Einkauf oder Glücksspiel?

Vor langer, langer Zeit, als wir noch keine Kaufdiät machten, kaufte ich einmal drei Paar Schuhe auf einmal (oh mein Gott! Unvorstellbar! Drei!). Zwei Paar waren aus Leder und recht schick. Weil ich für meine Business-Outfits noch ein ganz simples schwarzes, etwas höheres Paar brauchte, kaufte ich noch das Dritte dazu (weil es auch so billig war). Das Ober“leder“ hatte eine seltsame etwas gemusterte Struktur, so dass es gar nicht flächendeckend echtes Leder war. Gefühlt waren das die billigen Schuhe, die man halt schnell noch mitnimmt. Was soll ich sagen? Von diesen drei Paar Schuhen besitze ich nur noch ebendieses dritte Paar. Es begleitet mich nun treu in seinen vierten (oder ist es der fünfte?) Herbst und weil ich nicht mehr viele Schuhe besitze, ist es eigentlich ganzjährig so gut wie ständig im Einsatz, wenn geschlossene schwarze Schuhe gefragt sind. Reißverschluss, Absätze, Material – alles ist noch top. Während seine Kollegen-Schuhe sich längst restlos in ihre Einzelbestandteile aufgelöst haben, läuft dieses Paar unermüdlich weiter.

Es ist einfach wunderbar, solche Produkte zu haben. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mich reißt jeder Verlust eines häufig genutzten, lieb gewordenen Gegenstandes aus meiner Komfortzone. Und das liegt nicht nur an der Kaufdiät. Wenn die geliebte Hose kaputt geht, wünsche ich mir oft nichts mehr, als dass ich diese jetzt genau so wieder finden und kaufen könnte. Am liebsten hätte ich ja genau dieses Produkt behalten.

Wenn ich nun bei zukünftigen Käufen nur wüsste, wie man genau diese unverwüstlichen Produkte identifiziert? Ich hätte niemals, wirklich niemals gedacht, dass diese Schuhe von den gekauften am längsten halten würden. Ich hatte sie für die billigsten gehalten und habe ihnen am wenigsten zugetraut. Ich habe einfach keine Ahnung von Schuhqualität. Das muss ich hiermit eindeutig feststellen. Kaufdiät macht demütig. Marken? Materialien? Alles keine Kriterien, jeder Kauf gleicht einem Glücksspiel… Das habe ich nicht nur bei Schuhen beobachtet, sondern auch bei vielen anderen Produkten. Markenbettwäsche? Sündhaft teure Bio-Bettlaken? Weniger haltbar als IKEA-Standardware. Nachhaltige Unterwäsche? Leider in Sachen Haltbarkeit bislang Tchibo deutlich unterlegen. Es ist frustrierend!!!

Dieses Glücksspiel konterkariert leider teilweise meine Idee, das Geld statt in unnötige Käufe in wirklich nachhaltige Produkte zu investieren. Wobei ich hier auch wunderbare Erfahrungen gemacht habe: Als zwei unserer Matratzenbezüge in der Wäsche kaputt gingen, habe ich im Frühjahr einen wirklich wahnsinnig teuren nachhaltigen Ersatz gekauft (zählte nicht in die Kaufdiät, weil Reparaturbedarf…). Das ist der tollste Matratzenbezug meines Lebens! Am liebsten würde ich jetzt ganz aufs Laken verzichten und mich direkt da rein kuscheln.

Also liebe Hersteller: Wenn wir schon konsumieren sollen, warum produziert ihr so wenig Produkte, die man einfach lieben muss? Was bringt uns die zigste zwar nett gemusterte aber im Grund lieblose Bettwäsche? Wo ist die Unterwäsche, die ich nie wieder ausziehen will? Die Schuhe, in denen ich bis ans Ende der Welt laufen will? (und auch kann?)

