Kinder & Kaufdiät

Eine der schwierigsten Herausforderungen unserer Kaufdiät sind unsere Kinder. Obwohl Kinderschuhe, Kinderkleidung, Schul- und Bastelbedarf von der Kaufdiät ausgenommen sind, brauchen Kinder ständig neue Dinge. Zum einen weil sie nicht nur aus Kleidung, sondern auch aus allen möglichen anderen Dingen (Betten, Fahrradhelmen, Kindersitzen, Kinderrädern…) ständig herauswachsen. Und dann haben Kinder noch eine ganze Menge „Sonderbedarfe“, die man ihnen einfach zugestehen möchte. Besonders der Sommer hat es da in sich! Während ich bei neuen Lego- und Playmobilsets, beim Kuscheltierkiosk im Zoo oder der Holzschwertgalerie beim Mittelaltermarkt dank Kaufdiät gnadenlos hart bleiben kann, fällt es bei anderen Dingen wirklich schwer, ihnen das zu verwehren. Manchmal finden wir alternative Lösungen, aber einige Fehltritte müssen wir an dieser Stelle doch beichten…

Gut gelöst haben wir zum Beispiel die Frage der Tischtennisschläger. Der kleine Tiger hat im Schulhof Tischtennisplatten stehen und würde gern nach der Schule da mit seinen Kumpels Tischtennisspielen. Gut, dass die Oma noch ein Set Schläger und Ball übrig hatte.

Andere Dinge gehen einfach verloren: Zum Beispiel Bälle. Auf Dächer geflogen, in unerreichbarer Höhe in Bäumen hängengeblieben oder einfach unbemerkt davongerollt und dann verschwunden. Aber ein Kind ohne Ball? Das geht eigentlich nicht, oder? Deswegen kamen wieder Bälle ins Haus. Bälle, weil sich die kleine Maus und der kleine Tiger nicht einigen konnten, ob es ein Fußball oder doch der Eiskönigin-Spielball werden sollte. Ich plädierte ebenfalls für den Eisköniginnen-Ball, der geduldigste Ehemann von allen natürlich für den Fußball. Um ausufernde Familienkrisen zu vermeiden, haben wir beides gekauft und werten die beiden Bälle jetzt als unseren Julikauf.

Streng genommen als Fehltritt muss ich dagegen die Federbälle werten, die ich gekauft habe. Weil ohne Federbälle sind unsere Federballschläger einfach sinnlos. Sportliche Sommer- und Draußenaktivitäten finde ich aber einfach so wünschenswert. Ich tendiere dazu Federbälle wie auch Tischtennisbälle als „Verbrauchsgüter“ zu deklarieren, so dass wir hier bei Bedarf auch im Rahmen unserer Kaufdiätregeln für Nachschub Sorgen können.

Dann gab es da noch den Stadtteilflohmarkt. Wir waren so oft in Versuchung, dass wir überlegt haben, für Flohmärkte Kaufdiät-Sonderregelungen einzuführen. Aber dann waren wir doch wieder ganz brav und haben gemäß unserer Regeln nur einen Kauf (Inlineskates inkl.  Zubehör für den kleinen Tiger = unser Junikauf) getätigt. Aber kann man den Kindern, begeisterte Flohmarktbesucher übrigens, denn wirklich ein kleines Mitbringsel verwehren? Also durfte sich die kleine Maus eine kleine Figur für 50 Cent aussuchen. So haben wir uns mit diesem Einhorn versündigt. Süß war, dass der kleine Tiger, der dann schmollte, von seinem Freund, der auch dabei war und von seinen Eltern mit einem eigenen Kaufbudget ausgestattet war, großzügig weitere Dinge geschenkt bekam, z.B. ein paar Handschellen.

Und dann war da noch die Sache mit den Wasserpistolen. Leider ist die letzte verbliebene Wasserspritze der Kleinen nach 1,5 Jahren tapferen Dienstes nun doch kaputt gegangen. Ein Sommer ohne Wasserpistolen? Ich glaube, für eine Vier- und einen Sechsjährigen ist das die Höchststrafe. Es gab beim ersten Seeausflug und beim ersten Wasserspielplatzbesuch traurige Szenen. Das kann ich auch gut verstehen. Also habe ich dann pünktlich zum ersten Schwimmbadbesuch den beiden ganz gegen unsere Regeln ganz unökologische Plastikmonster, nämlich zwei Wasserpistolen gekauft, von denen die eine sofort beim ersten Einsatz in einem unbewachten Moment zum Leidwesen der Kinder scheinbar einen neuen Besitzer fand…. Jetzt müssen sie mit einer Wasserpistole durch den Sommer kommen.

