Die abenteuerliche Suche nach einem Fairphone

Wie ich zu einem neuen Handy kam, möchte ich – auch wenn es schon etwas her ist (Oktoberkauf im letzten Jahr) – an dieser Stelle doch noch berichten. Denn ein neues Handy ist ja eigentlich ein Konsum-Supergau. Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen: Mein altes zentrales Familien-Steuerungs- und Managementsystem war weder auf dem neuesten Stand noch besonders smart. Dennoch hat mein altes Handy 5,5 Jahre gute Dienste geleistet (yeah, damit habe ich die „Verdopple die Nutzungsdauer-Challenge“ immerhin geschafft!). Es hatte Internetzugang, allerdings ließ sich das Betriebssystems nicht mehr aktualisieren, deswegen konnte man keine Apps installieren. Lange war ich also auch digitaler Minimalist in Sachen Handy. Statt Whats app schrieb ich SMS und zwang damit viele meiner Freunde zurück in veraltete Kommunikationswege. So wäre das – auch kaufdiät-bedingt – noch eine ganze Weile weitergegangen. Im Sommer sorgte mein gutes altes Handy dann jedoch plötzlich mehrfach für Chaos: Es begann damit, dass ich  SMS von Freunden 79 mal erhielt. Oder 84 mal. Dann erhielten sie SMS von mir 50mal. Oder 39 mal. Dann kamen SMS gar nicht an. Da ich mittels Handy sozusagen die gesamte Familienlogistik steuere, sorgten solche Fehler schnell für Chaos wie z.B. nicht vom Kindergarten abgeholte Kinder (sowohl meine also auch Kinder meiner Freunde, die ich hätte mitnehmen sollen) oder auch unerwartet vom Kindergarten abgeholte Kinder („hab dir doch ne SMS geschickt, dass ich sie mitnehme…“). Als zunehmend die Kindergärtnerin wegen meinem unzuverlässigen Handy unsere Familienkoordination übernehmen musste, war klar, so gehts nicht weiter, ein neues Handy muss her (nachdem ich mir vorher von meinen Telefonanbieter versichern ließ, dass es nicht an ihnen liegt).

Nun ist für mich seitdem Fairphone mit einem ersten fairen Handy auf den Markt gekommen ist, schon seit jeher klar gewesen, dass dies eines Tages mein neues Handy werden wird. Das Fairphone ist sicher noch weit von einem nachhaltigen Handy entfernt (nachhaltige Handys gibt es nicht! Dazu mache ich in Kürze mal einen eigenen Beitrag). Aber die Macher vom Fairphone geben sich von allen die meiste Mühe und hatten als kleines Start up die total verrückte Idee, ein Handy so nachhaltig wie möglich zu machen: Das Fairphone kann jeder (sogar ich) mühelos komplett zerlegen und die Einzelteile einzeln ersetzen. Außerdem versuchen die Fairphone-Macher die Herkunft ihrer Rohstoffe transparent zu machen, da die in Handys verwendeten seltenen Erden häufig in Minen mit grauenhaften ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut werden. Wer ein bisschen etwas von den rauen Bedingungen auf dem Weltmarkt versteht, kann sich vorstellen wie wahnsinnig ambitioniert und komplex es für ein kleines Gründerteam ist, zu versuchen, auch nur annähernd nachzuvollziehen und Einfluss zu nehmen, wo Elektronik-Zulieferer über verschiedene Wertschöpfungsstufen hinweg ihre Ausgangsmetalle her beziehen. Das Ergebnis ist immer noch weit von der Perfektion entfernt, aber immer noch das Handy mit dem höchsten Nachhaltigkeitsanspruch auf dem Markt.

Also kramte ich eine etwas ältere Nachricht von meinem Telekommunikationsanbieter raus, der als Erster und Einziger das Fairphone mit Vertrag angeboten hatte. Hatte mir die Nachricht damals gleich im Browser gespeichert. Anruf bei 1und1: „Ich hätte gern ein Fairphone.“ „Ein was?“ „Ein Fairphone. Sie haben das als erster Anbieter in Deutschland mit Vertrag angeboten.“ „Davon habe ich noch nie gehört, was ist das für ein Handy und wo haben sie das gehört?“ Nach dem Zusenden des Links: „Das ist eine veraltete Website, das Handy haben wir nicht mehr im Angebot.“ Es folgte ein längerer und durchaus interessierter Austausch mit dem 1und1-Mitarbeiter zum Fairphone, zu in Handys verwendeten Rohstoffen usw. Er wollte das alles wirklich gern wissen. Nur ein Handy hatte er leider nicht für mich.

