Nutzen statt ausmisten (II)

Viele unserer Gegenstände sind im Grunde Langzeitarbeitslose. Sie sind irgendwann aus ihrem aktiven Erwerbsleben ausgeschieden, weil wir einen jüngeren Gegenstand eingestellt haben. Oder einen, den wir für qualifizierter halten. Oder es bestand einfach kein Bedarf mehr an ihrer Qualifikation. Statt diese bedauernswerten Dinge auszumisten, kann es sich auch lohnen, sich mit ihrer Wiedereingliederung zu beschäftigen. Hier also wieder ein paar unserer Erfahrungen, wie man Ausmistkandidaten wieder nutzen kann:

Erfolgreiche Wiedereingliederungen von arbeitslosen Gegenständen:

  1. alter Spiegel:
    zusammen mit einem fast ebenso alten Tuch über einem relativ hässlichen Hocker ergibt der Spiegel einen netten Beistelltisch. Damit konnten sogar drei Dinge zugleich erfolgreich wieder eingegliedert werden.
  2. Gewürzregal
    seit Jahren nicht mehr als solches im Einsatz, stand schon wiederholt auf der „Abschussliste“, ist auch schon etwas abgewrackt. Fand zunächst längere Zeit als Badeessenz-Aufbewahrungssystem neben der Badewanne einen neuen Verwendungszweck und ist jetzt in der neuen Wohnung zum Zeitschriftenständer mutiert, nachdem ich in einem Vintageladen sowas ähnliches gesehen hatte (muss nur noch an die Wand gedübelt werden, sobald ich mir über den genauen besten Platz klar geworden bin).
  3. alte Plastik-Spielzeugkisten
    stammen noch aus meiner Kindheit (man beachte den Original Thomas-Häßler-Aufkleber aus dem WM-Jahr 1990!), haben bei meiner Schwester irgendwo in staubigen Ecken überlebt und sind bei Weihnachtsbesuchen getarnt als Krams- und Geschenketransportmittel diskret in unseren Haushalt hinein ausgemistet worden. Dienen jetzt wieder der Spielzeugaufbewahrung. Sie sind nicht schön und aus Plastik. Aber sie sind nach über 30 Jahren noch voll einsatzfähig – eine Lebensdauer, die man von den schicken plastikfreien Bastkörben, die wir im Kinderzimmer sonst im Einsatz haben, leider nicht erwarten kann. Kaputte Körbe (< 3 Jahre alt!) werden deshalb jetzt mit meinen Uralt-Spielzeugkisten erfolgreich ersetzt.
  4. der uralte Wecker, ersetzte eine Zeit lang die kaputt gegangene Küchenuhr und ist nun seit kurzem auch wieder als Wecker im Einsatz, weil sich die Kinder plötzlich einen Wecker gewünscht hatten.
  5. die Babybadewanne: wollten wir schon öfters an werdende Eltern verschenken, wollte aber glücklicherweise nie jemand. So kann sie jetzt die Stelle des kaputt gegangenen Wäschekorbs einnehmen. Leider ist sie etwas sperrig und nicht so schön zusammenzuklappen. Aber eigentlich geht es so ja auch…

Also es lohnt sich, immer wieder mal seine alten Bestände zu sichten und frei gewordene Stellen mit ehemaligen Langzeitarbeitslosen zu besetzen!

 

Sharer oder Schnorrer

Nutzen statt Besitzen soll ja der neue Trend sein. Sich was vom Nachbarn leihen, heißt jetzt „Sharing Economy“ und klingt damit gleich irgendwie viel hipper. Und wenn man weniger kaufen will, ist das wirklich eine verlockende Alternative. Theoretisch zumindest. Praktisch gesehen hat die Sharing Economy ihre ganz eigenen Herausforderungen.

Unser letzter Sharing-Versuch betraf eine Skibrille für die Kinder. Wir sind keine Skifahrer, sind aber trotzdem auf ein Hüttenwochenende mitgefahren, weil so viele nette Freunde dabei waren. Also musste zumindest für die Kinder, die mit ihren Freunden einen Skikurs machen wollten (wir boykottieren diesen Sport weiterhin) etwas Equipment aufgetrieben werden. Gekauft werden sollte natürlich nichts und in der Online-Ausleihliste der Skischule kamen Skibrillen leider nicht vor.

Da viele befreundete Familien bei dem Wochenende dabei waren, schieden gleich mal eine ganze Reihe weiterer potentieller Ausleiher aus. Also mussten wir mit unseren Anfragen schon auf den weiteren Bekanntenkreis ausweichen. Wir haben ein recht ausgedehntes soziales Netzwerk. So ausgedehnt, dass wir es (wie vermutlich alle Alltags-gestressten Familien) nicht immer schaffen, so kontinuierlichen Kontakt zu halten, wie wir das gern würden und es all diese lieben Menschen auch verdient hätten. Beim Scannen meiner Handy-Kontaktliste nach potentiellen Skibrillen-Verleihern schränkte diese Überlegung die Auswahl gleich weiter ein. Seit Monaten nicht gemeldet, immer noch nicht wie geplant zum Erstbesuch in die neue Wohnung eingeladen, neulich erst wieder eine liebe Einladung wegen Terminüberschneidung mit irgendwas anderem abgesagt und jetzt wegen einer Skibrille andackeln?