Irgendwie hatte ich einfach das Gefühl, dass wenn wir in solchen kleineren Fragen zu dogmatisch an unserer Kaufdiät oder an Plastikvermeidung hängen, unsere Kinder als Gegenreaktion irgendwann radikale Konsummonster werden. Deswegen lassen wir eben lieber in den geschilderten Kleinigkeiten fünfe gerade sein, um in der großen Linie dauerhaft konsequent bleiben zu können. Wir haben die Kaufdiät übrigens mit den Kindern bislang nicht großartig thematisiert. Ich will sie da gar nicht mit aus ihrer Sicht komplexen Regeln konfrontieren. Irgendwie soll es einfach selbstverständlich sein, dass wir nicht viel kaufen. Eigentlich vermissen Kinder ja auch vieles gar nicht, was wir für dringende Bedarfe halten. Interessanterweise akzeptieren sie es auch sehr gut, dass sie wegen der Kaufdiät meist nicht bekommen, was sie wollen. Wenn sie etwas möchten, sagen wir ihnen inzwischen immer: Merkt es Euch für Euren Geburtstag!

Die Geburtstage und auch Weihnachten haben sich nämlich aus Kaufdiät-Sicht als völlig unproblematisch herausgestellt. Wir schenken unseren Kindern nämlich gar nichts mehr. Das haben sie bislang nicht einmal gemerkt, weil ja Tanten, Freunde und die ganze Schar der Kindergeburtstagsgäste für Geschenkefluten sorgt. Wir versuchen jetzt stattdessen durch gezielte Wünsche an die Schenkenden das alles in etwas sinnvolle Bahnen zu lenken. Nur für die Bälle und die Wasserpistolen waren die Herbst- und Wintergeburtstage jetzt leider etwas spät….

So, nach der gebündelten Beichte sämtlicher Fehltritte, zum Abschluss noch eine gute Nachricht. Kinder können auch wahnsinnig bescheiden sein. Aus meiner Sicht ist dringend ein neuer Rucksack für die kleine Maus fällig. Ihren jetzigen haben wir im letzten Jahr von der Straße aufgelesen (wie hier beschrieben) und er löst sich wirklich langsam auf. Ich schäme mich inzwischen auch ernsthaft vor den anderen Kindergarteneltern, dass ich mein Kind mit so einem Lumpenrucksack in den Kindergarten schicke. Ich hatte gehofft, auf dem Flohmarkt einen neuen zu finden. Aber als ich die kleine Maus fragte, ob sie einen neuen Rucksack möchte, sagte sie ganz bescheiden: „Nein, der geht schon noch. Und er hat so schöne bunte Reißverschlüsse.“

Und der kleine Tiger erzählte mir neulich, dass alle, aber wirklich alle in seiner Klasse nun einen Spinner haben. Als ich ihn fragte, ob er deswegen auch einen möchte, sagte er: „Och, nö.“

 

Die „Verdopple die Nutzungsdauer“-Challenge

Weil in unserem Kaufdiät-Haushalt wieder mal ständig was kaputt geht, habe ich genervt mal recherchiert, wie lange denn Gegenstände eigentlich so überleben sollten. Theoretisch zumindest. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen Lebensdauer und Nutzungsdauer von Gegenständen gibt. Während sich viele Menschen – wie z.B. ich – beschweren, dass Gegenstände angeblich von den Herstellern schon so gemacht werden, dass sie schnell kaputt gehen, scheint es in der Realität weit häufiger so zu sein, dass die Dinge viel weniger lang genutzt werden, als sie eigentlich leben könnten. Hier einige wirklich ernüchternde Zahlen zur Nutzungsdauer von verschiedenen Alltagsgegenständen:

Nutzungsdauern
Quelle: Wieser, H./Tröger, N. (2015): Die Nutzungsdauer und Obsoleszenz von Gebrauchsgütern im Zeitalter der Beschleunigung (PDF Download hier: https://www.researchgate.net/publication/278030698_Die_Nutzungsdauer_und_Obsoleszenz_von_Gebrauchsgutern_im_Zeitalter_der_Beschleunigung [accessed Jul 2, 2017].

