Beschwerde wegen Kaufnötigung

Manchmal wird man zum Erwerb von Dingen gezwungen, die man gar nicht haben wollte. Das ist eigentlich Nötigung. Im Marketingsprech heißt das allerdings Gratisgeschenk. So überrumpelte mich der Hersteller meiner Kontaktlinsenflüssigkeit mit einer an die übliche Vorratspackung geklebten kleineren Packung. Ich vermutete eine kleine Zusatzflasche Kochsalzlösung (manchmal ganz praktisch auf Reisen). Beim Auspacken stellte ich dann aber verblüfft fest, dass mir hier ein komplettes Ladekabel für Handy, Tablet & Co. fürs Auto aufgenötigt worden war. Was soll ich dazu sagen??? Ich habe gar kein Auto! Da wird nun Millionen von Kunden ein Produkt aufgezwungen, das mit dem verkauften Produkt Kontaktlinsenlösung nicht das geringste zu tun hat und dass sie entweder nicht brauchen oder aber vermutlich, wenn sie es denn bräuchten, schon haben. Der Sinn einer solchen Maßnahme erschließt sich mir absolut nicht.

Neukunden-Werbung? Dazu muss man wissen, dass man diese Lösung beim Optiker kauft, nicht im Ladenregal, das heißt, man kann es sich nicht mal selber nehmen und bevor einem der Verkäufer das gewünschte Teil reicht, sieht man nicht mal, dass überhaupt ein Gratisgeschenk dabei ist. Ich habe es nicht mal bemerkt, als das Ding schon vor mir auf dem Tisch stand.

Kundenbindung? Also ehrlich gesagt würde ich diese Lösung jetzt nicht nur deswegen wieder kaufen, weil da mal so ein Ladekabel dabei war.

Also was bewegt einen Konzern in einem preislich hart umkämpften Markt mehrerer austauschbarer gleichwertiger Konkurrenz-Produkte so einen finanziellen Aufwand zu treiben? Mit einem Sonderangebot in selbem finanziellen Umfang hätten sie sich sicher viel mehr Umsatz erzielt. Und viel weniger unsinnigen Elektroschrott produziert!

Um das Beste aus dem ungewollten Kauf zu machen, versuchte ich zunächst das Ding zu verschenken, stellte aber fest, dass tatsächlich alle die infrage kamen, so was ähnliches schon hatten. Dann stellte ich aber fest, dass das Ding auch an die Steckdosen-Schnittstelle meines Ladekabels passt und ich es also auch in der Wohnung zum Aufladen verwenden kann. Somit hat es nun wenigstens noch einen Sinn erhalten können, weil nämlich die IPhone-Ladekabel hinsichtlich ihrer Lebensdauer eine Frechheit sind und wieder mal das Ladekabel meines Diensthandys verschlissen war. Also muss nun wenigstens mein Chef kein neues Ladekabel kaufen.

Das Gegenteil von Kaufnötigung betreibt in dieser Hinsicht übrigens Fairphone, die konsequenterweise gar kein Ladekabel mitliefern in der berechtigten Annahme, dass jeder sowas schon zuhause hat. Das kann ich an dieser Stelle nur nochmal explizit sehr loben!

 

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Wie lange ist eine Kaufdiät möglich?

Zwei Jahre sind wir mit unserer Kaufdiät nun schon am Ball. Also seit zwei Jahren verfolgen wir ernsthaft das Ziel, als vierköpfige Familie nur 12 neue Gegenstände im Jahr zu kaufen.

Langjährige Leser unseres Blogs wissen, dass wir das nicht immer geschafft haben. Gerade das letzte Jahr war eigentlich in vielerlei Hinsicht ein Fiasko. Wenn ich alle unsere großen und kleinen Fehltritte überschlage, haben wir ungefähr doppelt so viele Gegenstände gekauft. Das ist zwar an unseren ambitionierten Zielen gemessen, ein Fehlschlag. Aber wenn man sich unseren Gesamtkonsum betrachtet, dann ist es doch immer noch ein ziemlicher Erfolg, würde ich sagen. Der größte Erfolg waren eigentlich all die Dinge, die wir nicht gekauft haben. Ich hatte zu Beginn unseres Projektes einmal überlegt, auch Nicht-Käufe in einer Liste zu führen, also alles, was man trotz großer Verlockung wegen unseres Konsumverzichts nicht gekauft hat. Mir wurde dann aber schon in den ersten Wochen schnell klar, dass diese Liste viel zu lang werden würde.

