Ohne Hemd, ohne Hose, ohne Schuh…

Hochmut kommt vor dem Fall… Wir wähnten uns in Sachen Kaufdiät schon auf der totalen Siegerstraße, alles ganz easy, keine Probleme mehr. Besonders in Sachen Kleidung sind wir ja mittlerweile recht überzeugte und entspannte Kaufdiäter…

…gewesen. Bis in den letzten Wochen ein regelrechter Verschleiß-Orkan über unsere nach eineinhalb Jahren Kaufdiät schon recht reduzierten Kleiderschränke fegte. Ich weiß nicht, warum plötzlich nach vielen Jahren treuen Dienstes beim geduldigsten Ehemann von allen eine weitere Jeans (die dritte in diesem Jahr!) ganz plötzlich und unerwartet große und auffällige Löcher an pikanten Stellen entwickelte, die dort leider nicht schick sind, sondern eher Anzeigen von wütenden Frauen wegen Exhibitionismus nach sich ziehen könnten.

Auch weiß ich nicht, was nach vielen Jahren absolut zwischenfallslosen Waschens plötzlich auffällige gelbe Flecken auf einen meiner Röcke und zwei helle, langärmelige T-Shirts zauberte. Von Sonnencreme über Seifenrückstände in der Waschmaschine bis zu Kinderspielzeug in der Wäsche hatte ich alles in Verdacht ohne bislang den Übeltäter identifiziert zu haben. Aber die Klamotten sind so fleckig leider nicht mehr tragbar. (jetzt mal die gängigen mitteleuropäischen Bekleidungsstandards vorausgesetzt).

Eine kritische Inventur des Hemdenbestands des geduldigsten Ehemann von allen ergab zudem, dass vier Hemden wegen total abgeschabter Kragen eigentlich nicht mehr bürotauglich sind. Und dann riss auch noch ein weiterer meiner Röcke beim Radfahren auf. Der Rock ist über 10 Jahre alt, der darf eigentlich auch langsam in Rente, obwohl es mein absoluter Lieblingsrock ist. Trotzdem habe ich ihn nochmal notdürftig geflickt, für sehr legere Freizeitzwecke geht es noch ein Weilchen. Leider lösen sich auch bei meinem zweiten Lieblingsrock, der stolze 15 Jahre alt ist, ebenfalls langsam die meisten Nähte auf.

Ach ja, und dann gibt es noch unser Schuhelend. Meine Sandalen sind ca. 8 Jahre alt (und sehen aus wie mindestens 10 Jahre). Meine Ballerinas sind stolze 10 Jahre alt und langsam wirklich reif für die Rente. Meine beiden paar Chucks sind völlig am Ende, die Sohle löst sich an mehreren Stellen vom Stoff (beide erst 2 Jahre alt, buh!). Meine Stiefel, ebenfalls mindestens 6 Jahre alt, haben von mir die letzten Jahre jedes Jahr mindestens einen, manchmal auch zwei neue Reißverschlüsse spendiert bekommen. Aber jetzt löst sich der Leim an der Sohle auf und gerade ist der Reißverschluss wieder kaputt gegangen – jetzt machen 30 € Reparaturkosten langsam wirklich keinen Sinn mehr. Lauter Lieblingsschuhe, die mich wirklich lange, lange treu begleitet haben, müssen nun allmählich traurig verabschiedet werden.

Aber wie sollen wir das alles unter Kaufdiät-Bedingungen eigentlich ersetzen? Darüber zerbrechen wir uns derzeit noch den Kopf. Und während wir aus unseren Schränken, das Allerallerallerletzte an Reserven aufzubieten versuchen, schwant uns doch, dass wir diese geballte Verlustwelle womöglich nicht ganz kaufdiät-konform auffangen werden können. Vielleicht ist eine Kleiderkaufdiät in den ersten 1,5 Jahren kein Problem, aber dann ballen sich scheinbar allmählich die Verluste. Es ist ja wegen der Kaufdiät auch nur wenig Ersatz hinzugekommen. Und seit wir nichts Neues kaufen werden alle Dinge ja auch wesentlich intensiver genutzt als vorher. Das macht sich besonders an den Schuhen bemerkbar. Einige Bedarfe lassen sich noch etwas schieben (die Sandalen z.B. auf den nächsten Sommer). Aber kann man der geduldigste Ehemann von allen mit nur drei Hosen (+ drei Anzughosen) überleben? Er kann ja nicht auf Röcke ausweichen wie ich.