In dieser sehr lesenswerten Studie findet sich dazu folgender sehr aufschlussreicher Satz:  „KonsumentInnen wünschen sich eine deutlich höhere Lebensdauer als die Gebrauchsgegenstände tatsächlich genutzt werden. Je nach Produkt ist die gewünschte Lebensdauer um das 1,73- bis 3,62-fache höher als die tatsächliche Nutzungsdauer.“ (ebd. S. 7).

Hier unterscheiden sich Anspruch und Wirklichkeit recht deutlich… Nicht an allem sind also die Hersteller schuld. Die wirkliche Ironie dabei ist, dass die Konsumenten, weil sie eben davon ausgehen, dass Dinge ohnehin schnell kaputt gehen, weil die „niederträchtigen“ Hersteller das vermeintlich extra so vorsehen, dann auch gleich zu billigeren Produkten greifen, ihre Dinge seltener reparieren lassen und häufiger austauschen. Ein Teufelskreis!

Gleichzeitig halten wir uns alle natürlich generell lieber für lange Nutzer, denn wer will schon Teil der Wegwerfgesellschaft sein? „Die meisten InterviewpartnerInnen (17 von 25) denken, dass sie Handys länger nutzen als andere Menschen. Diese (Fehl)-Einschätzung wird durch die Werbung („andere upgraden jetzt schon jedes Jahr“) und die schnellen Produkteinführungszyklen („in der Zwischenzeit kamen drei neue Versionen auf den Markt“) negativ beeinflusst und führt zu häufigeren Ersatzkäufen, als es sonst der Fall wäre.“ (ebd. S. 7)

Dass dieser Teufelskreis wegen des erhöhten Ressourcenverbrauchs ein riesiges Problem ist und die Nutzungsdauern vieler Gegenstände in den letzten Jahren immens abgenommen haben, brauche ich wohl nicht weiter zu betonen.

Ich habe also nach all diesen interessanten Erkenntnissen noch einmal kritisch die Nutzungsdauern unserer Gegenstände geprüft und festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so schlecht steht mit der Lebensdauer vieler unserer Dinge:

  • Meine Sandalen: > 6 Jahre
  • Unsere T-Shirts: 2 bis > 15 Jahre
  • mein Handy: 5 Jahre, vom geduldigsten Ehemann von allen: 1,5 Jahre (gebraucht kauft!, davor hatte er ein Diensthandy, das er auch privat nutzen durfte)
  • Hemden/Blusen: 1,5 Jahre bis > 12 Jahre
  • Jeans: 3-5 Jahre
  • Wintermantel: 0,5 Jahre (mein letzter > 10 Jahre)
  • Drucker: 2 Jahre
  • Laptop: 7 Jahre
  • Kaffeemaschine: haben wir nicht, wir haben so eine Filter-Kanne > 10 Jahre
  • Kamera: 8 Jahre
  • Mikrowelle: haben wir nicht
  • Staubsauger: 6,5 Jahre
  • Matratzen: 2 Jahre (mussten zum neuen Bett gekauft werden, die alte Matratze ist noch in unserem alten zu klein gewordenen Bett, das jetzt Gästebett ist, 11 Jahre)
  • Fernseher: haben wir nicht, haben einen gebrauchten ca. 5 Jahre alten Flachbildschirm von unserer ehemaligen Mitbewohnerin noch in Dauerleihgabe)
  • Auto: haben wir nicht
  • Waschmaschine: 5,5 Jahre (schon einmal repariert! davor Waschmaschine, die vor 12 Jahren gebraucht gekauft war)
  • Couch: 7 Jahre
  • Schreibtisch: einen ganz Alten (ca. 20 Jahre, wird jetzt mit Tischdecke als Esstisch genutzt), einen neuen, Kleineren (4 Jahre)
  • Kühlschrank: 5 Jahre (davor: gebrauchter Kühlschrank)
  • Kleiderschrank: Einen Alten (> 20 Jahre), einen neuen (7 Jahre)
  • Küchenherd: 4 Jahre (davor: uralter gebrauchter Herd, gebraucht vor 11 Jahren mindestens 3rd Hand gekauft)

Also, wenn ich mir so die Nutzungsdauern ansehe, habe ich das Gefühl, dass manche Dinge auch langsam ein Recht haben, kaputt zu gehen. Das relativiert meinen Ärger über ständig kaputt gehende Dinge etwas. Einige der in den letzten Jahren neu angeschafften Dinge müssen nun aber auch noch ein paar Jährchen halten!