Da kam es mir dann doch konsequenter vor, das Problem als echte Sharing-Lösung anzugehen und Leute anzufragen, mit denen man eigentlich weniger zu tun hat. Zum Beispiel andere Kindergarten- oder Mitschülereltern. Also fragte ich immer wieder mal ungezwungen, wen ich so traf und stellte fest, dass es doch mehr Nicht-Skifahrer gibt, als ich erwartet hatte. Die Zeit bis zur Hütte wurde knapper, die Frage der Skibrille stresste mich zunehmend und zwang mich zu einer Intensivierung meiner Sharing-Versuche. Also schrieb ich SMS mit meiner Frage an Menschen, die eigentlich nicht zu meinem engsten Bekanntenkreis gehören. Also auch an Menschen, die sich vielleicht über so eine Anfrage etwas wundern könnten. Das kostete wirklich einige Überwindung und ich fühlte mich ehrlich gesagt wie ein Schnorrer. Ich kann ja schlecht allen schreiben, hör mal, wir machen eine Kaufdiät und können uns zwar natürlich selbst auch eine Skibrille leisten, aber wegen unserer Regeln… und halten darüber hinaus die Anschaffung für einen so gelegentlichen Einsatz wie unseren für ökologischen Unsinn. Das alles ist ja schließlich nicht das Problem unserer Bekannten, für die so ein Verleihen ja auch mit etwas Aufwand verbunden ist: SMS beantworten, Termin zu Übergabe und Rückgabe finden, Skibrille rauskramen.

Damit ich mich nicht ganz so aufdringlich fühlte, fragte ich erst bei Leuten an, denen ich auch schon mal Gefallen getan hatte. Aber auch das fühlte sich irgendwie seltsam an, so als würde ich das jetzt ausnutzen. Ich bin ein sehr hilfsbereiter Mensch, aber umso schwerer fällt es einem vielleicht, um irgendeine Form von „Gegenleistung“ zu bitten. Obwohl es ja eigentlich keine Gegenleistung sein soll, sondern einfach nur ein Gefallen, nämlich eine blöde Skibrille, die bei irgendwem ja sowieso dieses Wochenende ungenutzt rumgelegen wäre.

Ich weiß nicht, wie die anderen Leute meine Anfragen empfunden haben. Ich jedenfalls finde Sharing Economy zwar theoretisch wahnsinnig sinnvoll, aber praktisch auch wahnsinnig anstrengend. Organisatorisch, logistisch und emotional. Ich bin deswegen sehr dankbar, dass aus der Sharing Economy zunehmend eine echte „Economy“ zu werden scheint. Meine Lieblingslösung sind kommerzielle Angebote. Beim Car-Sharing muss ich niemand um sein Auto anbetteln. Beim Verleih der Skischule kann ich einfach ohne schlechtes Gewissen buchen. Da bin ich Kunde und kein Schnorrer.

Oder wir müssen nochmal anders über das Thema nachdenken. Wie kann private Sharing Economy so organisiert werden, dass man sich nicht als Schnorrer fühlen muss? Plattformen wie Leih-Dir-Was sind deswegen echt genial, aber noch zu wenig genutzt: In 20 km Umkreis zu uns gabs keine einzige Skibrille zu leihen.  In unserer ganzen Stadt (immerhin eine Großstadt mit mehreren Hunderttausend Einwohnern) gibt es dort aktuell nur drei Sportgeräte und 14 Werkzeuge zu leihen (7 davon von einem Überzeugungstäter aus einer kleinen Umlandgemeinde eingestellt). Dagegen kein einziges Elektrogerät! Kein einziges Kostüm! Wir leben in einer Sharing-Wüste!

Das ist schade, denn der Unterschied ist, dass man dort aktiv selbst seinen Verleih-Willen kundtut. Das erspart der Gegenseite die Bitte und macht Sharing damit erst wirklich attraktiv. Ich habe mir vorgenommen, dass wir dort jetzt auch das ein oder andere einstellen, um das Angebot in unserer Stadt mal etwas auszuweiten. Und damit wir von Schnorrern zu Sharern werden.

Die Skibrille, die wir schließlich ausgeliehen haben, haben wir dann übrigens gar nicht gebraucht. Das Wetter war nämlich zu schlecht zum Skifahren. Auf der Hütte wars trotzdem schön. Und die Brillenverleiherin hat Pralinen von uns Schnorrern als Dankeschön bekommen.