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Der Ersatz vom Ersatz

Besonders ärgerlich ist es unter Kaufdiätbedingungen, wenn man etwas kaufen muss. Richtig frustrierend ist es, wenn man den gleichen Gegenstand schon einmal gekauft hat. Wir machen erst seit 2 1/2 Jahren Kaufdiät. Eigentlich unglaublich, dass dieser Fall in diesem kurzen Zeitraum schon überraschend oft eingetreten ist. Hier sind die Übeltäter, die unsere Kaufdiät-Bilanz versauen und uns zu ständigen Neukäufen zwingen:

Platz 1 der Übeltäter: Jeans
Nicht nur musste ich im ersten Kaufdiätjahr neue Jeans für mich kaufen, weil die nur 2-3 Jahre alten Vorgänger durchlöchert waren und ich wenigstens eine intakte Jeans fürs Büro benötige. Im nun dritten Kaufdiät-Jahr musste ich eben diese neu gekaufte Jeans wiederum ersetzen, weil sich im Schritt brisante Löcher auftaten. Auch der geduldigste Ehemann von allen brauchte aus demselben Grund bereits zwei neue Jeans. Damit sind 4 von 30 im Rahmen unserer Regeln für diesen Zeitraum vorgesehenen Käufen für Jeans verbraten worden. Das sind über 10 % unseres Kaufbudgets! Jeans ist unser größter Kaufposten! wer hätte das gedacht???

Platz 2 der Übeltäter: Kinderrucksäcke
Der Kindergartenrucksack muss nur eine recht überschaubare Funktion erfüllen: Er muss morgens die Brotzeitdose sowie gelegentlich auch kleine Spielsachen, Turnschlappen und Ballettkleidchen zum Kindergarten sowie nachmittags noch diverse Kinderzeichnungen und Bastelwerke nach Hause transportieren. Ansonsten hängt der den ganzen Tag über ordentlich an einem Garderobenhaken. Die Beanspruchung hält sich also recht in Grenzen. Dennoch hat die kleine Maus in ihrem vierten Kindergartenjahr den mittlerweile vierten Rucksack im Einsatz. Einen haben wir auf der Straße „zum Verschenken“ aufgelesen. Zwei haben wir im Rahmen der Kaufdiät gekauft. Einen handgenäht von einer Bekannten einer anderen Kindergartenmutter. Einen nun vom Flohmarkt. Bei den Plastikrucksäcken ist es vor allem der Reißverschluss, der schnell Probleme bereitet. Bei den Stoffrucksäcken (also den letzten beiden Exemplaren) hat sich der Stoff als zu wenig belastbar erwiesen.  Gut, dass sie nächstes Jahr in die Schule kommt. Schulbedarfe sind von der Kaufdiät ausgenommen! (und Schulranzen scheinen auch wesentlich belastbarer zu sein!)

Platz 3 der Übeltäter: W-LAN-Sticks
Da bei unserem mittlerweile recht betagten Notebook die WLAN-Karte unreparierbar kaputt ist, sind wir für drahtlose Internetverbindung auf WLAN-Sticks angewiesen. Da unser Notebook tatsächlich auch mobil genutzt wird, sind diese doch immer wieder großen Belastungen ausgesetzt. Nachdem der erste kaputt gegangen war, haben wir uns eine Weile wieder LAN-verkabelt, bis wir feststellten, dass wir dann unseren Drucker nicht mehr ansteuern können, der gar kein Kabel mehr hat. Jetzt ist der Ersatzstick also auch wieder kaputt und wir brauchen schon wieder einen neuen! Diesmal haben wir aber beschlossen, dass das als Reparaturbedarf zählt, immerhin repariert der Stick unser sonst kaputtes Notebook. Trotzdem ärgerlich!

Platz 4: Plastikbrotzeitdosen
Plastikbrotzeitdosen haben uns bislang überwiegend als Geschenke erreicht und mussten deswegen nicht angeschafft werden. Vom Werbegeschenk bis zur Tupperausmist-Aktion von Kolleginnen kamen wir hier bislang gut ohne Neukäufe lang. Gott sei Dank, denn die Haltbarkeit dieser Geschenke ist doch recht überschaubar. Ob Edelstahlboxen allerdings wirklich so viel länger durchhalten, muss sich auch erst noch erweisen. Hier sind vor allem die Verschlüsse die Schwachstellen…