Unsere größte Herausforderung im letzten Jahr war, dass unsere Kleidung und Schuhe nach zwei Jahren Kaufdiät teilweise schon recht verschlissen sind. Hier musste doch einiges an Ersatz her, obwohl wir unseren Kleidungsbestand auch von der absoluten Menge her inzwischen durch reines Auftragen (statt Ausmisten) deutlich reduziert haben. Dadurch hat sich die Geschwindigkeit, mit der Dinge verschleißen, natürlich wiederum wesentlich erhöht. Wenn ich einen Rock jetzt jede Woche trage, statt einmal im Monat, geht er einfach auch viermal so schnell kaputt. Das ist ein sich selbst rasant verstärkender Kreislauf, für den wir auch noch keine rechte Lösung gefunden haben. Außer der, dass wir unsere Toleranzschwelle für abgetragene Kleidung nochmals etwas gesenkt haben. Und: Flicken, Flicken, Flicken… Hier habe ich noch deutlichen Entwicklungsbedarf meiner Nähkünste identifiziert.

Einige mitfühlende LeserInnen haben uns vorgeschlagen, unsere Regeln dahingehend aufzuweichen, 12 Gegenstände pro Person (und nicht als Familie) als Maßstab anzulegen. Ich muss sagen, dass mir (nach zwei Jahren Kaufdiät) die Idee, jeden Monat einen Gegenstand nur für mich allein kaufen zu können, überhaupt nicht wie eine Kaufdiät vorkäme, sondern wie ein Konsumrausch. Und vier Gegenstände pro Monat halte ich für viel zu viel.

Ich glaube, dass eine Kaufdiät nach unseren gewählten Regeln grundsätzlich schon sehr lange aufrecht zu erhalten ist. Für einen Erwachsenen Menschen in einem normal ausgestatteten Haushalt ist eine Beschränkung auf drei bis fünf neue Gegenstände pro Jahr eigentlich langfristig machbar (besonders, wenn man wie wir noch Socken und Unterwäsche ausnimmt). Und vor allem, wenn man wie wir das Ziel verfolgt, dass die Menge der Gegenstände in unserem Haushalt sich auch absolut verringern soll.

Das einzige, was uns dauerhaft nicht lösbar erscheint, ist die Herausforderung, im Rahmen der Kaufdiät dem ständigen Wachstum der Kinder gerecht zu werden. Die Kinder wachsen ja nicht nur aus ihrer Kleidung heraus, die wir deswegen natürlich auch von Anfang an von der Kaufdiät ausnehmen mussten. Allein für das kommende Jahr sind z.B. folgende wachstumsbedingte Neubedarfe zu erwarten: für die kleine Maus ein größeres Bett inkl. Matratze und größere Laken, größere Bettdecke + Kissen (inkl. größeres Bettzeug) ein größerer Fahrradhelm, ein größeres Fahrrad, ein größerer Autokindersitz, größere Schlittschuhe. Für den Tiger: größere Bettdecke & Kissen, inkl. größerer Bettwäsche, größerer Fahrradhelm, größere Schlittschuhe. Außerdem wachsen die Kinder auch aus ihren Spielsachen heraus. Ob Puzzle, Gesellschaftsspiele, Spielzeuge, Freizeitausstattung – das ist alles höchst altersspezifisch und muss nun allmählich generalüberholt werden. Die Liste macht vollkommen deutlich, dass allein die Kinderbedarfe schon unsere zwölf Gegenstände pro Jahr sprengen würden. Selbst wenn wir das ein oder andere noch ein Jahr schieben würden, stehen dann ja im nächsten Jahr schon weitere „Wachstumsbedarfe“ an.