Ist doch noch gut… Oder: Lebenslange Haft für (Innen-)Architekten

Sechs Stunden Zugfahrt liegen vor mir. In den Bahnhof rollt ein uuuuralter IC. Ich rolle mit den Augen: War ich geistig umnachtet, als ich unser Sekretariat bat, diesen Zug zu buchen? Warum habe ich keine ICE-Verbindung ausgesucht? Ich dränge mich über ausgetretene, staubfarbene Gänge in den Großraumwagen, der den Mief von gefühlt 20 Jahren ausstrahlt. Bin ich nicht in genau diesem Zug das erste Mal in den Semesterferien heimgefahren? Damals war er aber noch schick und modern. Wagen 10 ist gesperrt: Die Klimaanlage ist ausgefallen. Rote Absperrbänder versperren die Sitze. In Wagen 9 finde ich Platz und lasse mich genervt auf den Sitz plumpsen. Der zumindest scheint zwischendurch auch mal neu bezogen worden zu sein.

Aus dem Zug wechsle ich in den Mief einer Behörde. Schöner Altbau. Die Innenausstattung aber leider 80er Jahre. Graue Linoleumböden. Braune Teppichböden. Braune Türen. Wir schlurfen durch endlose karge Behördengänge. An Hässlichkeit kaum zu überbietende Deckenbeleuchtung. Yeah, die ideale Umgebung für einen energiegeladenen, innovativen und inspirierenden Workshop. Das können ja tolle zwei Tage werden…. Die Veranstalter entschuldigen sich zur Begrüßung für das Ambiente und das Fehlen einer vernünftigen Klimatisierung. Eine Sanierung sei des Baus sei fällig und auch in mittlerer Zukunft geplant.

Nach einer Stunde Workshop ist das alles vergessen: Die Themen haben uns gepackt, die Diskussion ist angeregt. Interessante Leute da. Auch die Toiletten mit dem Charme einer Schultoilette trüben die Stimmung nicht.

Jetzt sitze ich wieder im Zug zurück. Es ist wieder ein alter IC. Gefühlt derselbe, der mich hergebracht hat. Aber diesmal ist es mir völlig egal. Der Sinneswandel kommt von dem zweitägigen Workshop zum Thema Abfallvermeidung in Unternehmen, an dem ich teilgenommen habe. Sogar ich – Zero Waste Schülerin und konsumverzicht-erprobt – habe erst wieder diesen gedanklichen Anstoß gebraucht, um mir klar zu machen, dass es eigentlich Sinn macht, Dinge so lange wie möglich zu nutzen. Sogar die Hässlichen. Den alten Zug solange wie möglich in Betrieb zu lassen. Die Räume auch mit ihren hässlichen Türen und Böden solange wie möglich weiter zu nutzen. Wie viele Tonnen Bauschutt würde allein ein Auswechseln der Türen und Böden verursachen? Das Verschrotten aller alten ICs?

Dabei – eigentlich, genau genommen – ist das alles doch nicht so wichtig. Ist doch noch gut…. Ein gutes Buch im Zug, gute Gespräche mit netten Menschen – das kompensiert die uninspirierteste Umgebung. Vielleicht sollten wir hier wieder das Wesentliche sehen und bei manchen Aspekten Abstriche von unseren hohen Erwartungen und Standards machen?

Aber die (Innen-)Architekten und vor allem auch die Bauherren, die solche Räume verbrochen haben, möchte ich doch zu gern einmal zu lebenslanger Haft in den von ihnen gestalteten Räumen verurteilen!  Ich freue mich auf meine Wohnung. Unsere Türen sind über 150 Jahre alt. Und wirklich niemand käme auf die Idee, dass sie ersetzt werden müssten. Wegen dieser Türen könnten unsere Vermieter für die Wohnung vermutlich sogar einen Mietaufschlag verlangen. Der Schreiner hat mit diesen Türen echte und dauerhafte Werte geschaffen.

In der Schule meines Sohnes (Altbau) liegt auf allen Gängen und in vielen Klassenzimmern noch das alte Fischgrätenparkett. Vermutlich ist es uuuralt, denn ist kaum vorstellbar, dass in den letzten 70 Jahren jemand Parkett in einem Schulgebäude verlegt hat, oder? Es könnte bei Gelegenheit mal wieder abgeschliffen werden. Ist aber auch im jetzigen Zustand wunderschön. Keiner kann mich überzeugen, dass Linoleum langlebiger und widerstandsfähiger ist als ein Parkett, das Jahrzehnte der Belastung in einem Schulgebäude standhält.

Warum bauen wir nicht mehr so? Weil braune Schundtüren und Linoleum billiger sind? Sicher nur, weil heute leider niemand mehr annimmt, dass wir eine Tür für 150 Jahre bauen. Weil wir so bauen, wie wir konsumieren: So als würden wir ja ohnehin in wenigen Jahren wieder die Türen auswechseln. Ohne Sinn und Verstand bauen wir heute schon am hässlichen Müll von morgen. Den braunen Schund will in dreißig Jahren schon niemand mehr sehen. Also dürfte eine schöne, langlebige Tür wie die unsere – um konkurrenzfähig zu sein – rein rechnerisch fünfmal so teuer sein. Geld für die gelegentliche Wiederaufbereitung nicht eingerechnet – von den anderen Türen müsste man ja im selben Zeitraum fünf Mal Neue einbauen. Warum rechnet man nicht mehr so?