auf dem Weg auf Platz 5: Bettwäsche
Vielleicht liegt es daran, dass wir aus Minimalismusgründen nur noch sehr wenig Bettwäsche haben und sie deswegen so viel im Einsatz sind? Oder schlafen wir zu viel? Jedenfalls gehen unsere Bett- und Kissenbezüge ebenso wie Laken reihenweise in Fetzen. Ich rede nicht von kaputten Reißverschlüssen – die ignorieren wir. Besonders auf unseren Kissenbezügen und in einigen Laken sind regelrechte Löcher aufgerissen. Einige konnte ich noch nähen. Aber wir werden hier doch nachlegen müssen. Unsere Bettbezüge sind eigentlich nicht älter als 5-6 Jahre. Darunter ist auch Markenbettwäsche ebenso wie Biobaumwolllaken eines Ökolabels. Die günstigen IKEA-Bezüge halten eigentlich noch mit am besten. Wie haben die das früher nur mit der Aussteuer gemacht? Haben die jungen Frauen nicht die Bettwäsche fürs Leben in die Ehe mitgebracht? Na ja, die Ehen halten heutzutage ja auch kürzer. Da haben sich die Bettwäschehersteller vielleicht angepasst…

 

Für die weiteren Plätze gibt es übrigens auch schon einige Anwärter, die aber vermutlich (hoffentlich!) bis dahin noch ein bisschen durchhalten! Einige Dauerbruchkandidaten werden von uns schon gar nicht mehr ersetzt, z.B. diese praktischen Plastikklappkisten, die leider auch recht schnell kaputt gehen oder auch die IKEA-Körbe, die so toll in IKEA-Regale passen und zwar hübsch aussehen, aber leider teilweise für dauerhafte Verwendung völlig ungeeignet sind. Andere Ersatzkandidaten, die ich schon zu Beginn unserer Kaufdiät mit Sorge im Blick hatte, halten dagegen erstaunlich gut durch, z.B. unsere Pfannen.

Gibt es bei Euch im Haushalt auch Dinge, die immer wieder kaputt gehen? Wie häufig wir gleiche Dinge innerhalb weniger Jahre ersetzen, ist mir ehrlich gesagt mit der Kaufdiät überhaupt erst aufgefallen.

 

 

Beschwerde wegen Kaufnötigung

Manchmal wird man zum Erwerb von Dingen gezwungen, die man gar nicht haben wollte. Das ist eigentlich Nötigung. Im Marketingsprech heißt das allerdings Gratisgeschenk. So überrumpelte mich der Hersteller meiner Kontaktlinsenflüssigkeit mit einer an die übliche Vorratspackung geklebten kleineren Packung. Ich vermutete eine kleine Zusatzflasche Kochsalzlösung (manchmal ganz praktisch auf Reisen). Beim Auspacken stellte ich dann aber verblüfft fest, dass mir hier ein komplettes Ladekabel für Handy, Tablet & Co. fürs Auto aufgenötigt worden war. Was soll ich dazu sagen??? Ich habe gar kein Auto! Da wird nun Millionen von Kunden ein Produkt aufgezwungen, das mit dem verkauften Produkt Kontaktlinsenlösung nicht das geringste zu tun hat und dass sie entweder nicht brauchen oder aber vermutlich, wenn sie es denn bräuchten, schon haben. Der Sinn einer solchen Maßnahme erschließt sich mir absolut nicht.

Neukunden-Werbung? Dazu muss man wissen, dass man diese Lösung beim Optiker kauft, nicht im Ladenregal, das heißt, man kann es sich nicht mal selber nehmen und bevor einem der Verkäufer das gewünschte Teil reicht, sieht man nicht mal, dass überhaupt ein Gratisgeschenk dabei ist. Ich habe es nicht mal bemerkt, als das Ding schon vor mir auf dem Tisch stand.

Kundenbindung? Also ehrlich gesagt würde ich diese Lösung jetzt nicht nur deswegen wieder kaufen, weil da mal so ein Ladekabel dabei war.

Also was bewegt einen Konzern in einem preislich hart umkämpften Markt mehrerer austauschbarer gleichwertiger Konkurrenz-Produkte so einen finanziellen Aufwand zu treiben? Mit einem Sonderangebot in selbem finanziellen Umfang hätten sie sich sicher viel mehr Umsatz erzielt. Und viel weniger unsinnigen Elektroschrott produziert!

