Die Kaufdiät-Krise

Still war es um uns geworden in den letzten zwei Monaten. Das lag zunächst ganz einfach daran, dass wir über vier Wochen im Urlaub waren. Vor allem aber lag es daran, dass uns dieser Urlaub in eine regelrechte Kaufdiät-Krise gestürzt hat.  Meine aktuelle zentrale und neue Konsum-Erkenntnis: Urlaub – vor allem ein langer – ist eine wirkliche Konsumfalle.

Die Falle schnappte schon vor dem Urlaub zu: Mehr als drei Wochen wegfahren? Haben wir dazu überhaupt noch genug Kleidungsstücke???  Nachdem ich gefühlt alles, was ich besaß, in Koffern verstaut hatte, stellte ich fest, dass wegen meiner  beiden neuerdings kaputten Röcke zumindest hierfür noch kurzfristig Ersatz her muss. Zur Erinnerung, falls jemand die Hosen-Dramen des letzten Jahres in diesem Blog noch nicht verfolgt hat: Ich besitze lediglich noch eine einzige völlig intakte Jeans ohne Löcher und ohne Flecken. Ansonsten besitze ich neben inzwischen äußerst löchrigen und/oder fleckigen Jeans eben nur noch Anzughosen. Über ein Jahr hinweg bin ich damit prima hingekommen, denn ich hatte ja Röcke. Aber ein Kaufdiät-Dilemma ist, dass durch die häufigere und intensivere Nutzung dessen, was man noch hat, dieser Rest eben auch irgendwann so kaputt geht, dass es langsam wirklich eng wird.

Da ich nicht vorhatte, meine Business-Anzug-Hosen und -röcke mitzunehmen und irgendwas muss man ja anziehen, oder wie es neulich jemand von Euch in einem Kommentar treffend beschrieb: Nackt gehen müssen sollten wir ja auch nicht. Also musste ich in Sachen Kaufdiät hier einen Kompromiss machen und ersetzte die beiden kaputten Röcke durch zwei Kleider, weil ich dachte, damit löse ich auch gleichzeitig das Problem von zu wenig Oberteilen. Zumindest eines war übrigens von einem Öko-Anbieter. Außerdem beschlossen wir, dass wir für den Urlaub neue Socken brauchen. (Socken sind eine Kaufdiät-Grauzone, wir hatten hier schon mal eine Ausnahme erwogen, weil Socken einfach trotz fleißigsten Flickens irgendwann nicht mehr zu retten sind. Oder habt ihr einen Tipp gegen durchgescheuerte Sohlen?)

Besonders dramatisch gestaltete sich dann jedoch der Abend vor der Abreise: Als wir nur noch schnell unsere Schuhe und anderen Kleinkram verstauen wollten und dazu unseren zweiten großen Traveller-Rucksack aus dem Keller holten, mussten wir feststellen, dass er leider verschimmelt war. Der Keller unserer neuen Wohnung ist scheinbar doch feuchter als es den Eindruck machte. Und als ich mir dann meine schon ziemlich abgetragenen Sneakers anziehen wollte, um noch schnell einen neuen Reiserucksack zu besorgen, entstand ein tiefer Riss zwischen Schuh und Sohle. Ich hasse es im Urlaub Schuhe kaufen zu müssen, vor allem wenn man in Ländern reist, in denen es über Schuhgröße 39 praktisch nur noch Männerschuhe gibt. Sonst hätte ich es ja drauf ankommen lassen und sie einfach noch weiter getragen bis sie auseinanderfallen (das werde ich im nächsten Frühjahr auch tun!). Aber so mussten für den Urlaub auch noch neue Sneaker her.

Damit waren wir schon zum Urlaubsstart bei ganzen vier außerplanmäßigen Käufen (+ zwei Fünfer-Paaren neue Socken für mich und den geduldigsten Ehemann von allen…) angelangt. Ein absolutes Kaufdiät-Novum und für unsere Verhältnisse seit 1,5 Jahren ein totales Konsumfiasko. Im Urlaub kamen dann noch folgende weiteren Notfälle hinzu: Halstücher für mich (die Klimaanlagen machten meinen Hals trotz sommerlicher Temperaturen fix und fertig und ich hatte für einen Sommerurlaub natürlich keine Schals eingepackt…) sowie ein T-Shirt für den geduldigsten Ehemann von allen, als er wirklich unterwegs plötzlich nix mehr zum Anziehen hatte. Er hält typisch Mann kleidungstechnisch schon seit wesentlich mehr als 1,5 Jahren Kaufdiät, der Zustand seines Kleiderschranks ist noch wesentlich dramatischer als meiner.

Das alles waren leider Fehltritte, die tatsächlich einzig und allein durch die Urlaubssituation entstanden sind. Zuhause hätten wir das alles mühelos noch gemeistert. Hier läuft unsere Waschmaschine ständig, man hat irgendwelche Ersatzschuhe parat (die waren aber leider nicht so urlaubsgeeignet) und einen neuen Rucksack hätten wir dann auch nicht gebraucht. Selbst die kaputten Röcke hätte ich eine Weile vielleicht noch verdaut.