Also habe ich die Fairphone-Website konsultiert. Darin war in meiner Stadt ein (!) Handy-Shop angegeben, der das Fairphone vertreibt. Also nix wie hin: „Guten Tag, ich habe auf der Fairphone-Website gelesen, Sie verkaufen das Fairphone. Darf ich mal eines anschauen?“ „Ja, das ist richtig, wir würden das Fairphone gern verkaufen, wenn wir es denn bekämen. Manche Kunden warten jetzt schon seit Monaten auf die Lieferung.“

Verdammt, dieses Ding war so exklusiv, ich fühlte mich schon fast wie jemand, der vor dem Verkaufsstart des neuesten IPhone die Nacht in der Warteschlange übernachtet, um eines abzubekommen. Auf der Website von Fairphone stand dann auch tatsächlich was von Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage.

Als weiterer Vertriebskanal wurde Memolife angegeben. Tatsächlich, da konnte man auf der Website ein Fairphone bestellen. 10 Wochen Lieferzeit stand da. OK, der Kindergarten machte jetzt eh bald Sommerferien, dann wollten wir ja auch länger in Urlaub fahren, da brauchte ich dann auch nicht sofort ein neues Handy. Bis nach den Sommerferien sollte ich irgendwie noch so überleben. Muss man halt mal wieder mit Leuten telefonieren, statt simsen.

Nun und dann war es endlich gekommen und unser Oktoberkauf geworden. Ich kann gar nicht sagen, was für ein erhabenes und exklusives Gefühl es ist, nach so einer Odyssee endlich in den exklusiven Zirkel der Fairphone-Nutzer eingetreten zu sein.  Und ich bin ganz glücklich mit meinen neuen Handy und von den bisher unerreichten digitalen Möglichkeiten total geplättet. Ja, jetzt bin ich auch endlich im neuen digitalen und smarten Zeitalter angekommen und bislang höchst zufrieden mit meinem Fairphone.

 

 

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Minimalisten-Märchen

Manchmal fließt einem aus ganz unerwarteter Ecke neue Inspiration und Motivation zu. Zum Beispiel neulich beim Ansehen der wunderbaren Märchenverfilmung von „Hans im Glück“. Zur Erinnerung, wer das Märchen nicht kennt: Hans erhält zum Lohn für seinen siebenjährigen Dienst einen großen Klumpen Gold zum Lohn. Er ist überglücklich. Mit der Zeit wird ihm auf seiner Wanderung das Schleppen des Goldes aber schwer, da tauscht er ihn kurzerhand gegen ein Pferd. Das Pferd dann gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein usw.. Am Ende bleibt ihm ein Wetzstein, unter dessen Gewicht er auf seinem Weg wieder leidet. Als ihm der Wetzstein schließlich in einen Brunnen fällt und er endgültig gar nichts mehr hat, fällt er auf die Knie und ruft glücklich: „Danke Gott, dass du mich auch von dieser Last befreit hast. Nun bin ich endlich frei!“

Als ihm auf seinem Weg einmal jemand fragt, wie er denn ein Pferd gegen eine Kuh tauschen könne, das Pferd sei doch viel wertvoller, da antwortet er: „Wertvoll für wen? In diesem Moment war für mich war die Kuh wertvoller. Was interessiert mich, was für andere wertvoll ist?“

Ich finde, das ist nicht nur eine zutiefst weise Einsicht, sondern auch die ideale Einstellung für Minimalisten. Der Film hat uns gleich wieder neu für unsere Kaufdiät begeistert und inspiriert. Deswegen empfehle ich diesen wunderbaren Märchenfilm allen Großen und Kleinen zur Inspiration. Er ist nicht nur für Kinder amüsant anzusehen!