Wir haben hier noch keine ultimative Lösung, aber wir haben beschlossen, dass wir für einige dieser Bedarfe einen „Tauschjoker“ einführen werden. In der Regel ist es ja so,  dass wir die Gegenstände, aus denen die Kinder herauswachsen, gebraucht verkaufen oder verschenken und dafür ebenso gebraucht wieder einen größeren Gegenstand anschaffen. Deswegen würden wir diesen Tauschjoker gern für Dinge anwenden, die wir auf diese Weise einfach in eine größere Größe eintauschen. Also, wenn z.B. das zu kleine Kinderfahrrad auf Ebay verkauft wird und wir über Ebay ein größeres anschaffen, werten wir das jetzt als „Tausch“. Ebenso, wenn wir alte Kinderspiele zum Second-Hand-Laden oder Flohmarkt bringen und sich die Kinder dafür von dort ein neues, altersgemäßeres Spiel aussuchen dürfen. Wenn wir dagegen etwas erstmals für unseren Haushalt kaufen (z.B. Schlittschuhe) zählen wir es weiterhin beim ersten Kauf. Ebenso Dinge, deren Vorläufer wir vermutlich nicht mehr verkaufen können (z.B. die zu klein gewordenen Bettdecken der Kinder).

Damit fühlen wir uns eigentlich gut gewappnet, für weitere Kaufdiät-Jahre. Auch wenn wir schon wissen, dass wir vermutlich auch dieses Jahr nicht ganz ohne Fehltritte über die Bühne bringen werden… Aber wir werden sicherlich auch dieses Jahr wieder sehr, sehr wenig konsumieren und unseren Haushalt weiterhin langsam aber sicher reduzieren! Also, weiter gehts!

 

 

 

Eigentlich wäre das zweijährige Jubiläum unserer Kaufdiät ja ein Grund zum Feiern. Wegen unserer Fehltritte im letzten Jahr (hier berichtet) fühlen wir uns aber immer noch etwas verkatert und haben eher das Gefühl, im letzten Jahr an unserem Vorhaben gescheitert zu sein. Klar, wir haben immer noch extrem wenig konsumiert. Immer wieder schreiben uns – zu unserer großen Freude (!) –  Leser, dass sie jetzt auch eine Kaufdiät beginnen. Man muss allerdings dabei berücksichtigen, dass wir zu viert sind. Die Idee, dass ich allein 12 für mich Gegenstände im Jahr kaufen würde, käme mir inzwischen wie der reinste Konsumrausch vor… So teilen sich unsere 12 Gegenstände ja auf vier Personen auf, das macht also pro Person im Schnitt nur drei Gegenstände im Jahr. Das ist schon sehr knapp auf die Dauer, deswegen kann man das letzte Jahr vielleicht schon auch als Erfolg werten, auch wenn wir unsere selbst gesetzten Maßstäbe nicht ganz einhalten konnten.

Vor allem zwei Entwicklungen machen unserem Vorhaben massiv zu schaffen:

a) die erhöhte Abnutzung vor allem unserer Kleidung, weil wir sie ja nun viel intensiver nutzen. Im letzten Jahr sind uns zahlreiche Kleidungsstücke verschlissen, die wir bereits viele Jahre besaßen. Das liegt natürlich auch daran, dass wir sie jetzt viel häufiger tragen. Da Minimalismus ja auch unser Ziel ist, ist es bislang durchaus gewünscht, wenn es weniger wird. Hier haben wir die Menge dessen, was wir für nötig halten, schon beachtlich runtergeschraubt. Eine intakte lange Jeans ist für mich inzwischen ausreichend. Und eine kurze Hose reicht auch, wenn ich noch einige Röcke und Kleider als Alternative habe. Zusammen mit zwei weiteren Business-Hosen komme ich inzwischen mit diesem Bestand gut klar. Das hätte ich früher nie für möglich gehalten. Auch dachte ich eigentlich schon zu Beginn der Kaufdiät unbedingt einen weiteren Pullover zu brauchen. Den habe ich bis heute nicht gebraucht.