Na ja, und nachdem meine Röcke jetzt auch knapp werden: Was soll ich jetzt eigentlich anziehen? Ich habe überhaupt an langen Hosen nur noch eine Jeans und eine sehr helle Stoffhose (die nach jedem Tragen ein Fall für die Wäsche ist)  sowie drei Anzughosen + einen Businessrock, die ich aber nur zusammen als Hosenanzug trage, um mein Business-Outfit zu schonen. Außerdem verbleiben mir jetzt nur noch drei intakte Röcke (davon ein Winterrock) und ein Sommerkleid. Zu zwei der Röcke habe ich nun auch keine passenden Schuhe mehr, wenn sich die Ballerinas verabschieden. Das ist alles schon recht knapp, um durch eine normale Woche zu kommen.

Grundsätzlich könnte man auch mit noch weniger Kleidung leben. Aber dann komme ich mit den Waschmaschinen nicht mehr hin. So schnell kriege ich die Maschinen nicht voll und auch nicht immer alles gewaschen.

Tja, wir halten noch tapfer durch und werden jetzt den ein oder anderen Kleiderkauf in die Kaufdiät einbauen müssen. Aber vielleicht müssen wir jetzt allmählich den ein oder anderen Schwund auch zusätzlich ersetzen, um weiterhin mitteleuropäischen Bekleidungsstandards zu genügen. Oder wie es eine Freundin ausdrückte, die ein großer Fan unserer Kaufdiät ist:

„Du hast beruflich so viel mit Menschen zu tun, die du von mehr Nachhaltigkeit und deinen Projekten überzeugen musst. Aber denen kannst du nicht allen erklären, dass ihr eine Kaufdiät macht. Wenn du hier nicht professionell gekleidet aussiehst, dann kannst du sie vielleicht auch nicht mehr von guten Projektideen überzeugen.“

Na ja, mal sehen, wie wir das alles stemmen. Wir werden auf unserer Seite unserer 12 Dinge sowie evtl. auch auf der Seite der Notfälle und Fehltritte berichten….

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Die Minimalismuskrise

Ich habe talentierte Freunde. Nicht nur, dass einige von ihnen einen exquisiten Geschmack und wunderschön eingerichtete Wohnungen haben. Andere wiederum sind Meister des Selberbauens und Upcycelns und man könnte ihre Wohnung eigentlich direkt als Werbekatalog für geschmackvolles Do-it-yourself ablichten.

Ich tröste mich damit, dass ich andere Stärken habe. Möbelbau gehört da jetzt eher nicht dazu. Aber wenn ich aus einer dieser hippen Wohnungen zurückkomme, habe ich plötzlich das Gefühl, dass hier dringend ein Tischchen mit Deko drauf stehen müsste. Und da bräuchte es ein paar Bilder. Und da drüben eine schicke Stehlampe. Und hier ein Wandregal. Und in der Ecke ein antikes Kleinmöbel. Und hier noch ein Kissen und da ein Deckchen. Und die Vase muss eigentlich raus und stattdessen so ein schickes neues Väschen rein. Und dann bekomme ich manchmal sowohl eine Minimalismus- wie auch eine Kaufdiät-Krise.