Hier auf YouTube zu sehen:

 

Minimalisten-Hymne

Society

Society

Oh, it’s a mystery to me
We have a greed with which we have agreed
And you think you have to want more than you need
Until you have it all you won’t be free

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me

When you want more than you have
You think you need
And when you think more than you want
Your thoughts begin to bleed
I think I need to find a bigger place
Because when you have more than you think
You need more space

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me

There’s those thinking, more-or-less, less is more
But if less is more, how you keeping score?
Means for every point you make, your level drops
Kinda like you’re starting from the top
You can’t do that

Society, you’re a crazy breed
Hope you’re not lonely without me
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me

Society, have mercy on me
Hope you’re not angry if I disagree
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me

 

In den letzten Monaten gab es bei uns viel Kaufdiät-Krisen-Stimmung. Aber manchmal fließt uns dann aus unerwarteter Ecke wieder Inspiration und Euphorie zu, wie von diesem Song, den ich jahrelang total vergessen hatte, weil die CD unauffindbar verschwunden war. Jetzt wiederentdeckt… Danke, Eddie! Du hast so recht!

Das Gutschein-Problem

Gutscheine sind inzwischen zu großen Herausforderungen für uns geworden: Zu Weihnachten 2016 haben alle Mitarbeiter von unserem Chef einen Gutschein der lokalen City-Initiative in Höhe von 44 Euro erhalten. Bis heute hatte ich wegen der Kaufdiät einfach keine Gelegenheit, diesen einzulösen. (Bei der einzigen Gelegenheit, den Urlaubsnotkäufen, unserem großen Fehltritt im August, sind wir so hektisch losgestürzt, um am Tag vor der Abreise um 18 Uhr noch schnell den kaputten Rucksack und die kaputten Turnschuhe zu ersetzen, das wir den Gutschein ganz vergessen hatten). Jetzt habe ich zu Weihnachten 2017 schon wieder einen bekommen. Was mache ich nun?

Der Initiative angeschlossen sind über 100 Läden in der Stadt, darunter auch große Kaufhäuser und Läden, die ich früher oft frequentiert habe. Also daran liegt es eigentlich nicht. Es liegt auch nicht nur an unserer Kaufdiät: Einen Gegenstand pro Monat dürfen wir ja kaufen. Es liegt eher daran, dass wir einfach nichts mehr aus all diesen Läden brauchen. Die meisten Dinge, die wir kaufen wollen, können wir auch gebraucht z.B. bei Ebay Kleinanzeigen bekommen. Oder ich möchte gern ein nachhaltiges Produkt, z.B. bei Kleidungsstücken, dass ich irgendwo bestellen muss, weil es das hier in der Stadt sonst nicht gibt (bei meinem Schuhkauf im November habe ich zunächst alle Ökoläden vor Ort erfolglos gecheckt und auch das Fairpone konnte ich in der Stadt überhaupt nicht bekommen.)

Andere Dinge, die in letzter Zeit kaputt gegangen sind und die ich vor einem Jahr vielleicht noch für dringenden Ersatzbedarf gehalten hätte, sehe ich inzwischen  entspannt unseren Haushalt verlassen und vermisse sie nach einer Woche nicht einmal mehr. Auf andere Dinge (z.B. eine Sonnenbrille für mich) verzichte ich nun eh schon so lange, dass das dringende Kaufbedürfnis auch schon nachgelassen hat.

Na ja, irgendwann wird sich vielleicht nochmal was ergeben. Also liebe Freunde, schenkt uns bitte keine Gutscheine! Wir haben ein echtes Einlöseproblem…

Und an dieser Stelle kann ich vielleicht auch endlich mal das tollste Geschenk von allen würdigen. Einige Freunde machten sich Gedanken, was ich zwar irgendwie bräuchte, mir aber wegen der Kaufdiät versage. Und bekam daraufhin einen wunderschönen Geldbeutel mit eingraviertem Namen geschenkt! Mein alter Geldbeutel, aus dem bei jeder Gelegenheit die Münzen schon an allen möglichen Stellen rauspurzelten, konnte nun wohlverdient in Rente gehen. Vielen Dank!!! Solche Geschenke kann man so richtig genießen, wenn man Kaufdiät macht. Wie man sich überhaupt viel mehr über Geschenke freut als früher. Besonders über ganz praktische.

 

Kreative Alternative II

Wieder mal habe ich unsere Flohmarkt-Kiste geplündert, ich der ich alles sammle, was ich eigentlich für Ausmistkandidaten gehalten habe (die Kiste ist mittlerweile wieder halb leer, da sieht man mal…). Ich habe nämlich in einem Anfall von spontanem Dekorationsbedürfnis Blumenvasen gebraucht, die ich nicht hatte. Also habe ich mal unseren Haushalt gescannt, was sich hier so alles als kreative Alternative eignet. Hier eine kleine Bildergalerie, was sich das so an Lösungen gefunden hat:

Zum Einsatz sind gekommen: Komische Bierhumpen, die irgendwie als Mitbringsel zu uns gelangt und schon längst in der Ausmistkiste gelandet waren. Glas-Baby-Fläschen, die ich glücklicherweise auch nicht weggeworfen hatte, Glas-Bügelfaschen, die ich mal für die ultimative Plastikflaschen-Alternative gehalten habe, die sich aber so schlecht reinigen ließen, sowie verschiedene hochwandige Lebensmittel-Behältnisse, die grad leer waren.