Wenn ich das jetzt alles zusammenrechne und wir uns weiterhin streng an unsere eigenen Regeln halten wollten, hieße das, das wir für die nächsten 6-8 Monate eigentlich gar nichts mehr kaufen dürften. Das ist leider in jeder Hinsicht vollkommen unrealistisch. Dazu machen wir schon zu lange Kaufdiät und es hat sich zu viel angestaut, was wir eben doch dringend mal brauchen. Und dieser eklatante Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit führte uns in eben jene Kaufdiät-Krise, in der ich das Gefühl hatte, ich kann jetzt hier nicht in unserem Blog schlau und stolz von Konsumverzicht daherschreiben und mich gleichzeitig sowas von gescheitert fühlen. Wir sind/waren wirklich an einem Punkt, an dem wir uns sehr ernsthaft gefragt haben, ob wir es jetzt mal ganz abgesehen von unseren Urlaubs-Fehltritten – wirklich weiterhin schaffen werden, nur eine Sache im Monat zu kaufen. Die (Ersatz-)Bedarfe tun sich überall und ständig auf und die nächsten absehbaren Fehltritte (Weihnachten!) sind schon in Sicht. Grundsätzlich zeichnet sich – glaube ich – ab, dass 12 Dinge pro Jahr für eine vierköpfige Familie trotz der Ausnahmen, die wir schon eingeführt haben (Kinderkleidung, Schulbedarf, Bücher, Reparaturbedarf und Socken/Unterwäsche) dauerhaft etwas knapp ist. 12 Dinge ist natürlich eine willkürlich gewählte Anzahl, die wir gewählt haben, weil sie so einfach monatsweise zu händeln ist.

Wenn wir das wirklich weiter durchziehen wollten, müssen wir vermutlich in unserer Lebensweise noch wesentlich radikaler minimalistisch werden. Vielleicht an dieser Stelle nochmal der zentrale Unterschied zwischen dem Minimalismus, der aus einer Kaufdiät entsteht und dem Minimalismus, der durch Ausmisten erzielt wird: Bei der Kaufdiät in unserer Form geht es nicht darum, Dinge aus den hinterletzten Schrankwinkeln auszumisten, die man ohnehin nur ein paarmal im Jahr braucht (wenn überhaupt). Kaufdiät heißt ständig auf den Nachkauf von Dingen zu verzichten, die man täglich braucht und die genau wegen dieser häufigen Nutzung ständig verschleißen. Darin liegt die eigentliche Herausforderung, die uns am Anfang überhaupt nicht klar war, als wir uns so ausdachten, fast nichts mehr zu kaufen.

Gleichzeitig tritt der Effekt ein, der sich in solchen Krisen bisher immer eingestellt hat: Die Wochen zogen vorbei und wir merkten, dass wir eigentlich so was von kaufdiät-geprägt sind, dass wir uns ein „normales“ Konsumverhalten gar nicht mehr vorstellen können. Und dass wir trotz ständiger „Notfälle“ doch immer wieder irgendwie von Woche zu Woche kommen und dann ist schon wieder der nächste Monat und irgendein Loch kann wieder gestopft werden.

Deswegen geht die Kaufdiät weiter! Und ihr kriegt weiterhin die neuesten Stories und Erfahrungen! Vielleicht an dieser Stelle auch nochmal herzlichen Dank an Euch alle, die ihr auch einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, das unser Dauer-Kaufdiät-Experiment weiter und weiter geht. Ich habe in den letzten „Krisenwochen“ gar nicht mehr auf den Blog schauen wollen. Und ich war sehr gerührt, als ich nun sah, wie gut sich die Leserzahlen trotz mangelnder neuer Posts gehalten haben und dass wir wieder einige neue Follower gewonnen haben.

Liebe Leser, das alles hier ist auch für Euch, denn wir sind fest überzeugt davon, dass letztlich nur ein deutliches „Weniger an Konsum“ den bald 10 Milliarden Menschen  (und all den anderen Lebewesen)  auf diesem Planeten ein dauerhaftes Auskommen sichert. Gleichzeitig wird dieses Thema aber fast niemals offensiv thematisiert. Deswegen haben wir uns des Themas angenommen und möchten das mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Und was uns neben unserer ureigenen Überzeugung  wirklich zum Weitermachen motiviert, sind all die positiven Rückmeldungen, die wir von Euch bekommen haben. All diejenigen, die uns geschrieben haben, dass sie jetzt auch weniger kaufen wollen oder gekauft haben. Und das ist eigentlich so toll und inspirierend, dass es locker all die kleinen Alltagswidrigkeiten der Kaufdiät aufwiegt. Deswegen ist jetzt nach diesem krisenhaften Blogeintrag erstmal wieder Schluss mit dem Gejammer und wir richten den Blick nach vorn auf die neuen Erkenntnisse und Ideen, die uns unser Konsumverzicht noch bescheren wird! Denn auch das ist wahr: Eine Kaufdiät ist wahnsinnig bereichernd: In Sachen Selbsterkenntnis, Klarheit, Prioritäten sowie für etwas, was uns in unserem Konsumwahn völlig abhanden gekommen ist: Der Unterscheidung zwischen Schein und Sein.

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Im Reparaturwahn

Die Geschichte von unserem kaputten Staubsauger habe ich hier ja schon erzählt. Nun folgt Teil 2 der Story: Unsere Erfahrungen mit dem Bosch Kleingeräte-Reparaturservice. So was gibts!

Aber von vorne… Wir haben zwar einen Ersatzstaubsauger (von meiner Mutter), das ist aber so ein schwachbrüstiges Billigteil ist, das auch recht unzuverlässig Dienst tut, wollte ich nun den Bosch-Kleingeräte-Reparaturservice testen, um unseren 6 Jahre alten Staubsauger reparieren zu lassen.