Glücklicherweise habe ich inzwischen gelernt, dass diese Krise nur wenige Tage bis Stunden anhält. Sobald ich dem Eindruck der Wohnung entzogen bin, die mir so gefällt, bin ich wieder vollkommen glücklich mit den weitgehend freien Wänden und freien Wegen unserer wunderschönen Wohnung, die wie ich finde, auch für sich einfach wunderbar ist. Kurz: einem minimalistischen Umfeld. Um Möbelschweden, Wohnzeitschriften und Pinterest muss ich dann in dieser Zeit aber einen weiten Bogen machen. Sonst packt mich der Kaufrausch.

Das zeigt wieder mal eindrucksvoll, dass Bedürfnisse in uns durch Vorbilder (aus Zeitschriften, Werbung, Auslagen, von anderen Leuten) überhaupt erst geweckt werden. Wo vorher Zufriedenheit war, entsteht plötzlich ein gefühltes Defizit. Ich glaube sogar, dass unser hoher Konsum-Standard sich so immer weiter anheizt. Wenn ich z.B. an Wohnungseinrichtungen befreundeter Familien meiner Kindheit denke, war der Anspruch hier wesentlich bescheidener. Die Inszenierung des Selbst durch einen bestimmten Stil und die dazu passenden Accessoires haben da zumindest in den Wohnungen, an die ich mich erinnere, keinerlei Rolle gespielt.

Wenn ich mir Wohnzeitschriften, Pinterest u.ä. ansehe, habe ich das Gefühl, dass das, was man hat und zeigt, zum vermeintlich individuellen Ausdruck der Persönlichkeit hochstilisiert wird. Ich bin gerade auf der Suche nach einer Lampe, weil wir ja in Wohn- und Esszimmer immer noch keine haben, und wenn ich mir so die Blogs, Zeitschriften und Pinterest zu dem Thema ansehe und danach die Auslage des Designer-Möbelladens in unserer Innenstadt, dann habe ich das Gefühl, dass es derzeit ungefähr 10 – 15 Lampen gibt, die gerade angesagt sind, und die einen durch alle Wohnzeitschriften hindurch regelrecht verfolgen. So viel zum Thema Individualität.

Muss ich mir jetzt also selbst eine Lampe aus Papier, Küchensieben oder Ästen kreieren, um individuellen Stil zu beweisen? Wann sind Möbel eigentlich so wichtig geworden für den individuellen Ausdruck?

Dann stelle ich beim Betrachten der aktuellen Pinterest-Bilder zum Thema Einrichten und beim Betrachten zugehöriger Blogs noch fest, dass ich auch eine Wand grau streichen sollte. Unbedingt. Mindestens. Oder wenigstens ein graues Sofa anschaffen. Daneben muss dann eine Stehlampe mit drei Beinen und einem weißen Lampenschirm stehen. Wenn dann dahinter noch eine sorgfältig angeordnete Collage aus schwarz-weiß-Bildern hängt, daneben vielleicht noch ein kleines Tischen mit einer Vase drauf, dann habe ich endlich den Zeitgeist getroffen und eine total geschmackvolle und individuelle Wohnung. Genau die, die in allen Medien gerade gezeigt wird.

Nee, Leute. Ich bleibe Minimalistin. Und entziehe mich weiterhin jeglichem Modediktat in Sachen Einrichtung. Nebenbei gesagt: Dieses wunderbar aufgeräumte Feeling des so gefeierten skandinavischen Stils erzielt man mit der Zeit ganz automatisch mit einer Kaufdiät. Nichts verhindert sicherer das Zumüllen mit zu viel Dekogegenständen und Krimskrams. Alles wird einfach langsam, ganz langsam weniger.

Oder müssen jetzt doch mal ein paar neue Bilder her?

 

 

 

Gute und böse Tüten

„Ich kaufe im Supermarkt Plastiktüten, weil ich sie danach als Müllbeutel nutze, dann muss ich keine Müllbeutel kaufen“, erklärte mir unlängst ironischerweise ausgerechnet jemand, der von Berufs wegen Experte in Sachen Abfall ist. „Ach, brauchen Sie denn noch Mülltüten?“ hätte ich am liebsten geantwortet.  Tatsächlich sind Müllbeutel etwas, auf das unser Haushalt inzwischen mühelos verzichten kann, seit wir in einem Haus mit Biotonne wohnen.