Sollte mich mal die Bastelwut packen, könnte ich mir hier noch weitere Verschönerungen dieser Gefäße vorstellen (mit Schnur umwickeln, bemalen, mit Bastarrangements dekorieren, bekleben….). Aber so finde ich sie eigentlich auch schon ganz schön, wie sie sind.

Fazit:

a) Neue Blumenvasen brauchen wir erstmal nicht.

b) Man sollte nichts, aber auch wirklich gar nichts wegwerfen…

Minimalismuserfolge

Bevor wir das neue Kaufdiät-Jahr mit vielen guten Vorsätzen beginnen, zunächst noch einmal der Blick zurück: Ein weiteres Jahr Kaufdiät, was hat es gebracht? Sind wir wirklich minimalistischer geworden? In einigen Bereichen auf jeden Fall. Zeit, das auch einmal zu würdigen…

  1. Ich besitze nur eine einzige Winterjacke, nämlich einen Wintermantel. Alternativ nutze ich als „Backup“ eine Outdoor-Regenjacke, die ich das ganze Jahr als Regenjacke nutzen kann und die ich bei Kälte einfach mit einem darunter getragenen Fleece kombiniere. Komme mit diesen beiden Jacken bis jetzt ziemlich gut klar.
  2. Der geduldigste Ehemann von allen hat nur ein einziges Paar Winterschuhe. Für Business und Freizeit. Also wenns weiter so wenig schneit, reicht das vielleicht noch, ansonsten mal sehen, wie weit wir damit diesen Winter noch kommen.
  3. Überhaupt Schuhe: Der gesamte Schuhbestand unserer vierköpfigen Familie inkl. sämtlicher Wanderschuhe, Joggingschuhe, Stiefel, Sandalen, Hausschuhe, Gummistiefel… passt inzwischen in ein einziges hohes schmales Billy-Regal. Das Schuhputzzeug ist auch noch in diesem Schrank. Das hat schon bei einigen unserer Besucher, die sich fragten, wo eigentlich unsere Schuhe sind und wo sie ihre abstellen sollen, großen Respekt hervorgerufen.
  4. Wir haben lediglich zwei 90cm breite Kleiderschränke und zwei halbhohe Kommoden für die gesamte Familiengarderobe. Ich hatte erwartet, dass es mit dem Wachstum der Kinder hiermit bald etwas zu eng wird, aber bisher langt es ganz gut, auch dank unserer Kaufdiät… Das mag einem vielleicht immer noch viel erscheinen, wenn man diese Fotos von Minimalisten-Kleiderstangen mit drei Blusen, zwei  Strickjacken und drei Röcken drauf sieht, aber in diesen Schränken sind auch noch unsere Jacken der jeweils nicht aktuellen Jahreszeit. Und na ja, Luft nach oben (bzw. in diesem Fall unten) gibts vermutlich immer… Wir arbeiten dran!
  5. Geschirr: Hier ringe ich jedes Mal, wenn wir Besuch bekommen mit mir, ob es denn nun wieder für alle reicht oder ich nicht doch noch schnell bei Ebay Kleinanzeigen oder im Flohmarktlädle mal nach einem alten Service Ausschau halte. Hat bisher aber doch immer irgendwie gereicht. Wir speisten auch bei der letzten Party wieder 10 Kinder und ihre Eltern mit unseren 6 großen, 8 kleinen und 4 tiefen Tellern. Ok, für einige Kids haben wir auf kleine Dessertschüsselchen zurückgegriffen.
  6. Plastikkörbe: Ich bin stolz darauf, dass ich die Zahl der Plastikkörbe und -kisten in unserem Haushalt kontinuierlich senken kann. Die sind ja doch an erstaunlich vielen Stellen im Einsatz (Wäschekörbe, Spielzeugkisten, Mülleimer…). Kaputt gehende Kisten werden so lange wie möglich weiter genutzt. Und da unser Haushalt allmählich ja noch minimalistischer werden soll, habe ich für die, die bald endgültig den Geist aufgeben werden, schon einen Ersatz im Blick, den ich an anderer Stelle wegrationalisieren will. Kann sein, dass wir dafür sogar mal was ausmisten…
  7. Kleinmöbel: Hier habe ich jetzt ein Jahr lang erfolgreich der Versuchung widerstanden, unsere große neue Wohnung mit kleinen Tischchen, Schränkchen, Bänkchen, Truhen… vollzustellen und statt dessen eine gewisse Leere zugelassen oder wie im Falle des z.B. nötigen Telefontischchens mit Karton und Stoff oder bei unserem Garderobenbänckchen mit Plastikkisten, einem Schnittrest unserer Küchenarbeitsplatte und einer Decke improvisiert. Daran haben wir uns so gewöhnt, dass wir das eigentlich gar nicht mehr ändern müssten, finde ich… Überhaupt hat trotz unserem Umzug vor einem Jahr kein einziges neues Möbelstück den Weg in unsere Wohnung gefunden (außer einem größeren Kinderbett, weil der Tiger aus dem Kleinindbettchen jetzt wirklich rausgewachsen war…). Das ist schon eine Leistung, weil so eine neue Wohnung ja doch immer viel Potenzial und Verlockung für Veränderung bietet… Da werde ich auch irgendwann schwach werden, denn ich träume von einem alten Buffetschrank für unsere Diele…
  8. Garderobe: Haben wir nicht. Da unsere (riesige) Diele gleichzeitig unser Esszimmer ist, wollte ich hier eigentlich ohne Jacken und Schuhkrimskrams im Blick speisen. Deswegen haben wir die Garderobe einfach wegrationalisiert. Unsere Jacken bringen wir alle brav ins Schlafzimmer, wo wir die aktuell genutzten Jacken an einen Kleiderständer hängen. (Alle anderen sind im Schrank). Die Schuhe stellen wir alle gleich beim Reinkommen in unseren Billy-Regal-Schuhschrank, der zwei Türen hat, damit man das Schuhgedöns nicht sieht. Was eigentlich ein Kaufdiät-Provisorium war, hat sich jetzt so eingebürgert, dass ich nie mehr eine Garderobe möchte. Sieht nur immer chaotisch aus. Und wir haben uns und die Kinder jetzt ganz toll mit dem sofortigen Aufräumen diszipliniert. Wenn wir Gäste haben, dürfen die ihre Jacken auch mal auf unser Bett im Schlafzimmer legen. Schuhe von Gästen bleiben einfach draußen vor der Tür stehen. Garderobe braucht man also eigentlich nicht.

