Im Reparaturwahn

Die Geschichte von unserem kaputten Staubsauger habe ich hier ja schon erzählt. Nun folgt Teil 2 der Story: Unsere Erfahrungen mit dem Bosch Kleingeräte-Reparaturservice. So was gibts!

Aber von vorne… Wir haben zwar einen Ersatzstaubsauger (von meiner Mutter), das ist aber so ein schwachbrüstiges Billigteil ist, das auch recht unzuverlässig Dienst tut, wollte ich nun den Bosch-Kleingeräte-Reparaturservice testen, um unseren 6 Jahre alten Staubsauger reparieren zu lassen.

IMG_2552Irgendwas an der Saugfunktion funktionierte nicht mehr, er röchelte nur noch. Außerdem war der Luftfilter etwas verschimmelt und musste ausgewechselt werden. Beim Einladen ins Auto brach dann auch noch ein Plastikteil der Abdeckhaube ab, so dass er sich nicht mehr richtig schließen ließ. Das schon recht zerkratzte Oberteil unseres Staubsauger zieren außerdem seit der Umzugsrenovierung diverse Farbkleckse. Unterwegs zum Kleingeräte-Reparatur-Service sagte ich mir, dass mich die Mitarbeiter dort vermutlich wahlweise für unverschämt, wahnsinnig, in finanziellen Nöten oder aber für einen Staubsauger-Fetischisten halten müssten, wenn ich mit dem ollen Ding dort anrückte und ernsthaft eine Reparatur fordern sollte. Mein Auftritt in diesem Laden erforderte wirklich einen gewissen Mut. Ehrlich gesagt habe ich den nur wegen unserer Kaufdiät und wegen meiner tiefsten Überzeugung von der Sinnhaftigkeit von Reparaturen im allgemeinen aufgebracht. (Und weil ich auf eine gute Geschichte für diesen Blog hoffte.)

Die Mitarbeiterin hieß unseren ollen Staubsauger dann aber wirklich äußerst professionell neutral willkommen und interessierte sich nicht im geringsten für meine weitschweifigen Erklärungen, warum und wieso ich ausgerechnet diesen Staubsauger unbedingt weiter nutzen wollte. Eine Reparatur aller drei Dinge (der Saugmechanismus, Filter und Abdeckhaube) sowie aller weiteren Dinge, die gefunden werden, würde zusammen 69,50 Euro pauschaler Festpreis kosten. Das Gerät würde dazu in die Zentrale eingesandt. Falls der Staubsauger nicht reparierbar wäre, würde man mir ein Angebot für ein neues Gerät machen. Also wenn das kein geniales Reparaturangebot ist?

Freudestrahlend fuhr ich heim. Und dann begann eine lange Zeit des Wartens. Nach drei Wochen rief ich zum ersten Mal im Laden an. Da sagte man mir, man erwarte für übermorgen eine Lieferung aus der Zentrale, vielleicht wäre er da ja dabei. Eine Woche später erneuter Anruf. Da gab man mir dann die Nummer der Zentrale, da solle ich doch mal nachfragen. Anruf in der Zentrale. Die Mitarbeitern dort am Telefon fassungslos. Was nach vier Wochen immer noch nicht fertig? (die kannte den Staubsauger ja nicht) Da müsse man unbedingt mal den Techniker fragen. Ich solle morgen nochmal anrufen.

Also ich vermute einfach: Die Techniker haben den Kopf geschüttelt, als sie unseren Staubsauger sahen. Dann ist er erstmal in irgendeiner Ecke für besonders komplizierte Fälle gelandet. Dann haben ihn alle eine Weile für Elektroschrott gehalten. Dann hat mal ein Meister den Azubi gefragt, warum er den Schrott da nicht endlich aufräumt. Dann…

Mit solchen Fantasien warteten wir also weiter auf unseren Staubsauger. Dann erneuter Anruf. Wieder eine fassungslose Mitarbeiterin am Telefon. Diesmal fassungslos, weil wir so geduldig sind. Sie versprach mir, sich zu kümmern und rief tatsächlich wie versprochen am nächsten Tag zurück. Das Problem war scheinbar, dass eine neue Abdeckhaube in der Farbe des Staubsaugers (blau) nicht mehr lieferbar war. Ich sagte ihr, dass mir die Farbe der neuen Abdeckhaube herzlich egal sei.