IMG_2552Irgendwas an der Saugfunktion funktionierte nicht mehr, er röchelte nur noch. Außerdem war der Luftfilter etwas verschimmelt und musste ausgewechselt werden. Beim Einladen ins Auto brach dann auch noch ein Plastikteil der Abdeckhaube ab, so dass er sich nicht mehr richtig schließen ließ. Das schon recht zerkratzte Oberteil unseres Staubsauger zieren außerdem seit der Umzugsrenovierung diverse Farbkleckse. Unterwegs zum Kleingeräte-Reparatur-Service sagte ich mir, dass mich die Mitarbeiter dort vermutlich wahlweise für unverschämt, wahnsinnig, in finanziellen Nöten oder aber für einen Staubsauger-Fetischisten halten müssten, wenn ich mit dem ollen Ding dort anrückte und ernsthaft eine Reparatur fordern sollte. Mein Auftritt in diesem Laden erforderte wirklich einen gewissen Mut. Ehrlich gesagt habe ich den nur wegen unserer Kaufdiät und wegen meiner tiefsten Überzeugung von der Sinnhaftigkeit von Reparaturen im allgemeinen aufgebracht. (Und weil ich auf eine gute Geschichte für diesen Blog hoffte.)

Die Mitarbeiterin hieß unseren ollen Staubsauger dann aber wirklich äußerst professionell neutral willkommen und interessierte sich nicht im geringsten für meine weitschweifigen Erklärungen, warum und wieso ich ausgerechnet diesen Staubsauger unbedingt weiter nutzen wollte. Eine Reparatur aller drei Dinge (der Saugmechanismus, Filter und Abdeckhaube) sowie aller weiteren Dinge, die gefunden werden, würde zusammen 69,50 Euro pauschaler Festpreis kosten. Das Gerät würde dazu in die Zentrale eingesandt. Falls der Staubsauger nicht reparierbar wäre, würde man mir ein Angebot für ein neues Gerät machen. Also wenn das kein geniales Reparaturangebot ist?

Freudestrahlend fuhr ich heim. Und dann begann eine lange Zeit des Wartens. Nach drei Wochen rief ich zum ersten Mal im Laden an. Da sagte man mir, man erwarte für übermorgen eine Lieferung aus der Zentrale, vielleicht wäre er da ja dabei. Eine Woche später erneuter Anruf. Da gab man mir dann die Nummer der Zentrale, da solle ich doch mal nachfragen. Anruf in der Zentrale. Die Mitarbeitern dort am Telefon fassungslos. Was nach vier Wochen immer noch nicht fertig? (die kannte den Staubsauger ja nicht) Da müsse man unbedingt mal den Techniker fragen. Ich solle morgen nochmal anrufen.

Also ich vermute einfach: Die Techniker haben den Kopf geschüttelt, als sie unseren Staubsauger sahen. Dann ist er erstmal in irgendeiner Ecke für besonders komplizierte Fälle gelandet. Dann haben ihn alle eine Weile für Elektroschrott gehalten. Dann hat mal ein Meister den Azubi gefragt, warum er den Schrott da nicht endlich aufräumt. Dann…

Mit solchen Fantasien warteten wir also weiter auf unseren Staubsauger. Dann erneuter Anruf. Wieder eine fassungslose Mitarbeiterin am Telefon. Diesmal fassungslos, weil wir so geduldig sind. Sie versprach mir, sich zu kümmern und rief tatsächlich wie versprochen am nächsten Tag zurück. Das Problem war scheinbar, dass eine neue Abdeckhaube in der Farbe des Staubsaugers (blau) nicht mehr lieferbar war. Ich sagte ihr, dass mir die Farbe der neuen Abdeckhaube herzlich egal sei.

Eine Woche später dann der Anruf, ich könne den Staubsauger abholen. Und jetzt bin ich fassungslos und muss Euch hier einen Screenshot des Original Reparaturscheins zeigen:

Rechnung

IMG_2553Könnt Ihr Euch vorstellen, dass Bosch das alles für nur 69,50 € gemacht hat??? Bei einem 6 Jahre alten Staubsauger? Ich muss sagen, dass es ein totales Vorurteil ist, dass sich Reparieren nicht lohnt. Für die Hälfte des Original-Preises habe ich jetzt gefühlt einen neuen Staubsauger. Wenn der jetzt noch mehr als drei Jahre seinen Dienst tut, hat sich das komplett gerechnet. Zumindest für mich. Der Staubsauger hat mal 160 € gekostet. Für Bosch kann sich das eigentlich nicht rechnen. Allein die Zeit, die ich die Telefonzentrale beschäftigt habe… Und der Techniker war bestimmt auch länger als eine Stunde beschäftigt, all die Ersatzteile gar nicht eingerechnet. Ganz ehrlich: An dieser Komplexität und bei all den Ersatzteilen wäre ein Repaircafé vermutlich leider an meinem Staubsauger gescheitert.

Ich kann deswegen nicht anders, als jetzt ausnahmsweise wirklich mal einen Hersteller zu empfehlen! Probiert es, wendet Euch mit Euren kaputten Elektrogeräten an die Hersteller! Es lohnt sich! Und wenn Ihr andere Erfahrungen macht, als hier beschrieben, dann kauft vielleicht das nächste Mal einfach bei einem anderen Hersteller. (Liebe Leser, das hier ist ein Kaufdiät-Blog und damit unverdächtig für jegliche Konsumwerbung. Es ist kaum vorstellbar, dass ausgerechnet dieser Blog von irgendwelchen Unternehmen Geld für Product Placement erhält. Auch nicht von Bosch. Ich nehme auch stark an, dass Werbung für die Reparaturleistung gar nicht im Sinne von Bosch ist, weil die ja dabei vermutlich draufzahlen….)