So, das war alles, was mir jetzt so ad hoc eingefallen ist. Man soll sich auch mal an seinen Erfolgen freuen! Unsere Misserfolge bejammern folgt dann in einem unserer nächsten Beiträge… Auf ein neues Kaufdiät-Jahr 2018!

Die Kaufdiät-Krise

Still war es um uns geworden in den letzten zwei Monaten. Das lag zunächst ganz einfach daran, dass wir über vier Wochen im Urlaub waren. Vor allem aber lag es daran, dass uns dieser Urlaub in eine regelrechte Kaufdiät-Krise gestürzt hat.  Meine aktuelle zentrale und neue Konsum-Erkenntnis: Urlaub – vor allem ein langer – ist eine wirkliche Konsumfalle.

Die Falle schnappte schon vor dem Urlaub zu: Mehr als drei Wochen wegfahren? Haben wir dazu überhaupt noch genug Kleidungsstücke???  Nachdem ich gefühlt alles, was ich besaß, in Koffern verstaut hatte, stellte ich fest, dass wegen meiner  beiden neuerdings kaputten Röcke zumindest hierfür noch kurzfristig Ersatz her muss. Zur Erinnerung, falls jemand die Hosen-Dramen des letzten Jahres in diesem Blog noch nicht verfolgt hat: Ich besitze lediglich noch eine einzige völlig intakte Jeans ohne Löcher und ohne Flecken. Ansonsten besitze ich neben inzwischen äußerst löchrigen und/oder fleckigen Jeans eben nur noch Anzughosen. Über ein Jahr hinweg bin ich damit prima hingekommen, denn ich hatte ja Röcke. Aber ein Kaufdiät-Dilemma ist, dass durch die häufigere und intensivere Nutzung dessen, was man noch hat, dieser Rest eben auch irgendwann so kaputt geht, dass es langsam wirklich eng wird.