b) eine ebenso große Herausforderung sind all die Dinge, die wir benötigen, weil die Kinder „herauswachsen“. Kinderkleider und -schuhe sind ja ohnehin von der Kaufdiät ausgenommen, da hier ja jährlich ein komplett neuer Kleidungsbestand anfällt, den wir bisher noch zu ca. 70 % Second Hand decken können (je älter die Kinder werden, umso schwieriger wird es leider). Allerdings wachsen die Kinder nicht nur aus ihren Kleidern, sondern auch aus zahlreichen anderen Dingen heraus: den Schlittschuhen, den Inline-Skates, den Fahrrädern, ihren Spielsachen, ihrem Kindertisch, den Kinderstühlchen, den Kinderbetten, den Kinderdecken, den Autokindersitzen… Wenn wir den allein dadurch dieses Jahr anfallenden Bedarf decken wollen (2x neue Schlittschuhe, ein neues Bett, neues Fahrrad für die Maus, neuer Helm für den Tiger, zwei neue Decken + Bettwäsche, ein neuer Autokindersitz) – dann dürften wir dieses Jahr eigentlich gar nichts mehr anderes kaufen. Wir haben uns deswegen überlegt, dass wir deswegen eine „Tauschregel“ einführen. Dinge, die wir aus Wachstumsgründen „austauschen“ müssen, also altes Bett verkaufen, neues größeres Bett dafür kaufen, zählen wir in Zukunft nicht mehr zur Kaufdiät. Wir zählen die Dinge nur noch, wenn sie erstmalig in unseren Haushalt kommen (so z.B. die Schlittschuhe für die Kinder, unser Februarkauf). Genauso werden wir künftig mit Spielzeugen und Spielen verfahren, die ja auch immer wieder eine altergemäßes Upgrade benötigen. So gilt z.B.: Tausche 16-Teile Hündchenpuzzle gegen 100-Teile Waldtier-Puzzle…

Recycling, Konsum und Awareness – ein Interview mit Kai Nebel

Hier habe ich einen Beitrag gefunden, der wieder einmal zeigt, warum unser Konsumverzichts-Projekt so viel Sinn macht – denn Recycling ist auch keine Lösung…
Auch nicht der neueste Trend: Recycelte Textilien
Sehr lesenswert!

un petit sourire slows down

Zurück von der Ethical Fashion Week und mit sehr vielen neuen Eindrücken im Kopf, veröffentliche ich hier nun ein Interview mit Kai Nebel. Kai Nebel ist an meiner Hochschule in Reutlingen Leiter der Forschung. Der Ein oder Andere kennt ihn vielleicht aus dieser Doku  über Recycling von Arte. Da ich das Gefühl in Berlin hatte, dass wir in diesem ganzen Sustainability und fair fashion Sektor viel mehr Wissen und Aufklärung brauchen, um wirklich NACHHALTIG zu konsumieren, kam mir der Gedanke eines Experten Interviews. Ich hoffe ihr könnt viel mitnehmen und euch in der ein anderen Sache auch hinterfragen. Ursprünglich wollte ich auf das Thema Recycling hinaus, was ja von so vielen gewünscht wurde. Es ist dann aber eher zu einem Gespräch geworden, welches überhaupt den Sinn von Recycling und die Tatsache, dass wie überhaupt recyceln hinterfragt. Textiler unter sich schweifen wohl gerne ein bisschen ab, ich hoffe aber es ist…

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Die abenteuerliche Suche nach einem Fairphone