Eine Woche später dann der Anruf, ich könne den Staubsauger abholen. Und jetzt bin ich fassungslos und muss Euch hier einen Screenshot des Original Reparaturscheins zeigen:

Rechnung

IMG_2553Könnt Ihr Euch vorstellen, dass Bosch das alles für nur 69,50 € gemacht hat??? Bei einem 6 Jahre alten Staubsauger? Ich muss sagen, dass es ein totales Vorurteil ist, dass sich Reparieren nicht lohnt. Für die Hälfte des Original-Preises habe ich jetzt gefühlt einen neuen Staubsauger. Wenn der jetzt noch mehr als drei Jahre seinen Dienst tut, hat sich das komplett gerechnet. Zumindest für mich. Der Staubsauger hat mal 160 € gekostet. Für Bosch kann sich das eigentlich nicht rechnen. Allein die Zeit, die ich die Telefonzentrale beschäftigt habe… Und der Techniker war bestimmt auch länger als eine Stunde beschäftigt, all die Ersatzteile gar nicht eingerechnet. Ganz ehrlich: An dieser Komplexität und bei all den Ersatzteilen wäre ein Repaircafé vermutlich leider an meinem Staubsauger gescheitert.

Ich kann deswegen nicht anders, als jetzt ausnahmsweise wirklich mal einen Hersteller zu empfehlen! Probiert es, wendet Euch mit Euren kaputten Elektrogeräten an die Hersteller! Es lohnt sich! Und wenn Ihr andere Erfahrungen macht, als hier beschrieben, dann kauft vielleicht das nächste Mal einfach bei einem anderen Hersteller. (Liebe Leser, das hier ist ein Kaufdiät-Blog und damit unverdächtig für jegliche Konsumwerbung. Es ist kaum vorstellbar, dass ausgerechnet dieser Blog von irgendwelchen Unternehmen Geld für Product Placement erhält. Auch nicht von Bosch. Ich nehme auch stark an, dass Werbung für die Reparaturleistung gar nicht im Sinne von Bosch ist, weil die ja dabei vermutlich draufzahlen….)

Ich habe bei selbigem Hersteller übrigens die gleiche Erfahrung schon einmal mit unserer Waschmaschine gemacht. Man bekommt einen Festpreis, der ungefähr die Hälfte des Neupreises ausmacht, und dann wird wirklich alles, was defekt ist ausgetauscht. Da war der Techniker sogar mehrmals da. Auch hier hat Bosch definitiv draufgezahlt.

Das einzige, was man braucht, ist etwas Geduld. Aber ich denke, die lange Wartezeit hat sich vor allem auch daraus ergeben, dass ich recht unregelmäßig und mit großen Abständen nachgehakt habe. Wir hatten ja den Ersatzstaubsauger und deswegen keinen großen Leidensdruck.

Ökologisch rechnet sich die Reparatur auf jeden Fall denke ich, Klar ist mein Staubsauger jetzt auch durch die Republik gereist. Aber sonst wäre der neue Staubsauger vermutlich aus China angereist. Und die Wirtschaftsleistung ist in Deutschland zu hiesigen Sozial- und Arbeitsstandards erfolgt. Und ich habe einiges an Elektroschrott gespart und hoffe, der gute Staubsauger machts jetzt noch ein paar Jahre. Sechs weitere solltens schon werden, damit ich meine „Verdopple die Nutzungsdauer-Challenge“ auch einhalten kann.

Durch den Erfolg beflügelt, werde ich jetzt gleich unsere 8 Jahre alte Digitalkamera zur Reparatur bringen. Da hält mich dann vermutlich der nächste Dienstleister für eine Reparaturwahnsinnige.

Wieder mal ein Beitrag für die Einab-Blogparade.