Ich habe bei selbigem Hersteller übrigens die gleiche Erfahrung schon einmal mit unserer Waschmaschine gemacht. Man bekommt einen Festpreis, der ungefähr die Hälfte des Neupreises ausmacht, und dann wird wirklich alles, was defekt ist ausgetauscht. Da war der Techniker sogar mehrmals da. Auch hier hat Bosch definitiv draufgezahlt.

Das einzige, was man braucht, ist etwas Geduld. Aber ich denke, die lange Wartezeit hat sich vor allem auch daraus ergeben, dass ich recht unregelmäßig und mit großen Abständen nachgehakt habe. Wir hatten ja den Ersatzstaubsauger und deswegen keinen großen Leidensdruck.

Ökologisch rechnet sich die Reparatur auf jeden Fall denke ich, Klar ist mein Staubsauger jetzt auch durch die Republik gereist. Aber sonst wäre der neue Staubsauger vermutlich aus China angereist. Und die Wirtschaftsleistung ist in Deutschland zu hiesigen Sozial- und Arbeitsstandards erfolgt. Und ich habe einiges an Elektroschrott gespart und hoffe, der gute Staubsauger machts jetzt noch ein paar Jahre. Sechs weitere solltens schon werden, damit ich meine „Verdopple die Nutzungsdauer-Challenge“ auch einhalten kann.

Durch den Erfolg beflügelt, werde ich jetzt gleich unsere 8 Jahre alte Digitalkamera zur Reparatur bringen. Da hält mich dann vermutlich der nächste Dienstleister für eine Reparaturwahnsinnige.

Wieder mal ein Beitrag für die Einab-Blogparade.

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Ohne Hemd, ohne Hose, ohne Schuh…

Hochmut kommt vor dem Fall… Wir wähnten uns in Sachen Kaufdiät schon auf der totalen Siegerstraße, alles ganz easy, keine Probleme mehr. Besonders in Sachen Kleidung sind wir ja mittlerweile recht überzeugte und entspannte Kaufdiäter…

…gewesen. Bis in den letzten Wochen ein regelrechter Verschleiß-Orkan über unsere nach eineinhalb Jahren Kaufdiät schon recht reduzierten Kleiderschränke fegte. Ich weiß nicht, warum plötzlich nach vielen Jahren treuen Dienstes beim geduldigsten Ehemann von allen eine weitere Jeans (die dritte in diesem Jahr!) ganz plötzlich und unerwartet große und auffällige Löcher an pikanten Stellen entwickelte, die dort leider nicht schick sind, sondern eher Anzeigen von wütenden Frauen wegen Exhibitionismus nach sich ziehen könnten.

Auch weiß ich nicht, was nach vielen Jahren absolut zwischenfallslosen Waschens plötzlich auffällige gelbe Flecken auf einen meiner Röcke und zwei helle, langärmelige T-Shirts zauberte. Von Sonnencreme über Seifenrückstände in der Waschmaschine bis zu Kinderspielzeug in der Wäsche hatte ich alles in Verdacht ohne bislang den Übeltäter identifiziert zu haben. Aber die Klamotten sind so fleckig leider nicht mehr tragbar. (jetzt mal die gängigen mitteleuropäischen Bekleidungsstandards vorausgesetzt).

Eine kritische Inventur des Hemdenbestands des geduldigsten Ehemann von allen ergab zudem, dass vier Hemden wegen total abgeschabter Kragen eigentlich nicht mehr bürotauglich sind. Und dann riss auch noch ein weiterer meiner Röcke beim Radfahren auf. Der Rock ist über 10 Jahre alt, der darf eigentlich auch langsam in Rente, obwohl es mein absoluter Lieblingsrock ist. Trotzdem habe ich ihn nochmal notdürftig geflickt, für sehr legere Freizeitzwecke geht es noch ein Weilchen. Leider lösen sich auch bei meinem zweiten Lieblingsrock, der stolze 15 Jahre alt ist, ebenfalls langsam die meisten Nähte auf.

Ach ja, und dann gibt es noch unser Schuhelend. Meine Sandalen sind ca. 8 Jahre alt (und sehen aus wie mindestens 10 Jahre). Meine Ballerinas sind stolze 10 Jahre alt und langsam wirklich reif für die Rente. Meine beiden paar Chucks sind völlig am Ende, die Sohle löst sich an mehreren Stellen vom Stoff (beide erst 2 Jahre alt, buh!). Meine Stiefel, ebenfalls mindestens 6 Jahre alt, haben von mir die letzten Jahre jedes Jahr mindestens einen, manchmal auch zwei neue Reißverschlüsse spendiert bekommen. Aber jetzt löst sich der Leim an der Sohle auf und gerade ist der Reißverschluss wieder kaputt gegangen – jetzt machen 30 € Reparaturkosten langsam wirklich keinen Sinn mehr. Lauter Lieblingsschuhe, die mich wirklich lange, lange treu begleitet haben, müssen nun allmählich traurig verabschiedet werden.

Aber wie sollen wir das alles unter Kaufdiät-Bedingungen eigentlich ersetzen? Darüber zerbrechen wir uns derzeit noch den Kopf. Und während wir aus unseren Schränken, das Allerallerallerletzte an Reserven aufzubieten versuchen, schwant uns doch, dass wir diese geballte Verlustwelle womöglich nicht ganz kaufdiät-konform auffangen werden können. Vielleicht ist eine Kleiderkaufdiät in den ersten 1,5 Jahren kein Problem, aber dann ballen sich scheinbar allmählich die Verluste. Es ist ja wegen der Kaufdiät auch nur wenig Ersatz hinzugekommen. Und seit wir nichts Neues kaufen werden alle Dinge ja auch wesentlich intensiver genutzt als vorher. Das macht sich besonders an den Schuhen bemerkbar. Einige Bedarfe lassen sich noch etwas schieben (die Sandalen z.B. auf den nächsten Sommer). Aber kann man der geduldigste Ehemann von allen mit nur drei Hosen (+ drei Anzughosen) überleben? Er kann ja nicht auf Röcke ausweichen wie ich.