Da ich nicht vorhatte, meine Business-Anzug-Hosen und -röcke mitzunehmen und irgendwas muss man ja anziehen, oder wie es neulich jemand von Euch in einem Kommentar treffend beschrieb: Nackt gehen müssen sollten wir ja auch nicht. Also musste ich in Sachen Kaufdiät hier einen Kompromiss machen und ersetzte die beiden kaputten Röcke durch zwei Kleider, weil ich dachte, damit löse ich auch gleichzeitig das Problem von zu wenig Oberteilen. Zumindest eines war übrigens von einem Öko-Anbieter. Außerdem beschlossen wir, dass wir für den Urlaub neue Socken brauchen. (Socken sind eine Kaufdiät-Grauzone, wir hatten hier schon mal eine Ausnahme erwogen, weil Socken einfach trotz fleißigsten Flickens irgendwann nicht mehr zu retten sind. Oder habt ihr einen Tipp gegen durchgescheuerte Sohlen?)

Besonders dramatisch gestaltete sich dann jedoch der Abend vor der Abreise: Als wir nur noch schnell unsere Schuhe und anderen Kleinkram verstauen wollten und dazu unseren zweiten großen Traveller-Rucksack aus dem Keller holten, mussten wir feststellen, dass er leider verschimmelt war. Der Keller unserer neuen Wohnung ist scheinbar doch feuchter als es den Eindruck machte. Und als ich mir dann meine schon ziemlich abgetragenen Sneakers anziehen wollte, um noch schnell einen neuen Reiserucksack zu besorgen, entstand ein tiefer Riss zwischen Schuh und Sohle. Ich hasse es im Urlaub Schuhe kaufen zu müssen, vor allem wenn man in Ländern reist, in denen es über Schuhgröße 39 praktisch nur noch Männerschuhe gibt. Sonst hätte ich es ja drauf ankommen lassen und sie einfach noch weiter getragen bis sie auseinanderfallen (das werde ich im nächsten Frühjahr auch tun!). Aber so mussten für den Urlaub auch noch neue Sneaker her.

Damit waren wir schon zum Urlaubsstart bei ganzen vier außerplanmäßigen Käufen (+ zwei Fünfer-Paaren neue Socken für mich und den geduldigsten Ehemann von allen…) angelangt. Ein absolutes Kaufdiät-Novum und für unsere Verhältnisse seit 1,5 Jahren ein totales Konsumfiasko. Im Urlaub kamen dann noch folgende weiteren Notfälle hinzu: Halstücher für mich (die Klimaanlagen machten meinen Hals trotz sommerlicher Temperaturen fix und fertig und ich hatte für einen Sommerurlaub natürlich keine Schals eingepackt…) sowie ein T-Shirt für den geduldigsten Ehemann von allen, als er wirklich unterwegs plötzlich nix mehr zum Anziehen hatte. Er hält typisch Mann kleidungstechnisch schon seit wesentlich mehr als 1,5 Jahren Kaufdiät, der Zustand seines Kleiderschranks ist noch wesentlich dramatischer als meiner.

Das alles waren leider Fehltritte, die tatsächlich einzig und allein durch die Urlaubssituation entstanden sind. Zuhause hätten wir das alles mühelos noch gemeistert. Hier läuft unsere Waschmaschine ständig, man hat irgendwelche Ersatzschuhe parat (die waren aber leider nicht so urlaubsgeeignet) und einen neuen Rucksack hätten wir dann auch nicht gebraucht. Selbst die kaputten Röcke hätte ich eine Weile vielleicht noch verdaut.