Um das Beste aus dem ungewollten Kauf zu machen, versuchte ich zunächst das Ding zu verschenken, stellte aber fest, dass tatsächlich alle die infrage kamen, so was ähnliches schon hatten. Dann stellte ich aber fest, dass das Ding auch an die Steckdosen-Schnittstelle meines Ladekabels passt und ich es also auch in der Wohnung zum Aufladen verwenden kann. Somit hat es nun wenigstens noch einen Sinn erhalten können, weil nämlich die IPhone-Ladekabel hinsichtlich ihrer Lebensdauer eine Frechheit sind und wieder mal das Ladekabel meines Diensthandys verschlissen war. Also muss nun wenigstens mein Chef kein neues Ladekabel kaufen.

Das Gegenteil von Kaufnötigung betreibt in dieser Hinsicht übrigens Fairphone, die konsequenterweise gar kein Ladekabel mitliefern in der berechtigten Annahme, dass jeder sowas schon zuhause hat. Das kann ich an dieser Stelle nur nochmal explizit sehr loben!

 

Wie lange ist eine Kaufdiät möglich?

Zwei Jahre sind wir mit unserer Kaufdiät nun schon am Ball. Also seit zwei Jahren verfolgen wir ernsthaft das Ziel, als vierköpfige Familie nur 12 neue Gegenstände im Jahr zu kaufen.

Langjährige Leser unseres Blogs wissen, dass wir das nicht immer geschafft haben. Gerade das letzte Jahr war eigentlich in vielerlei Hinsicht ein Fiasko. Wenn ich alle unsere großen und kleinen Fehltritte überschlage, haben wir ungefähr doppelt so viele Gegenstände gekauft. Das ist zwar an unseren ambitionierten Zielen gemessen, ein Fehlschlag. Aber wenn man sich unseren Gesamtkonsum betrachtet, dann ist es doch immer noch ein ziemlicher Erfolg, würde ich sagen. Der größte Erfolg waren eigentlich all die Dinge, die wir nicht gekauft haben. Ich hatte zu Beginn unseres Projektes einmal überlegt, auch Nicht-Käufe in einer Liste zu führen, also alles, was man trotz großer Verlockung wegen unseres Konsumverzichts nicht gekauft hat. Mir wurde dann aber schon in den ersten Wochen schnell klar, dass diese Liste viel zu lang werden würde.

Unsere größte Herausforderung im letzten Jahr war, dass unsere Kleidung und Schuhe nach zwei Jahren Kaufdiät teilweise schon recht verschlissen sind. Hier musste doch einiges an Ersatz her, obwohl wir unseren Kleidungsbestand auch von der absoluten Menge her inzwischen durch reines Auftragen (statt Ausmisten) deutlich reduziert haben. Dadurch hat sich die Geschwindigkeit, mit der Dinge verschleißen, natürlich wiederum wesentlich erhöht. Wenn ich einen Rock jetzt jede Woche trage, statt einmal im Monat, geht er einfach auch viermal so schnell kaputt. Das ist ein sich selbst rasant verstärkender Kreislauf, für den wir auch noch keine rechte Lösung gefunden haben. Außer der, dass wir unsere Toleranzschwelle für abgetragene Kleidung nochmals etwas gesenkt haben. Und: Flicken, Flicken, Flicken… Hier habe ich noch deutlichen Entwicklungsbedarf meiner Nähkünste identifiziert.

Einige mitfühlende LeserInnen haben uns vorgeschlagen, unsere Regeln dahingehend aufzuweichen, 12 Gegenstände pro Person (und nicht als Familie) als Maßstab anzulegen. Ich muss sagen, dass mir (nach zwei Jahren Kaufdiät) die Idee, jeden Monat einen Gegenstand nur für mich allein kaufen zu können, überhaupt nicht wie eine Kaufdiät vorkäme, sondern wie ein Konsumrausch. Und vier Gegenstände pro Monat halte ich für viel zu viel.

Ich glaube, dass eine Kaufdiät nach unseren gewählten Regeln grundsätzlich schon sehr lange aufrecht zu erhalten ist. Für einen Erwachsenen Menschen in einem normal ausgestatteten Haushalt ist eine Beschränkung auf drei bis fünf neue Gegenstände pro Jahr eigentlich langfristig machbar (besonders, wenn man wie wir noch Socken und Unterwäsche ausnimmt). Und vor allem, wenn man wie wir das Ziel verfolgt, dass die Menge der Gegenstände in unserem Haushalt sich auch absolut verringern soll.