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Die „Verdopple die Nutzungsdauer“-Challenge

Weil in unserem Kaufdiät-Haushalt wieder mal ständig was kaputt geht, habe ich genervt mal recherchiert, wie lange denn Gegenstände eigentlich so überleben sollten. Theoretisch zumindest. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen Lebensdauer und Nutzungsdauer von Gegenständen gibt. Während sich viele Menschen – wie z.B. ich – beschweren, dass Gegenstände angeblich von den Herstellern schon so gemacht werden, dass sie schnell kaputt gehen, scheint es in der Realität weit häufiger so zu sein, dass die Dinge viel weniger lang genutzt werden, als sie eigentlich leben könnten. Hier einige wirklich ernüchternde Zahlen zur Nutzungsdauer von verschiedenen Alltagsgegenständen:

Nutzungsdauern
Quelle: Wieser, H./Tröger, N. (2015): Die Nutzungsdauer und Obsoleszenz von Gebrauchsgütern im Zeitalter der Beschleunigung (PDF Download hier: https://www.researchgate.net/publication/278030698_Die_Nutzungsdauer_und_Obsoleszenz_von_Gebrauchsgutern_im_Zeitalter_der_Beschleunigung [accessed Jul 2, 2017].

In dieser sehr lesenswerten Studie findet sich dazu folgender sehr aufschlussreicher Satz:  „KonsumentInnen wünschen sich eine deutlich höhere Lebensdauer als die Gebrauchsgegenstände tatsächlich genutzt werden. Je nach Produkt ist die gewünschte Lebensdauer um das 1,73- bis 3,62-fache höher als die tatsächliche Nutzungsdauer.“ (ebd. S. 7).

Hier unterscheiden sich Anspruch und Wirklichkeit recht deutlich… Nicht an allem sind also die Hersteller schuld. Die wirkliche Ironie dabei ist, dass die Konsumenten, weil sie eben davon ausgehen, dass Dinge ohnehin schnell kaputt gehen, weil die „niederträchtigen“ Hersteller das vermeintlich extra so vorsehen, dann auch gleich zu billigeren Produkten greifen, ihre Dinge seltener reparieren lassen und häufiger austauschen. Ein Teufelskreis!

Gleichzeitig halten wir uns alle natürlich generell lieber für lange Nutzer, denn wer will schon Teil der Wegwerfgesellschaft sein? „Die meisten InterviewpartnerInnen (17 von 25) denken, dass sie Handys länger nutzen als andere Menschen. Diese (Fehl)-Einschätzung wird durch die Werbung („andere upgraden jetzt schon jedes Jahr“) und die schnellen Produkteinführungszyklen („in der Zwischenzeit kamen drei neue Versionen auf den Markt“) negativ beeinflusst und führt zu häufigeren Ersatzkäufen, als es sonst der Fall wäre.“ (ebd. S. 7)

Dass dieser Teufelskreis wegen des erhöhten Ressourcenverbrauchs ein riesiges Problem ist und die Nutzungsdauern vieler Gegenstände in den letzten Jahren immens abgenommen haben, brauche ich wohl nicht weiter zu betonen.

Ich habe also nach all diesen interessanten Erkenntnissen noch einmal kritisch die Nutzungsdauern unserer Gegenstände geprüft und festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so schlecht steht mit der Lebensdauer vieler unserer Dinge:

  • Meine Sandalen: > 6 Jahre
  • Unsere T-Shirts: 2 bis > 15 Jahre
  • mein Handy: 5 Jahre, vom geduldigsten Ehemann von allen: 1,5 Jahre (gebraucht kauft!, davor hatte er ein Diensthandy, das er auch privat nutzen durfte)
  • Hemden/Blusen: 1,5 Jahre bis > 12 Jahre
  • Jeans: 3-5 Jahre
  • Wintermantel: 0,5 Jahre (mein letzter > 10 Jahre)
  • Drucker: 2 Jahre
  • Laptop: 7 Jahre
  • Kaffeemaschine: haben wir nicht, wir haben so eine Filter-Kanne > 10 Jahre
  • Kamera: 8 Jahre
  • Mikrowelle: haben wir nicht
  • Staubsauger: 6,5 Jahre
  • Matratzen: 2 Jahre (mussten zum neuen Bett gekauft werden, die alte Matratze ist noch in unserem alten zu klein gewordenen Bett, das jetzt Gästebett ist, 11 Jahre)
  • Fernseher: haben wir nicht, haben einen gebrauchten ca. 5 Jahre alten Flachbildschirm von unserer ehemaligen Mitbewohnerin noch in Dauerleihgabe)
  • Auto: haben wir nicht
  • Waschmaschine: 5,5 Jahre (schon einmal repariert! davor Waschmaschine, die vor 12 Jahren gebraucht gekauft war)
  • Couch: 7 Jahre
  • Schreibtisch: einen ganz Alten (ca. 20 Jahre, wird jetzt mit Tischdecke als Esstisch genutzt), einen neuen, Kleineren (4 Jahre)
  • Kühlschrank: 5 Jahre (davor: gebrauchter Kühlschrank)
  • Kleiderschrank: Einen Alten (> 20 Jahre), einen neuen (7 Jahre)
  • Küchenherd: 4 Jahre (davor: uralter gebrauchter Herd, gebraucht vor 11 Jahren mindestens 3rd Hand gekauft)

Also, wenn ich mir so die Nutzungsdauern ansehe, habe ich das Gefühl, dass manche Dinge auch langsam ein Recht haben, kaputt zu gehen. Das relativiert meinen Ärger über ständig kaputt gehende Dinge etwas. Einige der in den letzten Jahren neu angeschafften Dinge müssen nun aber auch noch ein paar Jährchen halten!

Wirklich interessant ist auch eine Tabelle des Mieterverbandes zu Lebensdauern von vielen Wohnungseinbauten, z.B. Einbauküchen (15-25 Jahre), Spülen (20-30 Jahre), Toilette (15-20 Jahre), Duschwanne (20-30 Jahre)….

(Quelle: https://www.promietrecht.de/Schaden/Abwehr-von-Forderungen/Tabelle-wirtschaftliche-Lebensdauer-Schadenersatz-bei-Neu-fuer-Alt-E2569.htm)

Ich habe im Zuge unserer Wohnungssuche einige Wohnungen gesehen, ein Bad, das älter  als 20 Jahre war, habe ich in keiner Wohnung gesehen. Die waren eigentlich alle recht neu ebenso wie die gesehenen Einbauküchen.

Gleichzeitig wecken solche Zahlenspielereien gern meinen Ehrgeiz und deswegen möchte ich hiermit eine neue Form der Challenge ins Leben rufen. Nämlich die Challenge, die Nutzungsdauer unserer Gegenstände gegenüber der allgemeinen Nutzungsdauer so lange wir möglich zu verlängern, möglichst zu verdoppeln! Vielleicht habe ich ja euren Ehrgeiz auch geweckt! Schreibt uns doch hier die Geschichten Eurer allerältesten Gegenstände!

Und vor allem: Schreibt mir doch Tipps, wie man es schafft, das die Gegenstände auch so alt werden. Denn wenn man diese Challenge ernst nimmt, heißt das, dass man seine Dinge vielleicht auch intensiver pflegen muss. Ich erinnere mich an meinen Großvater, der alle seine Dinge ausgiebig hegte und pflegte. Da können wir auf jeden Fall auch nachlegen, bevor wir uns über ständig kaputt gehende Dinge beschweren.

Wieder mal was für die Einab-Blogparade:

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Die Jede-Woche-geht-was-kaputt-Regel

Schon oft habe ich mich ja schon darüber ausgelassen, dass jede Woche in unserem Kaufdiät-Haushalt etwas kaputt geht. Dass sich diese Regel wirklich jede Woche aufs Neue bestätigt, verblüfft uns selbst und wir fragen uns, warum uns früher nie aufgefallen ist, wie kurzlebig die meisten unserer Gegenstände sind. Ich hatte die ersten Kaufdiätwochen hier ja schon mal dokumentiert, was uns da so alles kaputt ging.