Und was machen wir solange mit all diesem Schund, während wir ihn geduldig und tapfer weiter nutzen, um tonnenweise Müll zu vermeiden? Da ist jetzt echte Kreativität gefragt. Ein künstlerisches Wunder. Lasst bitte Künstler die Behörden stürmen und gestalten. Das ist immer noch billiger als alles auszuwechseln. Und schafft Arbeitsplätze für eine leider zu unrecht völlig unterbezahlte Gruppe von Fachkräften. Und trägt vielleicht einen unerwarteten Hauch von Kreativität in deutsche Behördenflure. Aber vielleicht ist die Hässlichkeit ja auch politisch gewollt? Ist es das Ziel, Beamte durch möglichst eintönige Umgebung zu größtmöglicher Abstumpfung und Duldsamkeit zu erziehen? Vielleicht wäre zu viel Kreativität in diesem Kontext zu gefährlich? In diesem Fall müsste man sagen: Künstler und Beamte aller Länder vereinigt Euch!

PS: Ich habe der Deutschen Bahn unrecht getan. Wie ich der Lektüre des Bahnmobil-Magazins entnahm, werden die Züge alle 5-6 Jahre runderneuert. In einem Beitrag waren ausführlich alle ICE und IC-Typen sämtlicher Jahrgänge aufgezählt inkl. ihrer letzten Erneuerung. Na ja, die von mir diesmal genutzten gehörten dann vermutlich zu der Reihe, wo das mal wieder fällig wäre. Oder nein: Ist ja noch gut… Notfalls gehts schon noch ne Weile…

 

 

Das zweite Jahr der Kaufdiät

Gerade habe ich gelesen, dass man seine Erfolge ausgiebig feiern soll. Also: Juhuu, wir haben ein Jahr Konsumverzicht geschafft! Nicht ganz ohne Fehltritte, aber – wie wir finden – keine wirklich Gravierenden. Ansonsten haben wir tatsächlich für die gesamte Familie nur 12 Dinge angeschafft, eines jeden Monat.

Eine alternativlose Anschaffung war die Lesebrille. Vier Kleidungsstücke mussten außerdem unausweichlich ersetzt werden: Zwei Mäntel (hier die Geschichten von Mantel 1 und Mantel 2) und zwei Jeans (unser Jeansleiden wurde hier und hier ausführlich thematisiert), drei Dinge (ein Bett, ein Fahrrad und ein Helm) mussten für die Kinder gekauft werden, weil sie aus  den Vorgängermodellen herausgewachsen bzw. ins Radelalter hineingewachsen waren, ein Technikgadget (WLan-Stick) musste wegen Defekt ersetzt werden, obwohl wir zwei Monate tapfer verzichtet und mit Hilfe eines LAN-Kabels gekämpft hatten (siehe hier), bis wir feststellten, dass unser Drucker nur über WLAN funktioniert.

Zwei Anschaffungen betrafen unsere Hobbies und waren für den vereinsmäßigen Sport unausweichlich (Schlittschuhe, Judoanzug). Und schließlich: Eine Luxus-Weihnachts-Belohnung für unseren ständigen Verzicht und zur weiteren Motivation haben wir uns gegönnt: Einen Sammler-Comic für den geduldigsten Ehemann von allen.

Auf vieles, vieles andere haben wir sehr tapfer verzichtet – die Liste ist fast zu lang, um sie hier wiederzugeben. Vom Toaster über die Sonnenbrille, von Schuhen bis zu Kleidungsstücken, auf Teller, Handtaschen, Kamera und all die weiteren zahllosen Dinge, die uns im Laufe unseres ersten Kaufdiät-Jahres kaputt gegangen sind sowie auf zahllose weitere Dinge, die wir trotz Bedarf (noch) nicht angeschafft haben (z.B. Lampen oder eine Garderobe für die neue Wohnung).

Hier ist es oft ein Aufschieben von Käufen: Gekauft wird immer das aktuell dringlichste, alles andere wird von Monat zu Monat aufgeschoben. So schieben wir eine Reihe von Ersatzbedarfen vor uns her und überbrücken die Monate weiter mit unseren (teilweise recht abgewrackten) derzeitigen Lösungen. Beispiele sind z.B. mein sich auflösender Geldbeutel, mein 5 Jahre altes, inzwischen immer häufiger abstürzendes Handy, massiv alternde  Schuhe, Kleidungsstücke, Socken, Unterwäsche, Handtücher, Waschlappen, Bademäntel, Bettwäsche…

Wenn ich anfange im Einzelnen darüber nachzudenken,  kommen mir Zweifel, ob 12 Gegenstände pro Jahr für vier Personen dauerhaft wirklich ausreichen, um die dringendsten Löcher zu stopfen bzw. die wichtigsten kaputt gehenden Dinge zu ersetzen. Im ersten Jahr geht das vermutlich wesentlich besser als bei einer auf Dauer angelegten Kaufdiät. Dennoch haben wir uns entschlossen, weiter zu machen. Denn wir wollen ja auch zu einem Weniger gelangen. Wir wollen herausfinden, auf was wir verzichten können. Hier hat uns die Kaufdiät im letzten Jahr die Augen geöffnet für all das, was wir zu brauchen glaubten, worauf wir dann aber doch wunderbar verzichten konnten.