Das einzige, was uns dauerhaft nicht lösbar erscheint, ist die Herausforderung, im Rahmen der Kaufdiät dem ständigen Wachstum der Kinder gerecht zu werden. Die Kinder wachsen ja nicht nur aus ihrer Kleidung heraus, die wir deswegen natürlich auch von Anfang an von der Kaufdiät ausnehmen mussten. Allein für das kommende Jahr sind z.B. folgende wachstumsbedingte Neubedarfe zu erwarten: für die kleine Maus ein größeres Bett inkl. Matratze und größere Laken, größere Bettdecke + Kissen (inkl. größeres Bettzeug) ein größerer Fahrradhelm, ein größeres Fahrrad, ein größerer Autokindersitz, größere Schlittschuhe. Für den Tiger: größere Bettdecke & Kissen, inkl. größerer Bettwäsche, größerer Fahrradhelm, größere Schlittschuhe. Außerdem wachsen die Kinder auch aus ihren Spielsachen heraus. Ob Puzzle, Gesellschaftsspiele, Spielzeuge, Freizeitausstattung – das ist alles höchst altersspezifisch und muss nun allmählich generalüberholt werden. Die Liste macht vollkommen deutlich, dass allein die Kinderbedarfe schon unsere zwölf Gegenstände pro Jahr sprengen würden. Selbst wenn wir das ein oder andere noch ein Jahr schieben würden, stehen dann ja im nächsten Jahr schon weitere „Wachstumsbedarfe“ an.

Wir haben hier noch keine ultimative Lösung, aber wir haben beschlossen, dass wir für einige dieser Bedarfe einen „Tauschjoker“ einführen werden. In der Regel ist es ja so,  dass wir die Gegenstände, aus denen die Kinder herauswachsen, gebraucht verkaufen oder verschenken und dafür ebenso gebraucht wieder einen größeren Gegenstand anschaffen. Deswegen würden wir diesen Tauschjoker gern für Dinge anwenden, die wir auf diese Weise einfach in eine größere Größe eintauschen. Also, wenn z.B. das zu kleine Kinderfahrrad auf Ebay verkauft wird und wir über Ebay ein größeres anschaffen, werten wir das jetzt als „Tausch“. Ebenso, wenn wir alte Kinderspiele zum Second-Hand-Laden oder Flohmarkt bringen und sich die Kinder dafür von dort ein neues, altersgemäßeres Spiel aussuchen dürfen. Wenn wir dagegen etwas erstmals für unseren Haushalt kaufen (z.B. Schlittschuhe) zählen wir es weiterhin beim ersten Kauf. Ebenso Dinge, deren Vorläufer wir vermutlich nicht mehr verkaufen können (z.B. die zu klein gewordenen Bettdecken der Kinder).

Damit fühlen wir uns eigentlich gut gewappnet, für weitere Kaufdiät-Jahre. Auch wenn wir schon wissen, dass wir vermutlich auch dieses Jahr nicht ganz ohne Fehltritte über die Bühne bringen werden… Aber wir werden sicherlich auch dieses Jahr wieder sehr, sehr wenig konsumieren und unseren Haushalt weiterhin langsam aber sicher reduzieren! Also, weiter gehts!

 

 

 

Eigentlich wäre das zweijährige Jubiläum unserer Kaufdiät ja ein Grund zum Feiern. Wegen unserer Fehltritte im letzten Jahr (hier berichtet) fühlen wir uns aber immer noch etwas verkatert und haben eher das Gefühl, im letzten Jahr an unserem Vorhaben gescheitert zu sein. Klar, wir haben immer noch extrem wenig konsumiert. Immer wieder schreiben uns – zu unserer großen Freude (!) –  Leser, dass sie jetzt auch eine Kaufdiät beginnen. Man muss allerdings dabei berücksichtigen, dass wir zu viert sind. Die Idee, dass ich allein 12 für mich Gegenstände im Jahr kaufen würde, käme mir inzwischen wie der reinste Konsumrausch vor… So teilen sich unsere 12 Gegenstände ja auf vier Personen auf, das macht also pro Person im Schnitt nur drei Gegenstände im Jahr. Das ist schon sehr knapp auf die Dauer, deswegen kann man das letzte Jahr vielleicht schon auch als Erfolg werten, auch wenn wir unsere selbst gesetzten Maßstäbe nicht ganz einhalten konnten.