Und weil ich das Gefühl habe, dass ich hier ständig nur Beiträge blogge, in denen ich wieder irgendeinen Notfall oder Fehltritt oder so beichten muss, hier mal wieder  ein Einblick in all die kleinen Widrigkeiten und Erfolge unserer Kaufdiät, die im einzelnen zu winzig sind, um jedesmal einen eigenen Beitrag dazu zu schreiben. Aber an denen sieht man, dass Nicht-Ersatz-Kaufen eine echte Leistung ist, die wir uns durch unsere Kaufdiät erst erarbeitet haben und an der wir immer noch ständig arbeiten. Früher wäre ich bei den meisten Dingen einfach losgezogen, um schnellstens Ersatz zu beschaffen.

Also hier unser aktueller Kaputt-Kalender:

  • 17. August: Meiner wichtigsten Handtasche reißt der Henkel ab. Mist. Gerade diese große Tasche benutze ich ständig. Krame eine alte Handtasche aus der Flohmarktkiste (das ist die auf dem Foto)img_0701. Die kann ich jetzt doch gut gebrauchen, weil nur in die auch DIN A4 Format passt. Trage jetzt südamerikanisches Ethno-Mitbringsel zu Business-Dress. Na ja, egal… Der Schuster kann so was reparieren, habe ich gehört. Muss ich nach dem Urlaub in Angriff nehmen. Da fällt mir ein: Ich habe noch eine schöne Ledermappe, auch da ist mir der Henkel abgerissen. Die kann ich dann auch gleich mitnehmen. Also nix mit Handtaschen-Shopping.
  • 28. August: Beide Absätze meiner Schuhe haben sich irgendwo in der Stadt selbständig gemacht. Ich klackere laut durch die Stadt. Ein Schuster muss her!
  • 3.September: Unsere Digitalkamera geht kaputt. Nichts geht mehr: Nicht an, nicht auf, trotz vollem Akku. Natürlich ausgerechnet im Urlaub. Na ja, wir haben ja Handys. Die Kamera werden wir aber trotzdem zur Reparatur bringen.
  • 9. September: Unser Kofferanhänger hat den Rücktransport nicht überlebt. Bei der nächsten Reise müssen wir wohl einen neuen besorgen. Mein Gott, für so einen Mist einen Monatskauf einplanen??? Na ja, vielleicht fällt uns bis dahin ne kreative Alternativ-Lösung ein. Ideen?
  • 14. September: Kinderrucksack der kleinen Maus muss entsorgt werden: Reissverschluss total hinüber und auch sonst ziemlich fertig. Da lohnt sich ein neuer Reissverschluss echt nicht. Also muss das Leben erstmal ohne Rucksack weitergehen.
  • 20. September: Ein Kindertraktor verliert seine Räder. Das winzige kaputte Plastikteil, das sie hält, könnte ein 3D-Drucker bestimmt herstellen – eines Tages wird das hoffentlich Standard. Aber jetzt: leider Mülltonne.
  • 23. September: Einer dieser sündhaft teuren Körbe vom Möbelschweden, die so ideal in diese viereckigen Regale passen, löst sich auf. Dabei war der jetzt im Gegensatz zur Vorgänger-Version schon geschraubt und nicht mehr getackert.  Wie soll man nur diese Schraube so genau in der Ecke da wieder reinkriegen? (jeder der die Dinger kennt, versteht das Problem). Problemlösung wird erstmal aufgeschoben, hab grad keine Zeit für so nen Kram. Korb wird mitsamt Inhalt provisorisch wieder ins Regalfach gestopft…
  • 30. September: Eine der letzten intakten Socken ist nun auch durchbohrt. Jetzt werden die Socken knapp, denn ich habe über Wochen und Monate löchrige Socken einfach in meine Stopfkiste gestopft, allerdings  ohne sie zu stopfen ;o). Jetzt muss ich wohl wieder ran….
  • 8. Oktober: Eine Glasschüssel fällt mir runter. War wegen ihrer günstigen Größe eine viel genutzte Schüssel. Macht aber nichts, wir haben noch andere Schüsseln in anderen Größen. Schade, schöne Schüsseln kauft man ja eigentlich gern….

