Gute und böse Tüten

„Ich kaufe im Supermarkt Plastiktüten, weil ich sie danach als Müllbeutel nutze, dann muss ich keine Müllbeutel kaufen“, erklärte mir unlängst ironischerweise ausgerechnet jemand, der von Berufs wegen Experte in Sachen Abfall ist. „Ach, brauchen Sie denn noch Mülltüten?“ hätte ich am liebsten geantwortet.  Tatsächlich sind Müllbeutel etwas, auf das unser Haushalt inzwischen mühelos verzichten kann, seit wir in einem Haus mit Biotonne wohnen.

Wir produzieren im Monat ungefähr noch einen Beutel Plastik-Verpackungsmüll. Da sowohl mein Mann als auch ich regelmäßig in Anzug/Blazer zur Arbeit erscheinen müssen, erhalten wir diesen einen Beutel in der Regel dadurch, dass wir hin und wieder einen Anzug in die Reinigung geben. Die unvermeidliche Folie, mit der man das gereinigte Stück zurückerhält, entfernen wir vorsichtig, knoten sie unten zusammen und das ist dann unser monatlicher Plastikmüllbeutel (die Metall-Kleiderbügel aus der Reinigung nehmen die Reinigungen übrigens gern zurück). Für den Restmüll, der eigentlich nur noch in äußerst überschaubarer Menge anfällt, nehmen wir die Plastikverpackung des Toilettenpapiers. Damit kommen wir mühelos über die Runden, obwohl wir sogar noch zwei Mülleimer (einen in der Küche, einen im Bad) damit bestücken. Die füllen sich eben nur so langsam.

Unseren Biomüll sammeln wir in einer verschließbaren Tupperdose, die wir spülen, das Altpapier in einer Kiste.

Also, wozu bitte schön braucht man überhaupt Müllbeutel? Und Wegwerftüten – egal aus welchem Material? Fantastisch finde ich in diesem Zusammenhang, dass gerade ALDI hier den konsequentesten Weg geht und Einwegtüten ganz aus seinen Märkten verbannt. Nicht nur Plastiktüten, sondern auch die Papiertüten (hier z.B. ein aktueller Artikel hierzu). Mit äußerst gemischten Gefühlen beobachte ich nämlich, wie sich zunehmend Papiertüten wegen des allgemeinen Plastik-Bashings immer stärker verbreiten. Unsere Gemüsekiste, die ihre Kisten aus hygienischen Gründen mit Plastiktüten auslegte, hat diese jetzt durch Papier ersetzt. Und der Biomarkt hat die kleinen Plastiktütchen in der Obst- und Gemüseabteilung auch durch Papiertüten ersetzt.

Bei aller Plastikfeindschaft: Solange man seine Plastiktüte nicht in die Landschaft wirft, ist die Ökobilanz von Papiertüten wesentlich schlechter als die von Plastiktüten. (ökologische Infos zu wirklich jeder Sorte von Tüten findet man übrigens hier bei der Dt. Umwelthilfe).

Wir sollten uns – wie im Falle der Mülltüten – eher fragen: Warum überhaupt Einwegtüten? Egal aus welchem Material. Ich kaufe inzwischen am liebsten mit diesen kleinen Stoffbeutelchen Obst und Gemüse ein. Diese Stoffbeutelchen nutze ich übrigens auch gern beim Bäcker. (Auch hier gilt: Böse Papiertüten!) Alle Bäckereien, bei denen ich bislang damit aufgeschlagen bin, fanden das übrigens toll und haben mir sehr gern, was immer ich wollte, dort hinein gepackt.

IMG_2521

Die Tüten sind so klein, dass sie in jede Tasche passen, ich habe sie inzwischen wirklich immer dabei und wenn sie schmutzig sind, laufen sie einfach einmal in der Waschmaschine mit. Das gleiche gilt übrigens für die praktischen, in kleine Täschchen zusammenfaltbaren Polyester-Tüten, die auch von der Dt. Umwelthilfe noch vor Jutebeuteln favorisiert werden. Die halten wirklich ewig, unsere sind seit mehreren Jahren im Einsatz. Tüten-Kaufdiät ist also etwas, das uns wirklich sehr leicht fällt…

Wieder mal etwas für die Einab-Blogparade….

Logo-einab

 

Advertisements

5 Gedanken zu “Gute und böse Tüten

  1. Manchmal trifft man aber auch auf völlig merkbefreite Verkäufer.
    Ich verlange beim Bäcker ein belegtes Brötchen, erkläre, dass ich gern Verpackung vermeiden will und bitte darum, es gleich auf die Hand zu bekommen, ohne Tüte oder Serviette. Weil ich „ohne Tüte“ verlangt habe, legt die Verkäuferin das Brötchen auf eine Pappe, ohne auf mein „bitte auch keine Pappe“ zu achten. Danach gibt sie es mir von der Pappe in meine Dose und wirft die Pappe weg…grrr.
    Oder eine Fleischverkäuferin, die ich bitte, mir die Sachen nicht so stark einzupacken. Trotz meines Protests packt sie es doppelt und dreifach mit Folien und Tüten ein. Danach will ich erklären, warum ich nicht so viel Verpackung will (Müll einsparen, etc.). Sie hört gar nicht richtig hin, packt trotz meines „NEIN! Bitte nicht wieder auspacken!“ alles wieder aus und packt es in eine kleinere Tüte um mit der Bemerkung „So! Nun haben sie es so, wie Sie es wollen!“. Da habe ich wirklich wutschnaubend den Laden verlassen.

    Gefällt mir

    • Ja, da leben wir echt in einer Parallelwelt, die sich nicht jedem/jeder VerkäuferIn sofort erschließt. Nicht aufgeben, immer wieder erklären. Ganz freundlich bleiben. Das hilft, denn dann bleibt man in guter Erinnerung. Und immer dafür sorgen, dass es für sie so einfach wie möglich ist. Sonst denken die noch, „da kommt schon wieder so ne komplizierte Kundin“. Wenn man es echt nett macht, dann merken die irgendwann, dass es eigentlich gar kein Problem ist. Ich habe mit „meinen“ Verkäuferinnen am Anfang auch manchmal noch den optimalen Weg gesucht, wie wir den Käse am besten verpackungsfrei rüber auf die Theke in die Dose bugsieren. Oder die Brötchen über die Theke in den Brotbeutel „werfen“. Und an der Kasse für Verwirrung gesorgt mit meinen Kleberchen an allen möglichen Arten von Behältnissen. Das kriegen wir jetzt alles ganz toll hin. Die MitarbeiterInnen in meinem Supermarkt lächeln mich inzwischen erwartungsvoll an, wenn ich an die Theke komme und warten schon auf die Dose/den Beutel. Viel Glück beim Erklären!
      Martina

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s