Na ja, und nachdem meine Röcke jetzt auch knapp werden: Was soll ich jetzt eigentlich anziehen? Ich habe überhaupt an langen Hosen nur noch eine Jeans und eine sehr helle Stoffhose (die nach jedem Tragen ein Fall für die Wäsche ist)  sowie drei Anzughosen + einen Businessrock, die ich aber nur zusammen als Hosenanzug trage, um mein Business-Outfit zu schonen. Außerdem verbleiben mir jetzt nur noch drei intakte Röcke (davon ein Winterrock) und ein Sommerkleid. Zu zwei der Röcke habe ich nun auch keine passenden Schuhe mehr, wenn sich die Ballerinas verabschieden. Das ist alles schon recht knapp, um durch eine normale Woche zu kommen.

Grundsätzlich könnte man auch mit noch weniger Kleidung leben. Aber dann komme ich mit den Waschmaschinen nicht mehr hin. So schnell kriege ich die Maschinen nicht voll und auch nicht immer alles gewaschen.

Tja, wir halten noch tapfer durch und werden jetzt den ein oder anderen Kleiderkauf in die Kaufdiät einbauen müssen. Aber vielleicht müssen wir jetzt allmählich den ein oder anderen Schwund auch zusätzlich ersetzen, um weiterhin mitteleuropäischen Bekleidungsstandards zu genügen. Oder wie es eine Freundin ausdrückte, die ein großer Fan unserer Kaufdiät ist:

„Du hast beruflich so viel mit Menschen zu tun, die du von mehr Nachhaltigkeit und deinen Projekten überzeugen musst. Aber denen kannst du nicht allen erklären, dass ihr eine Kaufdiät macht. Wenn du hier nicht professionell gekleidet aussiehst, dann kannst du sie vielleicht auch nicht mehr von guten Projektideen überzeugen.“

Na ja, mal sehen, wie wir das alles stemmen. Wir werden auf unserer Seite unserer 12 Dinge sowie evtl. auch auf der Seite der Notfälle und Fehltritte berichten….

Die Minimalismuskrise

Ich habe talentierte Freunde. Nicht nur, dass einige von ihnen einen exquisiten Geschmack und wunderschön eingerichtete Wohnungen haben. Andere wiederum sind Meister des Selberbauens und Upcycelns und man könnte ihre Wohnung eigentlich direkt als Werbekatalog für geschmackvolles Do-it-yourself ablichten.

Ich tröste mich damit, dass ich andere Stärken habe. Möbelbau gehört da jetzt eher nicht dazu. Aber wenn ich aus einer dieser hippen Wohnungen zurückkomme, habe ich plötzlich das Gefühl, dass hier dringend ein Tischchen mit Deko drauf stehen müsste. Und da bräuchte es ein paar Bilder. Und da drüben eine schicke Stehlampe. Und hier ein Wandregal. Und in der Ecke ein antikes Kleinmöbel. Und hier noch ein Kissen und da ein Deckchen. Und die Vase muss eigentlich raus und stattdessen so ein schickes neues Väschen rein. Und dann bekomme ich manchmal sowohl eine Minimalismus- wie auch eine Kaufdiät-Krise.

Glücklicherweise habe ich inzwischen gelernt, dass diese Krise nur wenige Tage bis Stunden anhält. Sobald ich dem Eindruck der Wohnung entzogen bin, die mir so gefällt, bin ich wieder vollkommen glücklich mit den weitgehend freien Wänden und freien Wegen unserer wunderschönen Wohnung, die wie ich finde, auch für sich einfach wunderbar ist. Kurz: einem minimalistischen Umfeld. Um Möbelschweden, Wohnzeitschriften und Pinterest muss ich dann in dieser Zeit aber einen weiten Bogen machen. Sonst packt mich der Kaufrausch.

Das zeigt wieder mal eindrucksvoll, dass Bedürfnisse in uns durch Vorbilder (aus Zeitschriften, Werbung, Auslagen, von anderen Leuten) überhaupt erst geweckt werden. Wo vorher Zufriedenheit war, entsteht plötzlich ein gefühltes Defizit. Ich glaube sogar, dass unser hoher Konsum-Standard sich so immer weiter anheizt. Wenn ich z.B. an Wohnungseinrichtungen befreundeter Familien meiner Kindheit denke, war der Anspruch hier wesentlich bescheidener. Die Inszenierung des Selbst durch einen bestimmten Stil und die dazu passenden Accessoires haben da zumindest in den Wohnungen, an die ich mich erinnere, keinerlei Rolle gespielt.

Wenn ich mir Wohnzeitschriften, Pinterest u.ä. ansehe, habe ich das Gefühl, dass das, was man hat und zeigt, zum vermeintlich individuellen Ausdruck der Persönlichkeit hochstilisiert wird. Ich bin gerade auf der Suche nach einer Lampe, weil wir ja in Wohn- und Esszimmer immer noch keine haben, und wenn ich mir so die Blogs, Zeitschriften und Pinterest zu dem Thema ansehe und danach die Auslage des Designer-Möbelladens in unserer Innenstadt, dann habe ich das Gefühl, dass es derzeit ungefähr 10 – 15 Lampen gibt, die gerade angesagt sind, und die einen durch alle Wohnzeitschriften hindurch regelrecht verfolgen. So viel zum Thema Individualität.