Soviel also zum unserem stetigen Weg in den Minimalismus. Wenn jeder Mensch 10.000 Dinge besitzt, dann wären also in 192 Jahren alle unsere jetzigen Gegenstände kaputt gegangen – das ist doch ein sanfter Weg in den Minimalismus, der wirklich für jeden noch so ausgeprägten Materialisten gangbar sein sollte, oder? Vorausgesetzt natürlich, man kauft dann nicht ständig was Neues.

Mein bester Freund der Superkleber

Porzellan in Stücke zerbrochen? Irgendein Plastikdings abgebrochen? Sowas flog früher bei uns in den Müll. Seit wir mit unserer Kaufdiät Konsumverzicht üben, müssen wir uns bei jedem Teil natürlich zweimal überlegen, ob wir das wirklich wegwerfen können. Deswegen wird jetzt bei uns geklebt!

Zwei Minituben Superkleber haben bei uns in den letzten drei Monaten unter anderen schon folgende Dinge vor dem Mülleimer gerettet:

  • die von den Kindern heißgeliebte Porzellan-Süßigkeiten-Dose, bei der den Kleinen im Eifer des Gefechts der Deckel runtergefallen und in vier Teile zersprungen war
  • einen Bilderrahmen, bei dem der Standfuß an der Rückseite abgebrochen war
  • den sich auflösenden Bilderrahmen der kleinen Maus, der im Kindergarten ihren Platz kennzeichnet
  • den in drei Teile zerbrochenen Deckel einer noch aus meiner Kindheit stammenden Porzellan-Kanne, die ich zum Blumengießen nutze
  • die zerbrochene Prinzessinen-Krone der kleinen Maus aus dem 1-€-Shop (noch vor Kaufdiät-Zeiten!) – billig, aber heißgeliebt

Der Superkleber hat sich bei uns schon so zum Reparieren etabliert, dass die Kinder jetzt bei jedem kaputten Teil fragen: „Kann man das mit Superkleber kleben?“.

Völlig problemlos kleben lassen sich Porzellan, Keramik und Holz – man sieht die Bruchstellen nur noch, wenn man sehr genau hinschaut. Gescheitert bin ich dagegen bei manchen Plastikteilen, die einfach nicht kleben wollten, zum Beispiel dem Griff des Wägelchens. Mit viel Geduld ließ sich dagegen überraschenderweise sogar die 1€-Krone kleben.

Wieder was gelernt durch unsere Kaufdiät! Jetzt muss ich mich nur auf auf die Suche nach einem Plastikspezialkleber machen…

Warum man sich billige Produkte nicht leisten kann

Wenn man nur 12 Gegenstände im Jahr kaufen will, kann man sich eines nicht leisten: Ständig kaputtgehende Dinge! Mir ist vor unserer Kaufdiät noch nie aufgefallen, wie viel laufend kaputt geht. Dabei habe ich wohl nur nie darüber nachgedacht, weil es ja so einfach war, Ersatz zu beschaffen. Hier also mal eine Übersicht, was in unserem Haushalt allein in den letzten 7 Wochen seit Beginn unserer Kaufdiät alles kaputt gegangen ist:

  1. die Wanduhr in der Küche (< 2Jahre) >> die Story
  2. der Henkel der Teekanne (20 Jahre) >> die Story
  3. fünf Strumpfhosen (Löcher! < 1 Jahr) >> die Story
  4. zwei Jeans (Löcher! < 3 Jahre)
  5. mein Wintermantel (Löcher, Nähte gerissen, 12 Jahre)
  6. die Brotzeitdose der kleinen Maus (< 2 Jahre) >> die Story
  7. die Waschmaschine! (< 5 Jahre)
  8. eine Vase (< 1 Jahr)
  9. und heute zu allem Überfluss auch noch das CD-Laufwerks unseres Notebooks! (6 Jahre)

Damit gehen praktisch jede Woche ein bis zwei Dinge kaputt! Sind wir vom Pech verfolgt oder ist das ganz normaler Schwund?