Wirklich interessant ist auch eine Tabelle des Mieterverbandes zu Lebensdauern von vielen Wohnungseinbauten, z.B. Einbauküchen (15-25 Jahre), Spülen (20-30 Jahre), Toilette (15-20 Jahre), Duschwanne (20-30 Jahre)….

(Quelle: https://www.promietrecht.de/Schaden/Abwehr-von-Forderungen/Tabelle-wirtschaftliche-Lebensdauer-Schadenersatz-bei-Neu-fuer-Alt-E2569.htm)

Ich habe im Zuge unserer Wohnungssuche einige Wohnungen gesehen, ein Bad, das älter  als 20 Jahre war, habe ich in keiner Wohnung gesehen. Die waren eigentlich alle recht neu ebenso wie die gesehenen Einbauküchen.

Gleichzeitig wecken solche Zahlenspielereien gern meinen Ehrgeiz und deswegen möchte ich hiermit eine neue Form der Challenge ins Leben rufen. Nämlich die Challenge, die Nutzungsdauer unserer Gegenstände gegenüber der allgemeinen Nutzungsdauer so lange wir möglich zu verlängern, möglichst zu verdoppeln! Vielleicht habe ich ja euren Ehrgeiz auch geweckt! Schreibt uns doch hier die Geschichten Eurer allerältesten Gegenstände!

Und vor allem: Schreibt mir doch Tipps, wie man es schafft, das die Gegenstände auch so alt werden. Denn wenn man diese Challenge ernst nimmt, heißt das, dass man seine Dinge vielleicht auch intensiver pflegen muss. Ich erinnere mich an meinen Großvater, der alle seine Dinge ausgiebig hegte und pflegte. Da können wir auf jeden Fall auch nachlegen, bevor wir uns über ständig kaputt gehende Dinge beschweren.

Wieder mal was für die Einab-Blogparade:

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Auf der Suche nach dem verlorenen …

Vor fast einem Jahr habe ich mich schon einmal in diesem Beitrag bitter über verschwundene Gegenstände beklagt, die in einem Kaufdiät-Haushalt natürlich wesentlich spürbarere Auswirkungen haben. Nach über einem Jahr Kaufdiät-Erfahrung bin ich bei verschwundenen Dingen inzwischen ein leidenschaftlicher Kämpfer geworden. Ich scheue keine Mühen und Aufwände mehr, um verlorene Dinge wieder aufzuspüren. Ich nehme Verluste im wahrsten Sinne des Wortes sportlich und schwinge mich zur Suche aufs Rad.

Manchmal sind mir dabei dann ganz wunderbare Erfolgserlebnisse beschieden. Niemand außer jemand auf Kaufdiät kann die Wiedersehensfreude verstehen, die ich emfpand, als ich diesen kleinen Schlüssel meines Fahrradschlosses auf der Straße wiederfand, wo er ungefähr einen halben Tag gelegen haben musste. IMG_1977Er war wohl auf der Fahrt auf die Straße gefallen – ich hatte mich noch über ein komisches „Pling“ gewundert und mich kurz umgedreht, aber nichts Auffälliges feststellen können. Dachte dann, eine Metallschnalle an meiner Hose wäre gegens Rad geklimpert. Den Verlust stellte ich dann erst viele Stunden später fest. Mist, ein Monatskauf für ein Fahrradschloss? Auf keinen Fall! Also radelte ich dann den ganzen Weg auf der Suche nach dem Schlüssel ab, bis ich ihn wie einen Schatz in der Sonne blinken sah. Hach….

Oder dieses kleine Sandeimerchen, das die Kinder auf dem Wasserspielplatz vergessen hatten. IMG_1981Wegen dem bin ich am nächsten Tag nochmal durch die ganze Stadt zum Spielplatz geradelt. Zunächst schien das Eimerchen verschwunden. Aufgeben kam nicht in Frage. Ich fragte einen spielenden Jungen. Der zeigte auf eine etwas abseits picknickende Familie und sagte: „Da steht ein gelber Eimer.“ Als ich auf die Familie zuging, die tatsächlich unser Eimerchen zur Getränkekühlung nutzte, sahen sie mir schon erwartungsvoll entgegen und sagten gleich: „Das suchen Sie, oder?“. Keiner wunderte sich, dass ich nach einem Plastikeimerchen suche, das zusammen mit einem kompletten Sandspielzeugset gerade mal 2,99 € kostet.