Die Kaufdiät hat uns viele Zwänge auferlegt, aber auch große Freiheit geschenkt: Läden, Sonderangebote und neue Dinge haben völlig ihren Reiz für uns verloren. Es war wirklich wie ein Entzug, auch mit anfänglichen Entzugserscheinungen, aber nun sind wir völlig „clean“. Wir sind unabhängiger von vielem geworden, kreativer im Finden von alternativen Lösungen, durch ständiges Kaputtgehen hat sich unser Haushalt wunderbar selbst ausgemistet und wir haben Spaß an unserer Kaufdiät gefunden.

Für das zweite Kaufdiät-Jahr habe ich mir vorgenommen, das Thema Geschenke noch zu optimieren. Hier haben wir bislang noch Ausnahmen gemacht, um sozial halbwegs anschlussfähig zu bleiben. Ich arbeite gerade daran, einen Fundus an schönen selbstgemachten Geschenk(ide)en aufzubauen, um auch hier weniger kaufen zu müssen.

Eine einzige Regel möchten wir für unser zweites Kaufdiät-Jahr aber noch anpassen und eine weitere Ausnahme zulassen: Wir möchten Bücher von der Kaufdiät ausnehmen. Wir sind ein bibliophiler Haushalt und ich habe dieses Jahr auf viele Bücher verzichtet, nämlich alle, die ich gern lesen wollte und die es in der hiesigen Bücherei nicht gab. Und das waren eine Menge! Ich hatte zunächst vor, komplett auf e-Books umzusteigen. Vielleicht tue ich das auch noch und schaffe mir ein entsprechendes Gerät an. Aber dennoch möchte ich uns den Weg zu Büchern wieder frei machen. Ich will meinen Kindern Ronja Räubertochter vorlesen (gibts nicht in der Bücherei), ich will Bücher von Nico Paech lesen (gibts nicht in der Bücherei), ich will Bücher von Gerhard Schweizer zu Syrien und Irak lesen (gibts nicht in der Bücherei), ich will Mitglied bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt bleiben (wo ich jedes Jahr ein Buch bestellen muss und will), ich will im Antiquariat zuschlagen können, wenn  ich eine Gesamtausgabe von Will Durants „Kulturgeschichte der Menschheit“ sehe, die vergriffen ist und bestimmt nie mehr vollständig aufgelegt wird.

Bücher sind ein wirklich wünschenswertes Konsumgut, in ihrem Beitrag zum Müllberg überschaubar und ich will Autoren und Verlage durch den Kauf ihrer Bücher unterstützen. Außerdem leihe ich nicht gern Bücher, weil ich gute Bücher immer wieder lese. Und ich finde, dass Kinder – besonders wenn sie gerade ins Lesealter kommen – für Bücher begeistert werden müssen und sich in der Buchhandlung immer wieder was aussuchen dürfen. Kurz: Ich kann mir vorstellen in allem minimalistischer zu werden. Außer bei unserer Bibliothek! Die soll und darf bitte weiter wachsen…

Wo kommt all das Plastik her und hin?

Allen Lesern, die sich das wie ich immer wieder einmal fragen, sei dieser aktuelle Artikel in der Wirtschaftswoche empfohlen! Ein super Überblick über das woher und wohin all unseres Plastikmülls.

Folgende Zahlen haben mich dabei besonders schockiert, aber auch ungemein zu weiteren Plastikvermeidungsschritten motiviert:

1960 wurden nur 15 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. 2014 waren es schon 311 Millionen Tonnen. Für 2050 sind 1124 Millionen Tonnen prognostiziert! Gruselig!!!!

Plastik

Auch die Tatsache, dass 40 % der Plastikproduktion auf Verpackungen entfällt, die fast sofort wieder im Müll landen, sowie 20 % auf Konsumprodukte ist sehr aufschlussreich. Ich finde, das zeigt, dass man selbst schon einiges tun kann, um es nicht zu 1124 Millionen Tonnen kommen zu lassen.

35 % des Mikroplastiks im Meer stammt übrigens aus Textilien. Die Menge entspricht einer Plastiktüte pro Woche pro Person. Oder pro Jackenwaschgang bis zu 1,7 Gramm.

Hier kann ich also noch nachbessern. Ich muss das Thema Textilien unter diesem Blickwinkel nochmal neu bewerten. Das habe ich bislang irgendwie noch wenig im Blick gehabt. Gut, dass wir dank Kaufdiät ja ohnehin nur noch wenig Kleidung kaufen. Denn ich finde es gar nicht so einfach, plastikfreie Kleidung zu finden. Als zweite Sofortmaßnahme habe ich mir überlegt, manche Dinge weniger zu waschen. Gerade Kindersachen (und hier am meisten die plastiklastigsten Matschhosen und Jacken) sind ja eigentlich ständig dreckig. Man könnte sie im Grunde täglich waschen, was aber gleichzeitig auch wieder sinnlos ist, weil sie ja ohnehin schon am nächsten Tag wieder genauso aussehen. Also liebe Eltern: Mehr Schmutztoleranz im Auftreten unserer Kinder ist gefragt. Das macht ja auch weniger Arbeit und das noch mit einer tollen ökologischen Begründung. Endlich hat Plastikvermeidung auch mal eine bequeme Seite!