Vor allem zwei Entwicklungen machen unserem Vorhaben massiv zu schaffen:

a) die erhöhte Abnutzung vor allem unserer Kleidung, weil wir sie ja nun viel intensiver nutzen. Im letzten Jahr sind uns zahlreiche Kleidungsstücke verschlissen, die wir bereits viele Jahre besaßen. Das liegt natürlich auch daran, dass wir sie jetzt viel häufiger tragen. Da Minimalismus ja auch unser Ziel ist, ist es bislang durchaus gewünscht, wenn es weniger wird. Hier haben wir die Menge dessen, was wir für nötig halten, schon beachtlich runtergeschraubt. Eine intakte lange Jeans ist für mich inzwischen ausreichend. Und eine kurze Hose reicht auch, wenn ich noch einige Röcke und Kleider als Alternative habe. Zusammen mit zwei weiteren Business-Hosen komme ich inzwischen mit diesem Bestand gut klar. Das hätte ich früher nie für möglich gehalten. Auch dachte ich eigentlich schon zu Beginn der Kaufdiät unbedingt einen weiteren Pullover zu brauchen. Den habe ich bis heute nicht gebraucht.

b) eine ebenso große Herausforderung sind all die Dinge, die wir benötigen, weil die Kinder „herauswachsen“. Kinderkleider und -schuhe sind ja ohnehin von der Kaufdiät ausgenommen, da hier ja jährlich ein komplett neuer Kleidungsbestand anfällt, den wir bisher noch zu ca. 70 % Second Hand decken können (je älter die Kinder werden, umso schwieriger wird es leider). Allerdings wachsen die Kinder nicht nur aus ihren Kleidern, sondern auch aus zahlreichen anderen Dingen heraus: den Schlittschuhen, den Inline-Skates, den Fahrrädern, ihren Spielsachen, ihrem Kindertisch, den Kinderstühlchen, den Kinderbetten, den Kinderdecken, den Autokindersitzen… Wenn wir den allein dadurch dieses Jahr anfallenden Bedarf decken wollen (2x neue Schlittschuhe, ein neues Bett, neues Fahrrad für die Maus, neuer Helm für den Tiger, zwei neue Decken + Bettwäsche, ein neuer Autokindersitz) – dann dürften wir dieses Jahr eigentlich gar nichts mehr anderes kaufen. Wir haben uns deswegen überlegt, dass wir deswegen eine „Tauschregel“ einführen. Dinge, die wir aus Wachstumsgründen „austauschen“ müssen, also altes Bett verkaufen, neues größeres Bett dafür kaufen, zählen wir in Zukunft nicht mehr zur Kaufdiät. Wir zählen die Dinge nur noch, wenn sie erstmalig in unseren Haushalt kommen (so z.B. die Schlittschuhe für die Kinder, unser Februarkauf). Genauso werden wir künftig mit Spielzeugen und Spielen verfahren, die ja auch immer wieder eine altergemäßes Upgrade benötigen. So gilt z.B.: Tausche 16-Teile Hündchenpuzzle gegen 100-Teile Waldtier-Puzzle…

Recycling, Konsum und Awareness – ein Interview mit Kai Nebel

Hier habe ich einen Beitrag gefunden, der wieder einmal zeigt, warum unser Konsumverzichts-Projekt so viel Sinn macht – denn Recycling ist auch keine Lösung…
Auch nicht der neueste Trend: Recycelte Textilien
Sehr lesenswert!

un petit sourire slows down

Zurück von der Ethical Fashion Week und mit sehr vielen neuen Eindrücken im Kopf, veröffentliche ich hier nun ein Interview mit Kai Nebel. Kai Nebel ist an meiner Hochschule in Reutlingen Leiter der Forschung. Der Ein oder Andere kennt ihn vielleicht aus dieser Doku  über Recycling von Arte. Da ich das Gefühl in Berlin hatte, dass wir in diesem ganzen Sustainability und fair fashion Sektor viel mehr Wissen und Aufklärung brauchen, um wirklich NACHHALTIG zu konsumieren, kam mir der Gedanke eines Experten Interviews. Ich hoffe ihr könnt viel mitnehmen und euch in der ein anderen Sache auch hinterfragen. Ursprünglich wollte ich auf das Thema Recycling hinaus, was ja von so vielen gewünscht wurde. Es ist dann aber eher zu einem Gespräch geworden, welches überhaupt den Sinn von Recycling und die Tatsache, dass wie überhaupt recyceln hinterfragt. Textiler unter sich schweifen wohl gerne ein bisschen ab, ich hoffe aber es ist…