Wir produzieren im Monat ungefähr noch einen Beutel Plastik-Verpackungsmüll. Da sowohl mein Mann als auch ich regelmäßig in Anzug/Blazer zur Arbeit erscheinen müssen, erhalten wir diesen einen Beutel in der Regel dadurch, dass wir hin und wieder einen Anzug in die Reinigung geben. Die unvermeidliche Folie, mit der man das gereinigte Stück zurückerhält, entfernen wir vorsichtig, knoten sie unten zusammen und das ist dann unser monatlicher Plastikmüllbeutel (die Metall-Kleiderbügel aus der Reinigung nehmen die Reinigungen übrigens gern zurück). Für den Restmüll, der eigentlich nur noch in äußerst überschaubarer Menge anfällt, nehmen wir die Plastikverpackung des Toilettenpapiers. Damit kommen wir mühelos über die Runden, obwohl wir sogar noch zwei Mülleimer (einen in der Küche, einen im Bad) damit bestücken. Die füllen sich eben nur so langsam.

Unseren Biomüll sammeln wir in einer verschließbaren Tupperdose, die wir spülen, das Altpapier in einer Kiste.

Also, wozu bitte schön braucht man überhaupt Müllbeutel? Und Wegwerftüten – egal aus welchem Material? Fantastisch finde ich in diesem Zusammenhang, dass gerade ALDI hier den konsequentesten Weg geht und Einwegtüten ganz aus seinen Märkten verbannt. Nicht nur Plastiktüten, sondern auch die Papiertüten (hier z.B. ein aktueller Artikel hierzu). Mit äußerst gemischten Gefühlen beobachte ich nämlich, wie sich zunehmend Papiertüten wegen des allgemeinen Plastik-Bashings immer stärker verbreiten. Unsere Gemüsekiste, die ihre Kisten aus hygienischen Gründen mit Plastiktüten auslegte, hat diese jetzt durch Papier ersetzt. Und der Biomarkt hat die kleinen Plastiktütchen in der Obst- und Gemüseabteilung auch durch Papiertüten ersetzt.

Bei aller Plastikfeindschaft: Solange man seine Plastiktüte nicht in die Landschaft wirft, ist die Ökobilanz von Papiertüten wesentlich schlechter als die von Plastiktüten. (ökologische Infos zu wirklich jeder Sorte von Tüten findet man übrigens hier bei der Dt. Umwelthilfe).

Wir sollten uns – wie im Falle der Mülltüten – eher fragen: Warum überhaupt Einwegtüten? Egal aus welchem Material. Ich kaufe inzwischen am liebsten mit diesen kleinen Stoffbeutelchen Obst und Gemüse ein. Diese Stoffbeutelchen nutze ich übrigens auch gern beim Bäcker. (Auch hier gilt: Böse Papiertüten!) Alle Bäckereien, bei denen ich bislang damit aufgeschlagen bin, fanden das übrigens toll und haben mir sehr gern, was immer ich wollte, dort hinein gepackt.

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Die Tüten sind so klein, dass sie in jede Tasche passen, ich habe sie inzwischen wirklich immer dabei und wenn sie schmutzig sind, laufen sie einfach einmal in der Waschmaschine mit. Das gleiche gilt übrigens für die praktischen, in kleine Täschchen zusammenfaltbaren Polyester-Tüten, die auch von der Dt. Umwelthilfe noch vor Jutebeuteln favorisiert werden. Die halten wirklich ewig, unsere sind seit mehreren Jahren im Einsatz. Tüten-Kaufdiät ist also etwas, das uns wirklich sehr leicht fällt…

Wieder mal etwas für die Einab-Blogparade….

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