Wie ich zu einem neuen Handy kam, möchte ich – auch wenn es schon etwas her ist (Oktoberkauf im letzten Jahr) – an dieser Stelle doch noch berichten. Denn ein neues Handy ist ja eigentlich ein Konsum-Supergau. Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen: Mein altes zentrales Familien-Steuerungs- und Managementsystem war weder auf dem neuesten Stand noch besonders smart. Dennoch hat mein altes Handy 5,5 Jahre gute Dienste geleistet (yeah, damit habe ich die „Verdopple die Nutzungsdauer-Challenge“ immerhin geschafft!). Es hatte Internetzugang, allerdings ließ sich das Betriebssystems nicht mehr aktualisieren, deswegen konnte man keine Apps installieren. Lange war ich also auch digitaler Minimalist in Sachen Handy. Statt Whats app schrieb ich SMS und zwang damit viele meiner Freunde zurück in veraltete Kommunikationswege. So wäre das – auch kaufdiät-bedingt – noch eine ganze Weile weitergegangen. Im Sommer sorgte mein gutes altes Handy dann jedoch plötzlich mehrfach für Chaos: Es begann damit, dass ich  SMS von Freunden 79 mal erhielt. Oder 84 mal. Dann erhielten sie SMS von mir 50mal. Oder 39 mal. Dann kamen SMS gar nicht an. Da ich mittels Handy sozusagen die gesamte Familienlogistik steuere, sorgten solche Fehler schnell für Chaos wie z.B. nicht vom Kindergarten abgeholte Kinder (sowohl meine also auch Kinder meiner Freunde, die ich hätte mitnehmen sollen) oder auch unerwartet vom Kindergarten abgeholte Kinder („hab dir doch ne SMS geschickt, dass ich sie mitnehme…“). Als zunehmend die Kindergärtnerin wegen meinem unzuverlässigen Handy unsere Familienkoordination übernehmen musste, war klar, so gehts nicht weiter, ein neues Handy muss her (nachdem ich mir vorher von meinen Telefonanbieter versichern ließ, dass es nicht an ihnen liegt).

Nun ist für mich seitdem Fairphone mit einem ersten fairen Handy auf den Markt gekommen ist, schon seit jeher klar gewesen, dass dies eines Tages mein neues Handy werden wird. Das Fairphone ist sicher noch weit von einem nachhaltigen Handy entfernt (nachhaltige Handys gibt es nicht! Dazu mache ich in Kürze mal einen eigenen Beitrag). Aber die Macher vom Fairphone geben sich von allen die meiste Mühe und hatten als kleines Start up die total verrückte Idee, ein Handy so nachhaltig wie möglich zu machen: Das Fairphone kann jeder (sogar ich) mühelos komplett zerlegen und die Einzelteile einzeln ersetzen. Außerdem versuchen die Fairphone-Macher die Herkunft ihrer Rohstoffe transparent zu machen, da die in Handys verwendeten seltenen Erden häufig in Minen mit grauenhaften ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut werden. Wer ein bisschen etwas von den rauen Bedingungen auf dem Weltmarkt versteht, kann sich vorstellen wie wahnsinnig ambitioniert und komplex es für ein kleines Gründerteam ist, zu versuchen, auch nur annähernd nachzuvollziehen und Einfluss zu nehmen, wo Elektronik-Zulieferer über verschiedene Wertschöpfungsstufen hinweg ihre Ausgangsmetalle her beziehen. Das Ergebnis ist immer noch weit von der Perfektion entfernt, aber immer noch das Handy mit dem höchsten Nachhaltigkeitsanspruch auf dem Markt.

Also kramte ich eine etwas ältere Nachricht von meinem Telekommunikationsanbieter raus, der als Erster und Einziger das Fairphone mit Vertrag angeboten hatte. Hatte mir die Nachricht damals gleich im Browser gespeichert. Anruf bei 1und1: „Ich hätte gern ein Fairphone.“ „Ein was?“ „Ein Fairphone. Sie haben das als erster Anbieter in Deutschland mit Vertrag angeboten.“ „Davon habe ich noch nie gehört, was ist das für ein Handy und wo haben sie das gehört?“ Nach dem Zusenden des Links: „Das ist eine veraltete Website, das Handy haben wir nicht mehr im Angebot.“ Es folgte ein längerer und durchaus interessierter Austausch mit dem 1und1-Mitarbeiter zum Fairphone, zu in Handys verwendeten Rohstoffen usw. Er wollte das alles wirklich gern wissen. Nur ein Handy hatte er leider nicht für mich.

Also habe ich die Fairphone-Website konsultiert. Darin war in meiner Stadt ein (!) Handy-Shop angegeben, der das Fairphone vertreibt. Also nix wie hin: „Guten Tag, ich habe auf der Fairphone-Website gelesen, Sie verkaufen das Fairphone. Darf ich mal eines anschauen?“ „Ja, das ist richtig, wir würden das Fairphone gern verkaufen, wenn wir es denn bekämen. Manche Kunden warten jetzt schon seit Monaten auf die Lieferung.“

Verdammt, dieses Ding war so exklusiv, ich fühlte mich schon fast wie jemand, der vor dem Verkaufsstart des neuesten IPhone die Nacht in der Warteschlange übernachtet, um eines abzubekommen. Auf der Website von Fairphone stand dann auch tatsächlich was von Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage.

Als weiterer Vertriebskanal wurde Memolife angegeben. Tatsächlich, da konnte man auf der Website ein Fairphone bestellen. 10 Wochen Lieferzeit stand da. OK, der Kindergarten machte jetzt eh bald Sommerferien, dann wollten wir ja auch länger in Urlaub fahren, da brauchte ich dann auch nicht sofort ein neues Handy. Bis nach den Sommerferien sollte ich irgendwie noch so überleben. Muss man halt mal wieder mit Leuten telefonieren, statt simsen.

Nun und dann war es endlich gekommen und unser Oktoberkauf geworden. Ich kann gar nicht sagen, was für ein erhabenes und exklusives Gefühl es ist, nach so einer Odyssee endlich in den exklusiven Zirkel der Fairphone-Nutzer eingetreten zu sein.  Und ich bin ganz glücklich mit meinen neuen Handy und von den bisher unerreichten digitalen Möglichkeiten total geplättet. Ja, jetzt bin ich auch endlich im neuen digitalen und smarten Zeitalter angekommen und bislang höchst zufrieden mit meinem Fairphone.

 

 

Minimalisten-Märchen

Manchmal fließt einem aus ganz unerwarteter Ecke neue Inspiration und Motivation zu. Zum Beispiel neulich beim Ansehen der wunderbaren Märchenverfilmung von „Hans im Glück“. Zur Erinnerung, wer das Märchen nicht kennt: Hans erhält zum Lohn für seinen siebenjährigen Dienst einen großen Klumpen Gold zum Lohn. Er ist überglücklich. Mit der Zeit wird ihm auf seiner Wanderung das Schleppen des Goldes aber schwer, da tauscht er ihn kurzerhand gegen ein Pferd. Das Pferd dann gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein usw.. Am Ende bleibt ihm ein Wetzstein, unter dessen Gewicht er auf seinem Weg wieder leidet. Als ihm der Wetzstein schließlich in einen Brunnen fällt und er endgültig gar nichts mehr hat, fällt er auf die Knie und ruft glücklich: „Danke Gott, dass du mich auch von dieser Last befreit hast. Nun bin ich endlich frei!“

Als ihm auf seinem Weg einmal jemand fragt, wie er denn ein Pferd gegen eine Kuh tauschen könne, das Pferd sei doch viel wertvoller, da antwortet er: „Wertvoll für wen? In diesem Moment war für mich war die Kuh wertvoller. Was interessiert mich, was für andere wertvoll ist?“

Ich finde, das ist nicht nur eine zutiefst weise Einsicht, sondern auch die ideale Einstellung für Minimalisten. Der Film hat uns gleich wieder neu für unsere Kaufdiät begeistert und inspiriert. Deswegen empfehle ich diesen wunderbaren Märchenfilm allen Großen und Kleinen zur Inspiration. Er ist nicht nur für Kinder amüsant anzusehen!