Mein neuer Kampfgeist hat neben der Kaufdiät auch ausgesprochen positive sportliche Auswirkungen: Ich bin in den letzten zwei Wochen bestimmt gut 10 Kilometer auf der Suche nach Gegenständen zusätzlich geradelt. Und dann noch dieses Glücksgefühl, wenn die Suche erfolgreich war. Kaufdiät kann auf ganz ungewöhnliche Weise glücklich machen…

Kreative Alternative

IMG_1975Wieder einmal hat ein wichtiger Gegenstand seinen Dienst quittiert und eine ernste Lücke in unseren Kaufdiät-Haushalt gerissen. Diese Plastik-Trinkflasche landete versehentlich in der Geschirrspülmaschine, was ihrer Form und Konsistenz gar nicht gut tat. Ersatz musste her, denn es ist Sommer und ich will nicht ständig Wasserflaschen kaufen müssen.

Da ich das ungeliebte Plastikdings ohnehin nur aus Gründen der Kaufdiät und der Müllvermeidung noch möglichst lange im Einsatz halten wollte und die ganze Zeit von einer tollen Edelstahl-Trinkflasche träumte, war ich eigentlich nicht sonderlich traurig und freute mich schon auf ein schickes neues Trinkflaschen-Öko-Gadget. Auf der anderen Seite war unser Monatskauf schon anderweitig verplant.

Also durchforstete ich unsere Schränke nach möglichen Alternativen. Und was fiel mir da direkt in die Augen: Jawohl, die Thermoskanne! Ist in Material, Machart und Form eigentlich das Gleiche wie die tollen Edelstahltrinkflaschen. Sie hat gegenüber den Flaschen aber mehrere wesentliche Vorzüge:

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  1. Sie hält das Wasser wunderbar kühl und frisch.
  2. Es passt mehr ein halber Liter rein. Damit habe ich auch immer noch etwas frisches Wasser für die Kinder dabei, dass ich ihnen in ihre Kinder-Flaschen füllen kann.
  3. Ich habe sie schon und muss nichts Neues kaufen.
  4. Sie steht endlich nicht mehr den ganzen Sommer nur blöd rum.
  5. Ich spare mir ein weiteres Dings, das die Schränke verstopft.

Einziger Unterschied zur Flasche: Sie hat keinen Nuckel, den brauche ich aber auch nicht, ich bin ja kein Baby mehr. Außerdem hat sie, wenn man nicht ohnehin direkt draus trinken mag, eine Tasse dabei, das ist eigentlich viel angenehmer zum Trinken und auch besser sauber zu halten.

Also, es muss nicht immer die schicke Edelstahltrinkflasche sein…

 

Abenteuerreise durch den Kleiderschrank: In 5 Stufen zur minimalistisch-modischen Erleuchtung

 

Für alle, die morgens vor ihrem Kleiderschrank verzweifeln, sich von der eingespielten, langweiligen Jeans + irgendein Oberteil-Kombination befreien möchten und/oder einen wirklich minimalistischen und nachhaltigen Kleiderschrank erreichen wollen, möchte ich einmal einen radikal ungewöhnlichen Weg vorschlagen.

Das übliche empfohlene Vorgehen lautet ja: 1. Ausmisten und 2. nach Capsule Wardrobe-optimierten Prinzipien wieder Einrichten. Für diese beiden Schritte gibt es im Internet mehrere Dutzend bis Hunderte gute Tipps, die ich hier nicht wiederholen möchte. Im Gegenteil schlage ich Euch vor, einmal einen komplett anderen Weg auszuprobieren, den wir seit einem Jahr mit viel Erfolg erproben. Zugegeben, unser Weg erfordert Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und ist manchmal auch unbequem. Das haben Abenteuer so an sich. Auch Abenteuerreisen durch den Kleiderschrank. Aber belohnt werdet Ihr mit: Kreativität. Gespartem Geld. Und spannenden neuen Einsichten zu Euch, zu Mode und zu Eurem Kleiderschrank.

Hier also unsere 5 Stufen zur modischen Erleuchtung und zum minimalistischen, nachhaltigen Kleiderschrank.

