Zero Waste Philosophie

Eigentlich begann unsere Kaufdiät in gewisser Weise vor einem Jahr: Ein Artikel zu Plastikmüll in den Weltmeeren hatte mich so beeindruckt, dass ich den guten Neujahrs-Vorsatz fasste, unseren Plastikkonsum drastisch zu reduzieren. Schnell merkte ich, dass es ziemlich kontraproduktiv ist, plastikverpackte Produkte z.B. einfach durch Produkte im Glas zu ersetzen. Es wurde schnell deutlich, dass es eigentlich um einen ganzheitlichen Müllvermeidungs-Ansatz gehen muss. Spätestens nach der Lektüre der Zero Waste Vordenkerin Bea Johnson (Bea Johnson, Zero Waste Home, http://www.zerowastehome.com) wurde ich zur Jüngerin einer wachsenden Zero Waste-Bewegung.

Unseren täglichen Hausmüll haben wir über zahlreiche Veränderungen unseres Einkaufsverhaltens im Laufe des letzten Jahres immer weiter reduziert. So verursachen wir als 4-Personen-Haushalt z.B. derzeit nur noch 900 g Plastikmüll im Monat – mit abnehmender Tendenz, wir suchen immer noch für vieles nach neuen Lösungen.(Vielleicht werde ich hierzu auch hin und wieder etwas posten, wenn ich besonders begeistert von einem neuen Erfolg bin, aber eigentlich meine ich, dass es bereits genug sehr gute Blogs zum Plastikfreien Leben gibt, die mir auch erheblich weitergeholfen haben.)

Allerdings entsteht die große Ressourcenverschwendung nicht nur durch die täglich anfallenden Produktverpackungen. Es sind ja vor allem die vermeintlich langlebigeren Dinge, die unsere Wegwerfgesellschaft so problematisch machen: Die ständig neuen Handys, die Vielzahl an Elektrogeräten, die vielen Kleidungsstücke, Berge von Nippes…. Deswegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nach der Vermeidung von Verpackungsmüll für uns der nächste Schritt sein muss, überhaupt die Ansammlung von Gegenständen in unserem Besitz zu reduzieren. Denn aus jeder Neuanschaffung wird eines Tages Müll – aus vielen schon erschreckend schnell. Die Kaufdiät ist deswegen mein allmählicher Weg in den Minimalismus. Minimalismus ist für mich die beeindruckende Endstufe einer Zero Waste Philosophie. Mal sehen, wie weit ich auf diesem Wege komme. Ich glaube, mein Minimalismus-Weg wird deutlich vor der Luftmatratze auf dem Boden enden, das wäre mir doch zu häßlich und zu unbequem, aber doch hoffentlich sehr weit unter meinem derzeitigen Konsumniveau.

Und wie schon bei den Erfahrungen aus dem letzten Jahr mit meiner „Plastikdiät“ gilt für mich: Der Weg ist das Ziel. Erst durch all die mühsamen kleinen Einzelschritte und auch die Rückschläge ist aus einem zunächst simplen Einkaufsvorsatz eine Lebenshaltung geworden. Nach einem Jahr manchmal durchaus anstrengender „Plastikdiät“ muss ich sagen, dass ich mich so verändert habe, dass mir viele Selbstverständlichkeiten meiner Umgebung und meiner eigenen Vergangenheit völlig unverständlich geworden sind. Wie konnte ich nur jemals so gedankenlos so viel Müll produzieren? Vom Coffee to Go Becher-Unwesen über die Müllberge des ganz normalen Büro-Mittagessen-Take-Away-Wahnsinn bis zum Verpackungshorror im Supermarkt.

Das alles ist mir unglaublich fremd geworden: Weil ich erlebt habe, dass man sein Verhalten ändern kann und damit wirklich unglaubliche Einsparungen erzielt, ohne seinen Lebensstandard in irgendeiner Weise zu verschlechtern. Und wie einfach es ist, wenn man sich einmal geändert hat. Allerdings auch, wie anstrengend es ist, zunächst einmal seine Routinen zu durchbrechen.

Aber es lohnt sich! Der Lohn ist nicht nur der direkt messbare Erfolg (z.B. weniger Müll), sondern auch das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Das Gefühl, dass man wirklich etwas verbessert hat – sich selbst verbessert hat. Ich empfehle den Zero Waste Lebensstil also allen, die gern (schnelle) Erfolgserlebnisse haben möchten. Erfolgserlebnisse, die übrigens auch viel leichter zu erreichen sind als beim Sport oder beim Abnehmen!

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