Wiedermal ein Beitrag für die Einab-Blogparade – schaut Euch da doch auch mal um, da gibts immer wieder tolle Tipps zum nachhaltigeren Leben:

Logo-einab

 

Bis dass der Tod uns scheidet: Dinge, die ich in meinem Leben nie wieder kaufen muss

Da die Kaufdiät die Zahl kaufbarer Gegenstände stark limitiert, sind wir froh um jeden Gegenstand, den wir voraussichtlich nie wieder kaufen müssen. Es gibt tatsächlich viele Gegenstände in unserem Haushalt, bei denen ich mir relativ sicher bin, dass ich sie im Leben nicht mehr neu kaufen muss. Deswegen hier einmal mein aktuelles Gedankenspiel: Welche Gegenstände in meinem Haushalt werden mich für den Rest meines Lebens begleiten?

  1. Kamm und Bürste:
    Wir besitzen Kämme in so zahlreicher Ausführung, dass ich bestimmt nie wieder im Leben einen neuen kaufen muss. Ich stelle mir also vor, wie ich eines Tages im Altenheim mein ausgedünntes weißes Altershaar mit einem der Kämme kämme, die ich jetzt bereits in der Schublade habe. Eigentlich bräuchten auch meine Kinder in ihrem Leben niemals einen Kamm zu kaufen. Wir haben mindestens für jeden einen. Und eigentlich sind die doch fast unzerstörbar. Eine etwas geringere Lebensdauer messe ich den beiden Bürsten zu, die ich besitze. Aber auch diese beiden sollten eigentlich für den Rest meines Lebens reichen.
  2. Tassen:
    Wir haben eine so große Zahl von Tassen zur Auswahl, dass sie – selbst wenn immer wieder mal einige kaputt gehen – locker bis an mein Lebensende reichen sollten. Einige meiner jetzigen Tassen sind bereits weit über 20 Jahre alt.
  3. Couchtisch:
    Wir besitzen einen Couchtisch aus Massivholz. Ich sehe nicht, was an diesem Tisch jemals kaputt gehen oder ihn unbenutzbar machen sollte. Die Platte haben wir schon einmal abgeschliffen, danach war der Tisch wieder wie neu. Ich muss also nun wohl damit leben, dass dies der Couchtisch meines Lebens ist.
  4. Rührschüsseln:
    Hier habe ich mich vor unserem Konsumverzicht einmal bei Tchibo verführen lassen und deswegen ein Set aus 2 großen und zwei kleinen bunten Plastikschüsseln im Schrank. Außerdem gibt es noch diverse weitere Schüsselchen in unserem Haushalt, die weitere Käufe für den Rest meines Lebens unnötig machen. Deswegen wird vermutlich auch der Kuchen, den ich anlässlich meines Renteneintritts eines Tages für meine Kollegen backen werde, genau in dieser pinken Rührschüssel angerührt werden.
  5. Besteck:
    Ich habe einmal in ein ordentliches Marken-Besteckset investiert. Das war eine tolle Investition, an der ich immer noch täglich Freude habe. Ich gehe davon aus, dass diese hochwertigen Markengabeln, -löffel und -messer mich noch überleben werden. Sollte doch mal ein Teil verloren gehen, werde ich sicher auch mit weniger Exemplaren durchs Leben kommen.
  6. Verlängerungskabel:
    In unserem Schrank findet sich ein Kabelsalat aus verschiedensten Mehrfachsteckern und Verlängerungskabeln. Das liegt daran, dass es in unserer alten Wohnung in zwei Zimmern nur je eine einzige funktionierende Steckdose gab, was einiges an abenteuerlichen Kabelkonstruktionen erforderlich machte. Ich gehe davon aus, dass selbst wenn ich jemals wieder in eine solche Wohnung ziehen sollte, ich dennoch nie mehr neue Kabel brauchen werde.
  7. Ein Auto:
    Als Studentin hatte ich mal zwei Jahre ein Auto, um zu einem im ländlichen Raum gelegenen Planungsbüro zu fahren, in dem ich damals arbeitete. Dieses Auto habe ich damals mit einer anderen Studentin geteilt. Dann waren ich und der geduldigste Ehemann von allen viele Jahre ohne Auto glücklich und zufrieden. Für Urlaube und ähnliches nutzten wir Mietwagen. Seit drei Jahren sind wir noch zufriedenere Car-Sharing-Nutzer. Ich gehe mal davon aus, dass sich die inzwischen ohnehin schon tollen Sharing-Angebote immer weiter verbessern werden. Deswegen sehe ich für mein Leben für mich persönlich keine Notwendigkeit, jemals wieder ein eigenes Auto zu haben.
  8. Mülleimer:
    Wir haben Mülleimer für verschiedene Abfalltypen. Für neue Abfallfraktionen (wie jetzt in unserer neuen Wohnung Biomüll) haben wir andere gut nutzbare Behältnisse gefunden. Mit dem Einbau unserer neuen Küche gab es – ich gebe es zu – einmal eine kurze Versuchung, jetzt zu der neuen Lösung auch wieder genau passende Eimer vom Möbelschweden zu besorgen. Zumal inzwischen – dank unserer Zero Waste Bemühungen – kleinere Eimer ausreichend wären. Aber es war mir dann doch zu absurd, angesichts unserer Kaufdiät und unserer Zero-Waste-Aktivitäten ausgerechnet neue Mülleimer zu besorgen (nur damits im Schrank schöner aussieht und auch wenn die dann kleiner wären). Inzwischen bin ich entschlossen, in meinem Leben nie wieder einen neuen Mülleimer zu kaufen. Eher werde ich versuchen, den Müll weiter radikal zu reduzieren. Der einzige neue Mülleimer, der jemals wieder in meinem Leben denkbar wäre, wäre ein Windeleimer für meine alten Tage. Aber das dauert hoffentlich noch solange, dass ich dafür die Windeleimer meiner Enkel übernehmen kann….
  9. Plätzchenformen:
    Wir besitzen alle denkbaren und wünschenswerten Plätzchenbackformen. Wegen einem Sonderangebot (vor Kaufdiätzeiten!) sogar noch einen zweiten Satz. Das reicht den Rest meines Lebens.
  10. Wischmobs:
    Ich besitze drei verschiedene Typen von Wischmobs in drei Größen (einmal klein, einmal Profi, einmal speziell für Parkettböden). Sollte davon mal einer kaputt gehen, bleiben immer noch zwei. Ich bin daher entschlossen, den Rest meines Lebens mit genau diesen Wischmobs zu wischen.