  1. Stufe – der Entschluss:
    Ihr ahnt es vielleicht schon, dies ist ein Blog zum Konsumverzicht: Der minimalistischste und nachhaltigste Kleiderschrank ist einer, für den Ihr nichts Neues kaufen müsst. Beschließt also für Euch absolut nichts Neues zum Anziehen mehr zu kaufen. Mindestens sechs Monate lang. Je länger Ihr diesen Zeitraum wählt, umso größer übrigens der Effekt.
  2. Stufe – Durchhalten:
    Damit dieser Weg zum Erfolg führt, müsst Ihr absolut knallhart bleiben. Keine Ausnahmen. Komme was da wolle. Kleidungstechnische Notfälle und Engpässe sind gewollt und führen überhaupt erst zur angestrebten Erkenntnis. Punktuelle Verzweiflungsanfälle müsst Ihr einfach aushalten. Diese Stufe ist besonders notwendig, um neue Kreativität freizusetzen. Es werden Notfälle eintreten: Schlüsselkleidungsstücke werden kaputt gehen oder fehlen. Haltet dennoch mindestens sechs Monate durch. Denn was ein echter Notfall ist und was nicht, wisst Ihr erst, wenn Ihr es tatsächlich bis zum letzten ausreizt.Was das soll? Ihr werdet es als absoluten Notfall empfinden, wenn Ihr Eure gewohnten Kombinationen nicht tragen könnt. Alle Jeans kaputt? Das ist zwar für Jeansträger ein Notfall, aber Euer Kleiderschrank hat auch anderes als Jeans zu bieten. Alle Teile zu abgetragen? Klar sind Eure Lieblingsteile abgetragen, also auf zu denen, die Ihr nie tragt! Nichts passt zusammen? Dann auf zu ungewöhnlichen Kombinationen! So entsteht die modische Avantgarde von morgen und Ihr werdet überrascht sein, welche unterschiedlichen Farbkombinationen toll aussehen können… Zu solchen Einsichten muss man manchmal vielleicht „gezwungen“ werden. Wir sind Gewohnheitstiere und machen eben ungern Dinge anders als bisher. Aber Abenteuer heißt, statt der ausgetretenen Pfade neue Wege zu entdecken. Erst, wenn Ihr durch „Notfälle“ gezwungen seid, werdet Ihr herausfinden, was Ihr wirklich für Schätze im Kleiderschrank habt. Und Ihr werdet Euch wundern: Egal wie ratlos Ihr vor Eurem Kleiderschrank steht, Ihr werdet nie nackt zur Arbeit gehen müssen. Nicht einmal unangemessen gekleidet. Der Notfall bringt Euch zur nächsten Erkenntnisstufe:
  3. Stufe – Offenbarung:
    Den eigenen Kleiderschrank neu entdecken. Ihr werdet plötzlich – auf wundersame Weise durch den Engpass zur Kreativität gezwungen – zum Rock, den Ihr nie gemocht habt, ein Oberteil finden, das Ihr nie dazu angezogen hättet und darin plötzlich hervorragend aussehen. Ihr werdet zum abgetragenen Oberteil eine Weste ausgraben, von der Ihr nicht einmal mehr wusstet, dass Ihr sie besitzt und damit gut angezogen ins Büro gelangen. Ihr werdet für den Spontankauf, der immer im Schrank hing, weil er zu nichts zu passen schien, eine erfrischende Farbkombination finden, die ihn doch tragbar macht und auf die Ihr ohne diesen erzwungenen Engpass nie gekommen wärt. Ihr werdet Kleidungsstücke, die Euch zu unvorteilhaft eng erschienen mit Strickjacke oder Bolero elegant kaschieren lernen, Oberteile, die zu weit sind mit Gürteln bändigen. Ihr werdet Schuhe wieder tragen, die seit Jahren im Schrank standen. Ihr werdet Eure festliche Kleidung als Alltagsoutfit kombiniert mit anderen Kleidungsstücken neu entdecken und damit hin und wieder Glanz ins Büro bringen.  Und Ihr werdet – mangels Alternativen – auch viele Kleidungsstücke, die Ihr bislang nicht mochtet, schätzen lernen.