Drei bis vier der neun Dinge (Strumpfhosen, Teekanne, Jeans, Waschmaschine) konnten repariert, zwei (Wanduhr, Brotzeitdose) kreativ ersetzt werden. Zwei bis drei (Strumpfhosen, Jeans, Wintermantel) werden wir wohl früher oder später ersetzen müssen und auf die Vase konnten wir verzichten. Ob CD-Laufwerk und damit das Notebook noch zu retten ist, ist noch offen…

Erschreckend ist die kurze Lebensdauer vieler Dinge, die kaputt gegangen sind. Wenn schon in den ersten 7 Wochen 6 Dinge kaputt gehen, die weniger als 5 Jahre alt sind, dann werden wir kaum dauerhaft mit 12 Neuanschaffungen pro Jahr über die Runden kommen. Billigprodukte, die sofort kaputt gehen und nicht repariert werden können, können wir uns also nicht mehr leisten. Aber gibt es sie überhaupt noch? Die Dinge, die man noch seinen Enkeln vererben kann?

Buy me onceDa hat es uns sehr gefreut, von dieser neuen Webseite zu lesen: www.buymeonce.com. Auf dieser Webseite soll es nur Produkte geben, die „ein Leben lang“ halten und immer wieder repariert werden können. Genau was wir für unsere Kaufdiät brauchen! Ich werde die Seite also ab jetzt als Kaufratgeber zurate ziehen und hoffe auf einen baldigen Start eines ebensolchen Projekts in Deutschland!

Und lieber Waschmaschinen-Monteur und PC-Doktor: Sage nochmal jemand, dass eine Kaufdiät der Wirtschaft schadet! Wir haben in diesen 7 Wochen schon mit über 250 € qualifizierte handwerkliche Arbeit in diesem Land unterstützt!

 

 

 

Das Stopf-Ei

Es gibt Menschen in meiner Stadt, die allein durch ihr Barfuss-Laufen eine gewisse stadtweite Bekanntheit erreicht haben. Eine besorgte Freundin sah mich offenbar ebenfalls auf dem Weg dahin, denn in unserem Experiment hat sich ein kleines Problem aufgetan: Wie gehen wir mit Ersatzbedarf für löchrige Socken um?
IMG_0170_neu2Deswegen brachte mir der Osterhase (bzw. die besorgte Freundin) das nebenstehende Ei ins Haus. Eine Superidee, denn noch nie habe ich angesichts meiner löchrigen Strumpfhosen das Ende des Winters so herbeigesehnt. Manche konnte ich nur noch mit hohen Stiefeln tragen, auch Rocklängen spielten plötzlich eine Rolle.

Habt ihr eigentlich schon mal was gestopft? Ist es peinlich, dass ich mich jetzt als totale Stopfanfängerin oute? Dank Youtube konnte ich mich schnell in die Grundzüge des Stopfens einarbeiten und sah voller Bewunderung Videos von Kunststopferinnen, die die ollsten Wollpullover ganz fantastisch reparierten. Meine ersten gestopften Löcher sind von diesen Künsten leider weit entfernt. Aber ich konnte immerhin drei meiner dicken Strumpfhosen, diverse Kinderstrumpfhosen und ein paar Thermosocken so wieder voll einsatzfähig machen.

Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, wie schnell und einfach das eigentlich ging. Und mit etwas schlechtem Gewissen taucht vor meinem inneren Auge der Berg weggeworfener Socken und Strumpfhosen meines Lebens auf. Klar ist es finanziell fast egal, wenn 5 Paar Socken nur 6,99 € kosten. Aber seit ich weiß, dass ein T-Shirt 27.000 Liter Wasser in seiner Produktion verschlingt, ist der Wassersparduschkopf eigentlich ein Witz angesichts des Wasserverbrauchs, den meine Socken zu verantworten haben. Außerdem war ich von den Videos wahnsinnig beeindruckt (hier z.B. das Video zum löchrigen Pullover reparieren). Da hätte ich auch einige Kandidaten, die ich wegen kleiner Löcher nur noch hin und wieder zuhause anziehe und die eigentlich auf ihre Entsorgung warten. Aber wie viele Socken muss ich stopfen, bis ich so ein Profiniveau erreicht habe? Warum würdigt diese Kunst eigentlich niemand mehr und warum gibt es keinen Ort, wo ich meine Pullover kunststopfen lassen kann? Wann haben wir eigentlich angefangen, alles sofort wegzuwerfen?

Die Freundin erzählte mir zu dem Stopfei dann noch die folgende Geschichte: Ihre Mutter trennte früher kaputte Wollpullover auf und strickte aus der Wolle Neue. Kaufdiät gehörte da scheinbar noch zum Alltag.

Teekanne meines Lebens

Als ich sie vor fast 20 Jahren von meiner Mutter für meine erste eigene Wohnung geschenkt bekam, ahnte ich nicht, dass sie die Teekanne meines Lebens werden würde: Sie begleitete mich durch sämtliche WGs und lebte mit mir in sechs Städten. Wenn ich es recht bedenke, hat eigentlich jeder Mensch, der in meinem Erwachsenenleben eine Rolle gespielt hat, aus ihr Tee getrunken. Meine Teekanne ist länger bei mir als mein Mann.

IMG_0104Dank Kaufdiät sehe ich das zum ersten Mal so. Denn eigentlich ist sie nicht einmal besonders schön. Ehrlich gesagt, warte ich seit Jahren darauf, dass sie endlich kaputt geht. Bei jedem Besuch im Teeladen bewundere ich seit Jahren sehnsüchtig die dort ausgestellten Modelle und male mir aus, welche ich kaufen werde, wenn der Tag X endlich eintritt.

Letzte Woche war es endlich soweit: Der Korbhenkel gab endgültig den Geist auf. Jede weitere Verwendung wäre eine ernstzunehmende Gefahr gewesen. Klar, dass das nach 20 Jahren ausgerechnet in meiner Kaufdiät passieren musste. Egal, ich war gewillt, eine neue Teekanne zu den 12 auserwählten Gegenständen zählen zu lassen.

Schon beim Betreten des Teeladens merkte ich zu meiner Überraschung, dass es eigentlich keine Teekanne gab, die mir würdig erschien, die nächsten 20 Jahre mit mir zu teilen. Zur Ehrenrettung meines Teeladens muss ich sagen, dass alle dort ausgestellten Modelle meine olle Kanne an Design und Eleganz ganz außerordentlich übertrafen. Aber wenn man nur 12 Gegenstände im Jahr kaufen will, erhöhen sich plötzlich die Maßstäbe an den einzelnen Kauf. Und die unglaubliche Lebensdauer meiner Teekanne hatte den Teekannenkauf fast zu so etwas wie einer Lebensentscheidung gemacht: Welches Design würde mir in 20 Jahren immer noch gefallen? Absolut zeitlos musste es sein! Was mich außerdem zögern ließ: Die Teekanne meiner Wahl hätte sage und schreibe 65 € gekostet – das spricht ja eigentlich für den Laden – keine billige Massenware – aber 65 €??? Für eine Teekanne???

Also fragte ich – nur mal so zur Info – ob man eigentlich auch Henkel für Kannen nachkaufen kann. Aus einer Schublade in einem ihrer Schränke holte daraufhin die Verkäuferin einen wunderschönen Korbhenkel für 1,50 €. Damit ging ich nach Hause – irgendwie erleichtert, dass ich keine so schwerwiegende Lebensentscheidung mehr treffen musste. Und weil ich wegen meiner Kaufdiät erstmals darüber nachgedacht habe, wie verdammt lange mich diese Teekanne schon begleitet, hat sie plötzlich nochmal einen ganz anderen sentimentalen Stellenwert bekommen.