 

Das war jetzt nur eine Auswahl von Gegenständen, die mir beim ersten Nachdenken so IMG_1304eingefallen ist. Ich bin sicher, es gäbe noch viel mehr Dinge. Was mich bei diesem Gedankenspiel eigentlich am meisten frappiert, ist die damit verbundene Endgültigkeit von bestimmten Kaufentscheidungen. Diese Ernsthaftigkeit legen wir bei einer Kaufentscheidung allerdings so gut wie nie an den Tag.

Wir denken beim Tchibo-Angebot nicht daran, dass uns genau diese Rührschüsseln ein Leben lang begleiten sollen. Wir gehen immer davon aus, dass wir ja jederzeit wieder etwas Anderes kaufen können. Weil diese Dinge so billig sind, nehmen wir sie unreflektiert einfach mal mit, ohne uns zu fragen, ob wir wirklich unser Leben mit ihnen verbringen wollen. Und das ist eigentlich die Frage, die wir uns vor dem Kauf stellen sollten, denn warum sollten wir Produkte ersetzen, die mutmaßlich mühelos unser ganzes Leben halten können? Damit einher geht (leider) auch die Erkenntnis, dass unser Haushalt wohl nie plastikfrei werden wird, weil unsere bestehenden Plastikprodukte uns vermutlich überleben werden.

Hier haben wir in unserem Leben einfach schon zu viele schlechte Kaufentscheidungen getroffen. Ich hätte viele dieser kleinen Produkte sicher viel bewusster ausgewählt, wenn ich damit gerechnet hätte, dass sie mich begleiten sollen bis dass der Tod uns scheidet. Wirklich gut gekauft habe ich unter diesem Blickwinkel eigentlich nur das Besteck und den Couchtisch (obwohl mir manchmal ein kleinerer inzwischen lieber wäre, aber das liegt glaube ich vor allem an aktuellen Einrichtungstrends).

Deswegen werde ich dieses Gedankenspiel jetzt öfter spielen und mich vor allem bei (unseren wenigen) Neukäufen fragen: Ist das nun wirklich das Produkt meines Lebens? Oder wird es dann nicht doch eine hochwertigere, schönere Variante? Gleichzeitig ermöglicht mir das Gedankenspiel ganze Kaufhausabteilungen aus meinem Gehirn auszublenden, weil sie mir für den Rest meines Lebens nichts mehr bieten können. Warum sollte ich noch jemals einmal einen Blick auf das Kamm- und Bürstenangebot eines Drogeriemarkts werfen? Und weil wir ja nur noch so wenige Dinge kaufen möchten, sollten wir eigentlich auch genügend Zeit haben, jedes einzelne Ding entsprechend sorgfältig auszuwählen.

Drohende Verstaubung

Wir drohen Opfer eines Staubsturms zu werden. Wenn die Kinder über den Teppich sausen oder auf dem Sofa hüpfen wird es besonders brisant. Denn jetzt hat also auch noch unser Staubsauger sein Leben ausgehaucht. Plötzlich gab er nur noch ein schwaches Säuseln von sich. Das brachte mich zu der Frage, ob wir eigentlich einen Staubsauger brauchen?