Muss ich mir jetzt also selbst eine Lampe aus Papier, Küchensieben oder Ästen kreieren, um individuellen Stil zu beweisen? Wann sind Möbel eigentlich so wichtig geworden für den individuellen Ausdruck?

Dann stelle ich beim Betrachten der aktuellen Pinterest-Bilder zum Thema Einrichten und beim Betrachten zugehöriger Blogs noch fest, dass ich auch eine Wand grau streichen sollte. Unbedingt. Mindestens. Oder wenigstens ein graues Sofa anschaffen. Daneben muss dann eine Stehlampe mit drei Beinen und einem weißen Lampenschirm stehen. Wenn dann dahinter noch eine sorgfältig angeordnete Collage aus schwarz-weiß-Bildern hängt, daneben vielleicht noch ein kleines Tischen mit einer Vase drauf, dann habe ich endlich den Zeitgeist getroffen und eine total geschmackvolle und individuelle Wohnung. Genau die, die in allen Medien gerade gezeigt wird.

Nee, Leute. Ich bleibe Minimalistin. Und entziehe mich weiterhin jeglichem Modediktat in Sachen Einrichtung. Nebenbei gesagt: Dieses wunderbar aufgeräumte Feeling des so gefeierten skandinavischen Stils erzielt man mit der Zeit ganz automatisch mit einer Kaufdiät. Nichts verhindert sicherer das Zumüllen mit zu viel Dekogegenständen und Krimskrams. Alles wird einfach langsam, ganz langsam weniger.

Oder müssen jetzt doch mal ein paar neue Bilder her?

 

 

 

Gute und böse Tüten

„Ich kaufe im Supermarkt Plastiktüten, weil ich sie danach als Müllbeutel nutze, dann muss ich keine Müllbeutel kaufen“, erklärte mir unlängst ironischerweise ausgerechnet jemand, der von Berufs wegen Experte in Sachen Abfall ist. „Ach, brauchen Sie denn noch Mülltüten?“ hätte ich am liebsten geantwortet.  Tatsächlich sind Müllbeutel etwas, auf das unser Haushalt inzwischen mühelos verzichten kann, seit wir in einem Haus mit Biotonne wohnen.

Wir produzieren im Monat ungefähr noch einen Beutel Plastik-Verpackungsmüll. Da sowohl mein Mann als auch ich regelmäßig in Anzug/Blazer zur Arbeit erscheinen müssen, erhalten wir diesen einen Beutel in der Regel dadurch, dass wir hin und wieder einen Anzug in die Reinigung geben. Die unvermeidliche Folie, mit der man das gereinigte Stück zurückerhält, entfernen wir vorsichtig, knoten sie unten zusammen und das ist dann unser monatlicher Plastikmüllbeutel (die Metall-Kleiderbügel aus der Reinigung nehmen die Reinigungen übrigens gern zurück). Für den Restmüll, der eigentlich nur noch in äußerst überschaubarer Menge anfällt, nehmen wir die Plastikverpackung des Toilettenpapiers. Damit kommen wir mühelos über die Runden, obwohl wir sogar noch zwei Mülleimer (einen in der Küche, einen im Bad) damit bestücken. Die füllen sich eben nur so langsam.

Unseren Biomüll sammeln wir in einer verschließbaren Tupperdose, die wir spülen, das Altpapier in einer Kiste.

Also, wozu bitte schön braucht man überhaupt Müllbeutel? Und Wegwerftüten – egal aus welchem Material? Fantastisch finde ich in diesem Zusammenhang, dass gerade ALDI hier den konsequentesten Weg geht und Einwegtüten ganz aus seinen Märkten verbannt. Nicht nur Plastiktüten, sondern auch die Papiertüten (hier z.B. ein aktueller Artikel hierzu). Mit äußerst gemischten Gefühlen beobachte ich nämlich, wie sich zunehmend Papiertüten wegen des allgemeinen Plastik-Bashings immer stärker verbreiten. Unsere Gemüsekiste, die ihre Kisten aus hygienischen Gründen mit Plastiktüten auslegte, hat diese jetzt durch Papier ersetzt. Und der Biomarkt hat die kleinen Plastiktütchen in der Obst- und Gemüseabteilung auch durch Papiertüten ersetzt.

Bei aller Plastikfeindschaft: Solange man seine Plastiktüte nicht in die Landschaft wirft, ist die Ökobilanz von Papiertüten wesentlich schlechter als die von Plastiktüten. (ökologische Infos zu wirklich jeder Sorte von Tüten findet man übrigens hier bei der Dt. Umwelthilfe).

Wir sollten uns – wie im Falle der Mülltüten – eher fragen: Warum überhaupt Einwegtüten? Egal aus welchem Material. Ich kaufe inzwischen am liebsten mit diesen kleinen Stoffbeutelchen Obst und Gemüse ein. Diese Stoffbeutelchen nutze ich übrigens auch gern beim Bäcker. (Auch hier gilt: Böse Papiertüten!) Alle Bäckereien, bei denen ich bislang damit aufgeschlagen bin, fanden das übrigens toll und haben mir sehr gern, was immer ich wollte, dort hinein gepackt.

