Einkauf oder Glücksspiel?

Vor langer, langer Zeit, als wir noch keine Kaufdiät machten, kaufte ich einmal drei Paar Schuhe auf einmal (oh mein Gott! Unvorstellbar! Drei!). Zwei Paar waren aus Leder und recht schick. Weil ich für meine Business-Outfits noch ein ganz simples schwarzes, etwas höheres Paar brauchte, kaufte ich noch das Dritte dazu (weil es auch so billig war). Das Ober“leder“ hatte eine seltsame etwas gemusterte Struktur, so dass es gar nicht flächendeckend echtes Leder war. Gefühlt waren das die billigen Schuhe, die man halt schnell noch mitnimmt. Was soll ich sagen? Von diesen drei Paar Schuhen besitze ich nur noch ebendieses dritte Paar. Es begleitet mich nun treu in seinen vierten (oder ist es der fünfte?) Herbst und weil ich nicht mehr viele Schuhe besitze, ist es eigentlich ganzjährig so gut wie ständig im Einsatz, wenn geschlossene schwarze Schuhe gefragt sind. Reißverschluss, Absätze, Material – alles ist noch top. Während seine Kollegen-Schuhe sich längst restlos in ihre Einzelbestandteile aufgelöst haben, läuft dieses Paar unermüdlich weiter.

Es ist einfach wunderbar, solche Produkte zu haben. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mich reißt jeder Verlust eines häufig genutzten, lieb gewordenen Gegenstandes aus meiner Komfortzone. Und das liegt nicht nur an der Kaufdiät. Wenn die geliebte Hose kaputt geht, wünsche ich mir oft nichts mehr, als dass ich diese jetzt genau so wieder finden und kaufen könnte. Am liebsten hätte ich ja genau dieses Produkt behalten.

Wenn ich nun bei zukünftigen Käufen nur wüsste, wie man genau diese unverwüstlichen Produkte identifiziert? Ich hätte niemals, wirklich niemals gedacht, dass diese Schuhe von den gekauften am längsten halten würden. Ich hatte sie für die billigsten gehalten und habe ihnen am wenigsten zugetraut. Ich habe einfach keine Ahnung von Schuhqualität. Das muss ich hiermit eindeutig feststellen. Kaufdiät macht demütig. Marken? Materialien? Alles keine Kriterien, jeder Kauf gleicht einem Glücksspiel… Das habe ich nicht nur bei Schuhen beobachtet, sondern auch bei vielen anderen Produkten. Markenbettwäsche? Sündhaft teure Bio-Bettlaken? Weniger haltbar als IKEA-Standardware. Nachhaltige Unterwäsche? Leider in Sachen Haltbarkeit bislang Tchibo deutlich unterlegen. Es ist frustrierend!!!

Dieses Glücksspiel konterkariert leider teilweise meine Idee, das Geld statt in unnötige Käufe in wirklich nachhaltige Produkte zu investieren. Wobei ich hier auch wunderbare Erfahrungen gemacht habe: Als zwei unserer Matratzenbezüge in der Wäsche kaputt gingen, habe ich im Frühjahr einen wirklich wahnsinnig teuren nachhaltigen Ersatz gekauft (zählte nicht in die Kaufdiät, weil Reparaturbedarf…). Das ist der tollste Matratzenbezug meines Lebens! Am liebsten würde ich jetzt ganz aufs Laken verzichten und mich direkt da rein kuscheln.

Also liebe Hersteller: Wenn wir schon konsumieren sollen, warum produziert ihr so wenig Produkte, die man einfach lieben muss? Was bringt uns die zigste zwar nett gemusterte aber im Grund lieblose Bettwäsche? Wo ist die Unterwäsche, die ich nie wieder ausziehen will? Die Schuhe, in denen ich bis ans Ende der Welt laufen will? (und auch kann?)

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Autor: Familie auf Kaufdiät

Wir sind volle Schränke und leere Kassen leid und halten den täglichen Konsumwahnsinn für eines der wesentlichen Probleme dieses Planeten. Deswegen gönnen wir uns als vierköpfige Familie nur noch den Kauf von einer Sache pro Monat. Gar nicht so einfach! Aber eine spannende Erfahrung!

2 Kommentare zu „Einkauf oder Glücksspiel?“

  1. Ich kenne das nur zu gut! Ich habe mir einmal gebrauchte Leder Chelsea Boots auf dem Flohmarkt für 8 Euro gekauft. Zweimal war ich damit beim Schuster, um neue Absätze anbringen zu lassen. Ich habe diese Schuhe noch drei Jahre getragen, obwohl sie schon gebraucht waren. Leider lösen sich jetzt die Nähte und das Leder ist an einigen Stellen auch sehr dünn geworden. Sie wegschmeißen kann ich noch nicht. Momentan dienen sie zumindest noch für die Hundespaziergänge im Park. Am Liebsten hätte ich genau diesen Schuh jetzt noch einmal – da weiß ich ja dass ich lange mit ihnen rechnen kann. Erst heute habe ich auch meine Lieblingsjeans zu Grabe getragen. Der Stoff ist so durchgescheuert, dass immer mehr Löcher entstehen und die Hose untragbar ist. Mich wieder auf die Suche nach neuen Dingen zu machen, nehme ich immer als große Belastung wahr. Könnten die Dinge doch einfach länger halten!
    Übrigens freue ich mich hier immer sehr über neue Blogbeiträge und finde stets tolle Denkanstöße.

    Liebe Grüße aus dem Ruhrgebiet!

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    1. Hallo Anne,
      genau so geht es mir auch! Ich habe oft (vor Kaufdiätzeiten) überlegt, ob ich mir z.B. Schuhe oder eine Hose, die ich mag, nicht gleich zweimal kaufen soll. Hab es aber doch nie gemacht. Und bereue es dann jedesmal wenn das Teil kaputt geht…
      Viele Grüße
      Martina Medrano

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