Bis vor ca. 7 Jahren hatten wir gar keinen. Wir hatten damals 1) keinen größeren Teppich und 2) ein Sofa, dessen Bezug man abnehmen und waschen konnte. Dann kam der kleine Tiger zur Welt, wir wurden dadurch zwangsläufig häuslicher und fanden, ein großes Liegewiesensofa muss her und ein warmer Teppich davor. Eigentlich ausschließlich zum Saugen dieser beiden Gegenstände kam dann der erste Staubsauger in unseren Haushalt. Auch so eine Kaufdiät-Erkenntnis: Jedes Dings macht oft ein anderes Dings erst erforderlich.

Also könnten wir uns fragen: Braucht man Teppiche? Wir haben einen wunder-, wunderschönen Holzboden in unserer Wohnung. Ironischerweise brauchen wir genau deswegen plötzlich mehr Teppiche als in unserer früheren Wohnung. Einige unserer Holzböden sind nämlich extrem empfindlich. Leider besonders der im Kinderzimmer. Der Boden ist 150 Jahre alt. Wir wohnen nicht mal drei Monate hier und ich habe bereits ernste Sorgen, dass er unsere Kinder nicht mehr überlebt. Dieser Boden wurde einfach nicht für Legosteine, Spielzeugautos und fahrbare Playmobilpiratenschiffe gemacht. Freundlicherweise hat uns unsere Vermieterin, die ihre eigene Wohnung mit Teppichen so gepflastert hat, dass man keinen Quadratzentimeter des wunder-, wunderschönen Holzbodens mehr sieht, einen ihrer zahllosen riesigen Teppiche geschenkt. Er ist so riesig und so schwer, dass leider auch die folgende Überlegung uns nicht weiterhilft:

Braucht man für einen Teppich unbedingt einen Staubsauger? Vor unserem Auszug aus der alten Wohnung habe ich unseren Teppich auf dem Weg zum Möbeltransporter einmal über die Teppichstange im Hof gehängt und geklopft. Nach einem halben Asthmaanfall in der Staubwolke nach den ersten 10 Klopfern wurde der rote Teppich plötzlich ganz grau. Das war der Staub, der sich aus dem Hochflor allmählich nach oben arbeitete. Der Teppich war übrigens ausgiebig frisch gesaugt. Ich habe daraufhin die Abschaffung von jeglichen Teppichen ernsthaft erwogen. Nun ja, jetzt haben wir sogar einen mehr, den wir aufgrund seiner gigantischen Dimensionen kaum von der Nachbarwohnung in unsere hieven konnten, geschweige denn zum Klopfen jede Woche aus dem vierten Stock zur Teppichstange und zurück. Also ganz ohne Staubsauger geht es nicht.

Auch unser Sofa wollen wir jetzt nicht abschaffen und durch ein Ledersofa ersetzen.

Eine weitere Überlegung wäre eine Sharing-Lösung. Warum brauchen wir eigentlich einen eigenen Staubsauger, wo wir doch höchstens einmal die Woche zwei Teppiche und ein Sofa damit absaugen? In unserer früheren Wohnung hätten wir ein so gutes Verhältnis zu Nachbarn gehabt, dass wir sie im Rahmen einer kleinen Einladung zu einem abendlichen Bierchen wahrscheinlich mühelos von den Vorteilen einer solchen Lösung überzeugt hätten. Aber hier sind wir im Haus noch neu und haben gerade von unserer Vermieterin einen Teppich geschnorrt. Da will ich jetzt nicht gleich wieder wegen einem Staubsauger-Sharing andackeln. Und die anderen Nachbarn sollten wir vielleicht auch erstmal ohne Staubsauger-Anfrage etwas kennenlernen.

Also habe ich mich um eine Reparaturmöglichkeit gekümmert und dabei zweierlei gelernt: Dass es nämlich erstens, auch wenn wie in unserem Fall das letzte Repaircafé gerade drei Tage vor dem Hinscheiden des Staubsaugers stattfand, freundliche Reparateure für 6 € die Stunde zu den Öffnungszeiten des hiesigen Werkraums zur Verfügung stünden. Und dass es außerdem zweitens einen Bosch-Kleingeräte-Reparaturservice in unserer Stadt gibt. Beides finde ich ungemein beruhigend.

Obwohl sich dann drittens noch eine weitere Möglichkeit auftat: Meine Mutter findet nämlich, dass sie einen Staubsauger nicht braucht, weil ihr das Saugen eh zu anstrengend ist und sie deswegen auch schon gar keine Teppiche mehr hat. Wir konnten also ihren übernehmen. Ich werde mich aber trotzdem um die Reparatur unseres Staubsaugers kümmern, weil ich dem ollen Ding meiner Mutter dauerhaft nicht traue und wir ein besseres Modell haben. Aber so blieb uns erstmal gottlob eine weitere Verstaubung erspart! Nebenbei gesagt: Ohne Kaufdiät hätten wir vermutlich ohne auch nur mit meiner Mutter über kaputte Staubsauger zu reden oder überhaupt nur auf die Suche nach Reparaturmöglichkeiten zu gehen, einfach auf der Stelle einen neuen bestellt.