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Die Tüten sind so klein, dass sie in jede Tasche passen, ich habe sie inzwischen wirklich immer dabei und wenn sie schmutzig sind, laufen sie einfach einmal in der Waschmaschine mit. Das gleiche gilt übrigens für die praktischen, in kleine Täschchen zusammenfaltbaren Polyester-Tüten, die auch von der Dt. Umwelthilfe noch vor Jutebeuteln favorisiert werden. Die halten wirklich ewig, unsere sind seit mehreren Jahren im Einsatz. Tüten-Kaufdiät ist also etwas, das uns wirklich sehr leicht fällt…

Wieder mal etwas für die Einab-Blogparade….

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Unser Müllberg

Der Müll für dieses Foto sammelte sich in unserem Einbauschrank in den letzten drei Monaten. Ich beklage mich ja häufig, dass in unserem Kaufdiät-Haushalt ständig was kaputt geht. Voilá – hier mal wieder anschaulich illustriert….

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Es ist wirklich beeindruckend, wie viel Müll permanent so en passant und unbeachtet aus all unserem Krams entsteht. Wir merken das nur nicht, weil wir ihn meist nicht so sammeln, sondern einfach gleich wegwerfen.

Bei Plastik ist es besonders krass, wie auch dieser aktuelle Artikel im Spiegel zeigt:

„Kunststoffe gehörten mittlerweile zu den am meisten vom Menschen hergestellten Materialien – mit Ausnahme von Stahl oder Zement. „Etwa die Hälfte des produzierten Stahls geht in Bauwerke, wird also für Jahrzehnte genutzt – mit Plastik ist es das Gegenteil“, erläutert Geyer. „Die Hälfte der Kunststoffe wird nach vier oder weniger Jahren zu Müll.“

Bis zum Jahr 2015 seien 6300 Millionen Tonnen Plastikmüll angefallen. Davon seien nur etwa neun Prozent wiederverwertet worden und zwölf Prozent verbrannt. Der überwältigende Teil – 79 Prozent – befinde sich in der Umwelt oder auf Deponien.“

Das ist einfach gruselig, oder? Wenn ich mir unter diesem Blickwinkel kritisch unseren Plastikmüll ansehe, dann muss ich zugeben, dass auch ca. 50 % der abgebildeten Dinge weniger als 4 Jahre alt sind. Wir geben uns zwar redlich Mühe: Z.B. haben wir den abgebildeten Rucksack der kleinen Maus von der Straße aufgelesen, das Töpfchen haben wir für zwei Kinder genutzt und dann noch redlich versucht, Abnehmer zu finden, wollte aber wirklich niemand und ich habe beschlossen, dass es doch etwas zu extrem wäre, es nun für meine Enkel aufzubewahren. Einiges, was nun Abfall ist, ist uns über Geschenke zu Kindergeburtstagen u.ä. zugeströmt.

Aber es hat mich doch wieder sehr nachdenklich gemacht und auch wieder für unsere Kaufdiät motiviert. Alles, was wir gar nicht erst kaufen, wird auch nicht zu Müll. Vor allem motiviert mich das Bild wieder zu Qualität. Wie unsinnig, Dinge zu kaufen oder zu verschenken, die so schnell wieder zu Müll werden….

Ich liebe in diesem Zusammenhang ja die Aktion von Rob Greenfield, der 30 Tage lang jedes Stück Müll, das er produzierte mit sich herumtrug. Falls ihr das noch nicht kennt, unbedingt mal hier reinschauen. Da kann ich ja gottfroh sein, dass ich unseren Plastikmüll nicht mit mir rumtragen muss…

Zahllose gute Ideen, wie Ihr außer durch Kaufdiät Müll vermeiden könnt, findet Ihr übrigens auch bei der Einab-Blogparade.

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Kinder & Kaufdiät

Eine der schwierigsten Herausforderungen unserer Kaufdiät sind unsere Kinder. Obwohl Kinderschuhe, Kinderkleidung, Schul- und Bastelbedarf von der Kaufdiät ausgenommen sind, brauchen Kinder ständig neue Dinge. Zum einen weil sie nicht nur aus Kleidung, sondern auch aus allen möglichen anderen Dingen (Betten, Fahrradhelmen, Kindersitzen, Kinderrädern…) ständig herauswachsen. Und dann haben Kinder noch eine ganze Menge „Sonderbedarfe“, die man ihnen einfach zugestehen möchte. Besonders der Sommer hat es da in sich! Während ich bei neuen Lego- und Playmobilsets, beim Kuscheltierkiosk im Zoo oder der Holzschwertgalerie beim Mittelaltermarkt dank Kaufdiät gnadenlos hart bleiben kann, fällt es bei anderen Dingen wirklich schwer, ihnen das zu verwehren. Manchmal finden wir alternative Lösungen, aber einige Fehltritte müssen wir an dieser Stelle doch beichten…

Gut gelöst haben wir zum Beispiel die Frage der Tischtennisschläger. Der kleine Tiger hat im Schulhof Tischtennisplatten stehen und würde gern nach der Schule da mit seinen Kumpels Tischtennisspielen. Gut, dass die Oma noch ein Set Schläger und Ball übrig hatte.

Andere Dinge gehen einfach verloren: Zum Beispiel Bälle. Auf Dächer geflogen, in unerreichbarer Höhe in Bäumen hängengeblieben oder einfach unbemerkt davongerollt und dann verschwunden. Aber ein Kind ohne Ball? Das geht eigentlich nicht, oder? Deswegen kamen wieder Bälle ins Haus. Bälle, weil sich die kleine Maus und der kleine Tiger nicht einigen konnten, ob es ein Fußball oder doch der Eiskönigin-Spielball werden sollte. Ich plädierte ebenfalls für den Eisköniginnen-Ball, der geduldigste Ehemann von allen natürlich für den Fußball. Um ausufernde Familienkrisen zu vermeiden, haben wir beides gekauft und werten die beiden Bälle jetzt als unseren Julikauf.

