Die abenteuerliche Suche nach einem Fairphone

Wie ich zu einem neuen Handy kam, möchte ich – auch wenn es schon etwas her ist (Oktoberkauf im letzten Jahr) – an dieser Stelle doch noch berichten. Denn ein neues Handy ist ja eigentlich ein Konsum-Supergau. Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen: Mein altes zentrales Familien-Steuerungs- und Managementsystem war weder auf dem neuesten Stand noch besonders smart. Dennoch hat mein altes Handy 5,5 Jahre gute Dienste geleistet (yeah, damit habe ich die „Verdopple die Nutzungsdauer-Challenge“ immerhin geschafft!). Es hatte Internetzugang, allerdings ließ sich das Betriebssystems nicht mehr aktualisieren, deswegen konnte man keine Apps installieren. Lange war ich also auch digitaler Minimalist in Sachen Handy. Statt Whats app schrieb ich SMS und zwang damit viele meiner Freunde zurück in veraltete Kommunikationswege. So wäre das – auch kaufdiät-bedingt – noch eine ganze Weile weitergegangen. Im Sommer sorgte mein gutes altes Handy dann jedoch plötzlich mehrfach für Chaos: Es begann damit, dass ich  SMS von Freunden 79 mal erhielt. Oder 84 mal. Dann erhielten sie SMS von mir 50mal. Oder 39 mal. Dann kamen SMS gar nicht an. Da ich mittels Handy sozusagen die gesamte Familienlogistik steuere, sorgten solche Fehler schnell für Chaos wie z.B. nicht vom Kindergarten abgeholte Kinder (sowohl meine also auch Kinder meiner Freunde, die ich hätte mitnehmen sollen) oder auch unerwartet vom Kindergarten abgeholte Kinder („hab dir doch ne SMS geschickt, dass ich sie mitnehme…“). Als zunehmend die Kindergärtnerin wegen meinem unzuverlässigen Handy unsere Familienkoordination übernehmen musste, war klar, so gehts nicht weiter, ein neues Handy muss her (nachdem ich mir vorher von meinen Telefonanbieter versichern ließ, dass es nicht an ihnen liegt).

Nun ist für mich seitdem Fairphone mit einem ersten fairen Handy auf den Markt gekommen ist, schon seit jeher klar gewesen, dass dies eines Tages mein neues Handy werden wird. Das Fairphone ist sicher noch weit von einem nachhaltigen Handy entfernt (nachhaltige Handys gibt es nicht! Dazu mache ich in Kürze mal einen eigenen Beitrag). Aber die Macher vom Fairphone geben sich von allen die meiste Mühe und hatten als kleines Start up die total verrückte Idee, ein Handy so nachhaltig wie möglich zu machen: Das Fairphone kann jeder (sogar ich) mühelos komplett zerlegen und die Einzelteile einzeln ersetzen. Außerdem versuchen die Fairphone-Macher die Herkunft ihrer Rohstoffe transparent zu machen, da die in Handys verwendeten seltenen Erden häufig in Minen mit grauenhaften ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut werden. Wer ein bisschen etwas von den rauen Bedingungen auf dem Weltmarkt versteht, kann sich vorstellen wie wahnsinnig ambitioniert und komplex es für ein kleines Gründerteam ist, zu versuchen, auch nur annähernd nachzuvollziehen und Einfluss zu nehmen, wo Elektronik-Zulieferer über verschiedene Wertschöpfungsstufen hinweg ihre Ausgangsmetalle her beziehen. Das Ergebnis ist immer noch weit von der Perfektion entfernt, aber immer noch das Handy mit dem höchsten Nachhaltigkeitsanspruch auf dem Markt.

Also kramte ich eine etwas ältere Nachricht von meinem Telekommunikationsanbieter raus, der als Erster und Einziger das Fairphone mit Vertrag angeboten hatte. Hatte mir die Nachricht damals gleich im Browser gespeichert. Anruf bei 1und1: „Ich hätte gern ein Fairphone.“ „Ein was?“ „Ein Fairphone. Sie haben das als erster Anbieter in Deutschland mit Vertrag angeboten.“ „Davon habe ich noch nie gehört, was ist das für ein Handy und wo haben sie das gehört?“ Nach dem Zusenden des Links: „Das ist eine veraltete Website, das Handy haben wir nicht mehr im Angebot.“ Es folgte ein längerer und durchaus interessierter Austausch mit dem 1und1-Mitarbeiter zum Fairphone, zu in Handys verwendeten Rohstoffen usw. Er wollte das alles wirklich gern wissen. Nur ein Handy hatte er leider nicht für mich.

