finden. Aber als ich die kleine Maus fragte, ob sie einen neuen Rucksack möchte, sagte sie ganz bescheiden: „Nein, der geht schon noch. Und er hat so schöne bunte Reißverschlüsse.“

Und der kleine Tiger erzählte mir neulich, dass alle, aber wirklich alle in seiner Klasse nun einen Spinner haben. Als ich ihn fragte, ob er deswegen auch einen möchte, sagte er: „Och, nö.“

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s