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Die abenteuerliche Suche nach einem Fairphone

Wie ich zu einem neuen Handy kam, möchte ich – auch wenn es schon etwas her ist (Oktoberkauf im letzten Jahr) – an dieser Stelle doch noch berichten. Denn ein neues Handy ist ja eigentlich ein Konsum-Supergau. Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen: Mein altes zentrales Familien-Steuerungs- und Managementsystem war weder auf dem neuesten Stand noch besonders smart. Dennoch hat mein altes Handy 5,5 Jahre gute Dienste geleistet (yeah, damit habe ich die „Verdopple die Nutzungsdauer-Challenge“ immerhin geschafft!). Es hatte Internetzugang, allerdings ließ sich das Betriebssystems nicht mehr aktualisieren, deswegen konnte man keine Apps installieren. Lange war ich also auch digitaler Minimalist in Sachen Handy. Statt Whats app schrieb ich SMS und zwang damit viele meiner Freunde zurück in veraltete Kommunikationswege. So wäre das – auch kaufdiät-bedingt – noch eine ganze Weile weitergegangen. Im Sommer sorgte mein gutes altes Handy dann jedoch plötzlich mehrfach für Chaos: Es begann damit, dass ich  SMS von Freunden 79 mal erhielt. Oder 84 mal. Dann erhielten sie SMS von mir 50mal. Oder 39 mal. Dann kamen SMS gar nicht an. Da ich mittels Handy sozusagen die gesamte Familienlogistik steuere, sorgten solche Fehler schnell für Chaos wie z.B. nicht vom Kindergarten abgeholte Kinder (sowohl meine also auch Kinder meiner Freunde, die ich hätte mitnehmen sollen) oder auch unerwartet vom Kindergarten abgeholte Kinder („hab dir doch ne SMS geschickt, dass ich sie mitnehme…“). Als zunehmend die Kindergärtnerin wegen meinem unzuverlässigen Handy unsere Familienkoordination übernehmen musste, war klar, so gehts nicht weiter, ein neues Handy muss her (nachdem ich mir vorher von meinen Telefonanbieter versichern ließ, dass es nicht an ihnen liegt).

Nun ist für mich seitdem Fairphone mit einem ersten fairen Handy auf den Markt gekommen ist, schon seit jeher klar gewesen, dass dies eines Tages mein neues Handy werden wird. Das Fairphone ist sicher noch weit von einem nachhaltigen Handy entfernt (nachhaltige Handys gibt es nicht! Dazu mache ich in Kürze mal einen eigenen Beitrag). Aber die Macher vom Fairphone geben sich von allen die meiste Mühe und hatten als kleines Start up die total verrückte Idee, ein Handy so nachhaltig wie möglich zu machen: Das Fairphone kann jeder (sogar ich) mühelos komplett zerlegen und die Einzelteile einzeln ersetzen. Außerdem versuchen die Fairphone-Macher die Herkunft ihrer Rohstoffe transparent zu machen, da die in Handys verwendeten seltenen Erden häufig in Minen mit grauenhaften ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut werden. Wer ein bisschen etwas von den rauen Bedingungen auf dem Weltmarkt versteht, kann sich vorstellen wie wahnsinnig ambitioniert und komplex es für ein kleines Gründerteam ist, zu versuchen, auch nur annähernd nachzuvollziehen und Einfluss zu nehmen, wo Elektronik-Zulieferer über verschiedene Wertschöpfungsstufen hinweg ihre Ausgangsmetalle her beziehen. Das Ergebnis ist immer noch weit von der Perfektion entfernt, aber immer noch das Handy mit dem höchsten Nachhaltigkeitsanspruch auf dem Markt.