Wenn ich das jetzt alles zusammenrechne und wir uns weiterhin streng an unsere eigenen Regeln halten wollten, hieße das, das wir für die nächsten 6-8 Monate eigentlich gar nichts mehr kaufen dürften. Das ist leider in jeder Hinsicht vollkommen unrealistisch. Dazu machen wir schon zu lange Kaufdiät und es hat sich zu viel angestaut, was wir eben doch dringend mal brauchen. Und dieser eklatante Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit führte uns in eben jene Kaufdiät-Krise, in der ich das Gefühl hatte, ich kann jetzt hier nicht in unserem Blog schlau und stolz von Konsumverzicht daherschreiben und mich gleichzeitig sowas von gescheitert fühlen. Wir sind/waren wirklich an einem Punkt, an dem wir uns sehr ernsthaft gefragt haben, ob wir es jetzt mal ganz abgesehen von unseren Urlaubs-Fehltritten – wirklich weiterhin schaffen werden, nur eine Sache im Monat zu kaufen. Die (Ersatz-)Bedarfe tun sich überall und ständig auf und die nächsten absehbaren Fehltritte (Weihnachten!) sind schon in Sicht. Grundsätzlich zeichnet sich – glaube ich – ab, dass 12 Dinge pro Jahr für eine vierköpfige Familie trotz der Ausnahmen, die wir schon eingeführt haben (Kinderkleidung, Schulbedarf, Bücher, Reparaturbedarf und Socken/Unterwäsche) dauerhaft etwas knapp ist. 12 Dinge ist natürlich eine willkürlich gewählte Anzahl, die wir gewählt haben, weil sie so einfach monatsweise zu händeln ist.

Wenn wir das wirklich weiter durchziehen wollten, müssen wir vermutlich in unserer Lebensweise noch wesentlich radikaler minimalistisch werden. Vielleicht an dieser Stelle nochmal der zentrale Unterschied zwischen dem Minimalismus, der aus einer Kaufdiät entsteht und dem Minimalismus, der durch Ausmisten erzielt wird: Bei der Kaufdiät in unserer Form geht es nicht darum, Dinge aus den hinterletzten Schrankwinkeln auszumisten, die man ohnehin nur ein paarmal im Jahr braucht (wenn überhaupt). Kaufdiät heißt ständig auf den Nachkauf von Dingen zu verzichten, die man täglich braucht und die genau wegen dieser häufigen Nutzung ständig verschleißen. Darin liegt die eigentliche Herausforderung, die uns am Anfang überhaupt nicht klar war, als wir uns so ausdachten, fast nichts mehr zu kaufen.

Gleichzeitig tritt der Effekt ein, der sich in solchen Krisen bisher immer eingestellt hat: Die Wochen zogen vorbei und wir merkten, dass wir eigentlich so was von kaufdiät-geprägt sind, dass wir uns ein „normales“ Konsumverhalten gar nicht mehr vorstellen können. Und dass wir trotz ständiger „Notfälle“ doch immer wieder irgendwie von Woche zu Woche kommen und dann ist schon wieder der nächste Monat und irgendein Loch kann wieder gestopft werden.

Deswegen geht die Kaufdiät weiter! Und ihr kriegt weiterhin die neuesten Stories und Erfahrungen! Vielleicht an dieser Stelle auch nochmal herzlichen Dank an Euch alle, die ihr auch einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, das unser Dauer-Kaufdiät-Experiment weiter und weiter geht. Ich habe in den letzten „Krisenwochen“ gar nicht mehr auf den Blog schauen wollen. Und ich war sehr gerührt, als ich nun sah, wie gut sich die Leserzahlen trotz mangelnder neuer Posts gehalten haben und dass wir wieder einige neue Follower gewonnen haben.

Liebe Leser, das alles hier ist auch für Euch, denn wir sind fest überzeugt davon, dass letztlich nur ein deutliches „Weniger an Konsum“ den bald 10 Milliarden Menschen  (und all den anderen Lebewesen)  auf diesem Planeten ein dauerhaftes Auskommen sichert. Gleichzeitig wird dieses Thema aber fast niemals offensiv thematisiert. Deswegen haben wir uns des Themas angenommen und möchten das mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Und was uns neben unserer ureigenen Überzeugung  wirklich zum Weitermachen motiviert, sind all die positiven Rückmeldungen, die wir von Euch bekommen haben. All diejenigen, die uns geschrieben haben, dass sie jetzt auch weniger kaufen wollen oder gekauft haben. Und das ist eigentlich so toll und inspirierend, dass es locker all die kleinen Alltagswidrigkeiten der Kaufdiät aufwiegt. Deswegen ist jetzt nach diesem krisenhaften Blogeintrag erstmal wieder Schluss mit dem Gejammer und wir richten den Blick nach vorn auf die neuen Erkenntnisse und Ideen, die uns unser Konsumverzicht noch bescheren wird! Denn auch das ist wahr: Eine Kaufdiät ist wahnsinnig bereichernd: In Sachen Selbsterkenntnis, Klarheit, Prioritäten sowie für etwas, was uns in unserem Konsumwahn völlig abhanden gekommen ist: Der Unterscheidung zwischen Schein und Sein.