Streng genommen als Fehltritt muss ich dagegen die Federbälle werten, die ich gekauft habe. Weil ohne Federbälle sind unsere Federballschläger einfach sinnlos. Sportliche Sommer- und Draußenaktivitäten finde ich aber einfach so wünschenswert. Ich tendiere dazu Federbälle wie auch Tischtennisbälle als „Verbrauchsgüter“ zu deklarieren, so dass wir hier bei Bedarf auch im Rahmen unserer Kaufdiätregeln für Nachschub Sorgen können.

Dann gab es da noch den Stadtteilflohmarkt. Wir waren so oft in Versuchung, dass wir überlegt haben, für Flohmärkte Kaufdiät-Sonderregelungen einzuführen. Aber dann waren wir doch wieder ganz brav und haben gemäß unserer Regeln nur einen Kauf (Inlineskates inkl.  Zubehör für den kleinen Tiger = unser Junikauf) getätigt. Aber kann man den Kindern, begeisterte Flohmarktbesucher übrigens, denn wirklich ein kleines Mitbringsel verwehren? Also durfte sich die kleine Maus eine kleine Figur für 50 Cent aussuchen. So haben wir uns mit diesem Einhorn versündigt. Süß war, dass der kleine Tiger, der dann schmollte, von seinem Freund, der auch dabei war und von seinen Eltern mit einem eigenen Kaufbudget ausgestattet war, großzügig weitere Dinge geschenkt bekam, z.B. ein paar Handschellen.

Und dann war da noch die Sache mit den Wasserpistolen. Leider ist die letzte verbliebene Wasserspritze der Kleinen nach 1,5 Jahren tapferen Dienstes nun doch kaputt gegangen. Ein Sommer ohne Wasserpistolen? Ich glaube, für eine Vier- und einen Sechsjährigen ist das die Höchststrafe. Es gab beim ersten Seeausflug und beim ersten Wasserspielplatzbesuch traurige Szenen. Das kann ich auch gut verstehen. Also habe ich dann pünktlich zum ersten Schwimmbadbesuch den beiden ganz gegen unsere Regeln ganz unökologische Plastikmonster, nämlich zwei Wasserpistolen gekauft, von denen die eine sofort beim ersten Einsatz in einem unbewachten Moment zum Leidwesen der Kinder scheinbar einen neuen Besitzer fand…. Jetzt müssen sie mit einer Wasserpistole durch den Sommer kommen.

Irgendwie hatte ich einfach das Gefühl, dass wenn wir in solchen kleineren Fragen zu dogmatisch an unserer Kaufdiät oder an Plastikvermeidung hängen, unsere Kinder als Gegenreaktion irgendwann radikale Konsummonster werden. Deswegen lassen wir eben lieber in den geschilderten Kleinigkeiten fünfe gerade sein, um in der großen Linie dauerhaft konsequent bleiben zu können. Wir haben die Kaufdiät übrigens mit den Kindern bislang nicht großartig thematisiert. Ich will sie da gar nicht mit aus ihrer Sicht komplexen Regeln konfrontieren. Irgendwie soll es einfach selbstverständlich sein, dass wir nicht viel kaufen. Eigentlich vermissen Kinder ja auch vieles gar nicht, was wir für dringende Bedarfe halten. Interessanterweise akzeptieren sie es auch sehr gut, dass sie wegen der Kaufdiät meist nicht bekommen, was sie wollen. Wenn sie etwas möchten, sagen wir ihnen inzwischen immer: Merkt es Euch für Euren Geburtstag!

Die Geburtstage und auch Weihnachten haben sich nämlich aus Kaufdiät-Sicht als völlig unproblematisch herausgestellt. Wir schenken unseren Kindern nämlich gar nichts mehr. Das haben sie bislang nicht einmal gemerkt, weil ja Tanten, Freunde und die ganze Schar der Kindergeburtstagsgäste für Geschenkefluten sorgt. Wir versuchen jetzt stattdessen durch gezielte Wünsche an die Schenkenden das alles in etwas sinnvolle Bahnen zu lenken. Nur für die Bälle und die Wasserpistolen waren die Herbst- und Wintergeburtstage jetzt leider etwas spät….

So, nach der gebündelten Beichte sämtlicher Fehltritte, zum Abschluss noch eine gute Nachricht. Kinder können auch wahnsinnig bescheiden sein. Aus meiner Sicht ist dringend ein neuer Rucksack für die kleine Maus fällig. Ihren jetzigen haben wir im letzten Jahr von der Straße aufgelesen (wie hier beschrieben) und er löst sich wirklich langsam auf. Ich schäme mich inzwischen auch ernsthaft vor den anderen Kindergarteneltern, dass ich mein Kind mit so einem Lumpenrucksack in den Kindergarten schicke. Ich hatte gehofft, auf dem Flohmarkt einen neuen zu finden. Aber als ich die kleine Maus fragte, ob sie einen neuen Rucksack möchte, sagte sie ganz bescheiden: „Nein, der geht schon noch. Und er hat so schöne bunte Reißverschlüsse.“

Und der kleine Tiger erzählte mir neulich, dass alle, aber wirklich alle in seiner Klasse nun einen Spinner haben. Als ich ihn fragte, ob er deswegen auch einen möchte, sagte er: „Och, nö.“