Also kramte ich eine etwas ältere Nachricht von meinem Telekommunikationsanbieter raus, der als Erster und Einziger das Fairphone mit Vertrag angeboten hatte. Hatte mir die Nachricht damals gleich im Browser gespeichert. Anruf bei 1und1: „Ich hätte gern ein Fairphone.“ „Ein was?“ „Ein Fairphone. Sie haben das als erster Anbieter in Deutschland mit Vertrag angeboten.“ „Davon habe ich noch nie gehört, was ist das für ein Handy und wo haben sie das gehört?“ Nach dem Zusenden des Links: „Das ist eine veraltete Website, das Handy haben wir nicht mehr im Angebot.“ Es folgte ein längerer und durchaus interessierter Austausch mit dem 1und1-Mitarbeiter zum Fairphone, zu in Handys verwendeten Rohstoffen usw. Er wollte das alles wirklich gern wissen. Nur ein Handy hatte er leider nicht für mich.

Also habe ich die Fairphone-Website konsultiert. Darin war in meiner Stadt ein (!) Handy-Shop angegeben, der das Fairphone vertreibt. Also nix wie hin: „Guten Tag, ich habe auf der Fairphone-Website gelesen, Sie verkaufen das Fairphone. Darf ich mal eines anschauen?“ „Ja, das ist richtig, wir würden das Fairphone gern verkaufen, wenn wir es denn bekämen. Manche Kunden warten jetzt schon seit Monaten auf die Lieferung.“

Verdammt, dieses Ding war so exklusiv, ich fühlte mich schon fast wie jemand, der vor dem Verkaufsstart des neuesten IPhone die Nacht in der Warteschlange übernachtet, um eines abzubekommen. Auf der Website von Fairphone stand dann auch tatsächlich was von Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage.

Als weiterer Vertriebskanal wurde Memolife angegeben. Tatsächlich, da konnte man auf der Website ein Fairphone bestellen. 10 Wochen Lieferzeit stand da. OK, der Kindergarten machte jetzt eh bald Sommerferien, dann wollten wir ja auch länger in Urlaub fahren, da brauchte ich dann auch nicht sofort ein neues Handy. Bis nach den Sommerferien sollte ich irgendwie noch so überleben. Muss man halt mal wieder mit Leuten telefonieren, statt simsen.

Nun und dann war es endlich gekommen und unser Oktoberkauf geworden. Ich kann gar nicht sagen, was für ein erhabenes und exklusives Gefühl es ist, nach so einer Odyssee endlich in den exklusiven Zirkel der Fairphone-Nutzer eingetreten zu sein.  Und ich bin ganz glücklich mit meinen neuen Handy und von den bisher unerreichten digitalen Möglichkeiten total geplättet. Ja, jetzt bin ich auch endlich im neuen digitalen und smarten Zeitalter angekommen und bislang höchst zufrieden mit meinem Fairphone.

 

 

Minimalisten-Märchen

Manchmal fließt einem aus ganz unerwarteter Ecke neue Inspiration und Motivation zu. Zum Beispiel neulich beim Ansehen der wunderbaren Märchenverfilmung von „Hans im Glück“. Zur Erinnerung, wer das Märchen nicht kennt: Hans erhält zum Lohn für seinen siebenjährigen Dienst einen großen Klumpen Gold zum Lohn. Er ist überglücklich. Mit der Zeit wird ihm auf seiner Wanderung das Schleppen des Goldes aber schwer, da tauscht er ihn kurzerhand gegen ein Pferd. Das Pferd dann gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein usw.. Am Ende bleibt ihm ein Wetzstein, unter dessen Gewicht er auf seinem Weg wieder leidet. Als ihm der Wetzstein schließlich in einen Brunnen fällt und er endgültig gar nichts mehr hat, fällt er auf die Knie und ruft glücklich: „Danke Gott, dass du mich auch von dieser Last befreit hast. Nun bin ich endlich frei!“

Als ihm auf seinem Weg einmal jemand fragt, wie er denn ein Pferd gegen eine Kuh tauschen könne, das Pferd sei doch viel wertvoller, da antwortet er: „Wertvoll für wen? In diesem Moment war für mich war die Kuh wertvoller. Was interessiert mich, was für andere wertvoll ist?“

Ich finde, das ist nicht nur eine zutiefst weise Einsicht, sondern auch die ideale Einstellung für Minimalisten. Der Film hat uns gleich wieder neu für unsere Kaufdiät begeistert und inspiriert. Deswegen empfehle ich diesen wunderbaren Märchenfilm allen Großen und Kleinen zur Inspiration. Er ist nicht nur für Kinder amüsant anzusehen!

Hier auf YouTube zu sehen: