Beschwerde wegen Kaufnötigung

Manchmal wird man zum Erwerb von Dingen gezwungen, die man gar nicht haben wollte. Das ist eigentlich Nötigung. Im Marketingsprech heißt das allerdings Gratisgeschenk. So überrumpelte mich der Hersteller meiner Kontaktlinsenflüssigkeit mit einer an die übliche Vorratspackung geklebten kleineren Packung. Ich vermutete eine kleine Zusatzflasche Kochsalzlösung (manchmal ganz praktisch auf Reisen). Beim Auspacken stellte ich dann aber verblüfft fest, dass mir hier ein komplettes Ladekabel für Handy, Tablet & Co. fürs Auto aufgenötigt worden war. Was soll ich dazu sagen??? Ich habe gar kein Auto! Da wird nun Millionen von Kunden ein Produkt aufgezwungen, das mit dem verkauften Produkt Kontaktlinsenlösung nicht das geringste zu tun hat und dass sie entweder nicht brauchen oder aber vermutlich, wenn sie es denn bräuchten, schon haben. Der Sinn einer solchen Maßnahme erschließt sich mir absolut nicht.

Neukunden-Werbung? Dazu muss man wissen, dass man diese Lösung beim Optiker kauft, nicht im Ladenregal, das heißt, man kann es sich nicht mal selber nehmen und bevor einem der Verkäufer das gewünschte Teil reicht, sieht man nicht mal, dass überhaupt ein Gratisgeschenk dabei ist. Ich habe es nicht mal bemerkt, als das Ding schon vor mir auf dem Tisch stand.

Kundenbindung? Also ehrlich gesagt würde ich diese Lösung jetzt nicht nur deswegen wieder kaufen, weil da mal so ein Ladekabel dabei war.

Also was bewegt einen Konzern in einem preislich hart umkämpften Markt mehrerer austauschbarer gleichwertiger Konkurrenz-Produkte so einen finanziellen Aufwand zu treiben? Mit einem Sonderangebot in selbem finanziellen Umfang hätten sie sich sicher viel mehr Umsatz erzielt. Und viel weniger unsinnigen Elektroschrott produziert!

Um das Beste aus dem ungewollten Kauf zu machen, versuchte ich zunächst das Ding zu verschenken, stellte aber fest, dass tatsächlich alle die infrage kamen, so was ähnliches schon hatten. Dann stellte ich aber fest, dass das Ding auch an die Steckdosen-Schnittstelle meines Ladekabels passt und ich es also auch in der Wohnung zum Aufladen verwenden kann. Somit hat es nun wenigstens noch einen Sinn erhalten können, weil nämlich die IPhone-Ladekabel hinsichtlich ihrer Lebensdauer eine Frechheit sind und wieder mal das Ladekabel meines Diensthandys verschlissen war. Also muss nun wenigstens mein Chef kein neues Ladekabel kaufen.

Das Gegenteil von Kaufnötigung betreibt in dieser Hinsicht übrigens Fairphone, die konsequenterweise gar kein Ladekabel mitliefern in der berechtigten Annahme, dass jeder sowas schon zuhause hat. Das kann ich an dieser Stelle nur nochmal explizit sehr loben!

 

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Autor: Familie auf Kaufdiät

Wir sind volle Schränke und leere Kassen leid und halten den täglichen Konsumwahnsinn für eines der wesentlichen Probleme dieses Planeten. Deswegen gönnen wir uns als vierköpfige Familie nur noch den Kauf von einer Sache pro Monat. Gar nicht so einfach! Aber eine spannende Erfahrung!

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