Hier auf YouTube zu sehen:

 

Minimalisten-Hymne

Society

Society

Oh, it’s a mystery to me
We have a greed with which we have agreed
And you think you have to want more than you need
Until you have it all you won’t be free

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me

When you want more than you have
You think you need
And when you think more than you want
Your thoughts begin to bleed
I think I need to find a bigger place
Because when you have more than you think
You need more space

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me

There’s those thinking, more-or-less, less is more
But if less is more, how you keeping score?
Means for every point you make, your level drops
Kinda like you’re starting from the top
You can’t do that

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me

Society, have mercy on me
Hope you’re not angry if I disagree
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me

 

In den letzten Monaten gab es bei uns viel Kaufdiät-Krisen-Stimmung. Aber manchmal fließt uns dann aus unerwarteter Ecke wieder Inspiration und Euphorie zu, wie von diesem Song, den ich jahrelang total vergessen hatte, weil die CD unauffindbar verschwunden war. Jetzt wiederentdeckt… Danke, Eddie! Du hast so recht!

Das Gutschein-Problem

Gutscheine sind inzwischen zu großen Herausforderungen für uns geworden: Zu Weihnachten 2016 haben alle Mitarbeiter von unserem Chef einen Gutschein der lokalen City-Initiative in Höhe von 44 Euro erhalten. Bis heute hatte ich wegen der Kaufdiät einfach keine Gelegenheit, diesen einzulösen. (Bei der einzigen Gelegenheit, den Urlaubsnotkäufen, unserem großen Fehltritt im August, sind wir so hektisch losgestürzt, um am Tag vor der Abreise um 18 Uhr noch schnell den kaputten Rucksack und die kaputten Turnschuhe zu ersetzen, das wir den Gutschein ganz vergessen hatten). Jetzt habe ich zu Weihnachten 2017 schon wieder einen bekommen. Was mache ich nun?

Der Initiative angeschlossen sind über 100 Läden in der Stadt, darunter auch große Kaufhäuser und Läden, die ich früher oft frequentiert habe. Also daran liegt es eigentlich nicht. Es liegt auch nicht nur an unserer Kaufdiät: Einen Gegenstand pro Monat dürfen wir ja kaufen. Es liegt eher daran, dass wir einfach nichts mehr aus all diesen Läden brauchen. Die meisten Dinge, die wir kaufen wollen, können wir auch gebraucht z.B. bei Ebay Kleinanzeigen bekommen. Oder ich möchte gern ein nachhaltiges Produkt, z.B. bei Kleidungsstücken, dass ich irgendwo bestellen muss, weil es das hier in der Stadt sonst nicht gibt (bei meinem Schuhkauf im November habe ich zunächst alle Ökoläden vor Ort erfolglos gecheckt und auch das Fairpone konnte ich in der Stadt überhaupt nicht bekommen.)

Andere Dinge, die in letzter Zeit kaputt gegangen sind und die ich vor einem Jahr vielleicht noch für dringenden Ersatzbedarf gehalten hätte, sehe ich inzwischen  entspannt unseren Haushalt verlassen und vermisse sie nach einer Woche nicht einmal mehr. Auf andere Dinge (z.B. eine Sonnenbrille für mich) verzichte ich nun eh schon so lange, dass das dringende Kaufbedürfnis auch schon nachgelassen hat.

Na ja, irgendwann wird sich vielleicht nochmal was ergeben. Also liebe Freunde, schenkt uns bitte keine Gutscheine! Wir haben ein echtes Einlöseproblem…

Und an dieser Stelle kann ich vielleicht auch endlich mal das tollste Geschenk von allen würdigen. Einige Freunde machten sich Gedanken, was ich zwar irgendwie bräuchte, mir aber wegen der Kaufdiät versage. Und bekam daraufhin einen wunderschönen Geldbeutel mit eingraviertem Namen geschenkt! Mein alter Geldbeutel, aus dem bei jeder Gelegenheit die Münzen schon an allen möglichen Stellen rauspurzelten, konnte nun wohlverdient in Rente gehen. Vielen Dank!!! Solche Geschenke kann man so richtig genießen, wenn man Kaufdiät macht. Wie man sich überhaupt viel mehr über Geschenke freut als früher. Besonders über ganz praktische.