Also habe ich die Fairphone-Website konsultiert. Darin war in meiner Stadt ein (!) Handy-Shop angegeben, der das Fairphone vertreibt. Also nix wie hin: „Guten Tag, ich habe auf der Fairphone-Website gelesen, Sie verkaufen das Fairphone. Darf ich mal eines anschauen?“ „Ja, das ist richtig, wir würden das Fairphone gern verkaufen, wenn wir es denn bekämen. Manche Kunden warten jetzt schon seit Monaten auf die Lieferung.“

Verdammt, dieses Ding war so exklusiv, ich fühlte mich schon fast wie jemand, der vor dem Verkaufsstart des neuesten IPhone die Nacht in der Warteschlange übernachtet, um eines abzubekommen. Auf der Website von Fairphone stand dann auch tatsächlich was von Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage.

Als weiterer Vertriebskanal wurde Memolife angegeben. Tatsächlich, da konnte man auf der Website ein Fairphone bestellen. 10 Wochen Lieferzeit stand da. OK, der Kindergarten machte jetzt eh bald Sommerferien, dann wollten wir ja auch länger in Urlaub fahren, da brauchte ich dann auch nicht sofort ein neues Handy. Bis nach den Sommerferien sollte ich irgendwie noch so überleben. Muss man halt mal wieder mit Leuten telefonieren, statt simsen.

Nun und dann war es endlich gekommen und unser Oktoberkauf geworden. Ich kann gar nicht sagen, was für ein erhabenes und exklusives Gefühl es ist, nach so einer Odyssee endlich in den exklusiven Zirkel der Fairphone-Nutzer eingetreten zu sein.  Und ich bin ganz glücklich mit meinen neuen Handy und von den bisher unerreichten digitalen Möglichkeiten total geplättet. Ja, jetzt bin ich auch endlich im neuen digitalen und smarten Zeitalter angekommen und bislang höchst zufrieden mit meinem Fairphone.

 

 

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Minimalisten-Märchen

Manchmal fließt einem aus ganz unerwarteter Ecke neue Inspiration und Motivation zu. Zum Beispiel neulich beim Ansehen der wunderbaren Märchenverfilmung von „Hans im Glück“. Zur Erinnerung, wer das Märchen nicht kennt: Hans erhält zum Lohn für seinen siebenjährigen Dienst einen großen Klumpen Gold zum Lohn. Er ist überglücklich. Mit der Zeit wird ihm auf seiner Wanderung das Schleppen des Goldes aber schwer, da tauscht er ihn kurzerhand gegen ein Pferd. Das Pferd dann gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein usw.. Am Ende bleibt ihm ein Wetzstein, unter dessen Gewicht er auf seinem Weg wieder leidet. Als ihm der Wetzstein schließlich in einen Brunnen fällt und er endgültig gar nichts mehr hat, fällt er auf die Knie und ruft glücklich: „Danke Gott, dass du mich auch von dieser Last befreit hast. Nun bin ich endlich frei!“

Als ihm auf seinem Weg einmal jemand fragt, wie er denn ein Pferd gegen eine Kuh tauschen könne, das Pferd sei doch viel wertvoller, da antwortet er: „Wertvoll für wen? In diesem Moment war für mich war die Kuh wertvoller. Was interessiert mich, was für andere wertvoll ist?“

Ich finde, das ist nicht nur eine zutiefst weise Einsicht, sondern auch die ideale Einstellung für Minimalisten. Der Film hat uns gleich wieder neu für unsere Kaufdiät begeistert und inspiriert. Deswegen empfehle ich diesen wunderbaren Märchenfilm allen Großen und Kleinen zur Inspiration. Er ist nicht nur für Kinder amüsant anzusehen!

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