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  4. Stufe – Erkenntnis:
    Ihr werdet in dieser Zeit eine spannende Reise durch Euren Kleiderschrank unternehmen und dabei auch die verstaubtesten Winkel neu entdecken. Wir nutzen viele Kleidungsstücke ja nur deswegen nicht, weil wir einfach immer zum Gewohnten greifen und alles Ungewohnte schnell als ungeliebte Ausmistkandidaten abstempeln. Das versperrt uns den Blick auf viele neue Möglichkeiten. Ich habe zum Beispiel tolle Entdeckungen bei meiner festlichen Kleidung gemacht. Wie sinnlos, diese tollen Sachen nur alle Jubeljahr rauszukramen. Vieles kann man etwas leger kombiniert gut alltagstauglich machen. Ich habe – notfallgetrieben – auch tolle Kombinationen für ungeliebte und seit Jahren ungetragene Stücke gefunden, So habe ich mir zahlreiche neue Alltagskombinationen im wahrsten Sinne des Wortes erabeitet, die ich nun einfach und ohne Nachdenken morgens am Kleiderschrank abrufen kann. Und ich habe immer noch ungenutzte Kleidung im Kleiderschrank. Diese sehe ich inzwischen nicht mehr als Ausmistkandidaten, sondern als noch zu entdeckende Potenziale. Früher oder später wird der Notfall eintreten, der mich morgens zwingen wird, mir 5-10 Minuten Gedanken zu machen, wie ich jetzt auch genau dieses Kleidungsstück allen gefühlten Hürden zum Trotz zum Einsatz bringen kann. Und daraus wird sicher wieder die ein oder andere wunderbare neue Alltagskombination entstehen…. Und noch eine Erkenntnis ist in diesem Jahr bei mir gereift: Was man anhat, ist viel weniger wichtig, als man denkt. Jedesmal wenn ich meinem Kleiderschrank morgens wieder eine Lösung abgerungen habe und mich dann mit den Durchschnittskollegen (also nicht den Modejunkies) vergleiche, stelle ich fest, dass ich da immer noch ganz gut im Durchschnitt liege. Man braucht viel weniger Kleidung als man denkt. Ich habe z.B. festgestellt, dass man mit nur einer einzigen intakten Jeans ziemlich weit kommt. Weil ich Jeans auch gar nicht mehr so oft trage wie früher. Und wer sagt denn, dass man ständig mit neuen Outfits auflaufen und jeden neuen Modetrend mitmachen muss? Ich habe eigentlich sogar dass Gefühl, dass ich abwechslungsreicher angezogen bin, seit ich meinen Kleiderschrank auf diese Weise neu entdecke.
  5. Stufe – Anpassungsprozess
    Nach erfolgreichem Durchlaufen der Stufen 1-4 ist man dann vermutlich so weit, dass man tatsächlich entscheiden könnte, was echte Ausmistkandidaten sind. Oder auch welche Stücke tatsächlich zugekauft werden sollten. Wer seinen Kleiderschrank so gut in all seinen Facetten und Möglichkeiten kennt, wie nach diesen 4 Stufen zu erwarten, kann wohl auch hervorragend entscheiden, welche Stücke dazu passen. Capsule Wardrobe-Prinzipien wie z.B. gezielt eine beschränkte Anzahl von Basis- und Komplementärfarben wählen, entwickeln sich dann ganz natürlich aus dem Bestand heraus und man wird viel weniger anfällig für Fehlkäufe. Ich bin im Gegenteil nun auch offener für ganz andere Arten von Kleidungsstücken geworden, während ich früher immer eher wieder was Ähnliches gekauft hätte, was ich eh schon habe.Ein weiteres Feld (für Handarbeitsbegabte) wäre in dieser Stufe dann sicher auch noch die gezielte Anpassung oder Reparatur von Kleidungsstücken. Hier habe ich mangels Fähigkeiten leider noch keine Erfahrungen sammeln können, aber ich bin voller Bewunderung für Menschen, die dies können.Ehrlich gesagt: Ich sehe mich nach über einem Jahr Kaufdiät immer noch in Stufe 4 (mit regelmäßigen Wiederholungen der Stufen 2 und 3). Und natürlich gibt es auch Momente der Versuchung, in denen ich mich wieder auf Stufe 1 und meinen Entschluss besinnen muss. Vielleicht noch ein paar Worte zu meiner Ausgangssituation: Ich habe einen absolut durchschnittlichen Kleiderschrank. Ich war nie Modejunkie, die Basis auf die ich zurückgreifen kann, war also recht begrenzt. Und da ich im Büro arbeite mit regelmäßigen „Business Terminen“ darf ich auch nicht nur im nachhaltig abgetragenen „Öko-Look“ auftreten. Also wenn das alles mit meinem komischen Kleiderschrank geht, dann kann das glaube ich wirklich jeder! Also viel Spaß bei der Abenteuerreise durch Euren Kleiderschrank und der Entdeckung neuer Outfits im Bestand!

     

    Und da diese Abenteuerreise durch den Kleiderschrank meiner Meinung nach  sehr nachhaltig ist, poste ich sie auch auf die Einab-Blogparade zum nachhaltigen Leben:

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Das haben wir aus der Kaufdiät gelernt

In über einem Jahr Kaufdiät haben wir allerlei gelernt. Wir haben nicht nur gelernt, (fast) nichts mehr zu kaufen, sondern vor allem auch, was wir stattdessen tun können, um unsere Bedarfe zu decken. Wir nutzen um, wir suchen kreative Lösungen, wir entdecken (neu), was wir schon haben… Jetzt hat Maria in ihrem Blog „Widerstand ist zweckmäßig“ all diese Strategien so wunderbar beschrieben – wir könntens auch nicht besser sagen, deswegen empfehlen wir Euch diesen inspirierenden Beitrag zu den 9 Stufen des nachhaltigen Konsums:

Wenn man im Internet nach dem Begriff „nachhaltiger Konsum“ sucht, liest man vor allem davon, was es bedeutet, nachhaltig zu konsumieren. Sprich nach welchen Kriterien sollte das neue Produkt gewählt werde, um den Schaden für die Umwelt zu reduzieren. Angestellt wird dabei der Vergleich zwischen einem konventionell und einem nach ökologischen Kriterien produzieren Produkt. Für […]

über Die 9 Stufen zum nachhaltigen Konsum [nachhaltiges Konsumverhalten] — widerstandistzweckmaessig

Im Kaufdschungel

Weil ich meiner Mutter derzeit hin und wieder bei ihren Einkäufen helfe, habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder einen Discounter betreten. Zum einen war ich positiv überrascht über die Vielzahl an Bioprodukten, die sich hier mittlerweile ausgebreitet haben. Noch überraschter war ich aber über folgenden Anblick, der sich mir bot:

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Die Nicht-Lebensmittel-Angebote nahmen inzwischen gefühlt ein gutes Drittel der Verkaufsfläche ein. Das Angebot reichte von Textilien über Deko, Küchenausstattung, Spielzeug bis hin zu Werkzeugen, Gartengeräten, Elektroartikeln und Autozubehör. Ist das eigentlich noch ein Supermarkt? Zwangsläufig schlenderte ich an den Angeboten entlang und musste zugeben, dass ich bei mindestens fünf Produkten glaubte, diese irgendwie brauchen zu können. Ohne Kaufdiät hätte ich bestimmt mindestens drei davon gekauft, weil sie ja auch noch sehr günstig waren.

Das Perfide am Vertriebskanal Discounter für alle möglichen Produkte ist, dass man ein Geschäft, in dem man Lebensmittel kauft, viel regelmäßiger aufsucht als die Fachgeschäfte, in denen man diese Produkte eigentlich suchen würde. Diese Geschäfte würde man nämlich vor allem dann aufsuchen, wenn man tatsächlich einen solchen Gegenstand benötigt. Dagegen läuft man im Discounter zwangsläufig mehrmals pro Woche daran vorbei, während man eigentlich Milch und Nudeln besorgen will, und denkt sich: „Ach wie praktisch, und billig ist es auch, das nehme ich gleich mit.“ Ob man es dann tatsächlich braucht, ist sicher weniger ausschlaggebend als bei einem Produkt, für dessen Kauf man gezielt in ein Fachgeschäft geht.

Man kann normalen Einkäufern, die nicht gerade eine Kaufdiät machen oder erklärte Minimalisten sind, eigentlich aus diesem Impuls kaum einen Vorwurf machen. Irgendwie ist dieses Kaufverhalten angesichts des offensiven Angebots fast schon rational. Es erfordert schon eine sehr aktive und bewusste Verweigerungshaltung, um sich der Verlockung solcher „en passant“ Käufe zu entziehen.

Glücklicherweise kaufen wir normalerweise nie im Discounter. Sonst würde uns die Kaufdiät vermutlich viel schwerer fallen. Insofern kann ich die Meidung solcher Kaufdschungel wärmstens allen empfehlen, die aus welchen Gründen auch immer ihren Konsum reduzieren wollen. Oder tatsächlich die Willensstärke aufzubringen, grundsätzlich überhaupt nichts außer Lebensmittel dort zu kaufen. Das lohnt sich tatsächlich, denn die Verlockung verfliegt auch wieder unglaublich schnell, sobald man den Laden verlässt. Als ich versucht habe, mich für diesen Blogartikel an die drei bis fünf Gegenstände, die ich für so unglaublich praktisch gehalten habe, wieder konkret zu erinnern, sind sie mir nicht mal mehr eingefallen!